Anfahrt: Talstation Wurzeralm . Windischgarsten - Hinterstoder in 0:30 h
Wetter: Heiter, kaum Bewölkung, +15°C
Schnee: Geschätzt 40 cm Alt- und Maschinenschnee
Anlagen in Betrieb: Alle außer DSB Hösskogel
Wartezeit: Keine
Gefallen: Skigebiet mit unerwarteten 1400 (!) Höhenmetern; auch Schlepplifte als Beschäftigungsanlagen
Nicht gefallen: Viele Besucher, die die weichen Pisten zerfuhren; geschmackloses Musikentertainment durchschallt das Hauptskigebiet
Bewertung: 4,5 von 6 Punkten
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Dieser Schneebericht ist Teil meiner viertägigen Österreich-Skifahrt im März 2025:
Werfenweng 20. März 2025
Eben / Monte Popolo 20. März 2025
Filzmoos / Papagenobahn 20. März 2025
Skiregion Dachstein West (Gosau / Rußbach / Annaberg) 21. März 2025
Spital am Pyhrn / Wurzeralm 22. März 2025
Hinterstoder 22. März 2025
Göstling / Hochkar 23. März 2025
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Ganz anders als in allen bislang besuchten Skigebieten fand ich in Hinterstoder einen gut gefüllten Seilbahnparkplatz vor. Wie ich mir mittlerweile angelesen habe, ist das Skigebiet Hinterstoder überregional beliebt und entsprechend frequentiert. An Schönwettertagen im Hochwinter wird das Gebiet überrannt. Die 10EUB Höss von 2022 bringt den Skigast ins Zentrum des Skibetriebs unter dem gleichnamigen Höhenzug. Mir war beim Besuch von Hinterstoder nicht klar, dass ihre Talstation nur 590 m hoch liegt. Sie ersetzte im Jahr 2022 eine 6EUB. An der EUB-Bergstation eingetroffen ist die Geschichtsträchtigkeit des Skigebiets zu erkennen. Mehrere nicht mehr genutzte Lifttrassen führen durch den Wald zur Höss-Kuppe. Noch laufen hier am Nordhang vier Schlepplifte, drei über den halben Hang und nur einer, der Hösslift mit oben sehr steiler Trasse, bis auf den Kamm. Die mittig platzierte 6KSB Hössbahn hat den Schleppliften den Rang abgelaufen. Bei meinem Besuch war die DSB Hösskogel ganz links am Hang nicht in Betrieb; offenbar werden ihre Abfahrten nicht beschneit. Das Skigebiet ist eine interessante Mischung aus Alt und Neu. Im zentralen Originalskigebiet am direkten Höss-Nordhang befinden sich die vier älteren Schlepplifte nebeneinander. Das Skigebiet wurde irgendwann nach oben um die beiden Gipfelschlepplifte Panoramalift und 2000erlift erweitert. Außerdem stellte man ihm die 10EUB Hirschkogel mit der doppelten Länge des früher hier befindlichen Schlepplifts zur Seite.
Es machte mir Spaß, das Skigebiet mit seiner etwas ungewöhnlichen Konzeption zu befahren. Die Schlepplifte im alten Originalskigebiet haben teilweise erstaunlich steile Pisten, wie man es von Schlepplifthängen anderer Skigebiete nicht kennt. An der Bergstation des SCHL 2000erlift gibt es eine kleine Aussichtsplattform. Von hier schaut man hauptsächlich auf den über dem Skigebiet dominierenden Berg namens Schrocken, außerdem auf die Kette des Großen und Kleinen Priel. Dazwischen kann man in Richtung der Schladminger Skigebiete schauen. Die Abfahrten der beiden Gipfelschlepplifte sind kurz und haben dadurch wenig Wiederholungspotenzial. Von den Gipfelliften kommt man zurück auf die Abfahrt der 10EUB und von dieser wieder zurück ins Hauptskigebiet. Die Abfahrten der 10EUB sind breit und familien- bzw. massentauglich angelegt. An schönen Hochwintertagen muss hier ordentlich Betrieb sein. Bei meinem Nachmittagsbesuch wurden die temperaturbedingt weichen Abfahrten von den auch an diesem Tag vielen Besuchern reichlich zerfahren, was das Skifahren dort zu einer kraftraubenden Angelegenheit machte.
