Quer durch China II - 04.04.2025-28.04.2025 | Teil V | Chongqing

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Drahtseil
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Quer durch China II - 04.04.2025-28.04.2025 | Teil V | Chongqing

Beitrag von Drahtseil »

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Teil I: Shanghai & Qingdao
Teil II: Peking
Teil III: Huashan
Teil IV: Zhangjiajie
Teil V: Chongqing
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Unsere Reise sollte uns weiter in den Westen führen. Aus diesem Grund standen wir um 04:00 Uhr am Bahnhof in Zhangjiajie, von wo aus unser Zug in Richtung Chongqing starten sollte. Entgegen der sonst üblichen Schnellzüge handelte es sich bei dieser Verbindung um das, was man in Deutschland vermutlich als Regional-Express bezeichnen würde. In den typisch grünen Großraumwagen ging es über alte, größtenteils eingleisige Strecken Richtung Chongqing. Wir teilten uns dabei ein offenes 6er-Abteil mit ein paar Chinesen – alles in allem ungewöhnlich, aber unproblematisch. An Schlaf war aufgrund der Waggonbewegungen und der Geräuschkulisse ohnehin nicht zu denken, und so wanderte der Blick aus dem Fenster. Anders als auf den Schnellzugstrecken, die zu großen Teilen entweder hoch über der Landschaft auf kilometerlangen Brücken oder tief im Berg in Tunneln verlaufen, konnte man hier tatsächlich die Gegend wahrnehmen, durch die man fährt. Wirklich Spannendes passierte auf der Fahrt in Richtung Chongqing nicht. Den Großteil der Fahrt verlief die Strecke am Ufer des Wu Jiang, ehe dieser in den Jangtse floss.
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↑ So in etwa sieht die Aussicht für vier Stunden aus: Wasser und Täler, hin und wieder mal eine Stadt. Es war viel Schiffsverkehr zu beobachten, der mit zunehmender Fahrt immer dichter wurde, je näher wir dem Jangtse kamen. Generell habe ich das Gefühl, dass in China wesentlich mehr per Schiff transportiert wird als in Europa, auch wenn die Boote oftmals deutlich kleiner und einfacher ausfallen. Dabei sind vor allem die Schüttgutfrachter für Stein, Sand und Kohle absolut in der Überzahl.
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↑ Eine seltene Abwechslung bot der Freizeitpark ‚Mexin Village of Wine‘. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das Konzept am besten beschreiben soll – am besten schaut ihr euch das selbst mal im Internet an. Der ‚Park‘ verfügt immerhin über drei eigene Seilbahnen: eine fixe Sesselbahn, eine Gruppenumlaufbahn sowie eine fixe Kabinenbahn. Die letzten beiden verbinden den alten Teil mit einer Erweiterungsfläche auf der anderen Flussseite, die oberhalb auf einer Anhöhe liegt.
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↑ Einer der vielen Gegenzüge, die wir auf den eingleisigen Abschnitten passieren lassen mussten. Gefühlt macht der Güterverkehr 95 % der Strecke aus – oftmals mit modernen Doppellokomotiven des Typs HXD1, einer Entwicklung von Siemens und CRRC Zhuzhou Locomotive.

Am frühen Nachmittag kamen wir dann endlich in Chongqing an. Direkt beim Verlassen des Zuges wurden wir mit dem typischen Klima vertraut gemacht: feuchtsubtropisch mit extremer Schwüle. Besonders von Mai bis Oktober herrscht hier oft drückende Hitze mit Temperaturen jenseits der 35 °C. Im Winter hingegen sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit für häufigen Nebel, was der Stadt auch den Titel ‚Nebelhauptstadt‘ (雾都, Wùdū) einbringt.

Als regierungsunmittelbare Stadt ist Chongqing eine eigenständige Verwaltungseinheit auf Provinzebene mit über 32 Millionen Einwohnern. Innerhalb der administrativen Stadtgrenzen ist Chongqing damit die einwohnermäßig größte Stadt der Welt. Das Verwaltungsgebiet ist mit 82.403 km² annähernd so groß wie Österreich, wobei ein Großteil davon landwirtschaftlich geprägt ist.

Geschichtlich wurde die Stadt erstmals vor etwa 3.000 Jahren erwähnt – damals als Zentrum des Staates Ba, eines antiken Königreichs. Der heutige Name Chongqing, was so viel wie "doppeltes Glück" bedeutet, wurde der Stadt 1189 von Kaiser Guangzong verliehen, er wurde hier zunächst zum König gekrönt und bestieg kurze Zeit später den Kaiserthron. Ein weiteres wichtiges Kapitel der Geschichte wurde der Stadt während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937–1945) zuteil, als Chongqing als provisorische Hauptstadt der Republik China fungierte, nachdem Nanjing gefallen war. Die Stadt war in dieser Zeit massiven japanischen Luftangriffen ausgesetzt, was zu erheblichem Leid führte. Überbleibsel wie Bunkeranlagen sind auch heute noch zu erkennen, wobei diese mittlerweile anderweitig genutzt werden.

Auch wirtschaftlich hat Chongqing eine interessante Entwicklung genommen. Während die Stadt früher einen bedeutenden Hafen für den Handel mit Salz und Waren besaß, ist sie mittlerweile einer der zentralen Industriestandorte Chinas. So werden beispielsweise 40 % aller Laptops weltweit in Chongqing gefertigt; auch die Robotik- und Automobilindustrie sind hier stark vertreten. Zudem dient die Stadt als wichtiger Ausgangspunkt für den internationalen Schienenverkehr in Richtung Europa.

