Dieser Bericht ist Teil der Berichtsserie meiner dreitägigen Skifahrt im März 2022:
Abtenau / Karkogel 19. März 2022
Altaussee / Loser 19. März 2022
Tauplitzalm 19. März 2022
Ramsau / Obertraun - Dachsteinüberquerung mit Dachsteingletscher und Krippenstein 20. März 2022
Uttendorf / Weißsee Gletscherwelt 21. März 2022
Kaprun / Kitzsteinhorn 21. März 2022
Anfahrt: Enzingerboden - Uttendorf - Piesendorf - Kaprun - Talstation Kitzsteinhornbahnen in 0:35 h
Wetter: Sonnig, im Skigebiet -5°C bis +2°C
Schnee: Im Skigebiet >100 cm
Anlagen in Betrieb: Alle außer DSB Sonnenkar 2
Wartezeit: Keine
Gefallen: Hochalpine Szenerie, Panorama, Abfahrt Maurerlift, Höhenprofil 2200 Höhenmeter bis hinuter zum Zeller See
Nicht gefallen: Übererschließung in einem Massenskigebiet halt. Wirklich überall steht irgendwelche Infrastruktur. Keine Talabfahrt.
Bewertung: Trotzdem 6 von 6 Punkten wegen Panorama und guten Skifahrens.
Kommt mir jetzt nicht mit "Kitzsteinhorn ... baaah, langweilig, der 3199ste Bericht im Alpinforum"! Mir doch egal.
Nach dem Vormittagsbesuch in der Weißsee Gletschwelt erst mittags an den Kapruner Zubringerbahnen zum Kitzsteinhorn zu parken, hat einen Vorteil: Die ersten Frühbesucher sind schon wieder weg, und ihre Parkplätze sind bereits frei. Ich kann das Auto *direkt* vor dem Eingang der EUB Panoramabahn abstellen. Die am Vortag bei der Dachsteinüberquerung von den vielen Aufstiegen lädierten Füße freuen sich, diesmal in Skischuhen nicht weit laufen zu müssen.
Nach 1000 Höhenmetern Bergfahrt mit der EUB Panoramabahn geht es auf dem sulzigen Langwiedboden auf 1976 m mit der KSB Langwiedbahn weiter, denn während der Pandemie gebe ich offenen Beförderungsmitteln den Vorzug vor geschlossenen. Ich freue mich, dass die alte Pendelbahn Kitzsteinhorn 2 noch besteht und fährt, wenn auch nur noch für Materialtransporte. Auf die Benutzung der modernen Gipfel-Pendelbahn ab Station Alpincenter verzichte ich, denn von deren Bergstation "Gipfelwelt 3000" gibt es keine Skiabfahrt ins Gletscherskigebiet mehr, obwohl das über den Steilhang unterhalb der Station nach wie vor möglich wäre. Während meines Aufenthalts im Skigebiet sehe ich auch niemanden über diesen Steilhang abfahren. Wahrscheinlich ist rund um die "Gipfelwelt 3000" alles Massentourismus-tauglich eingezäunt und abgesperrt. Um von dort ins Skigebiet zu kommen, ist man gezwungen, die kurze Standseilbahn "Gletschershuttle" talwärts benutzen. Das musste ich schon vor 20 Jahren beim Sommerskifahren und brauche das bei diesem Winterbesuch nicht.
Am Alpincenter treffe ich an der Kombibahn Gletscherjet 3 auf die einzige Liftschlange meiner drei Skitage, und zwar für die geschlossenen Kabinen. Und hier sehe ich auch erstmalig wieder eine Spezies, die in meinen letzten sechs Skigebieten quasi nicht vorkam: Snowboarder.
Da bei meinen Skizielen der landschaftliche Aspekt eine große Rolle spielt, komme ich am höchsten Punkt des Skigebiets, der Bergstation Gletscherjet 4, auf Skiern nicht weit, sondern rutsche nur zum Aussichtspunkt auf dem Grat zwischen Kitzsteinhorn und Maurerkogel hinüber. Von dort aus sieht man auf rund 20 km nach Süden tatsächlich den Großglockner und natürlich noch viel mehr Tauernberge, aber putzigerweise westlich/rechts daneben auch Berge der Sextner und Ampezzaner Dolomiten wie z.B. Elfer- und Zwölferkofel oder Antelao und Sorapis, ein völlig anderer Kontext.
