Vor zwei Jahren erfuhr ich durch reinen Zufall vom ehemaligen Skilift an der Neubichler Alm in Piding, unweit der Grenze zu Salzburg. Nach meiner damaligen Begehung (viewtopic.php?t=66691) versuch(t)e ich weiterhin, Informationen zu diesem Seba-Lift zu bekommen - bis heute leider vergeblich. Jedoch ergab die Recherche einen weiteren Zufallsfund, nämlich den lange abgebauten Skilift an der Hölbinger Alm in Aufham - praktisch vis-à-vis der Neubichler Alm und wie damals ein weiteres dem Forum bislang unbekanntes Lsap.
Der bis heute einzige, aber entscheidende Tipp für einen Lift an der Hölbinger Alm in Aufham kam vom Gemeindearchiv Anger. Von einer sehr engagierten Dame erhielt ich nicht nur einen schriftlichen Hinweis, sondern auch den Scan eines Schwarz-Weiß-Fotos der Anlage (den ich mit Rücksicht auf das Urheberrecht hier nicht posten werde). Darauf zu sehen ist der Rösselsprung eines Leitner-Tellerlifts nur wenige Meter südöstlich unterhalb der Alm, im Tal im Hintergrund eine auffällige Allee (heute die St2103) sowie der Högl (der Hügel, auf dem die Neubichler Alm liegt).
Erst jetzt bei der Erarbeitung meines nachfolgenden Lsap-Berichts bin ich vor wenigen Tagen endlich auch auf eine alte Ansichtskarte gestoßen, die den Leitnerlift zeigt: https://www.delcampe.net/de/sammlerobje ... 32751.html
Da der Inserent im Auktionstitel nicht die Hölbinger Alm, sondern lediglich den Ort Aufham nennt, war das mit einiger Scrollerei verbunden.
Auf der Ansichtskarte ist der Rösselsprung schön zu sehen sowie die offene Talstation.
Juni 2022: Nur mit dem Schwarz-weiß-Scan startete ich an einem Dienstagabend meine Suche an der Hölbinger Alm - diese ist am rechten Bildrand zu erkennen. Wo genau der Leitner seine Talstation gehabt haben sollte, war auf dem Scan nicht zu erkennen und auch die Luftbilder halfen nicht weiter. Erst lief ich einige Minuten um den aufgeschütteten (und eingezäunten, daher nicht zugänglichen) Bereich vorne herum und fand nichts.

Um 180° ins Tal geschwenkt: Sollte der Lift dort unten gestartet sein? Ich lief bis ins Dickicht runter - und fand nichts.

Erst zurück an der Aufschüttung und direkt am Zaun stehend die Gewissheit: Ich hatte die Fundamente des Rösselsprungs und damit den Lift gefunden. Von Ungewissheit mitten hinein ins Lsap-Glück in einer Sekunde

Dank der Ansichtskarte ist nun auch klar, dass der Lift tatsächlich nicht am Talboden, sondern auf der markanten Aufschüttung direkt unterhalb der Alm startete.

Da der ehemalige Talstationsbereich nicht legal erreichbar war, lief ich um den eingezäunten Bereich herum und hoffte, im Wald wieder auf die Trasse zu stoßen. Mit Erfolg! Ein Fundament liegt gleich neben einem Wanderweg. Manchmal kann es so leicht sein - ganz anders ist es vovo und mir vor drei Wochen nur wenige Kilometer weiter südöstlich ergangen.


Blick die Trasse hinauf: Wüsste man es nicht, würde man hier niemals ein ehemaliges Kleinstskigebiet vermuten.

Auch der Blick ins Tal zeigt: Hier wird schon sehr lange nicht mehr skigefahren.

Der genaue Betriebszeitraum des Hölbinger Alm-Lifts ist mir noch nicht bekannt. Im Gemeindearchiv Anger wusste man lediglich zu berichten, dass der Lift bis "ca. 1985" gelaufen sein soll und direkt von der Alm betrieben wurde. Wie an der Neubichler Alm also eine Art Privatlift für die Gäste. Wie viele weitere solcher (bislang unentdeckter) Anlagen es wohl noch in der Region gegeben hat?
Geht man wenige Meter auf dem besagten Wanderweg entlang, wird von oben der Blick auf das alte Skigelände und die Hölbinger Alm frei.

Hölbinger Alm links, alter Talstationsbereich rechts unterhalb.

Dort befindet sich heute ein eingezäunter Gemüsegarten. Die anfangs entdeckten Fundamente des Rösselsprungs müssten sich am rechten Bildrand unter dem dichten Gras verbergen. Im Hintergrund zu sehen die markante Allee (St2103) sowie dahinter die A8.

Nun erkundete ich die Trasse bergwärts und stieß auf das nächste Fundament...

...sowie auf den Ausstiegsbereich. Denn...

...kurz dahinter findet sich noch das massive Bergstationsfundament - wiederum direkt am Wanderweg, wie praktisch.

Blick auf das Bergstationsportal von vorne rechts.

Und auf dem rückwärtigen Teil des Bergstationsfundaments stehend der Blick auf die Lichtung, wo man einst abbügelte.

Beflügelt von dieser erfolgreichen Lsap-Tour ging es für mich über den Wanderweg entlang der alten Piste zurück zum Auto. Die Hölbinger Alm ist dieser wuchtige weiße Bau oberhalb des Solar-Dach-Hauses.

Unmittelbar vor der Alm stehend fällt der Blick auf die alte Lifttrasse samt Piste, die man hier heute nie vermuten würde.

Vom Talboden aus stellt sich das Ganze so dar.

Und mit Nachhilfe von Paint der ungefähre Verlauf.