Teil II: Peking
Teil III: Huashan
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Teil I: Shanghai & Qingdao
Im April ging es nach fünf Jahren wieder nach China. Unsere Reise begann – wie schon vor fünf Jahren – in Shanghai und sollte in Shenzhen enden. Dazwischen war eine Route, die bewusst aus einer Mischung bestand: neue Orte, die wir dieses Mal unbedingt sehen wollten, Highlights vom letzten Mal, die uns so gut gefallen hatten, dass wir sie erneut besuchen wollten, und auch einige Ziele, die beim letzten Mal einfach nicht geklappt hatten. Insgesamt legten wir auf dieser Reise 8.398 Kilometer zurück – verteilt auf 16 Zugfahrten (sowohl normale wie auch Nachtzüge).
Wie bereits geschrieben begann die Reise auch dieses mal wieder in Shanghai. Zum einen, weil die Stadt von Europa aus recht gut erreichbar ist, zum anderen ist Shanghai auch aus einem anderen Grund ein idealer Startpunkt: Die Stadt bildet einen sanften Übergang vom gewohnten westlichen Umfeld hin zur chinesischen Kultur. Das liegt unter anderem am hohen Anteil ausländischer Touristen und internationaler Unternehmen, die hier ansässig sind. Aber auch an der Geschichte Shanghai's. So stand Shanghai über viele Jahrzehnte unter dem Einfluss europäischer Kolonialmächte, insbesondere in den ehemaligen Konzessionsgebieten. Das gibt der Stadt im Vergleich zu anderen chinesischen Städten bis heute einen spürbar internationalen bzw. westlichen Charakter.
↑ Reisebeginn war am 04.04.2025. Während wir bei unserer letzten Reise noch von Frankfurt aus starteten, waren diesmal sowohl die Flugpreise als auch die Parkgebühren am Flughafen München günstiger. Deshalb erwies sich München trotz der längeren Anfahrt als die bessere Wahl. Unser Flug CA828/LH7126 wurde von Air China durchgeführt, wodurch wir die Direktroute über die baltischen Staaten und Russland nutzen konnten
↑ Unsere Maschine war ein Airbus A350. Alternativ zu unserem Flug um 12:00 Uhr hätte auch ein späterer Flug mit einem Airbus A340-600 zur Verfügung gestanden. Für avionikbegeisterte sicherlich die technisch interessantere Maschine, allerdings hätte die spätere Ankunftszeit in Shanghai uns mehr als einen halben Tag an Zeit gekostet.
↑ Da die Flugroute knapp unterhalb des Polarkreises entlang führte waren über Russland auch Polarlichter sichtbar. Aufgrund von Turbolenzen aber nur schwer fotografisch festzuhalten.
↑ Ankunft in Shanghai. Auch dieses Jahr ging es wieder mit dem Transrapid in die Stadt. Der kostet zwar mehr wie die Metro, aber m.M.n. sollte man die Fahrt mitnehmen. Auch wenn er aktuell nur noch 300km/h fährt lohnt es sich. Insbesondere, da die Zukunft der Anlage mehr als ungewiss ist.
↑ "1000 Trees", ein Gebäude das zwei Berggipfel symbolisieren soll. Das Gebäude erstreckt sich über ein 15 Hektar großes Gelände und besteht aus 1000 Säulen, die gleichzeitig als Blumenkübel Pflanzen und Bäume aufnehmen. Im Inneren findet man eine Mischung aus Läden, Restaurants und Büros.
↑ Abends am Bund mit dem weltbekannten Ausblick auf die Skyline von Shanghai.
Am nächsten Tag ging es dann abermals in die Innenstadt von Shanghai, ehe am Abend dann der erste Transfer bevorstand. Wie bereits bei unserer letzten Chinareise hatten wir auch dieses Jahr wo es nur möglich war auf den Transport mit der Eisenbahn gesetzt. In China ist die Bahn auf Strecken bis 1000km sowohl zeitlich wie auch preislich absolut unschlagbar. So gut wie jede Stadt ist mit Hochgeschwindigkeitsstrecken verbunden, die Züge sind immer sauber und gepflegt. Dazu kommt, dass es, ähnlich wie in Japan, so gut wie keine Verspätungen gibt. Von unseren 16 Zugfahrten war exakt ein Zug um 10 Minuten verspätet. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, Verpflegung direkt in den Zug liefern zu lassen: Über eine App kann bei einem Lieferdienst an einem Bahnhof entlang der Strecke unter Angab von Zugnummer und Sitzplatz bestellt werden. Das Essen wird dort an das Stationspersonal übergeben, welches es bei Einfahrt des Zuges an das Zugpersonal weiterleitet – dieses bringt es anschließend direkt an den Sitzplatz.
↑ Links unser Zug ins knapp 80km entfernte Suzhou. In China ist der Zugang zu Bahnhöfen nur mit gültigem Zugticket möglich, das beim Einlass kontrolliert wird – die Fahrkarte ist dabei digital mit dem Reisepass verknüpft (bzw. bei Chinesen mit dem Ausweis). Nach einer Sicherheitskontrolle, bei der sowohl das Gepäck als auch die Reisenden durchleuchtet werden, gelangt man in die zentrale Wartehalle. Dort verbleibt man bis kurz vor Abfahrt des Zuges. Erst unmittelbar vor Einfahrt wird der Zugang zum Bahnsteig geöffnet, wobei auch dort nochmals das Ticket kontrolliert wird.
