Dieser Bericht ist Teil der Berichtsserie meiner dreitägigen Skifahrt im März 2022:
Abtenau / Karkogel 19. März 2022
Altaussee / Loser 19. März 2022
Tauplitzalm 19. März 2022
Ramsau / Obertraun - Dachsteinüberquerung mit Dachsteingletscher und Krippenstein 20. März 2022
Uttendorf / Weißsee Gletscherwelt 21. März 2022
Kaprun / Kitzsteinhorn 21. März 2022
Anfahrt: Abtenau - Rußbach - Gosau - Hallstätter See - Pötschenpass - Altaussee - Station Loserbahnen in 0:40 h
Wetter: Sonnig, etwas dunstig, um +5°C
Schnee: Geschätzt 30-50 cm nasser Altschnee
Anlagen in Betrieb: Alle
Wartezeit: Keine
Gefallen: Tolles Panorama übers Ausseer Land und zum Dachstein
Nicht gefallen: Kaum gute Abfahrten, vorwiegend Ziehwege; unzumutbare Fahrgeschwindigkeit DSB Loser 2; Maschinenschneequalität am Sandling -> skifahrerisch insgesamt keine Erfüllung der Erwartungen ans Skigebiet
Bewertung: Ski 2 von 6 Punkten, Landschaft 6 von 6 Punkten
Von Abtenau ging es auf leerer Straße in rund 40 flotten Minuten weiter zum Skigebiet Loser bei Altaussee, einem hübschen Kurort im Salzkammergut. Im Jahr 1996 war Altaussee Wanderstandort für meinem Vater und mich, u.a. für eine Bergtour auf die dominante Trisselwand. Da wir damals wetterbedingt nicht zum Loser selbst gekommen sind, holte ich das nun nach. Während im sonnigen Ort Altaussee auf 750 m der meiste Schnee schon abgetaut war, lag nur 100 m höher an den Loser-Talstationen noch genug Schnee.
Die Loser-Panoramastraße ist im Winter geschlossen und wird als Rodelbahn genutzt. Das Skigebiet Loser besteht aus drei Sektionen Sesselbahn und zwei kurzen Schleppliften, denen man jenseits der Zubringerstraße am Nachbarberg Sandling einen weiteren, per Sesselbahn erschlossenen Hang zur Seite gestellt hat. Offenbar wegen Schneeproblemen drohte dem Skigebiet im Jahr 2016 das Aus. Mit Crowdfunding konnten Beschneiung und Weiterbetrieb gesichert werden. In der obersten Etage am Loser gab es bis ca. 2010 einen dritten Schlepplift auf der Bräunlingalm, dessen Betrieb wegen Lawinenschadens final eingestellt wurde. Für den Sommer 2022 war der Ersatz der beiden unteren Sesselbahn-Sektionen durch eine EUB geplant. Es gab aber Probleme mit den Genehmigungen, weshalb Baubeginn, Skibetrieb im Winter 2022/23 und somit die Weiterexistenz der Liftgesellschaft zwischenzeitlich bedroht waren, man sich aber erfolgreich um eine Konzessionsverlängerung für die DSB Loser 2 bemüht hat.
Bei meinem Besuch am Samstag herrschte guter Betrieb, und ich freute mich auf ein paar lohnende Abfahrten mit schönem Panorama. Um mir den Loser zunächst von der gegenüberliegenden Seite anzuschauen, startete ich an der KSB Sandling. Bei dieser handelt es sich um eine der seltenen Kurven-Sesselbahnen. Für die Kurve werden die Sessel ausgekuppelt, per Kettenförderer um die Kurve getragen und wieder eingekuppelt. Ein- oder Ausstieg sind nicht vorgesehen. Keine Ahnung, warum man für die KSB Sandling keine gerade Trasse realisiert hat. Meistens hat das geologische Gründe.
Was von unten optisch gut aussah, erwies sich bei meinem Besuch unter den Kanten als Qual. Die Lanzenbeschneiung hatte die komplette Hauptabfahrt der KSB Sandling mit Cruncheis für die Fischtheke belegt, das sich grauenhaft fuhr. Die von unten gesehen rechte Pistenvariante war wegen eines Jugendrennens gesperrt. In diesem abscheulichen Zustand mochte ich mir den Sandling-Hang kein zweites Mal antun. Nix wie weg dort! Bei guter Naturschneelage mag der Sandling ein toller Skihang sein, bei meinem Besuch leider nicht.
