Wie jedes Jahr im Februar beginnt die Bevölkerung der Stadt Basel sich irgendwie unnatürlich und auffällig zu verhalten. Im Coop verdrängen Fasnachtschueche und seltsam anmutende Masken die letzten Vorräte an Weihachtsmännern und bunt bemalten Ostereiern. Doch spätestens, wenn sich die Mitbewohner mit alkoholischen Getränken und buntem Konfetti eindecken und ihre Vor-fastnächtlichen Saufgelage planen, rückt bei mir der sehnlichste Wunsch nach Freitheit und Normalität in den Vordergrund. ES IST FASNACHT UNDICH MUSS HIER WEG!!!
Doch dieser Planung machte mein Chef leider schnell einen Strich durch die Rechnung. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, Sie müssen arbeiten. Aber, aber...wenigstens bis Montag...genehmigt...puh, wenigstens dem Gipfel an fasnächtlichem Wahnsinn entkommen. Nun ist Fasnachstswoche, einige Personen verhalten sich zwar nach wie vor auffällig, jedoch lässt mich das alles im Augenblick erstaunlich kalt. Weil ich weiss, dass alles bald wieder vorbei ist? Weil ich gerade eine Portion Rösti verdrückt habe? Nein, weil ich gerade eine gesamt-geniale Skiwoche im
Val d'Anniviers
verbracht habe. Dabei waren die Anfänge voller Zweifel. Wo sollte es hingehen? Und die Wetterprognosen wollten auch irgendwie so gar nicht. Geplant war eigentlich die Surselva, aber auch hier sagten 4 verschiedene Wetterdienste 4 verschiedene Grosswetterlagen voraus. Wofür werden die eigentlich bezahlt, war ich am Fluchen und erst als am Montag Abend, als ich auf der Suche nach Alternativen war (Genfersee-Region, Aostatal, Grenoble) zufällig zumindest mal 2,5 Wetterseiten für das Wallis schönes Wetter prognostizierten, fasste ich den Entschluss, meine Basis in Sierre aufzubauen und alle 5 Skigebiete im Val d'Anniviers abzugrasen. Hä wieso 5? Naja, als ich die Tarifbestimmungen für das Val d'Anniviers durchging, erkannte ich, dass beim Kauf eines 6-Tagespasses das Ticket auch einen Tag in Leukerbad oder in Crans-Montana gültig ist. Klingt fair, vor allem bei einem Preis von 218 CHF, wo man schon allein in Crans-Montana über 60CHF für einen Tag berappen muss. Glücklicherweise war meine erste Anfrage für eine Pension bereits ein Volltreffer und so fuhr ich Mittwoch morgen um 5 Uhr bei leichten Schneefall in Basel los, der Walliser Sonner entgegen!!!
St.Luc/Chandolin 13.02.2013 & 18.02.2013
Da ein weiterer AF-User an diesem besagten Tag bereits in St-Luc war und wir erstaunlicherweise sehr ähnliche Fotomotive gewählt haben, werde ich hier nur schnell ein paar ausgewählte Motive reinstellen. Der Einschätzung der User über das Gebiet kann ich 100%ig zustimmen. Ein wahres Skijuwel. Eines der schönsten Gebiete, in denen ich jemals gewesen bin. Alte kapazitätsschwache Lifte, durch die man die Pisten quasi immer für sich alleine hat, und was sind das bitte für Pisten?? Jede einzelne erschliesst ihre eigene Geländekammer und führt herrlich trassiert und unmodelliert mit spannenden Richtungsänderungen durch eine geniale hochalpine Landschaft, abgerundet durch die zahlreichen 4000er, die sich im Talschluss erheben. Ein einmaliges Skiereignis. Am Tag meiner Rückfahrt bin ich dort ein weiteres Mal gewesen.
KSSL Bela Tola, das Juwel des genialen Gebietes
Hier die dazugehörige Piste fernab des Liftes in einer einsamen hochalpinen Landschaft.
Kaum eine Piste führt direkt am Lift entlang, jede ist einzigartig trassiert, unmodelliert erschliesst ihre eigene Geländekammer. Hier die rote am KSSL Pas-de-Boeuf
Oder hier hinunter nach Chandolin, wo wir beim einzigen Kritikpunkt im Gebiet sind. BESCHNEIUNG! In Grimentz ist mir das gleiche aufgefallen. Der Unterschied zwischen beschneiter Piste und Naturschneepiste ist frapierend! Die letzten 3 Kurven waren demassen eisig und abgerutscht. Ebenso heute in Grimentz die besschneite Talabfahrt. Naja, gibt zum Glück genügend Abwechslung
3SB Rotzé stellt (noch) die Verbindung nach St-Luc sicher (s.u.)
Hier die herrliche Verbindungspiste vom Col des Ombrinzes
Piste hinunter zum KSSL Forêt, der seinem Namen alle Ehre macht. Dieser Anblick wird sich bald in dieser Form nicht mehr bieten denn...
