Anfahrt: Ettlingen - A8 - Ulm - A7 - Kempten - B12 - B19 - Fischen - Bolsterlang in 2:20 h. Bolsterlang - Grasgehren 0:14 h. Rückfahrt 2:33 h.
Wetter: Vormittags Streifenwolken mit Sonne, mittags 1 h bedeckt, nachmittags sonnig, ca. +5°C.
Schnee: Skigebiet Bolsterlang 30-50 cm Altschnee, Grasgehren ca. 50-80 cm Altschnee.
Anlagen in Betrieb: Bolsterlang alle bis auf 1 Tal-SCHL, Grasgehren alle
Wartezeit: keine
Gefallen: Guter Pistenzustand, teils geisterhaft leere Skigebiete, Panorama
Nicht gefallen: Bedecktes Wetter über Mittag, Essenspreise Hörnerhaus, Stundenkarten-Einteilung Grasgehren
Bewertung: 4,5 von 6 Punkten
Hurra, der weihnachtliche Hüftgold-Förderwettbewerb ist durch, und endlich kann man sich wieder den sinnvollen Dingen des Lebens widmen, z.B. Skifahren!
Bolsterlang
Bereits auf der Allgäuer Autobahn südlich von Ulm waren Harzwinter Junior und ich uns erfreut einig, dass dies kein voller Skitag werden würde. Wir gelangten ohne Beeinträchtigungen in Bestzeit auf den schwach gefüllten Bolsterlanger Seilbahnparkplatz über dem grünen Illertal. Hier war ich zuletzt im Januar 2010, kaum zu glauben. Wir kauften Halbtageskarten, denn das Skigebiet wartet zwar mit 700 sportlichen Höhenmetern auf, ist aber nicht eben groß. Ohne Wartezeit ging es mit der EUB Hörnerbahn hinauf und gleich weiter zum Weiherkopf mit seiner 6KSB. Die Weiherkopfabfahrt war der Hammer: Bestens präpariert, Schwingauflage auf recht festem Untergrund, dadurch superschnell ... und weitestgehend leer. Hier verbrachten wir zwei Drittel des Skivormittages mit Kondensstreifen am Skihelm und breitem Grinsen beim Runterheizen. Auch die Stuibenabfahrt der DSB brauchte sich nicht zu verstecken und fuhr sich genau so gut, wurde aber unten weich. Es waren ausschließlich sehr gute Skifahrer und Skischulen unterwegs, keine hilflos herumpurzelnde Anfängerklientel. Sehr erfreulich.
So verging unser Skivormittag in Bolsterlang schnell und mit hohem Spaßfaktor. Von den mitgehörten Gesprächen in den Sesselbahnen waren die Pistenverhältnisse am Vortag ganz erheblich schlechter mit Nassschnee und aufgefahrenen Sulzhaufen auf allen Pisten. Bei unserem Besuch nicht. In den Sesselbahnen kam uns sowohl am Weiherkopf als auch am Stuiben mittags während mehrerer Bergfahrten kein einziger Skifahrer auf der Piste entgegen, so geisterhaft leer war es. Man kann ja mal Glück haben.
Gegen 13 Uhr wollten wir mit Ablauf der Gültigkeit unseres Skipasses eigentlich im Hörnerhaus einkehren. Ein Blick auf die Bepreisung der Speisekarte ließ uns den Appetit vergehen. Wer bitte bezahlt denn im Allgäu für Gröstl 18 oder für Schlutzkrapfen 20 Euro? Wir nicht, und es lehnten auch nur 5 Paar Ski an der Hüttenwand, kein Wunder. Im Seilbahngasthaus an der Mittelstation gab's Leberkäse und Currywurst für jeweils 11 Euro, das sind schon eher Allgäuer Preisrelationen. Noch günstiger wäre es in der Talhütte an der EUB-Talstation gewesen, hinterher ist man immer schlauer. Leider schreibt die Talhütte ihre Menüpreise nicht auf die Kreidetafeln draußen am Gebäude, das wäre für die Tagesplanung sehr hilfreich.
Nach dem Essen ging es auf die offiziell gesperrte Talabfahrt, die sich erwartungsgemäß mit 3x Abschnallen wegen jeweils ~20m abgetauter Strecke tadellos befahren ließ. 14 Minuten nach Abreise aus Bolsterlang standen wir auf dem Liftparkplatz in Grasgehren am Riedbergpass.
38 Fotos aus Bolsterlang:
Talstation EUB Hörnerbahn. Hier war nix los, quasi der Hund verfroren (links sitzt er).
Bergfahrt EUB Hörnerbahn. Wie man sieht, ist das Illertal tauwetterbedingt kräftig ergrünt. Rechts der teils leere Parkplatz.
Bergfahrt EUB Hörnerbahn. Talstation der DSB Stuiben.
Bergauf sieht das Ganze winterlicher aus.
Rückblick von der Bergstation EUB Hörnerbahn.
Abfahrt von der EUB-Bergstation an der Mittelstation entlang zur ...