Auf der anderen Seite brachte mich die KSB LoserJet als erste Sektion einer Dreierkette ins Hauptskigebiet. Doch jegliche Vorfreude wurde von der 40 Jahre alten Girak-DSB Loser 2 eliminiert. Sie fährt mit einer Geschwindigkeit von 1 m/sec und wird fürs Verladen von Rodelschlitten weiter heruntergebremst oder sogar angehalten. Der Liftmann bezeichnete die DSB als "Chaoslift" ... nun, Chaos hat Unterhaltungswert, aber die DSB Loser 2 hat keinen, sondern ist 100% ärgerliche Zeitverschwendung. Ich war heilfroh, nach einer Viertelstunde für die gerade mal 900 m Strecke endlich aussteigen zu dürfen. Warum nur hat man die Sesselbahn Sandling als KSB gebaut, aber Loser 2 als urlahme DSB zwischen zwei KSBn stehen lassen?? Auch das mochte ich mir kein zweites Mal antun. Somit konnten meine Wiederholungfahrten ausschließlich in der obersten Etage des Skigebiets stattfinden. Sinnvollerweise soll ja die DSB Loser 2 zusammen mit dem LoserJet einer EUB weichen.
An der Bergstation der dritten Sektion, der KSB LoserFenster, erkundete ich die Abfahrten. Die KSB selbst bietet tatsächlich eine schöne, schwarz ausgwiesene Abfahrt (real rot bis dunkelrot). Ansonsten: Fehlanzeige. Die beiden Mittelgebirgs-Schlepplifte hier oben mit jeweils rund 300 m Länge bedienen fast ausschließlich Ziehwege. Selbst der kurzzeitig vielversprechende, rot ausgewiesene Starthang des SCHL Sonnleiten geht schnell in einen solchen über. Nur das Panorama hier oben übers Ausseer Land bis zum Dachstein ist den Besuch wert, Skifahren leider nicht, wenn man von der erwähnten schwarzen Abfahrt LoserFenster absieht. Wenn man sich die Topographie des Skigebiets auf der Landkarte ansieht, geht das auch gar nicht anders ... ich hätte es ahnen müssen. Die "Abfahrt" der DSB Loser 2 - ebenfalls Ziehweg. Lediglich die schöne Talabfahrt der untersten Sesselbahnsektion LoserJet durch den Wald ist erwähnenswert. Sorry für die negative Berichterstattung - ich weiß, dass der Loser im Forum treue Fans hat, aber so habe ich das Skigebiet nun mal (leider) erlebt.
Und so verließ ich das Skigebiet Loser enttäuscht und lustlos nach gerade mal zwei Stunden und fuhr in guten 20 Minuten weiter nach Tauplitz mit seinem Skigebiet Tauplitzalm, das ich schon lange besuchen wollte.
Pistenplan Altaussee / Loser. Links der Hang am Sandling, rechts das Hauptskigebiet. Das Landschaftspanorama des Plans ist "relativ" neu, würde doch der ehemalige Skilift Bräuningalm darin geländeseitig kaum zu berücksichtigen sein.
Start mit der KSB Sandling. Wie schon in Abtenau war die Schneesituation auf 850 m Mitte / Ende März noch sehr gut. Der Talort Altaussee nur 100 Höhenmeter tiefer war dagegen weitgehend abgetaut. Rechts der KSB hat man eine komplette Chaletsiedlung an den Hang gestellt.
Die Hauptabfahrt unter der KSB Sandling sah gut aus, und ich freute mich auf erste Schwünge in dem für mich neuen Skigebiet. Leider war die rechtsseitige Nebenabfahrt für ein Skirennen gesperrt.
Ungewöhnlich: Eine KSB-Kurve ohne Ein-/Ausstieg. Warum wurde die KSB nicht geradeaus über den Hang gezogen?
Blick auf die andere Nebenabfahrt der KSB Sandling. Gegenüber Sesselbahnschneise und Talabfahrt Loser.
Ich wählte die Hauptabfahrt Sandling unter der Sesselbahn. Oh je ... die Schneilanzen hatten die Piste in Verbindung mit der Sonneneinstrahlung mit Fischthekeneis belegt, das sich nur unter schwerer Anstrengung und ohne jeden Spaß fahren ließ. Auf dem Foto sieht man das nicht.
Darum also war die Abfahrt recht leer und die KSB schwach besucht. Hier wollte ich nur eines: Ganz schnell weg, und nicht wieder hinauf.
Nach nur einer Sandling-Abfahrt fuhr ich ins mit der KSB LoserJet ins Hauptskigebiet Loser hinauf.