Skiseitig geht es nun auf dem Pistenplan von links nach rechts zuerst über die obere Etage des Skigebiets mit ihren Schleppliften, dann über die mittlere mit ihren Sesselbahnen. Die DSB Sonnenkar 2 ist bei meinem Besuch geschlossen, den kurzen Schneehasen-Übungsschlepper fahre ich zwecks Zeitoptimierung nicht. Die Schleppliftabfahrten auf fast 3000 m sind bei Pulverschnee auf teils härterem Grund eine feine Sache; mein Favorit wird natürlich die tolle schwarze Abfahrt des Maurerlifts. Die mittlere Etage mit den Abfahrten der Sesselbahnen Schmiedinger, Sonnenkar 1, Gletscherjet 3 und Kristallbahn reizt mich weniger. Nur die Abfahrt der Schmiedingerbahn macht viel Spaß, hingegen stehen die Sonnenkarbahnen 1 und 2 irgendwie unmotiviert in der Landschaft herum. Aber immerhin bleibt auch in der Sesselbahnetage der Schnee gut. Was auffällt, sind die gegenüber sämtlichen im Vorfeld besuchten Skigebieten meiner 3-Tage-Tour wesentlich volleren Abfahrten. Nicht so schlimm wie teilweise in den Dolomiten in den Faschingsferien, aber erstmals muss ich am Kitzsteinhorn meine Fahrweise wieder auf andere Skifahrer anpassen - an einem Montag außerhalb teutonischer Schulferien.
Schon gegen 14:30 Uhr werden die Schatten der auf der Westseite des Skigebiets gelegenen Grate von Maurerkogel und Schmiedinger deutlich länger und beginnen - trotz fortgeschrittenen Frühjahrs - schnell, die Pisten zu erfassen. Das hatte ich nicht erwartet und möchte lieber nicht wissen, wie schattig man hier in den Weihnachtsferien Ski fährt. Entsprechend laufen die Schlepplifte, Sesselbahnen und selbst die EUB der oberen und mittleren Etage des Skigebiets nur bis 15:30 oder 15:45 Uhr - im Vergleich zu vielen anderen Skigebieten enttäuschend. Nach einer knapp erreichten, letzten Fahrt mit dem Gletscherjet 4 nach "ganz oben" versuche ich, in den verbleibenden 7 Minuten noch die letzte Bergfahrt der Langwiedbahn "ganz unten" im Skigebiet um 16 Uhr zu erreichen. Da die Langwiedabfahrt aber nachmittags stark frequentiert ist und auch von vielen schwächeren Skifahrern benutzt wird, auf die Rücksicht zu nehmen ist, treffe ich am Langwiedboden wenige Minuten zu spät ein, und der Zustieg zur Bergfahrt ist schon geschlossen.
Auf dem Langwiedboden schaue ich mich um kurz nach 16 Uhr um. Auf den Après-Ski-Terrassen ringsum wird zu einschlägig bekannter, peinlicher musikalischer Untermalung gesoffen und gegrölt, und hinsichtlich des nur noch knapp überm Grat befindlichen Sonnenstandes folgt in max. fünf Minuten der Massenaufbruch. Der Einstieg zur Talfahrt mit der EUB Panoramabahn ist noch leer. Eigentlich wollte ich hier später weg, doch so nutze ich die Gunst der Stunde lieber für die Talfahrt mit einer Privatkabine ohne maskenlose Besoffene.
Aus der EUB-Kabine begutachte ich noch die Verbindungs-Seilbahn zum Kapruner Maiskogel. Sie quert oberhalb das Gelände des Grubbachs, dessen Fahrweg ich mir vor Jahren für einen Besuch bei viel Schnee als Talabfahrtsmöglichkeit mit späterem Wechsel auf den Wanderweg zum Klammsee im Talboden ausgesucht habe - nicht ohne vorherigen Sommerbesuch zwecks Terrainchecks. Keine Ahnung, ob das schon mal jemand aus dem Forum versucht hat oder ob das sonstwo dokumentiert ist. Aber für meinen Besuch scheidet die Option zeitmangel- und schneelagebedingt ohnehin aus. Ein schöner, erlebnisreicher Skitag und meine Drei-Tages-Tour gehen hier zuende. Ob ich noch einmal auf dem Kitzsteinhorn Ski fahren möchte? Mit Familie vielleicht, oder wenn es schneemangelbedingt ringsherum nicht mehr geht. Für mich gibt es viele Skigebiete mit interessanteren Alleinstellungsmerkmalen als das Kitzsteinhorn. Dort wird fast jeder Quadratmeter von irgendwelcher Infrastruktur erschlossen oder genutzt, was ich nicht schätze, ein wenig wie in Winterberg im Sauerland. Aber landschaftlich und von den Höhenreliefs her hat es schon was ... nicht anders als bei meinem Erstbesuch im Spätsommer 2002.
Unterquerung der Kapruner Maiskogelbahn samt Abfahrt mit dem Kaprun-typischen Blick aufs (ehemalige) Gletscherplateau des Kitzsteinhorns.
