Zwar waren die Wetteraussichten aufgrund des Sturms und der Regenmeldungen allgemein schlecht - für Reit im Winkl jedoch sollte sich ab dem Morgen Sonnenschein einstellen und so kam es dann auch. Dennoch fühlte es sich etwas seltsam an, bei Wind und Regen in München loszufahren. Ich hoffte – allerdings vergebens – dass deswegen weniger Andrang herrschen würde. Aufgrund des frühen Aufbruchs gab es zwar noch keinen Stau, aber auf der A 8 waren dennoch alle drei Spuren gut besucht.
Der Regen hörte irgendwann auf, die Sonne kam zum Vorschein und gelbes Licht flutete die durchnässte Landschaft. Aufgrund des Gegenlichts und der nassen Fahrbahn, welche die Sonne zusätzlich spiegelte, war es gar nicht so einfach, vom Irschenberg herunter zu fahren. Nach dem Inntaldreieck regnete es wieder und erst nach Marquartstein kam die Sonne wieder durch. Auf dem Weg zum Seegatterl fürchtete ich schon überfrierende Nässe – natürlich wurde trotz des erwartbaren Staus vorm Parkplatz dicht aufgefahren und vor Kurven überholt. Ohne Stress zum Skifahren schafft so mancher wohl nicht.
Wegen des Ferientages war gut was los und wir mussten gegen 9.30 Uhr im hintersten Eck parken – 2014 war ich den Bilddateien nach schon gegen 9 Uhr vor Ort und durfte relativ nahe der Talstation parken. 2013 war ich im Dezember hierbei noch gescheitert – am Seegatterl gab es keine Parkplätze mehr und in Waidring ließen sie aufgrund der Massen keine Leute mehr hinauf.
Aber ich war am 03.01.2024 froh, überhaupt noch einen Parkplatz gefunden zu haben, denn mit Kind im Auto wäre ein Nicht-Besuchen-Können der versprochenen Winklmoosalm erst mal stressig geworden. Aber ich wäre halt dann ggf. zum Rossfeld weiter gefahren, das sich ja auch sehr gut für Kinder eignet (oder ich hätte noch nachgesehen, ob die Benz-Eck-Lifte laufen).
Vorbei an der Brandruine einer ehemaligen Gaststätte nahmen wir das Bad in der Menge vor der Talstation der Winklmoosalmbahn auf – an der Herrentoilette musste man wenigstens nicht warten. Beim Kartenkauf „wie immer“ vor einem Leute, die das gesamte Tarifsystem in allen erdenklichen Variationen auskundschafteten und sich Gott sei Dank erst danach beratschlagten, ob sie nur die Winklmoosalm oder auch die Steinplatte besuchen wollten, ehe sie endlich die richtige Karte fanden. Einem Gleichaltrigen hinter mir konnte man direkt die Lynchgedanken ansehen
Es ist aber echt gut, dass man eine stark verbilligte Tageskarte nur für die Winklmooalm kaufen kann – die Steinplatte hätte sich für uns überhaupt nicht gelohnt. Ein weiterer Grund sicherlich, hierher zu fahren. Sonst hätte ich doch wieder das Rossfeld anstatt der Rossalm aufgesucht.
An der Bahn selbst ging es trotz der Schlage recht schnell und wir erwischten total nette Leute in der Gondel. Ich hatte nach 10 Jahren schon wieder vergessen gehabt, wie lange die Bahn ist (ca. 3 km). 2007 musste ich noch den Bus nehmen. Aber von Waidringer Seite aus führt ja auch erst seit 1998 eine Bahn vom Tal herauf (bis 1979 diente der damalige Schlepplift Schwarzlofer als Einstieg ins Skigebiet, ehe seinerzeit die DSB Kammerköhr am Parkplatz der Bergstraße oben errichtet wurde – 1989 zur 3SB umgerüstet und mittlerweile auf neuer Trasse ersetzt).
Der Rossalmlift lief und hatte an jenem Ansturmtag auch seine volle Daseinsberechtigung. Bei unserer Ankunft hatte sich sogar vor ihm eine Schlange gebildet. 2014 war ich extra an einem Hauptsaisonstag inmitten der Ferien hier her gekommen, um den 1,6 km langen Kurzbügler (Bj. 1971) endlich einmal fahren zu können. Bei den vorangehenden Besuchen war er immer außer Betrieb gewesen.
