Teil II: Peking
Teil III: Huashan
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Kurze Anmerkung zu Beginn: Der Bericht enthält recht viele Hochkantbilder. Aufgrund der topografischen Gegebenheiten war das oftmals nicht anders machbar. Ich hoffe, der Bericht ist trotzdem lesbar.
Wie bereits in Teil II geschrieben, sollte es von Peking wieder in Richtung Süden gehen, wobei uns das Wetter noch gewaltig Nerven kosten sollte. Schon in Peking war an den Vortagen von einem sich von Südwesten nähernden Sandsturm die Rede. Laut den Prognosen, die noch in Peking galten, würde der Sturm exakt am geplanten Tag unseres Aufenthaltes in Huayin bzw. am Huashan eintreffen. Wir hofften also inständig, dass dieser entweder nicht so stark ausfallen würde wie ursprünglich vorhergesagt oder sich vielleicht verzögern würde.
Nach einer recht unspektakulären Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug kamen wir am späten Abend in unserem Ziel Huayin an.
Die Stadt Huayinliegt direkt nördlich des Berges Huà Shān, einem der fünf heiligen Berge in der chinesischen Provinz Shaanxi. Bekannt ist der Berg vor allem für seine steilen Felswände und den Plank Walk – einen Holzplankenweg, der an einer senkrechten Felswand entlangführt. Im Internet und den Medien wird er oftmals als gefährlichster Wanderweg der Welt bezeichnet, wobei er dieser Bedeutung heutzutage dank Sicherungen und Kletterausrüstung eigentlich nicht mehr wirklich verdient hat. Insgesamt besteht das gesamte Gebiet aus fünf Gipfeln, welche untereinander mit verschiedenen Wegen & Pfaden verbunden sind. Am bekanntesten dürfte hierbei der West Peak sein. Dieser ist einer der beiden zentralen Ausgangspunkte, welche sich mit den beiden Seilbahnen erreichen lassen und auf vielen Postkarten- und Fotomotiven zu finden. Der andere, mit einer Seilbahn erschlossene Startpunkt, ist der North Peak. Dieser ist der am nächsten an Huayin und dem sich nördlich davon befindlichen Weihe-Tal (mit dem gleichnamigen Fluss Wei He, einem bedeutenden Nebenfluss des Huang He (gelben Flusses)) liegende Gipfel. Daneben gibt es dann noch den Middle Peak, den für Sonnenaufgänge beliebten East Peak und den mit 2155m am höchsten liegenden South Peak. Erreichbar ist das Gebiet auch über eine Fußweg, welcher vom im Tal liegenden Yuquan Temple auf den North Peak führt. Auf etwa 6km sind 1450 Höhenmeter zu überwinden. Insbesondere bei Wanderern, die oben den Sonnenaufgang sehen möchten, ist dieser Weg beliebt. Gut zu sehen auf auf folgender Übersichtskarte: Trail Map of Mt. Huashan
Neben der Bedeutung für den Tourismus ist der Huashan ein wichtiger Ort des Daoismus. Er ist einer der fünf heiligen daoistischen Berge Chinas und zieht aufgrund der zahlreichen, auf den Gipfeln verteilten alten daoistischen Tempel, Pavillons und Schreine seit Jahrhunderten Pilger an.
Aber auch aus seilbahntechnischer Sicht hat der Berg einiges zu bieten. So wird er gleich von zwei Bahnen erschlossen: Der North Peak von einer 6-EUB aus dem Hause Doppelmayr, der West Peak mit einer aus zwei Sektionen bestehenden, im Jahre 2010 von Poma gebauten 8-EUB. Insbesondere die Pomabahn hat es streckentechnisch richtig in sich. Während die untere Sektion noch vergleichsweise unspektakulär verläuft, geht es nach der Zwischenstation richtig bergauf. Über ihre Länge von 4211 m werden knapp 900 Höhenmeter zurückgelegt. Dabei überfährt die Bahn mehrere hundert Meter tiefe Felseinschnitte, wobei teilweise bis zu 600 m ohne Stützen zurückgelegt werden. Und zum Abschluss der Fahrt endet diese dann in einem 150 m langen Tunnel, welcher die Bergstation beinhaltet. In der Liste der spektakulärsten Seilbahnen ist sie sicher auf einem der oberen Plätze einzuordnen. Wer die Bahn noch nicht gesehen hat, dem sei das Werbevideo von Poma empfohlen:
GD8 Huashan - Huayin - China (2010)
Am nächsten Morgen verriet ein Blick aus dem Fenster nichts Gutes. Die Berge waren nur durch einen Schleier aus Sand zu sehen, und draußen wehte ein kräftiger Wind. Ein Blick auf die Wetterdaten bestätigte dies. ↑ Wetter für Huayin. Auf den Gipfeln war es entsprechend deutlich kälter und stürmischer.
Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass der Sturm – genau wie vorhergesagt – über Nacht Huayin erreicht und weiter in Richtung Norden gezogen war. So gut wie jede größere Attraktion im Einflussbereich des Sturms blieb an diesem Tag geschlossen. Selbst der am Vortag besichtigte Sommerpalast in Peking wurde nicht geöffnet. Ein Blick auf die offizielle Seite des Touristenmanagements für Huashan ergab dann eine gute und eine schlechte Nachricht: Grundsätzlich war der Berg geöffnet, jedoch nur mit einer der beiden Seilbahnen. Und es war leider die Pomabahn, welche aufgrund des Windes den gesamten Tag außer Betrieb bleiben sollte. Das war natürlich zunächst ein herber Dämpfer – war die Bahn doch zumindest für mich eines der Highlights des Urlaubs (zumindest aus seilbahntechnischer Sicht).
Wir machten uns dann aber nichtsdestotrotz nach dem Frühstück auf in Richtung Touristenzentrum, dem Startpunkt des heutigen Ausflugs. Wie bereits in Peking beginnt auch hier alles mit einer Busfahrt. Je nachdem, welchen Weg man einschlägt, startet man im Touristenzentrum und wird dann per Bus zu einer der beiden Seilbahnen gefahren. In unserem Fall war eben nur eine geöffnet, wodurch das Anstellen an der richtigen Schlange etwas erleichtert wurde.
↑ Ein Blick auf den Huà Shān. Gut zu erkennen ist der Sand in der Luft. Der Wind hatte sich zwischenzeitlich zwar etwas gelegt, es windete aber immer noch recht gut.
↑ Zunächst unterquert man die alte Bahnstrecken. Seit dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke nördlich der Stadt dient diese hauptsächlich dem Güter- und Regionalverkehr.
↑ Nach knapp 15 Minuten Fahrt über teils sehr schlechte Straßen (die die dortigen Busfahrer natürlich nicht zur Verringerung der Fahrgeschwindigkeit veranlassen - wozu haben die Busse schließlich eine Federung) erreichten wir die Talstation. Auch hier kommen typisch zunächst einige Souvenir- und Essensstände.
Dann ergab sich auch ein erste Blick auf die Bahn bzw. einen Teil der Strecke. Wie bereits in der Einleitung geschrieben handelt es sich bei der Bahn um eine im Jahre 1996 von Doppelmayr gebaute 6-EUB. Ein Schild am Eingangsbereich liest sich dazu wie folgt:
Als das erste 5S (Fünf-Sterne) Seilbahnunternehmen in China und eines der zehn führenden Seilbahnunternehmen des Landes wurde die Shaanxi Huashan Sante Cableway Co., Ltd. gemeinsam gegründet von der Muttergesellschaft der Huayin Huashan Highway Cableway Co., Ltd., der Wuhan Sante Cableway Group Co., Ltd. und der Singapore Super Technique Ltd. als ein chinesisch-ausländisches Gemeinschaftsunternehmen. Der Betrieb begann am 10. April 1996. Die gesamte Seilbahntechnik wurde von der österreichischen Firma Doppelmayr importiert. Es handelt sich um eine 6-Personen-Einseilumlaufbahn mit hängenden Kabinen. Die Gesamtlänge beträgt 1.524,9 Meter, mit einem Höhenunterschied von 755 Metern zwischen Tal- und Bergstation. Die maximale Beförderungskapazität liegt bei 1.000 Personen pro Stunde.
Willkommen bei der Huashan Sante-Seilbahn!
↑ Links geht es in den Wartebereich. Trotz des Sturmes am Vortag hatte es vor Ort ein recht normales Aufkommen an Leuten. Wir dachten. So mussten wir im Tourismuszentrum im Tal etwa 5-10 Minuten auf unseren Bus warten.
↑ Noch sieht es recht gut aus. Noch...
↑ Eine Ebene sieht es dann schon nicht mehr ganz so leer aus. Wir hatten ja mit etwas Andrang gerechnet (ohne Menschen geht es in China nunmal nicht zu). Aber so früh bereits so viele Menschen anstehen zu sehen war dann doch erstmal ein Schock. Das Schild an der Decke weist einen freundlich darauf hin, dass es ab hier nur noch 2 Stunden sind.
↑ Etwas mehr als 30 Minuten später. Nur noch 1,5 Stunden.
↑Nach einer Ewigkeit kam die Bahn in Sicht.
↑ Die Schlange reichte mittlerweile bis vor das Gebäude. Wir schätzen die Wartezeit für die Leute ganz hinten auf etwa 4 Stunden. Eine Berechnung der Kapazität unsererseits (anhand der Kabinenfolgezeit kam auf etwa 750 Personen / Stunde).
↑ Nach etwa 2,5 Stunden Wartezeit ging es dann auch für uns endlich in Richtung Berg. Die Trasse fällt mit einer mittleren Steigung von 49,51% bzw. 26,34° durchaus recht steil aus und liegt relativ windgeschützt in einem Talkessel aus massivem Feld. Gefühlt gibt es hier oben nur Felsen oder Pflanzen. Erde oder gar Wiesen sucht man vergeblich. Der Verlauf im Talkessel bzw. auf der Leeseite des North Peak dürfte auch der Grund sein, warum die Bahn überhaupt geöffnet war. Uns sollte es recht sein, kamen wir so immerhin noch auf den Berg. Den Fußmarsch (wenn keine der beiden Bahnen gelaufen wäre) hätten wir vermutlich nicht gemacht.
