Nach dem erfolgreichen Hometrainer-Test gestern, beschloss ich auf das echte Fahrrad umzusatteln und eine Tour auf dem Etschradweg von Plaus nach Kastelbell mit nur mäßiger Steigung in Angriff zu nehmen.
Ging auch wirklich entspannt, so dass ich den Ort mit seinem Schloss und der bekannten Tunnelbaustelle nach rund einer Stunde erreichte.
Überholt wurde ich von semi-professionellen Fahrern und natürlich von E-Bikern jeden Alters
Nach einem kurzen Spaziergang zum Schloss, das man leider nicht besichtigen kann und oberhalb des Ortes wollte ich eigentlich eine eher rustikale Mittagsrast einlegen; Angergutkeller hatte Ruhetag, also wollte ich zum Gstirnerkeller; Hofschank mit Eigenbauwein und Südtiroler Hausmannskost lt. Website.
Die hatten dann zwar irgendwie offen, aber lustlos draußen stehende Tische und ein anderer Radfahrer der schulterzuckend aus dem Gastraum kam und meinte "Da will irgendwie keiner" ließen mich auch wieder abdrehen. Die Weinbar im Ort war wegen Trauerfall geschlossen hatte ich gesehen; was nun
Eine nicht tief vergrabene Idee konkretisierte sich: Das "Kuppelrain", ich glaube das einzige Sternerestaurant im Vinschgau, bietet mittags ab 12 Bistrobetrieb. Dann halt doch gehobenes Essen


Direkt zur Öffnung stand ich also oberhalb des Bahnhofs im Garten und durfte mir einen der Tische dort aussuchen (drinne war ausgebucht, aber bei Sonne und 20 Grad im Schatten wollte ich ohnehin lieber draußen sitzen).
Das Drei-Gang-Menü zu für diese Art von Gastro fairen € 45 ließ mich auf den Blick in die Karte verzichten; dazu offene Weinbegleitung auf Empfehlung der sehr netten Patronin:
Teigtaschen gefüllt mit Bio-Topfen aus Matsch auf Spinatcreme mit Kastelbeller Bio-Spargelstückchen; dazu Marmor Wein "Eschkolot" (weiße Cuvee aus Souvignier Gris, Solaris und Muscaris) vom Hof Castelatsch aus Tschingels ziemlich oben im Vinschgau. Vielleicht das beste, was ich aus diesen Rebsorten und als "Naturwein" bis dato getrunken habe. Ob die Filtrierung mit Marmorsand dazu wesentlich beiträgt, wage ich nicht zu beurteilen

Da ich vorher zwischen diesem Wein und einem Weißburgunder "Himmelsleiter" von Juval wählen durfte, spricht meine Entscheidung Bände.
Blitzsauber im Glas, im Duft eher exotische Fruchtnoten, am Gaumen durch den trockenen Ausbau aber nicht klebrig ("babbisch"

), sondern mit Andeutungen von kalt gebrühtem Earl-Grey-Tee fast ätherisch

.
Als Hauptgang zweierlei vom Kalb (vermutlich sous-vide gegarter Tafelspitz und ein Fleischpflanzerl) auf Sellerieschaum und erneut Spargel mit Lagrein-Jus; wirklich sehr fein und toll abgeschmeckt
Dazu eine Cuvee aus Syrah und Lagrein aus Kaltern; gut, aber kein Vergleich zum Weißwein vorher.
Zum Abschluss ein Dessert aus der Vitrine; Bitterschokolade umhüllte eine Rumgetränkte Vinschger Kirsche; fast zu nett zum Essen
Service sehr angenehm und man muss sich auch in Fahrradkluft nicht den Hauch eines "Augenbrauen-Hochziehens" gefallen lassen; alles easy !
Der schön angelegte Garten mit Blick auf Schloss und Sonnenberg rundet das ganze noch ab.
Zurück dann mit kurzem Zwischenstopp in der Bar der Naturnser Vinothek; die Knie fühlen sich gut an und nach kurzem Poolaufenthalt und dem Schreiben dieses Berichts warte ich nun auf das Abendessen