Von Seiten der Skigebietsbetreiber sicher eine gute Idee, einen der beiden Schlepper stehen zu lassen und sich nicht ausschließlich auf die 2004 errichtete Rossalmbahn zu verlassen. Warum man damals aber den neueren Langbügler (müsste 1986 erbaut worden sein) ersetzt hat und nicht den Kurzbügler, weiss ich nicht. Für mich als Schlepplift-Heini natürlich besser, dass der Oldtimer noch steht. Müsste der längste Kurzbügler Deutschlands sein und nach der Stilllegung des Höllwieslifts evtl. auch der nun mehr längste SL zwischen Garmisch und Flensburg generell.
An der Steinplatte drüben hatten sie komischerweise 1988 alle drei (!) parallelen Schlepper durch eine 4KSB ersetzt (dort, wo jetzt die 8KSB seit 2005 verläuft).
Mein Sohn kannte bereits das Kurzbüglerfahren aus Sinswang – dort sogar noch mit Liftomat. Der Rossalmlift ist zwar tellerflach, aber 1,6 km mit dem Kurzbügel in den Kniekehlen waren für mich insbesondere im letzten Drittel recht wenig vergnüglich. Später stellten wir uns auch mal an der 4KSB an, damit ich dort während der Fahrt ein wenig kurieren konnte
Zwar mit Weitwinkel aufgenommen, aber es wird deutlich, weswegen man die Winklmoosalm für den Skinachwuchs empfehlen kann – flaches Gelände und keine Abhänge neben der Piste und dergleichen. Gefahr drohte allenfalls vor Zusammenstößen, da wirklich sehr viel los war. Aber die meisten Leute passten auf und schnellere Fahrer traf man auf dem flachen Hang wenig an – die wechselten vermutlich eh gleich zur Steinplatte hinüber. Es herrschte darüber hinaus trotz der Massen irgendwie eine entspannte Atmosphäre – keiner schimpfte, wenn es mal knapp mit Vorbeifahrt wurde und als mein Sohn einmal stürzte, brachte ihm gleich ein anderes Kind die Ski wieder, ehe ich diese erreichte.
Die Piste ist vom Gefälle sogar so flach, dass selbst Anfänge es einfach mal laufen lassen können. Vor allem später, als der Schnee durch das warme Wetter aufgeweicht war, hielt sich die Beschleunigung arg in Grenzen – zum Üben war das aber super. Bisher die beste Piste fürs Skifahrenlernen, die ich mitbekommen habe.
Allenfalls bei den Talliften am Tegelberg war es ähnlich gut, aber die liegen halt viel tiefer. Am Steckenberg war es entweder zur steil oder zu eng mit der Straßen recht nahe an der Piste des neuen Stangenlifts. In Farchant ging es grds. auch gut, aber damals war die Kunstschneepiste doch recht rasant und Stürze die Folge. Das Rossfeld ist an den unteren beiden Liften aber auch zu empfehlen. Inzell war dafür am Tellerlift selbst noch fast zu steil – außer an den Seilliften. Aber die sind natürlich mit der Winklmoosabfahrt nicht zu vergleichen.
Später zogen mal Wolken durch, aber bald kam wieder die Sonne hervor.
Hier kommen die Rossalmbahn und der Rossalmlift herauf...
Bis 2012 fuhr man hier mit einem alten dieselbetriebenen Schlepplift eine Sektion weiter hinauf – dem Scheiblberglift.
Erinnerungen an einen Skitag in 2009... damals schepperte und qualmte unweit von meinem Fotografierstandort noch der Antrieb. Nun verläuft weiter hinten im Wald die Nachfolgebahn von Leitner. Premierenfahrt für meinen Sohn in einer 6KSB – jetzt fehlen noch eine 8KSB und ein ESL.
Hier kommt der Kurvenlift auf seiner neuen Trasse seit 2012 herauf – früher verlief der Lift weiter links und reichte bis zur Talstation des Scheiblberglifts heran.
Stopp bei der Kurve – damit der Sohn diese Augenweide auch einmal live erleben darf. Während mit offenem Mund die Bügel beobachtet wurden, knipste ich...
Ich überlegte, wo ich meinen ersten Kurvenlift erlebte... es müsste der Muttelberglift am Walmendinger Horn gewesen sein – so anno 1991. 1999 durch eine 4SB ersetzt...
Bei der Lücke zwischen den Bäumen vorne verlief bis 2012 der Schlepper, ehe die Trasse von hier aus gesehen nach links verschwenkt wurde.
2007 bin ich in etwa an der gleichen Stelle gestanden – damals besaß ich noch nicht einmal eine Digicam, aber hatte meine Analogkamera dabei und ausgiebig genutzt.