Etwas erstaunt nahm ich zur Kenntnis, dass Sesselbahnsektion 2 eine uralte DSB ist. Offenbar ist sie die Hauptbeschäftigungsanlage für Rodler auf der Loserstraße.
Rückblick über die Talstation der DSB Loser 2.
Es handelt sich um eine Girak-Anlage von 1982.
Mein Lächeln darüber währte angesichts der Fahrgeschwindigkeit der DSB nicht lange. Die Bahn war lahm. GANZ lahm. 1 m/sec, und für die Rodler wurde sie noch weiter heruntergebremst oder angehalten. Das tut sich niemand freiwillig zweimal an, auch ich nicht. Sesselbahnsektion 1 und 2 sollen gemeinsam einem EUB-Neubau weichen.
Dieser Ziehweg ist die Abfahrt der DSB Loser 2. Ebenfalls keine Wiederholung wert.
Immerhin bot die DSB einen der besten Ausblicke auf den Altausseer See und ins Ausseer Land.
Und sie fährt an der schön gelegenen Loserhütte vorbei, im Sommer Endpunkt der Loser-Panoramastraße.
Die dritte Sesselbahnsektion LoserFenster ist dann wieder eine KSB. Sie wird im Rahmen der Umbaumaßnahmen unverändert bestehen bleiben.
Rückblick aus der KSB LoserFenster. Hinten rechts der Dachstein.
Auf der einzigen "richtigen" Abfahrt der KSB LoserFenster kam dann endlich das gewünschte Skifeeling auf. So hatte ich es mir am Loser gewünscht.
KSB und Abfahrt LoserFenster mit Dachstein hinten rechts.
Schön gelegenes Berggasthaus Loseralm. Dahinter die Talstation des kurzen SCHL Sommersitz.
Verbindungsabfahrt von der Bergstation LoserFenster zu den beiden kurzen Schleppliften.
Wirklich tolle Lage der Loseralm mit Panorama, u.a. über Altausseer See, Ausseer Land und Dachstein. An der Loseralm vorbei führt auch der blaue Umfahrungsziehweg der KSB LoserFenster.
KSB LoserFenster mit Dachstein im Zoom. Am Folgetag werde ich dort im Rahmen der Dachsteinüberquerung hinunterfahren.
Der Gjaidstein in Bildmitte teilt das Dachsteinplateau. Links der Koppenkarstein, am rechten Bildrand der Hohe Dachstein.
SCHL Sommersitz mit Ausseer Land und Dachstein. Schön gelegen, aber für Alpenverhältnisse viel zu kurz.
Beides trifft auch auf den zweiten Schlepplift Sonnleiten zu. Die präparierte Abfahrt des SCHL Sonnleiten ist nur eine Hangumfahrung.
Im linken Bilddrittel muss sich früher der dritte SCHL Bräuningalm befunden haben, der von einer Lawine beschädigt und nicht weiterbetrieben wurde.
Zoom aufs westliche Dachsteinplateau mit dem Hohen Dachstein in Bildmitte. Im Sattel links daneben erreicht die von der verdeckten Seilbahnbergstation Hunerkogel kommende Präparationsspur ihren höchsten Punkt. Knapp links davon befindet ich im Sattel die Dachsteinwarte.
Steilhang der sportlichen Abfahrt LoserFenster.
Nach ein paar Abfahrten am LoserFenster verlasse ich das ansonsten eher enttäuschende Höhenskigebiet und begebe mich auf die Ziehwegabfahrt der DSB Loser 2, die an der Loserhütte vorbeiführt.
DSB Loser 2 mit Altausseer See, Ausseer Land und Dachstein.
Noch ein Zoom zum Dachsteinplateau. Am unteren linken Bildrand erkennt man die Krippensteinabfahrt in Obertraun, außerdem die Schneisen der ehemaligen Militärseilbahn Obertraun - Krippenbrunn.
Ziehwegabfahrt DSB Loser 2.
Blick auf den Skihang Sandling auf der anderen Talseite.
Schöne Talabfahrt LoserJet gegen den Sandling.
Die vielen Schwächen des Skigebiets Loser vermochte sie für mich aber auch nicht auszugleichen.
Talabfahrt LoserJet weit unten ...
... und Schluss. Wünschen wir dem Skigebiet Loser einen erfolgreichen Anlagenneubau, der Skibetrieb in den Folgejahren ermöglicht. Ich fuhr weiter nach Tauplitz.