↑ In Suzhou erfolgte dann der Umstieg in den Nachtzug. 1004km legte der Zug zurück, bevor er am nächsten Morgen in Qingdao ankam. Die chinesischen Nachtzüge sind zwar im Gegensatz zu den Hochgeschwindigkeitszügen etwas gewöhnungsbedürftig (was Platzverhältnisse, Sauberkeit und Komfort angehen), haben aber den Vorteil, dass man die Nacht ideal für den Transfer nutzen kann.
↑ Ankunft in Qingdao. Die Hofenstadt liegt im Osten von China in der Provinz Shandong. Internationale Bekanntheit erlangt die Stadt zum einen durch sein Tsingtao-Bier, das seinen Ursprung in der deutschen Kolonialzeit hat, zum anderen durch die olympischen Sommerspiele 2008, als vor der Küste von Qingdao die Segelwettbewerbe stattfanden.
↑ Geschichtlich ist Qingdao insofern intererssant, als dass die Stadt von 1897 bis 1914 als Hauptstadt des sogenannten Deutschen Schutzgebiets Kiautschou unter deutscher Kolonialherrschaft stand. Spuren dieser Zeit sind bis heute im Stadtbild sichtbar – insbesondere in der Architektur. Zu den bekanntesten Beispielen zählen der ehemalige Gouverneurspalast (heute ein Museum), die protestantische Kirche am Zhanqiao-Pier, verschiedene Villen im europäischen Stil, der alte Bahnhof sowie die Tsingtao-Brauerei, die 1903 von deutschen Siedlern gegründet wurde. Viele dieser Gebäude gehören heute zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Qingdao 1914 von japanischen Truppen eingenommen. Bis 1922 blieb die Stadt unter japanischer Kontrolle, wobei Japan – ähnlich wie zuvor die deutschen Besetzer – versuchte, Qingdao zu einer Musterkolonie auszubauen. Nach dem japanischen Rückzug durchlief Qingdao eine Phase politischer Instabilität mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen, ehe die Stadt 1949 schließlich von den kommunistischen Truppen der Volksrepublik China übernommen wurde.
↑ Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Qingdaos ist der Zhanshan-Tempel. Er wurde zwischen 1933 und 1945 erbaut und gilt als der älteste buddhistische Tempel der Stadt. Der Tempel gehört zur Tiantai-Schule des chinesischen Buddhismus.
↑ Von dort aus lässt sich auch ein weiteres Highlight erkennen: eine der beiden Sesselbahnen der „Taipingshan Ropeway“. Die führen von zwei Seiten der Stadt rauf zum rund 230 Meter hohen Fernsehturm auf dem Taiping-Berg. Die Bahnen sind fix geklemmt, vergleichsweise kurz und bieten aufgrund der Topografie keine besonders spektakuläre Fahrt. Dennoch lohnt sich die Fahrt aufgrund der Aussicht über Qingdao und das umliegende Stadtgebiet.
↑ Talstation. Ein typischer Zweckbau. Rechts führen die Treppen zum Einstiegsbereich.
↑ Eine von zahlreichen militärischen Einrichtungen, die über das Stadtgebiet verteilt sind. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage am Gelben Meer ist Qingdao ein bedeutender Stützpunkt der chinesischen Marine und beherbergt unter anderem die Nordflotte der Volksbefreiungsarmee.
↑ Die Bahn besitzt auch ein Lastengehänge.
↑ Überblick über die beiden Bahnen. Wir kamen von links aus dem Osten der Stadt, die andere Bahn führt vom Westen her. Mit 480m bzw. 525m sind aber beide Bahnen nicht wirklich lang.
↑ Bergstation von außen.
Nach dem umrunden des nahe gelegenen Fernsehturms und einem Mittagessen ging es dann entlang der Bahntrasse der zweiten Sesselbahn wieder in Richtung Stadtzentrum. ↑ Wie bereits erwähnt, sind die europäischen und insbesondere die deutschen Einflüsse im Stadtbild Qingdaos deutlich erkennbar. Interessanterweise scheint auch auf chinesischer Seite ein gewisses Interesse und Wertschätzung für diese Architektur zu bestehen: Viele historische Gebäude aus der Kolonialzeit werden heute aufwendig restauriert und instand gehalten. ↑ Am Abend zeigt sich Qingdao dann nochmal von einer ganz anderen Seite. Wie viele chinesischen Städte hat man auch hier in den letzten Jahren in eine auswendige Lichtershow investiert. Dabei leuchten die Fassaden der Hochhäuser und zeigen entweder verschiedene Shows und Choreographien. Auf Bildern lässt sich die Wirkung und Importanz der Lichtspiele nur schwer festhalten. Weitere Fortsetzungen (mit durchaus interessanteren Bahnen) folgen bei Interesse.
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Hier noch die Bergfahrt der Bahn. Aus privaten Gründen ist der Ton in beiden Videos entfernt worden:
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