Grund: Die Konzession läuft 2009 aus.
Gibt es bald keine Sessellifte mehr, wo man seitwärts sitzt?
Mittelland-Zeitung, 08.04.2005
«Weissensteiner» an einem Tisch
Zukunft Weissenstein In drei Arbeitsgruppen sucht man gemeinsam nach Lösungen
In drei Arbeitsgruppen werden Lösungen für die Zukunft des Weissensteins gesucht. Erörtert werden Fragen rund um Strassenverkehr, Seilbahn und Marketing. Die verschiedenen Interessen sollen dabei unter einen Hut gebracht werden.
Der Solothurner Hausberg Weissenstein ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders in Nebeltagen zieht es viele in die Höhe, um über dem Nebelmeer die Sonne zu geniessen. Doch der Ansturm auf den Berg hat vor allem im vergangenen Jahr Probleme mit sich gebracht: wildes Parkieren in Oberdorf und Verkehrsprobleme auf der Bergstrasse. «Am 12. Dezember herrschte ein absolutes Chaos», erinnert sich Kantonsingenieur René Suter. Weil bei der Mittelstation Nesselboden zahlreiche Autos beidseits der Strasse parkiert waren, war der Abschnitt quasi nur einspurig befahrbar. Schliesslich stauten sich die Autos beidseits des Nadelöhrs, es gab kein Vor noch Zurück. Aufgrund der prekären Situation musste die Polizei die Strasse schliesslich sperren, bis der «gordische Knoten» gelöst war.
Die Verkehrs- und Parkplatzproblematik (siehe «Auch auf dem Berg kein Tabu mehr») war ein wichtiger Grund dafür, dass Landammann und Baudirektor Walter Straumann die involvierten Interessengruppen - Vertreter der Seilbahn, der Kurhaus Weissenstein AG, der Solothurner Bürgergemeinde, des Kantons und der Kantonspolizei sowie der Gemeinde Oberdorf - zu einer gemeinsamen Aussprache einlud, um gleich einen ganzen Strauss von Fragen rund um den Weissenstein anzugehen. Resultat des Treffens: In drei Arbeitsgruppen werden verschiedene Problemkreise analysiert und Lösungen gesucht.
Verkehr nicht dem Zufall überlassen
Problemkreis 1: Strassenverkehr. Es gilt, den Verkehr auf den Berg in mass-volle Bahnen zu lenken. Hier trägt der Kanton beziehungsweise die Kantonspolizei die Sicherheitsverantwortung. Wie René Suter ausführt, gilt es abzuklären, ob beispielsweise die Parkplätze auf dem Berg bewirtschaftet, im Tal Parkierungsalternativen geschaffen oder Verkehrsbeschränkungen eingeführt werden sollen. Auch eine Sperrung der Strasse sei vorstellbar. Letzteres würde allerdings die Frage aufwerfen, wie der Durchgangsverkehr nach Delémont gehandhabt und ob auch die Zufahrt vonseiten Gänsbrunnens gesperrt werden müsste.
Noch stehen diese Fragen im Raum. Das Ziel der Arbeitsgruppe ist aber klar: «Wir müssen nach einem Wenn-dann-Prinzip festlegen, was in welchem Fall zu geschehen hat», so Suter. «Wir brauchen ein neues Regime. Wir wollen es nicht mehr einfach dem Zufall überlassen.» Für Suter steht zudem fest: «Die Resultate dazu müssen noch vor der <Nebelsaison> im Herbst vorliegen.»
Neue Seilbahn, neues Trassee?
Problemkreis 2: Im Jahr 2009 läuft die Konzession für die Seilbahn ab. Bereits heute machen sich die Verantwortlichen Gedanken über deren Zukunft. Dabei steht zur Debatte, ob die bestehende Bahn nur renoviert oder gleich neu gebaut werden soll. Für eine neue Konzession müssten nämlich auch die neuen Richtlinien des Bundes berücksichtigt werden, weiss Rolf Studer, Verwaltungsratspräsident ad interim der Seilbahn Weissenstein AG. «Die Kosten für die Renovation einer alten Bahn sind so hoch, dass es sich fast nicht lohnt», erklärt er. Deshalb werden nun verschiedenste Varianten abgeklärt: Neben der Renovation auch ein Neubau, beispielsweise mit grösseren Sesselliften oder gar Gondeln.
Über eine neue Trasseeführung macht man sich ebenfalls Gedanken. «Die Mittelstation kostet etwa 2 Millionen Franken extra», weiss Studer. Deshalb werde die Möglichkeit einer direkten Streckenführung evaluiert. Neben finanziellen Überlegungen müssen diesbezüglich aber auch Raumplanungs- und Umweltfragen (Stichwort Juraschutzzone) in Betracht gezogen werden. Für Studer ist die Zielsetzung aber klar: «Wir brauchen höhere Kapazitäten und längere Betriebszeiten. Wir möchten beispielsweise auch nachts fahren können.»
Marketing verstärken
Problemkreis 3: Marketing. Der Weissenstein soll an Attraktivität gewinnen. Einerseits wolle man den Weissenstein als «Familienberg» weiter attraktivieren, so Hans Muster von der Kurhaus Weissenstein AG. Vermehrt sollen auch andere Gruppen angesprochen werden. Ideen bestünden jedenfalls, sagt Muster. Konkret will er aber noch nicht werden. Erst müsse sich die Arbeitsgruppe an die Arbeit machen.
Die drei Arbeitsgruppen werden sich in den nächsten Wochen und Monaten mit den verschiedenen Problemen auseinander setzen und nach gemeinsamen Lösungen suchen. Suter erachtet diesen Dialog als wichtig: «Wenn jede Gruppe nur auf ihre Interessen schaut, kommt es unweigerlich zu Zielkonflikten. Für eine Lösung muss jeder ein paar Haare lassen.» Schliesslich gehe es aber nur gemeinsam, denn: «Jeder ist vom andern auch abhängig.»