... 6KSB Weiherkopf. Als ich zuletzt hier war, fuhr hier noch ein schöner Kurvenschlepplift. Die Frequentierung der Abfahrt ist repräsentativ für unseren Skitag.
Schön steile, super präparierte, leere Weiherkopfabfahrt - so richtig fein zum Brettern. Von Harzwinter Junior sah man bloß noch Kondensstreifen.
Weiherkopfabfahrt mittlerer Teil, etwas flacher.
Danach ist die Weiherkopfabfahrt wieder steiler. Das Wetter schickte merkwürdige Streifenwolken, zwischen denen immer wieder die Sonne herauskam. Dadurch blieb die Kontursicht gut.
Panorama Allgäuer Alpen von der Bergstation der 6KSB Weiherkopf gesehen.
Zoom zum Widderstein.
Außenrum-Abfahrt am Weiherkopf mit Blick ins Alpenvorland und zum Grünten.
Nach deren Einmündung in die Hauptabfahrt wird wieder gebrettert.
Querung in Richtung EUB-Mittelstation.
Stuibenabfahrt, ebenfalls gut präpariert, recht leer und zum Brettern geeignet. Vormittags waren nur die untersten 50 Höhenmeter weich.
DSB Stuiben mit quasi verwaister Abfahrt.
Seitenblick aus der DSB Stuiben.
Sonnenlücke in den merkwürdigen Streifenwolken.
Stuibenabfahrt.
DSB Stuiben und EUB-Mittelstation mit unserer späteren Mittagseinkehr, weil uns das Hörnerhaus zu teuer war.
Zoom auf Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze, Bockkarkopf, Wilden Mann und Hohes Licht.
Noch ein Zoom zum Widderstein. Dahinter liegen der Vorarlberger Hochtannbergpass und Warth.
Wieder an der 6KSB Weiherkopf. Gute Bahn, nur die grellorangefarbenen Hauben stören. Die waren leider eine Zeit lang Mode. Inzwischen werden wieder farblose und blaue Hauben verbaut, die optisch gefälliger sind.
Lagebesprechung? Kontaktlinse verloren?
Der Grünten auf halb Drei.
Blick vom Weiherkopf ins grüne Alpenvorland.
Weiter brettern am Weiherkopf ...
... und am Stuiben auf gut präparierter, sauschneller Piste.
Zoom vom Weiherkopf nach Oberjoch mit Schönkahler, dem Pfrontner Breitenberg, dem Aggenstein und dem Iseler.
Detailzoom, Oberjoch mit Breitenberg und Aggenstein. Nach gutem Skifahren sieht das da nicht mehr aus ... gut, dass ich mich für Bolsterlang entschieden hatte. Ich wusste nicht, dass der Breitenberg auf dem Südhang eine Art Abfahrtsschneise hat. Man findet sie auch auf der Karte, sie endet im Nichts. Gab es am Breitenberg mal einen Südhanglift?
Zoom vom Weiherkopf nach Oberstdorf mit den markanten Schanzen im Skistadion. zwischen den beiden Seilen der 6KSB Weiherkopf führt die gesperrte Nebelhorn-Talabfahrt hinunter. Obendrüber Berge wie Großer Wilder, Noppenspitze, Kreuzkarspitze und in schwarz die Höfats.
Ab 12 Uhr war es vorübergehend bedeckt. Nach unserer Einkehr im Bergrestaurant an der EUB-Mittelstation mit unmerkbarem Namen ging es auf die schneemangelbedingt gesperrte Talabfahrt, die von unten noch ziemlich gut aussah.
Und sie war auch größtenteils noch gut zu befahren. Hier ein kurzes Stück Herausforderung, ...
... der lange Abfahrtshang in gutem Zustand ...
... bis zum Beginn der langen Hangquerung.
Hier trugen wir das Equipment auf 3x 20 Metern, ...
... danach konnte man bis zur EUB-Talstation abfahren.
Grasgehren
Mit unserer Abfahrt aus Bolsterlang wurde das vorher teils bewölkte Wetter schlagartig sonniger. Bei fast wolkenlosem Himmel trafen wir in Grasgehren ein. Hier bin ich zuletzt im Februar 2007 (!) Ski gefahren, fast 17 Jahre zuvor. Einen Forenbericht von damals gibt es nicht; wir hatten seinerzeit mit Kleinkindbetreuung genug zu tun. Doof: Auch wer in Grasgehren nur eine oder zwei Stunden Ski fahren möchte, muss drei bezahlen. Es gibt keine flexibleren Stundenkarten. Am einzigen geöffneten Kassenschalter ließ sich eine Mutter ausführlichst die Vor- und Nachteile von Familien- und Einzel-Tages- und Dauerskipässen sowie Dauerparkkarten erklären und verschwätzte unsere Zeit ... durch sie haben wir mindestens zwei Liftfahrten verpasst, danke. Tarifoptimierung rechnen wir vorher zuhause mit Internetinfo durch. Vorgeschlagenes Strafmaß für die Delinquentin: Ein Zwangs-Skitag in Winterberg während der Krokusferien mit Pkw-Anfahrt und Leihski für die ganze Familie.