Pistenplan Kitzsteinhorn.
Talstation der Panoramabahn zum Kitzsteinhorn in Kaprun. Eine Etage tiefer startet der Funifor. Beide Bahnen haben ihre Bergstationen auf dem Langwiedboden.
Talstation Panoramabahn Kitzsteinhorn.
Blick aus der EUB Panoramabahn auf die Talstationen.
Trassen der Bahnen zum Langwiedboden.
Die EUB Panoramabahn überquert direkt die Talstation der noch bestehenden zweiten Pendelbahn-Sektion Kaprun - Kitzsteinhorn, die nur noch für Materialtransporte verwendet wird.
Und da fährt sie - zweite Pendelbahnsektion mit Bergstation am Alpincenter als Lastesel. Bis zu welchem Jahr übernahm diese Bahn noch Personentransport?
Langwiedboden - Skidepot, Seilbahnstationen, Après-Ski-Sauftempel. Die alte Pendelbahn obendrüber erscheint wie aus einem Paralleluniversum, gebaut Jahrzehnte vor der Erfindung des taillierten Skis. Ein schöner Anachronismus, aber wahrscheinlich werden ihre Benutzer damals 30 bis 60 Minuten in der Warteschlange gestanden haben.
Weiter mit der KSB Langwied zum Alpincenter. Das Kitzsteinhorn kommt ins Bild.
Mit der Kombibahn Gletscherjet 3 in eine majestätische Landschaft, die wie zum Skifahren geschaffen erscheint.
Und weiter im Gletscherjet 4, für den in der unten sichtbaren Station wegen zu großen Bodenabstands die Sessel herausgeklinkt, talwärts geschickt und von oben durch Kabinen ersetzt werden. Richtungsweisende Technik!
EUB Gletscherjet 4. Perlen an der Schnur.
Bergstation EUB Gletscherjet 4. Ich hasse diese durch Schneeverschiebung entstehenden Treppenstrukturen auf wintersportlich genutzten Gletschern - ein reiner Fremdkörper in der Landschaft.
Aussichtspunkt auf dem Grat zwischen Bergstation Gletscherjet und Maurerkogel.
Zoom vom Grat zwischen Bergstation Gletscherjet und Maurerkogel zum Großvenediger-Massiv.
Großvenediger-Gipfel, 3657 m.
Hier zoomen wir links durchs Untersulzbachtörl nördlich des Großvenedigers auf die weiter hinten liegenden Schliefertürme - das sind Berge überm einsamen Krimmler Achental. In Bildmitte Plattiger Habach, Hohe Fürlegg und Keeskogel nördlich des Großvenedigers.
Aussichtspunkt auf dem Grat zwischen Bergstation Gletscherjet und Maurerkogel. Ganz hinten links Großglockner, rechts der Bildmitte Großvenediger-Massiv.
Digital vergrößertes Skigebiet Weißsee-Rudolfshütte, besucht am Vormittag desselben Tages. Man erkennt links der Bildmitte den langgestreckten Skihang des Medelzkopfes und rechts der Bildmitte die Staumauer des Weißsees. Auf dem Buckel links der Bildmitte befinden sich die Bergstationen von DSB Tauernmoos, Hüttenlift und Schafbühellift, wegen der mäßigen Bildqualität hier kaum zu erkennen. Vor Ort auf dem Aussichtspunkt am Kitzsteinhorn habe ich das Weißsee-Skigebiet inmitten der vielen Berge und Hänge nicht ausmachen können, darum gibt es leider kein optisches Zoomfoto.
Blick vom Aussichtspunkt auf dem Grat in den gewaltigen Kessel unterhalb des Kitzsteinhorns.
Blick vom Aussichtspunkt auf dem Grat nach Südwesten zur Venedigergruppe.
Hoher Eichham und Groß Hexenkopf über Prägraten in Osttirol.
Großer Bärenkopf zwischen Kapruner Tal und Fuscher Tal, ein Nachbarberg des Großen Wiesbachhorns.
Blick durch Riffltor zum Großglockner und - rechts daneben - der Hoffmannspitze.
Sehr hohe Stütze des Gletscherjet 4 gegen die Skihänge von Sonnkogelbahn und Hochmaisbahn im Skigebiet Schmittenhöhe von Zell am See.
Zoom nach Norden zum Großen Ochsenhorn links, dem Sonntagshorn (gelegen zwischen Ruhpolding und Unken im Heutal) ganz hinten und Hochbrett und den Hundshörndln in den Leoganger Steinbergen. Unterhalb der Bildmitte die Saalbacher Skiberge Pründelkopf und Wildenkarkogel, auf die die Liftanlagen Magic 6er und Schönleiten fahren.
