Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

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Chlosterdörfler
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Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von Chlosterdörfler »

Ich möchte nicht ein neuer Thread aufmachen zum Himalaya Ereignis.
Die gigantische Flutwelle in Nepal geht einem Experten zufolge auf einen Gletschersturz zurück. Nach derzeitigem Wissensstand rekonstruiert Niels Hovius vom deutschen GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung folgenden Ablauf: Am Mittwochmorgen bricht um 8:37 Uhr Ortszeit (6:37 Uhr MESZ) ein Teil der Bergflanke mit einem Gletscher vom Nordhang des Langtang Lirung ab, dem mit gut 7200 Metern höchsten Gipfel der nepalesischen Region Langtang. Der Gletscherabbruch befand sich in einer Höhe von ca. 5.200 m ü. M. und war ca. 930 m breit.

Bei dem mehr als 1000 Meter tiefen Abrutschen lässt die – etwa durch Reibung frei werdende – Energie das Eis fast augenblicklich schmelzen. So stark ist die Erschütterung beim Aufprall, dass das Erdbebennetzwerk des GFZ ein Erdbeben der Stärke 5,7 aufzeichnet.

Ob bei dem Sturz noch Gletscherseen mitgerissen wurden, war zunächst unklar. Hovius, Leiter der GFZ-Sektion Geomorphologie, geht davon aus, dass das Wasser der Flutwelle vor allem vom Gletscher selbst stammte. In dem engen Tal fegt die Sturzflut aus Wasser und Schlamm mit schätzungsweise 40 Metern pro Sekunde – umgerechnet etwa 144 Kilometer pro Stunde – abwärts.
Kommerzielle Satellitenbilder zeigen den Ursprung der Sturzfluten am Berghang bei Langtang Lirung mit einer Höhe von mehr als 7.200 m.

Zum Bericht mit den Bilder: https://vnexpress.net/suon-nui-nhu-bi-x ... 14267.html
abgerufen am 27.08.2026
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basti.ethal
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von basti.ethal »

Ähnlich wie damals in Bondo ist es für mich erschreckend, wie allein durch die Reibung beim Bergsturz das ganze Eis innerhalb von wenigen Sekunden zu Wasser schmelzen kann.
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Mt. Cervino
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von Mt. Cervino »

Interessanter Artikel zu diesem Thema in der Welt:
https://www.welt.de/wissenschaft/articl ... l#Comments
Der Bergsturz im Himalaya zählt zu den schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre. Eine Schweizer Glaziologin erklärt, warum die Schlammlawine eine derart enorme Zerstörungskraft auslösen konnte.
....
Die an der ETH Zürich forschende Glaziologin Mylène Jacquemart sagt auf Anfrage, dass das Ereignis selbst für Himalaya-Verhältnisse nicht normal sei. „Die Dimensionen müssen wir erst noch vollständig erfassen, aber ich bin schockiert von den Bildern, die wir zu sehen bekommen“, sagt sie.
Anhand von Satellitenbildern und Aufnahmen von Drohnen aus dem Gebiet könne der Hergang der Katastrophe mittlerweile relativ gut rekonstruiert werden, sagt Jacquemart. Demnach ereignete sich ein großer Felssturz im Bereich einer Bergkette im Gebirgsmassiv Langtang Himal.
Die Gipfel in diesem zentralen Bereich des Himalaya erreichen Höhen um 7000 Meter. Auf dem Fels lag gemäß der Glaziologin zudem noch ein Gletscher, der gleich mit abstürzte. Dieses „Paket“ donnerte talwärts, was ein Erdbeben der Magnitude 5,2 auslöste.
Besonders verheerend machte den Bergsturz aber, dass sich der Murgang aus Eis und Fels mit sehr viel Wasser vermischte. „Diese Masse kam dann im ersten Talabschnitt kurzfristig zum Stillstand und staute sich auf“, sagt Mylène Jacquemart.
Schließlich wälzte sich das Ganze mit unglaublicher Zerstörungskraft und Geschwindigkeit die Täler hinunter. Wie Videos aus den betroffenen Talabschnitten zeigen, konnten selbst massive Bauten wie Dämme und Kraftwerke dem nicht standhalten. Sie wurden einfach mitgerissen. Ein Frühwarnsystem gibt es in der betroffenen Region nach dem Wissen von Mylène Jacquemart nicht.
Wie groß das Volumen der abgestürzten Felsmasse mit aufliegendem Gletscher beim Ereignis in Nepal war, ist laut Einschätzung von Mylène Jacquemart noch nicht klar. Es stellt den Berg- und Gletschersturz in Blatten im Schweizer Kanton Wallis vom 28. Mai 2025 aber mit Sicherheit deutlich in den Schatten. In Blatten stürzten rund zehn Millionen Kubikmeter Eis und Gestein talwärts.
Sucht man nach Katastrophen von ähnlichem Ausmaß in der Schweiz, muss man zwei Jahrhunderte zurückblicken. Der Felssturz von Goldau im Schweizer Kanton Schwyz entsprach gemäß Mylène Jacquemart in etwa derselben Größenordnung wie jener in Nepal.
Dieser ereignete sich am 2. September 1806 und gilt als eine der größten Naturkatastrophen der Schweiz in historischer Zeit. Dreht man das Rad der Geschichte noch etwas weiter zurück, dann finden sich im Alpenraum Bergstürze, die noch viel extremer waren. So gilt der Flimser Bergsturz als einer der größten weltweit.
Er ereignete sich etwa 7500 vor Christus, also in der Mittelsteinzeit. Damals stürzten zwischen neun und zwölf Kubikkilometern Gestein talwärts. Umgerechnet entspricht diese Masse etwa zwölf bis 13 Matterhörnern.
Die Trümmer türmten sich auf einer Höhe von bis zu 750 Metern auf und bedeckten eine Fläche von 52 Quadratkilometern. Der heutige Ferienort Flims befindet sich am Übergang der Gleitfläche im Norden zur Schuttmasse im Süden. Verantwortlich für diesen Erdrutsch waren vermutlich die Folgen einer deutlichen Klimaerwärmung, die einen Rückzug der Alpengletscher bewirkte.
....
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von MarcB96 »

