Aus dem Süden Deutschlands stammend kommt man nicht so schnell auf die Idee, in einer Skihalle den Lieblingssport auszuüben. Trotzdem hat mich Ski Dubai irgendwie schon immer fasziniert, und es war klar, dass wenn ich mal in Dubai bin, die dortige Skihalle zum Pflichtprogramm gehört.
Jetzt ist es so, dass es im Forum schon den ein oder anderen Bericht zu Ski Dubai gibt. Die Skihalle steht ja auch schon seit 2005 und Dubai ist ein beliebtes Reiseziel. Auch die Schneebedingungen sind dort tendenziell stabil.
Die Mall of the Emirates war brechend voll, aber Ski Dubai war angenehm leer. Gefühlt 90% der Gäste buchen die anderen Aktivitäten wie Snow Tubing, Rodeln, Meet & Greet mit echten Pinguinen oder Flying Fox. Mir erschließt sich dabei nicht, was der Mehrwert eines Indoor-Flying-Fox bei -4 Grad sein soll, wenn es draußen in der Wärme spektakulärere Outdoor-Anlagen gibt. Aber sei’s drum, wir buchen das “Ski-Only-Paket” für zwei Stunden, zur Enttäuschung der Verkäuferin, die alles in die Waagschale warf, um uns vom ganz großen Paket mit allen Aktivitäten zu überzeugen.
Blick in die Skihalle
Kalt erwischt hat uns die Tatsache, dass im Slope Pass alles enthalten ist, außer die Handschuhe. Da wir diese nicht für unseren “Sommer-“Urlaub eingepackt haben, gibt es zwei Möglichkeiten: (1) doch den teuren Pass nehmen, denn da wären die Handschuhe - oh Wunder - enthalten oder (2) einfach frieren, -4 Grad ist ja nix für uns Mitteleuropäer. Wir entscheiden uns für Möglichkeit (3) und schnappen uns die liegen gelassenen Exemplare einer Vorgängergruppe.
Die Skianzüge, die wir notdürftig über unsere Sommer-Outfits streifen, sind wohl auch noch aus 2005. Ebenfalls haben sie keine Taschen, was durchaus unpraktisch ist (Smartphone!). Die Skier (Rossignol) sind gewachst, bräuchten aber dringend mal einen Kantenservice.
Die Skidata-Leser sind außer Betrieb, daher muss als Ticket ein Armband genügen. Ein netter Mitarbeiter erklärt uns, dass damit auch nicht nachvollziehbar ist, wie lange wir auf der Piste bleiben. Angesichts der gähnenden Leere am Lift "erlaubt" er uns mit einem Augenzwinkern länger zu fahren als die gebuchten zwei Stunden. Leider können wir das Angebot nicht nutzen, denn der Rest unserer Gruppe schlägt die zwei Skifahrstunden in der Mall tot.
Erste Fahrt im Sessellift
Unterhalb des Skihangs finden sich alle anderen Aktivitäten. Neben der Piste finden sich außerdem noch die Tubingbahn und der Flying Fox.
Der Skihang selbst gliedert sich in zwei Teile, die von einer Mittelstation mit Hütte getrennt werden. Da die Halle an der Mittelstation einen Knick macht, entsteht auch eine räumliche Trennung. Die unterschiedlichen Sichtachsen vermitteln dabei geschickt den Eindruck von Größe.
Pistenplan
Bei den Pisten gibt es die “Außenkurve” um die Mittelstation, die sehr flach ist. Die “Innenkurve” ist dagegen steiler und erlaubt auch ein paar Kurzschwünge. Insgesamt sind die Pisten deutlich kurzweiliger als gedacht, was aber sicherlich mit dem sommerbedingten Ski-Entzug zusammenhängt.
Auf dem unteren Hang
Die steilere Piste in der Innenkurve
Der obere Hang - leider etwas unscharf
Neben der Sesselbahn gibt es zwei Stangenlifte (sogar gekuppelt - ein Traum für die Technikfans), der eine erschließt (mit Kurve!) die gesamte Halle, der andere nur den oberen Teil. Da alle möglichen Nicht-Skifahrer mit dem Sessellift zum Tubing oder einfach nur im Kreis fahren, sind die Schlepplifte deutlich schneller. Wir setzen trotzdem meistens auf den komfortableren Sessellift.
Unser Fazit fällt also sehr positiv aus. Die zwei Stunden hätten wir locker verlängert, wenn niemand auf uns gewartet hätte. Trotzdem war das nur ein Appetizer auf die echte Saisoneröffnung. Dann auch mit echten Bergen und mit möglichst viel Naturschnee.
Ausfahrt Talstation
Kurvenkonstrukt der Mittelstation, das talfahrende Seil macht eine Innenkurve, hab ich so auch noch nicht gesehen (!)
Heizstrahler auf der Terrasse der Hütte - hier wird künstlich beheizt, was künstlich gekühlt ist
Blick aus der Hütte an der Mittelstation auf den oberen Hang
Blick von oben auf den unteren Hang
Blick von unten auf den unteren Hang
Übrigens: nach vier Tagen Dubai flogen wir weiter nach Oman. Dort betreibt die Majid al Futtaim Group, börsennotierte und milliardenschwere Eigentümerin der Mall of the Emirates und von Ski Dubai, die Mall of Oman, inklusive “Snow Oman”. Bei Snow Oman, erst dieses Jahr eröffnet, fehlt zwar die Skipiste, aber Tubing, Rodeln und Pinguine sind dort ebenfalls in einer kalten Kunstschneehalle vorhanden. Und wen es doch zum Skifahren lockt: seit 2017 betreibt dieselbe Firma mit Ski Egypt in der Stadt des 6. Oktober eine zweite Skihalle in Äqypten, diese auch mit einer Piste. Also irgendwie scheint das Geschäft mit dem Schnee in der Wüste besser zu laufen, als ich es mir vorstellen kann und will.
Snow Oman
Snow Oman