Schlimmer als die weichen, zerfahrenen Pisten jedoch war die Beschallung von einer der Hütten an der Bergstation der EUB Hössbahn, wo ein Plakat eine "Gaudi" ankündigte. Ein Alleinunterhalter, DJ oder was-auch-immer machte absichtlich Musik und gab dezibelstark akustische Geschmacklosigkeiten zwischen Après-Ski-Klängen und Deutschem Schlager von sich, die im Absingen von Gottlieb Wendehals' "Polonäse Blankenese" gipfelten. Und das in den österreichischen Bergen. Bah. Mir wurde von der aufgezwungenen Intonation schlecht; ich musste mich davon durch mehrere Schleppliftfahrten erholen und ertappte mich dabei, den alten Smiths-Song mit dem Refrain "Hang the DJ" zu summen.
Vom Pflügen durch den zerfahren Sulz reichlich strapaziert, trat ich um 16 Uhr die Talabfahrt 1 ab der Talstation 10EUB Hirschenkogel an. Die war natürlich noch zerfahrener und erinnerte mich an die Talabfahrt Ciampinoi in Wolkenstein an einem warmen Nachmittag in den Faschingsferien. Ob die andere, schwarze Talabfahrt "Weltcupabfahrt Hannes Trinkl" noch geöffnet war, habe ich bei meinem Besuch nicht überprüft.
Fazit:
Das Skigebiet Hinterstoder ist interessant, und ich habe mich insbesondere über die erhalten gebliebenen Schlepplifte gefreut. 1400 Höhenmeter sind für ein Skigebiet so weit östlich in den Alpen eine Ansage. Wenn ich nochmal in der Gegend bin, werden andere Skigebiete aber erstmal den Vorzug erhalten.
Früher gab es rund um Hinterstoder noch weitere, kleine Skigebiete: Mehrere Übungslifte in Vorderstoder, eine Kette kurzer Schlepplifte am Hutberg, Schlepplifte am Sprintriegel über Loigistal und nicht zuletzt das Skigebiet Bärenalm im hinteren Tal der Steyr mit DSB, zwei Schleppliften und sogar Beschneiung und Weltcuprennen. Alter Pistenplan hier, vergleichende Karte hier. Insgesamt zähle ich auf einem alten Pistenplan 13 (!) Liftanlagen, die stillgelegt wurden. Das ist viel. Welche davon ggfs. als Ruinen stehengeblieben sind, ist mir nicht bekannt.
Von Hinterstoder fuhr ich in anderthalb Stunden weiter nach Göstling an der Ybbs, um endlich dem Skigebiet Hochkar einen Besuch abzustatten, das mir seit 20-30 Jahren (!) in den gelegentlich angeschauten, morgendlichen ORF Videobildern begegnet.
37 Fotos aus Hinterstoder:
Talstation der 10EUB Hössbahn, die 2022 eine 6EUB ersetzte. Hinterstoder liegt übrigens auf gerade mal 590 m Höhe, das war mir vorher nicht klar.
Das Volumen des Seilbahnparkplatzes von Hinterstoder übertraf meine Erwartung um ein Vielfaches! Ein weiterer Großparkplatz befindet sich ca. 300 m entfernt am Ende der zweiten Talabfahrt, der Weltcupabfahrt Hannes Trinkl. Was muss hier im Hochwinter los sein ...
Bergfahrt mit der EUB Hössbahn. So sieht das aus, wenn eine Talabfahrt in den Alpen bis auf Mittelgebirgshöhe hinunter (!) gepflegt wird.
Maschinenschneestreifen der Talabfahrt in schöner Landschaft.
Das sieht der Ankömmling an der EUB-Bergstation seit dem Bau der ersten Sesselbahnen 1959/60: Der schneesichere, fürs Skifahren ideale Höss-Nordhang, durchzogen von diversen Abfahrten und historischen sowie aktuellen Liftschneisen. Da fuhr ich aber zunächst gar nicht hin
... 10EUB Hirschkogel neben dem Hauptskigebiet.
Die 10EUB Hirschkogel ersetzte 2012 einen Schlepplift auf gleicher, aber wesentlich kürzerer Trasse.
Abfahrt an der 10EUB Hirschkogel.
Hier wird zwar auch beschneit, aber es lag ausreichend Naturschnee.