Kulinarisch hat die Stadt ebenfalls viel zu bieten. Die Identität Chongqings ist untrennbar mit dem Begriff "Mala" (麻辣) verbunden – einer Kombination aus scharf und betäubend. Die beiden bekanntesten Vertreter dieser Küche, die auch bei uns populär sind, ist zum einen der Chongqing-Hotpot mit seiner intensiven, scharfen Rindertalg-Basis. Zum anderen ist die Region für den speziellen Sichuan-Pfeffer bekannt, welcher auf der Zunge ein charakteristisches, betäubendes Gefühl hinterlässt.
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↑ Wir probierten am ersten Abend natürlich auch direkt Hotpot. Und obwohl man in China einiges an Schärfe gewohnt sein dürfte, ist das hier noch einmal eine ganz andere Nummer.

Am Abend zeigt sich Chongqing in einem bunten Lichtermeer aus zahlreichen LED-Beleuchtungen. Vom Chongqing World Financial Center bietet sich ein beeindruckender Blick auf die nächtliche Stadt.
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Am nächsten Morgen stand dann der für das Alpinforum relevante Teil der Veranstaltung an: eine Fahrt mit der Yangtze River Cableway. Dabei handelt es sich um eine Pendelbahn mit Kabinen für 81 Personen. Die 1.166 m lange Strecke wird in knapp drei Minuten zurückgelegt und führt vom Chang'an-Tempel über den Jangtse zum Fuße des Zhenwu-Berges. Die Bahn wurde 1987 fertiggestellt und stammt komplett aus chinesischer Produktion, lediglich die Seile kamen aus Westdeutschland. Davon besitzt die stützenlose Bahn pro Spur vier Stück: zwei Trag- und zwei Zugseile. Mittlerweile wurde die Bahn auch als städtisches Kulturdenkmal in Chongqing unter Schutz gestellt.

Leider hatte die Reservierung am Vortag aufgrund technischer Probleme nicht funktioniert, und so machten wir uns früh morgens auf den Weg in Richtung Talstation (sofern man bei einer fast waagerecht verlaufenden Bahn von einer solchen sprechen kann).
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Dort angekommen, folgte die Ernüchterung: Alle reservierbaren Tagestickets mit Zeitfenster waren ausgebucht. Als Alternative standen nur normale Tickets zur Verfügung. Das wäre soweit auch nicht weiter schlimm gewesen, wäre die Schlange zu diesem Zeitpunkt nicht schon über zwei Stunden lang gewesen. So entschieden wir uns letztendlich doch gegen eine Fahrt und hielten fest: Früh aufstehen und anreisen funktioniert vielleicht in Europa, nicht aber in einer 20-Millionen-Stadt in Asien. So entstanden zumindest noch einige Außenaufnahmen rund um die Station:
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Für uns ging es anschließend weiter in den Chongqing Zoo, um Pandas zu schauen. Während die Pandas in deutschen (und generell in allen nicht-chinesischen) Zoos lediglich Leihgaben der chinesischen Regierung sind, für die entsprechende jährliche Gebühren gezahlt werden müssen (Panda-Diplomatie), sind die Tiere dort in ihrer natürlichen Umgebung beheimatet. Insbesondere zur Fütterung am Morgen sieht man die sonst eher bewegungsfaulen Tiere in Aktion. Dementsprechend voll war es auch an den Gehegen; vernünftige Bilder zu machen, war fast unmöglich.
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Zurück in die Stadt ging es per Monorail. Während Chongqing über das nach Länge sechstgrößte U-Bahn-Netz der Welt verfügt (> 570 km), besitzt die Stadt darüber hinaus das weltweit größte Einschienenbahn-Netz mit zwei Linien und einer Gesamtlänge von knapp 95 km. Dieses wurde nach dem Hitachi-System gebaut und bot im Vergleich zur Metro eine höhere Steigfähigkeit im hügeligen Stadtprofil. Insbesondere der Blick über die Schulter des Fahrers bietet interessante Perspektiven und dürfte für jeden, der sich auch nur ansatzweise für den ÖPNV interessiert, eine Fahrt wert sein.
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↑ Ein obligatorisches Foto der weltbekannten Station Liziba durfte natürlich nicht fehlen.
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↑ Gebäuderückseite - hier geht es eng zu.
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↑ Dort entdeckte ich auch dieses schweizerische Produkt.

Noch ein paar unkommentierte Bilder:
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Am späten Abend ging es für uns in Richtung Flughafen. Entgegen dem ursprünglichen Plan, per Bahn über Kunming nach Lijiang zu fahren, mussten wir kurzerhand umplanen und das Flugzeug nehmen. Während der Fahrt mit der Monorail zum Flughafen (die deutlich länger dauert als die Metro, dafür aber auch um einiges interessanter ist), fällt auf, dass die Grenze zwischen Stadt und grünem Umland in Chongqing für chinesische Verhältnisse ausgesprochen abrupt ausfällt. Im einen Moment fährt man noch zwischen Hochhäusern, kurz darauf befindet man sich schon im Grünen. Das habe ich so bisher eher selten erlebt.
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↑ Der A320 von Sichuan Airlines, der uns anschließend nach Lijiang brachte.

Auch wenn dieser Abschnitt der Reise weniger von Seilbahnen und Bergen, dafür mehr vom städtischen Umfeld geprägt war, wollte ich ihn dennoch festhalten. Ich hoffe, er passt trotzdem halbwegs in das Alpinforum. Im nächsten Teil geht es dann wieder hoch hinaus - versprochen.
"Ein Leben ohne Alpinforum ist möglich, aber sinnlos"

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