Bye bye, Spitzlift! (Teil I/II)
Vorweg: Aus unserer Sicht als Seilbahnenthusiasten ist natürlich der Verlust jeder kultigen und historisch interessanten Liftanlage zu bedauern, trotzdem bitte ich hier explizit darum, auf Anfragen oder gar etwaige böse Briefe an die Liftgesellschaft zu verzichten. Auch wenn für uns Nostalgiker viel Wehmut beim Abschied eines Seilbahn-Oldtimers mitschwingt, so hat das Ende des Spitzlifts - neutral formuliert - seine Berechtigung, auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen werde.
Beginnen wir lieber von vorne, und zwar bei der Entstehung des Lifts in den 1970er Jahren in... Osttirol! Denn dort, genauer gesagt im Dorf Matrei im Skigebiet Kals am Großglockner, wurde die Anlage 1970 in ihrer ursprünglichen Form als Einersessellift mit dem Namen "Goldriedbahn" errichtet. Sollte sich ein Forumler aus besagter Gegend zufällig hierher in diesen Thread verirren und im Besitz alter Bilder zur Sesselbahn sein - einer Veröffentlichung derselbigen im Alpinforum steht nichts im Wege
Nun aber ein Ortswechsel zurück nach Kärnten: Es reift die Idee, die Skigebiete der Nockberge durch Seilbahnanlagen miteinander zu verbinden, so auch das damals schon bekannte Bad Kleinkirchheim mit dem recht neuen Skiresort rund um den Falkertsee. Ferner spielte die Idee eines riesigen Skizentrums, das sich von der Gerlitzen über BKK und dem Falkert bis hin zur Turrach - inkl. massivem Ausbau der Innerkrems - erstrecken sollte, hier eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Von St. Oswald aus war ein Zubringer in Richtung der über 2300m hohen Falkertspitze geplant, weshalb am Falkert ebenfalls die seilbahntechnische Erschließung des besagten Gipfels in Angriff genommen wurde.
Zu diesem Zweck kam es 1981/82 unter Hans Köfer, seines Zeichens Geschäftsführer der Falkertliftgesellschaft für 13 Jahre, zum Bau des Spitzlifts durch den Villacher Seilbahnpionier Andreas de Pretis (dessen bekanntestes Werk die weltweit erste und einzige Seilbahn mit zwei Baco-Kurven in Form der mittlerweile abgebauten DSB Seetal am Goldeck darstellte), wobei dafür die Teile der Goldriedbahn wiederverwendet wurden. Die Einersessel wurden jedoch nur zur Probe montiert - eine Bewilligung zum Betrieb als Sesselbahn gab es nicht - und man widmete sich ganz dem Schleppliftbetrieb.
1987 übernahmen die Bad Kleinkirchheimer die Lifte am Falkert und führten Modernisierungen und Umbauten an den Schleppliften durch, so auch 1990/91, als u.a. die Stützenjoche am Spitzlift durch neue Exemplare, welche bis zuletzt im Einsatz waren, ausgetauscht wurden.
Werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf die technischen Daten der Anlage:
- Fahrtzeit: 7,7 Min
- Horizontallänge: 1079m
- Höhenunterschied: 379m
Die bisher gezeigten Bilder des Liftes und die angeführten technischen Daten lassen keinen Zweifel übrig, dass es sich beim Spitzlift um einen äußerst steilen und damit nur für fortgeschrittene Skifahrer geeigneten Schlepplift gehandelt hat. Alles andere als überraschend kommt da auch die Tatsache, dass die dazugehörige Skiabfahrt als schwarze Piste einzustufen war - und damit kommen wir zum Hauptgrund für das Ende des Spitzlifts: Er hat schlicht und einfach nicht mehr in das Konzept eines Familienskigebiets gepasst. Es mögen nun manche Forumler energisch widersprechen, aber man lasse mich ein paar Zeilen erklärend hinzufügen:
Seit Jahren und Jahrzehnten schon positioniert sich der Falkert erfolgreich als Skigebiet für Anfänger, sprich: Familien mit Kindern, die skifahren lernen möchten. Im Gegensatz zu anderen kleineren Skigebieten existiert am Falkert auch eine gut ausgebaute Gastronomie- und Hotel-Infrastruktur, allen voran das Heidi-Hotel-Falkertsee, das wie die verbliebenen Lifte erfolgreich von der Familie Köfer geführt wird. Kärntenweit und auch über die Grenzen hinaus ist die "Heidi-Alm" als familienfreundliche Almerlebniswelt bekannt, teilweise bekannter als der eigentliche Name Falkert. Die Ausrichtung auf Familien, insbesondere die Übernahme des Heidi-Themas, hat sich als wichtig und richtig in der touristischen Entwicklung des Falkert erwiesen, was Besucherzahlen und das Feedback der Gäste nur unterstreichen. In diesem erfolgreichen Konzept hat ein alter und steiler Schlepplift schlicht und einfach keinen Platz mehr. Bis vor ein paar Jahren war der Spitzlift im Winter noch in Betrieb, aber die anhand der Drehkreuze gemessene Anzahl an Zutritten rechtfertigte in keiner Weise den Erhalt und Betrieb des Lifts - man denke außerdem an kostenintensive Faktoren wie Personal, Beschneiung, Pistenpräparierung, etc. Nachdem nach über 5 Jahren Stillstand die Betriebsbewilligung abgelaufen war, entschied man sich dazu, den Lift abzubauen. Kurzum: Schade, aber verständlich.
Ich kann jeden voll und ganz verstehen, der nun an die "gute alte Zeit" zurückdenkt, als das Befahren eines steilen Schlepplifts auf fast 2300m Seehöhe zu den erinnerungswürdigen Highlights eines Skiurlaubs zählte, aber diese Zeiten sind - gerade als ehemaligen Geschichtsstudenten fällt es mir oft schwer, die Vergangenheit loszulassen - vorbei. Der moderne Gast wünscht schließlich moderne Lifte und ein zielgruppengerechtes Angebot. Letzteres gibt es am Falkert zwar in einer ausgezeichneten Art und Weise, nur sind wir Liftnostalgiker nicht mehr die bestimmende und auch nicht die gewünschte Zielgruppe - was nicht heißt, dass man an einer Fahrt mit den anderen beiden, gegen Ende der 1960er-Jahre errichteten Schleppern nicht ebenfalls Gefallen finden kann
Diese haben aber für die (für den Falkert wichtige) Zielgruppe den Vorteil, dass sich ihre Abfahrten in blaue und rote Pisten einteilen lassen. Für Kinder und Eltern ist es zurecht ein Erfolg, wenn der Nachwuchs, der zu Beginn des Skiurlaubs Pizza und Pommes nur mit dem Mittagsmenü in Verbindung gebracht hat, nicht nur erste Erfahrungen im Skisport sammelt, sondern zum Ende des Urlaubs hin auch die roten Abfahrten am langen Falkertlift mit Freude bewältigen kann. Solche Familienskigebiete sind wichtig für den gesamten Wintertourismus, schließlich entstehen hier die erwachsenen Skigäste von morgen.
Ganz herzlich möchte ich mich nun bei Lukas Köfer vom Heidi-Hotel und der Liftgesellschaft für all die wertvollen Informationen zur Liftgeschichte am Falkert bedanken! Ich schließe diesen Beitrag mit weiteren Bildern des inzwischen bis auf die Talstation demontierten Spitzlifts, und weise auf den in naher Zukunft erscheinenden zweiten Teil dieser kleinen Reportagereihe hin: Dann stehen nämlich bisher unveröffentlichte Bilder zur spannenden Seilbahntechnik des 2-SL Falkertspitz und ein Update zum aktuellen Status quo des Liftrückbaus im Vordergrund! Man liest sich immer zweimal, bis demnächst...