Die Schneeschüssel der Hutterer Böden, Schaltzentrale des Skigebiets.
Schlepplifte Almlift (links) und Hösslift (rechts). Der Hösslift erreicht die Kammhöhe und ist im oberen Trassenteil sausteil.
Ich wollte zunächst zum höchsten Punkt des Skigebiets. Dazu nahm ich die 6KSB Höss-Express, die einzige moderne Bahn in der Schneeschüssel.
In der 6KSB Höss-Express. Links war ein Luftkissen aufgebaut, auf das die Skikids springen konnten. Wahrscheinlich legt man sich da weicher aufs Maul als im Schnee.
Von der Höss-Kuppe geht es mit zwei kurzen Schleppliften weiter bis zum höchsten Punkt des Skigebiets auf dem Schafkogel. Unterer Schlepper Panoramalift mit Abfahrt direkt an der Trasse ...
... und oberer Schlepper 2000er Lift auf den Schafkogel mit von der Trasse versetzter Abfahrt. Der dicke Berg dahinter ist der Schrocken.
Panorama an der Bergstation 2000er Lift auf Schrocken und Totes Gebirge. Die Tatsache, dass man hier bis auf knapp 2000 m kommt, verleiht dem Skigebiet die für die Ostalpen sehr respektable Höhendifferenz von 1400 Metern!
Zoom ins Tote Gebirge mit Spitzmauer, Großer Priel und Teufelsmauer.
Blick übers waldbestandene Sumpereck zum Grimming. Links dahinter die Hochwildstelle.
Links vom Grimming die ihre Umgebung überragende Hochwildstelle im Zoom.
Zoom in die Berge rechts vom Grimming: Der kleine, spitze Berg oben ist die Steirische Kalkspitze, hier nur für die Einordnung. Unten links im Bild Abfahrten des Skigebiets Hauser Kaibling. Die freie Fläche rechts unterhalb der Bildmitte ist der Krahbergsattel zwischen Hauser Kaibling und Planai mit der 6KSB Alm 6er drin. Rechts daran schließt sich - knapp verdeckt - der Planai-Gipfel an.
Abfahrt am SCHL Panoramalift, die in die Abfahrt der 10EUB Hirschkogel übergeht (und von dort ins Kernskigebiet Höss).
Mittlerweile tönte von einer Hütte an der Bergstation der 10EUB Hössbahn musikalische Beschallung in Form nachgesungener Deutscher Schlager und Après-Ski-Titel durchs Skigebiet. Bah, kotz. Von hier stammt der Berichtstitel "Hang the DJ", dessen Melodie mir als Reaktion durch den Kopf ging ... Gegen so etwas hilft am besten Schleppliftfahren.
Die Waldtrasse des SCHL Hösslift ist im oberen Teil mordsmäßig steil ... gut so!
Und der Hösslift hat eine schwarze Abfahrt ... noch besser so!
Auch auf der anderen Seite der 6KSB Höss Express findet sich die Talstation eines Schlepplift-Duos, nämlich von Schullift (kürzer) und Lärchenlift (länger). Beide haben mäßig interessante, aber für Übungszwecke ungewöhnlich steile Abfahrten.
Zum Ende meines Skinachmittags in Hinterstoder fuhr ich noch einmal zum höchsten Punkt des Skigebiets auf dem Schafkogel, um die vollen 1400 Höhenmeter des Skigebiets final mitzunehmen. Hier der Übergang vom SCHL Panoramalift zum SCHL 2000er Lift.
Trasse 2000er Lift.
Sanfte, blaue Abfahrt am 2000er Lift.
Der Übergang zur Abfahrt der 10EUB Hirschkogel passiert den Startplatz der Gleitschirmflieger, hier gegen das Tote Gebirge mit dem Großen Priel.
Ich hatte noch Zeit für eine Wiederholungsfahrt mit der 10EUB Hirschkogel.
Abfahrt 10EUB Hirschkogel.
Von deren Talstation ging es auf die weiche und zerfahrene Talabfahrt 1.
Talabfahrt.
Talabfahrt ein Stück an der EUB-Trasse entlang.
Schlusshang der Talabfahrt.
1400 Höhenmeter in weichem Schnee bei hohen Frühlingstemperaturen ... geschafft!