Auch in Grasgehren war es an den Liften und auf den Pisten leer. Da der Hörnle-Hang mit seinem Doppelschlepper allmählich in den Schatten kam, fuhren wir hier zuerst. Der Doppelschlepper fuhr arg langsam, und hier fanden wir auch die kreuz und quer fahrende Anfängerklientel vor, die in Bolsterlang fehlte. Der Hörnle-Hang bietet drei schöne, rot ausgewiesene, aber letztlich leichte Abfahrten; die vierte führt auf den Gegenhang mit der Bolgengratbahn. Am Westhang des Bolgengrats konnten wir bis Liftschluss um 16 Uhr schön in der tiefstehenden Sonne fahren, die den verschneiten Bergen allmählich eine goldene Färbung verlieh ... ein wenig wie in Todtnauberg im Schwarzwald, aber nicht so intensiv. Am Bolgengrat gibt es drei rote Abfahrten, alle sonnig und mit schönem Ausblick. So wurde Grasgehren der würdige Abschluss unseres Ski-Tagesausflugs ins Allgäu. Auf der problemlosen Heimfahrt nach Ettlingen kam uns die Anreisewelle der Sylvesterskifahrer entgegen, die am zweiten Weihnachtsfeiertag noch bis mittags Familienpflichten nachkommen mussten.
27 Fotos aus Grasgehren:
Wer in Grasgehren vom Parkplatz zum Hörnlehang will, muss erst mal ein Stück aufsteigen.
DoppelSCHL Hörnle leer. Sein Hang kam nachmittags in den Schatten.
Trasse DoppelSCHL Hörnle. Mangels Andrang lief nur der linke Lift.
Im oberen Teil waren die Hörnle-Abfahrten noch sonnig.
Leere Abfahrten am Hörnle. Der spitze Berg im Hintergrund ist der Hochvogel ... habe vergessen, ihn heranzuzoomen.
Blick von der Bergstation DoppelSCHL Hörnle. Leitner-Anlage von 1971, also 52 Jahre alt.
Große Leere am Hörnle, ...
... ab und zu mit etwas Sonne auf der Abfahrt.
Grasgehren wurde seinem Ruf als Allgäuer Schneeloch (zusammen mit Balderschwang) gerecht. Hier lag sogar noch Schnee auf den Dächern.
Nach vier Fahrten am Hörnle querten wir unter dem tief verschneiten Riedberger Horn hinüber ...
... in Richtung Bolgengratbahn auf dem sonnigen Westhang. Um dorthin zu kommen, ...
... wird man Italien-ähnlich durch Absperrzäune zunächst zur ältesten Anlage hier oben, dem SCHL Grasgehren von 1967, geleitet. Auch dieser 56 Jahre alte Lift ist von Leitner.
Dann sitzen wir endlich in der sehr bedächtig fahrenden DSB Bolgengrat, einer DM-Bahn von 1993. Die tiefstehende Sonne beginnt die Landschaft einzufärben.
Zoom auf Piz Segnas und Piz Sardona in den Glarner Alpen zwischen Elm und Flims. Davor im Schatten das Damülserhorn.
Schöne Abfahrt vom Bolgengrat in der Nachmittagssonne gegen die Allgäuer Alpen.
Um viertel vor Vier sind kaum noch Besucher da, die die schöne Stimmung mitnehmen.
Infrastruktur Grasgehren mit Riedberger Horn.
Talstation DSB Bolgengrat.
Pano-Schwenk von der Bergstation Bolgengrat nach Norden über die Nagelfluhkette in der linken Bildhälfte mit Rindalphorn und Stuiben, zum Grünten mittig und zum Kleinen und Großen Daumen und Nebelhorn ganz rechts. Der waldige Berg links vom Grünten ist der Bolsterlanger Weiherkopf ... bei genauem Hinsehen kann man die Bergstation der 6KSB darauf erkennen.
Genussskifahren in den Farben der Spätnachmittagssonne, den Allgäuer Alpen entgegen.
Hoher Ifen und DSB Bolgengrat.
Tiefblick vom Bolgengrat nach Grasgehren. Links oben der Hohe Ifen.
Abfahrt gegen das Riedberger Horn ...
... und wieder gegen die Allgäuer Alpen.
Gleicher Zoom wie am Vormittag vom Weiherkopf, nur in Spätnachmittagsfarben viel schöner: Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze, Bockkarkopf, Wilder Mann und Hohes Licht.
Letzte Abfahrt vom Bolgengrat, der Sonne entgegen ...
... und Ende des Skitages im schattigen Grasgehren.
Fazit
Der zweite Weihnachtsfeiertag ist bei mir in die Liga der unbedingt wiederholenswerten Skitage in üblicherweise vollen Skigebieten aufgestiegen, analog Neujahr. Niemals hätten wir in den Weihnachtsferien so leere Skigebiete erwartet, was letztlich auch die gute Pistenqualität über den Tag konservierte. Und ich freue mich, nach vielen Jahren mal wieder in Bolsterlang und Grasgehren vorbeigeschaut zu haben.