Unten am Lift findet sich diese Hinweistafel
Ich kann die Betreiber verstehen, die Einstiege und Verbindungen im Skigebiet sicherzustellen. Für Anfänger ist der KSSL Forêt unzumutbar, und irgendwie muss man die ja auch auf den Berg bekommen. Dort befinden sich dann zwar die leichten Abfahrten am SL Tignuosa, aber dann?? Die KSSL selektionieren ebenso wie die Pisten an der einzigen KSB. Das Gebiet ist definitv mal kein Anfängergebiet, für diese Zielgruppe wäre eine Modernisierung des Gebietes von Vorteil. Aber wo gibt es noch so herrliche Geländekammern in einem eizigen Skigebiet, welche ausnahmslos mit KSSL erschlossen sind? Das macht das Gebiet für mich einzigartig. Mögen zumindest diese Bereiche niemals ersetzt werden...
Fazit: nichts auszusetzen ausser Beeisung an der KSB
6 von 6 Punkten
Grimentz 14.02.2013
Am nächsten morgen wurde ich von Sonnenstrahen, die durch das Fenster meines netten Pensionszimmers drungen, geweckt. Der Himmel präsentierte sich strahlend blau. Das muss genutzt werden. Das Ziel war heute von vorneherein klar. In Grimentz war ich einmal vor 3 Jahren, jedoch bei ziemlich bescheidenem Wetter. Schon damals hat mir dieses Gebiet extrem gut gefallen, wobei das Erlebnis Alpen durch die starke Bewölkung und den zeitweiligen Schneefall stark limitiert wurde. Heute sollte es anders werden... zumindest bis zum Mittag. Dann zu eine hohe Bewölkung auf, welche das Skigebiet am Nachmittag in ein sehr diffuses Licht tauchte. Dem Skispass tat dies allerdings kein Abbruch. Zu perfekt waren die Pistenverhältnisse, zu gut gefällt mir das Gebiet, wenn auch an St.Luc wahrscheinlich so schnell kein Gebiet herankommt. Nadenn, alles weitere dann bei den Bildern...
Morgens an der Bergstation der EUB Bendolla, welche seit meinem letzten Besuch mit neuen CWA-Kabinen ausgerüstet ist. Noch ist es schön leer im Skigebiet, was sich allerdings noch ändern sollte. Hier der Blick Richtung DSB Crêts.
Ich hingegen wählte zur Weiterfahrt die 4KSB Grands Plans, welche jenseits des Kinderlandes beginnt
Die KSB hat eher eine Zubringerfunktion. Die Pisten an der Bahn sind eher mässig (1 Ziehweg, eine kurze schwarze und ein kurzer Hang Richtung Bergstation Bendolla, in den zahlreiche weitere Pisten münden
Blick zur 6KSB Tsarva, der Hauptbeschäftigungsanlage schlechthin. Links im Tal die genial trassierte Piste vom Becs-de-Bosson
In der 6KSB, welche im Vergleich zum Vorgängerlift noch etwas weiter oben auf den Grat hinauf führt. Leider wurde bei der Gelegenheit der obere Teil der Piste stark modelliert
Etwas unterhalb beginnt der KSSL Orzival, der hauptsächlich zur Benutzung des Fun-Parks frequentiert wird. Die Pisten an dem Lift sind nicht sehr spannend
Auf der anderen Seite jedoch umso mehr. Zahlreiche Richtungsänderungen bei natürlicher Trassierung: Die genialen Pisten am SL Becs-de-Bosson, welcher auch die beiden Liftachsen von Bendolla aus verbindet.
Auf der Piste an der 6KSB: bester Schnee, noch bestes Wetter und noch keine Wartezeiten. Was will man mehr?
Auf der genialen roten Piste vom Becs-de-Bosson Richtung Bendolla. Im Kinderland herrscht mittlerweile reger Betrieb
Blick Richtung Stausee und Zinalrothorn
Auf der linken Achse am KSSL Lona II, hier war zum Glück nicht so viel los wie beim KSSL Lona I. Jedoch blieben die Pisten aufgrund der geringen Kapazitäten der Lifte den ganzen Tag über in einem sehr guten Zustand. Aufgrund dessen nehme ich kleinere Wartezeiten gerne in Kauf. Mittlerweile zieht leider die erste Bewölkung auf
Besagter KSSL Lona I. Möge er noch lange laufen
wesentlich ästhetischer als eine SB, finde ich
Auch die Piste kann sich sehen lassen, wenngleich das Gebiet meiner Meinung nach pistentechnisch etwas hinter St.Luc hinterherhinkt
Das Highlight von Grimentz ist sicherlich der Becs-de-Bosson, an dem ich die meiste Zeit des Tages gefahren bin. Die Rote Piste kann man von oben bis unten Schuss fahren, da der Pistenverlauf Kurvenschwünge und Geschwindigkeit vorgibt. Wie auf einer Achterbahn...
Fazit: Nicht ganz so genaial wie St.-Luc (ok, das wird schwierig). Ein paar Ecken und Kanten hatte der heutige tag auch (mehr Leute, nicht so schönes Wetter am Nachmittag), aber jammern auf sehr sehr hohem Niveau
5 von 6 Punkten
TBC