Die Piste hier ist zwar steile wie an den Rossalmliften, aber dafür war viel weniger los – zumal auch die Talabfahrt gesperrt war.
Am Nachmittag war dann auf einmal doch mehr Andrang hier. Hinten sieht man die Wolke vom Dieselantrieb – so was gibt es immer weniger. Unlängst an der Emberger Alm bin ich auch noch einen derartigen Lift gefahren – zwar ohne Kurve, aber dafür mit Kurzbügeln
Am Vormittag, als nichts los war, fotografierte ich noch die Talstation dieses schönen Liftoldtimers aus 1975. Leider bemerkte ich nicht, dass mein Sohn vor lauter Liftgeglotze ein wenig den Zugang blockierte – natürlich musste ein Einheimischer gleich wieder fluchen, obwohl man eigentlich locker an dem Jungen vorbeigekommen wäre.
Aber ich entschuldigte mich dennoch und der Grantler fuhr beruhigt hoch. Er war mir schon beim Anstehen am Rossalmlift aufgefallen, weil der etwa 70jährige großspurig einer jungen Frau erzählte, er benötige beim Skifahren keine Sonnenbrille. Das würde ihm nichts ausmachen, etc. usf. ...Vielleicht hatte er nach zwei Stunden im grellen Licht jenes Sonnentages deswegen nicht sehen können, dass ja noch Platz frei war, um zum Lifteinstieg zu gelangen
Nach der 6KSB-Fahrt – hier steht noch immer eine Stütze des alten Scheiblberglifts, der dort oben seine Umlenkung hatte. 2014 bin ich im Abendlicht dort oben gestanden, die Nikon im Anschlag - wie schnell doch so eine Dekade vergeht...
Auch hier konnte man super fahren.
Mittagessen in der Winklmoosalm. Ich kannte mich mit der Gastronomie hier oben nicht aus, aber ich entschied mich aus dem Bauch heraus für diese gemütlich wirkende Hütte. Jene weiter links wirkte eher wie aus einem Massentourismusareal. Dank Förderband gelangt man bequem dorthin und drinnen fand sich noch an einem langen Tisch ein Platz. Es war totaler Hochbetrieb und man musste halt ein wenig warten, bis die Bedienung kam, aber trotz des Auflaufs war diese sehr freundlich. Das Essen – also ich habe schon lange nicht mehr so gute Pommes genossen. Der Kaiserschmarrn meines Sohnes soll auch sehr gut gewesen sein. Dazu noch nette Leute mit am Tisch – also alles gut erwischt.
Unterhalb der Almhütte noch ein Betonfundament eines der beiden kurzen Schlepplifte, die bis 1986 (lt. Liftworld) hier in Betrieb waren. Hier startete der Illmauerlift (Leitner Baujahr 1971) und weiter oben gab es noch den Knauerlift. Über diese bestand wohl eine Verbindung zur Talstation des ESL zum Dürrnbachhorn am Südhang hinauf, der früher auch für den Skibetrieb geöffnet war. Wenigstens hat man jene 1952 errichtete Sesselbahn stehen gelassen – im Sommer kann man sie noch fahren. Wahrscheinlich hat man wegen der sonnenexponierten Hanglage den Skibetrieb hier aufgegeben.
Nach dem Essen wieder Flachskifahren...
Später schalteten sie den Rossalmlift ab und einige Jüngere nutzten dessen Schlepptrasse zum Schussfahren. Hätte ich auch so gemacht.
Noch ein Halt an der Talstation des Rossalmlifts. In der Garage nebenan wurde eine Pistenraupe angelassen und so verließen wir den Bereich lieber.
An der Winklmoosalmbahn hatte sich nun eine lange Schlange gebildet, da die Talabfahrt gesperrt war und die Anzahl jener, die es dennoch versuchten, offenbar gering war. Die Betreiber ließen wohl deswegen die 4KSB auch nach 16 Uhr noch weiter laufen, damit die Leute weiter Skifahren konnten und sich nicht ALLE zur Gondel aufmachten. Ich war aber beinmäßig bedient und auch mein Sohn war müde, sodass wir uns anstellten. Im Glimmen der Abenddämmerung ging es dann auf die lange Fahrt mit der Bahn nach unten. Irgendwie auch interessant, im letzten Tageslicht dort hinab ins schwarze Tal zu schweben – bergab und bergauf – über eine Flanke drüber, umgeben vom Wald...