Chlosterdörfler hat geschrieben: 27.08.2026 - 19:47 Zum Bericht mit den Bilder: https://vnexpress.net/suon-nui-nhu-bi-x ... 14267.html
abgerufen am 27.08.2026
Täuscht das oder ist da neben dem Gletscher ein riesiges Stück Fels mit abgebrochen?
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von schneesucher »

Ja ganz sicher. Es war ein Felssturz der das Eis mitriss und nicht umgekehrt. Es scheint, dass eine Steinplatte losgerissen ist. Vielleicht war diese durch Eis mit dem Untergrund verbunden und löste sich aufgrund der Temperatur. Dass es ein Felssturz war steht auch im Artikel oben.
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snowflat
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von snowflat »

Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Todesopfer in Nepal auf mehr als 600 gestiegen. Und die Gefahr ist keinesfalls gebannt, denn ein neu aufgestauter See könnte sich im Fall einer weiteren Gletscherschmelze in die nächste Todeswelle verwandeln.
Quelle: Bereits über 600 Tote - Dieser See könnte nächste Todeswelle werden
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von Chlosterdörfler »

Für mich ist diese folgende Filmzusammenfassung die beste vom Ereignis.

Direktlink
Zeitbedarf: 5:57 Minuten

Hier gibt es eine Bilderfolge vom Abbruchgebiet: https://www.abc.net.au/news/2026-08-28/ ... /107085892
Im Bericht erwähnte Studie: https://doi.org/10.1016/j.accre.2026.06.026

Ein Bericht zur Thema Permafrost in dieser Region: https://www.abc.net.au/news/2026-08-30/ ... /107090534
Im Bericht erwähnte Studie: https://doi.org/10.1016/j.accre.2026.03.003

Ein Film in Deutsch wo versucht den Abbruch zu erklären anhand von einem Foto wo vom Hubschrauberflug aus gemacht wurde.

Direktlink
Zeitbedarf: 13:20 Minuten
Zum Bild: https://x.com/weeddude/status/2093668861745004681


Zweite Filmquelle Sekunde 0:43 Intressant.

Direktlink
Zeitbedarf: ca. 90 Sekunde


Zu den See wo sich neu gebildet haben die beiden liegen 5 Kilometer auseinander. Gemäss Filmbeitrag und Bericht hat der untere See einen Abfluss bekommen. Den dieser See wird von zwei weitere Flüsse gespeist. Bericht mit Satellitenbilder ohne störende Wolken: https://www.globaltimes.cn/page/202608/1369323.shtml

Dieser Bericht enthält ein Foto von einem Heliflug vom oberen See wo gemäss YT LP nach dem Abbruch entstanden ist. Das dürfte auch der Zeitpunkt gewesen sein, wo die Seismografen das Ergebnis aufgezeichnet haben: https://www.globaltimes.cn/page/202608/ ... html?id=11

Für die These ist auch folgendes Ereigniss von Intresse: Die Katastrophe des Vajont – 1963

Um 22 Uhr 39’ des 9. Oktober 1963 löste sich ein riesiger Erdrutsch aus zirka 270 Millionen Kubikmetern Felsen und Gestein von den Hängen des Monte Toc und stürzte in den Stausee von Vajont (in der Provinz Pordenone in Friaul-Julisch Venetien, Norditalien). Die dadurch entstandene Flutwelle zerstörte innerhalb von wenigen Sekunden das Gebiet auf der gegenüber liegenden Seite und jenes unterhalb des Stausees. Die Stadt Longarone (in der Provinz Belluno – Venetien) sowie andere kleinere Ortschaften im Piavetal wurden fast vollständig zerstört.

Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Vajont-Staumauer
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von Chlosterdörfler »

Falsch gedrückt deswegen Inhalt gelöscht. :(
Zuletzt geändert von Chlosterdörfler am 30.08.2026 - 00:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Flutwelle in Nepal durch Gletschersturz

Beitrag von Chlosterdörfler »

Wetterlage Langtang Lirung – letzte Augustwoche 2026

Ich habe mich auf die Suche nach den konkreten Wetterbedingungen und der Höhe der Nullgradgrenze für die Region des Langtang Lirung in den Tagen vor dem 27.08.2026 gemacht. Falls es hier noch andere gibt, die sich für die meteorologischen Hintergründe des tragischen Gletscher- und Felsabbruchs vom 26. August interessieren, hier ist eine kompakte Zusammenfassung der recherchierten Daten:

Hier mal eine kleine Auswertung zum Wetter rund um den Langtang Lirung (7'227 m) in der Woche vor dem 27.08.2026. Eine direkte Bergstation gibt's auf der Ostseite der Bergregion selbst leider nicht, deshalb habe ich die nächstgelegene Referenzstation (Kathmandu, ca. 65 km südlich, 1'337 m) sowie Bergwetter-Modelldaten herangezogen.

Temperatur & Niederschlag (Kathmandu als Referenz):

| Datum | Min °C | Ø °C | Max °C | Niederschlag |

| 22.08. | 21.1 | 23.6 | 30.4 | 8.1 mm |
| 23.08. | 21.0 | 24.5 | 30.5 | 3.2 mm |
| 24.08. | 21.4 | 24.7 | 29.7 | 2.2 mm |
| 25.08. | 21.7 | 24.3 | 29.6 | 0.0 mm |
| 26.08. | 21.6 | 24.9 | 30.3 | 0.0 mm |
| 27.08. | 21.0 | 24.7 | 31.2 | 6.2 mm |

🌤️ 1. Wetterlage in den Tagen vor dem 27.08.2026

Obwohl der August in Nepal normalerweise tief in der Monsunzeit liegt, gab es in den Tagen unmittelbar vor dem 27. August kein extremes Wetter und keine aussergewöhnlichen Regenfälle in der betroffenen Region.
Meteorologische Analysen und erste Berichte zum Ereignis vom 26. August bestätigen, dass kein akutes Unwetter (wie sintflutartiger Regen oder Sturm) der direkte Auslöser war. Stattdessen handelte es sich um eine sogenannte „komplexe Gefahrenkaskade“: Der Abbruch wurde durch langfristige klimatische Faktoren begünstigt, insbesondere durch das Auftauen des Permafrosts und die fortschreitende Gletscherschmelze, die den Fels- und Eisuntergrund am Nordhang des Langtang Lirung destabilisiert haben.

🌡️ 2. Höhe der Nullgradgrenze (Freezing Level)

Die Nullgradgrenze lag im nepalesischen Himalaya Ende August 2026 ungewöhnlich hoch, was die Instabilität in diesen grossen Höhen massgeblich mitbedingt hat:
Regionale Nullgradgrenze (Nepal-Hochhimalaya): Wetterdaten und Höhenwetter-Bulletins wiesen für diesen Zeitraum eine Nullgradgrenze von etwa 4.800 bis 5.000 Metern aus, die zeitweise sogar auf 5.200 bis 5.400 Meter anstieg.
Lokal am Langtang Lirung (7.227 m): Hochauflösende alpine Wettermodelle für diesen spezifischen Gipfelbereich gaben die Nullgradgrenze in diesem Zeitraum mit etwa 5.800 bis 6.100 Metern an.

🏔️ 3. Wissenschaftlicher Hintergrund

Studien zum Langtang-Gebiet zeigen, dass sich vergletscherte Zonen oberhalb von 4.000 Metern überdurchschnittlich schnell erwärmen (ca. 0,31 °C pro Jahrzehnt). Dies führt zu einem starken Massenschwund der Gletscher. Wenn das stützende untere Gletschereis fehlt, bleiben verbleibende Eismassen in steilen Hängen „prekär hängen“. Steigt die Nullgradgrenze dann zusätzlich an, taut der Permafrost auf, und die Reibung am Felsuntergrund nimmt ab. Ein klassischer Auslöser für ein Fels-Eis Absturz, ganz ohne akutes Sturmereignis.

Ich hoffe, das hilft allen, die sich ein objektives Bild der damaligen Bedingungen machen wollen. Falls jemand noch spezifischere lokale Messdaten (z. B. von einer bestimmten Wetterstation im Grenztal) hat, immer her damit!

(Hinweis: Die Werte zur Nullgradgrenze sind Schätzungen auf Basis von Talstationsdaten und Modellrechnungen, keine direkten Messungen am Berg oder eine nähere Wetterstation auf chinesischer Seite.)
Wer Träume hat der lebt noch.

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