Hinter einem Gletscherfeld der Venedigergruppe schaut der Rauchkofel überm Südtiroler Ahrntal heraus, an dessen Fuß sich das Skigebiet Klausberg befindet - hier natürlich verdeckt.
Genug mit Bergzooms, Talzooms gehen ja auch.
... bis hinunter nach Zell am See, ca. 2200 Höhenmeter liegen dazwischen.
Zoom auf den Zeller See. Am hinteren Seeufer liegt Thumersbach. Von dort hat man 1975 ein Skigebiet auf den Ronachkopf gebaut, das ist der Höhenzug zum rechten Bildrand mit den kleinen Schneestreifen drauf, Seehöhe 750-1300 m. Das Skigebiet erwies sich als wenig schneesicher und wenig frequentiert und erfreute sich seiner Existenz bis 1999, als größere Investitionen anstanden, die man nicht finanzieren konnte. Heute ist der Ronachkopf ein beliebter Tourenberg ... wenn denn mal bis zum Seeufer Naturschnee liegt.
Der südexponierte Berg überm Zeller See ist die Schwalbenwand, dahinter die Berge des Steinernen Meers in Richtung Berchtesgaden.
SCHL Maurerkogel im Skigebiet Kitzsteinhorn.
Die Liftfahrt gegen die Sonne mit den staubenden Pulverschneefahnen der Skifahrer hat schon was ...
... und die Abfahrt ebenso! Beste Anlage und beste Abfahrt im Gebiet!
SCHLe Kitzlifte.
SCHL Magnetköpfl. Eigentlich nur als Rückbringer zur Standseilbahn und weiter zur Bergstation der Pendelbahn interessant.
Kabine der PB.
Abfahrt KSB Schmiedinger mit Nordpanorama.
KSB Schmiedinger mit guter Abfahrt, könnte bloß gern länger sein. Warum eigentlich heißt ausgerechnet diese Bahn Schmiedinger, wenn sich der gleichnamige Berg doch auf der ganz anderen Seite des Skigebiets befindet?
Vollpanorama des oberen Skigebietsteils von der Abfahrt zur Kristallbahn gesehen. Schöne Sache! Der Schmiedinger ist übrigens der Berg unter der Sonne, die gleichnamige Bahn steht dagegen ganz links unterm Kitzsteinhorn.
Detailpanorama des oberen Skigebietsteils. Ideales Skigelände. Man erkennt gut das frühe Vorrücken der Schattenkanten auf die Abfahrten von Kitzliften und Maurerkogellift um ca. 14:30 Uhr Mitte März. Damit hatte ich nicht gerechnet ... sondern eher damit, bis 16:30 Uhr in der Sonne Skifahren zu können.
Station Alpincenter auf 2450 m. Preisverdächtig für den Wettbewerb "hässlichste Gebäudegruppe am Berg in den Alpen". Ein Anbau jagt den nächsten.
Fahrt in der KSB Kristallbahn.
Abfahrt zur KSB Kristallbahn.
Bergstationen Gletscherjet 2 und KSB Langwiedbahn mit prominentem Kitzsteinhorn. Die leckere Buckelpiste im Vordergrund wollte ich eigentlich mitnehmen, habe sie dann aber - genau wie die Black Mamba - leider vergessen.
In der EUB Gletscherjet 4 kurz vor der hohen Stütze. Wie man sieht, sind die Kabinen mit Halterungen für Jedi-Lichtschwerter ausgestattet.
Die reichlich zersiedelte Umgebung des Alpincenters. Links das Bundessport- und Freizeitzentrum, eine Unterkunft mit Zielgruppe Sportgruppen. Sah bei meinem Besuch geschlossen aus.
Langwiedabfahrt - unerwartet gut!
Langwiedabfahrt.
Ende Langwiedabfahrt. An der Schattenkante erkennt man, dass hier bereits um 16:00 Uhr Skischluss ist.
Letzte Sonnenminuten auf dem Langwiedboden schon um 16:00 Uhr. Als die Tunnel-Standseilbahn noch existierte, konnte man weitere ca. 200 Höhenmeter ins Tal über die Salzburger Hütte zur Breitriesenalpe abfahren und dort per Weiter"rutschen" über Matten in einem Fußgängertunnel in eine Zwischenstation der Tunnel-Standseilbahn zusteigen. Das ist natürlich Geschichte.
Alte Talstation der Kitzsteinhorn-Pendelbahnsektion 2, die noch besteht, aber nur noch für Transporte eingesetzt wird. Gesehen aus der EUB-Kabine der Panoramabahn bei der Talfahrt.
Infrastruktur im Talboden. Ende des Skitages und meiner dreitägigen Skifahrt insgesamt.