↑ Blick zurück.
↑ Die Stützen machen einen recht frischen Eindruck. Interessant auch das Joch, das mir so in dieser Form noch nirgends aufgefallen ist.
↑ Bergstation kommt in Sicht.
↑ Auf dem North Peak. Ein Hinweisschild beschreibt diesen folgendemaßen:
Als einer der Hauptgipfel des Huashan ist der Nordgipfel 1.614,9 Meter hoch und verdankt seinen Namen seiner Lage im Norden des Huashan-Gebirges. Da er an drei Seiten steil abfällt, scheint der Nordgipfel den Himmel zu berühren und reicht gleichzeitig bis zum Boden hinab. Aufgrund seiner besonderen Erscheinung – wie eine Terrasse, auf der sich die Wolken ausruhen – wird er auch Yuntai-Gipfel genannt. In einem Gedicht des Dichters Li Bai über den Abschied von Danqiu am Westlichen Yuntai-Gipfel heißt es:
„Aufrecht stehend, als würden sie kollidieren, zeigen die drei Gipfel grüne Klippen und rote Täler.“
Der Kaiser Bai soll laut Legende die wunderbaren Gipfel und bizarren Landschaften des Huashan erschaffen haben – aus hartem Fels den Lotosgipfel, aus Nebel und Dunst Terrassen. Der Nordgipfel grenzt im Norden an den Baiyun-Gipfel und im Osten an den Berg Liangzhang. Er ist außerdem mit dem Ost-, West- und Südgipfel verbunden – sowie mit Sehenswürdigkeiten wie der Furche des Hohen Herrn, der Hundert-Fuß-Schlucht und dem Tausend-Fuß-Canyon am Fuß des Berges. Der Gipfel besteht aus mehreren riesigen Felsblöcken, die einige der beeindruckendsten Naturmerkmale vereinen. Der Nordgipfel ist einer der besten Orte für Panoramablicke und zieht zahllose Künstler an, die hier die Aussicht genießen. Der Gipfel ist reich an Sehenswürdigkeiten, darunter die Fischmaul-Felsen, Zhenwu-Halle des Yuntai-Palastes, Gedenkpavillon, Wettkampfplattform des Huashan, Pflügplatz des Hohen Herrn, Versammlungsplattform der Unsterblichen, Qitian-Höhle, Zhonghua-Fels, Ca'er-Klippe und viele weitere.
↑ Blick auf Huayin ...
↑ ... und zum West Peak.
↑ Angekommen am East Peak. Trotz des Sandsturmes war die Sicht besser wie gedacht. Am Gipfel merke man dann aber den nach wie vor anhaltenden Sturm recht gut. Bei einigen Böen war es ratsam, sich festzuhalten. Zudem war der Wind eiskalt, trotz mehrerer Schichten wurde es nach wenigen Minuten ohne Windschutz extrem unangenehm.
↑ Der South Peak, der höchste Punkt.
Wir drehten an diesem Punkt auch um. Den West Peak besuchten wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit und der zunehmenden Kälte nicht mehr. Dieser hätte vermutlich eh wenig neue Aussichten erbracht. Den Weg zurück zum North Peak sollte man auch nicht unterschätzen. Es sind zwar nur knapp 550 Höhenmeter, diese haben es aber aufgrund der teils extrem steilen Treppen in sich.
↑ Eine der angesprochenen Treppen.
↑ Zurück an der Bergstation hieß es natürlich wieder warten. Diesmal eine knappe Stunde.
↑ Die Busse stehen schon bereit.
↑ Talstation ...
↑ ... inkl. Garage.
↑ Erinnert stark an die alte Gaislachkoglbahn in Sölden.
↑ Letzter Blick zurück ehe es mit den Bussen wieder zum Touristenzentrum geht.
↑ Am Abend sah der Himmel schon wieder bedeutend besser aus. Doch auch an den beiden Folgetagen sollte die Pomabahn aufgrund des Winden weiterhin geschlossen bleiben.
↑ Am Abend ging es dann noch was Essen. Ohne Plan vom Hotel los, nach etwa 50 Metern wurden wir direkt fündig. Grundsätzlich ist es immer schlau zu schauen, wo viele Einheimische Essen. Dort ist es meistens gut und preiswert. Wir haben einfach wie so oft verschiedenste Dinge bestellt, sodass sich dann jeder von allem etwas nehmen kann. TK oder Fertigprodukte (wie man sie bei uns immer öfter in der Gastro findet) sucht man in China oft vergebens. Je ländlicher die Region, desto besser und frischer das Essen.
Teil IV folgt ...
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Hier noch die Berg & Talfahrt der Bahn. Aus privaten Gründen ist der Ton in beiden Videos entfernt worden:
Direktlink
↑ Bergfahrt.
Direktlink
↑ Talfahrt.