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Baden-Württemberg führt Studiengebühren ein

Gletscherfloh schrieb:
*) Die Verringerung der Studentenzahl durch Studiengebühren wird ganz sicher von niemandem angestrebt. Auch ist die Zahl der Studienanfänger dadurch z.B. in Österreich nicht sichtbar beeinflusst worden (die Zahl des Studentenbestands hat sich kurz nach der Einführung etwas verringert, da viele "Karteileichen" nicht mehr weiter inskribiert haben ... letztlich hat das auch zu einer Verbesserung der Statistik geführt, was die Univerwaltung sicher auch etwas leichter macht).

Das sich die Zahl nicht dramatisch verringert hat, ist durchaus nachvollziehbar. Rund 360 Euro pro Semester sind für die meisten Studenten sicherlich aufbringbar. Jedoch wird sich durch die Studiengebühren das Wachstum der Zahl der Studienanfänger stark verringern. Aber genau dieses starke Wachstum was wir momentan haben, brauchen wir um den europäischen Schnitt in Bezug auf Hochschulabsolventen zu erreichen (Vergleich OECD-Studie). Wie bereits erörtert, wir brauchen MEHR Studenten, nicht gleich viele. Außerdem habe ich die Befürchtung, dass die Studiengebühren immer weiter steigen werden, was eine gleichbleibende oder wachsende Zahl von Studenten dann nachzu ausschließt.

*) Kostenloser Studienzugang bedeutet ja nicht, dass niemand dafür bezahlen muss. Letztlich finanzieren in diesem System die niedrig bis mittel qualifizierten den künftigen Akademikern ihre "Priviligien" (in Form von "Status" und höheren Löhnen, besseren und sicheren Jobs etc.) zumindest mit. Das finde ich bis zu einem gewissen Grad doch etwas unfair.

Dem würde ich eher wiedersprechen. Hochschulabsolventen sind für den Staat ein absolutes Gewinngeschäft, nach ihrem Studium zahlen sie durch ihre höheren Löhne dem Staat wesentlich mehr Steuern, als sie ihn gekostet haben. Die Hochschulabsolventen von damals finanzieren quasi die Studenten von heute. Das die niedrig bis mittel qualifizierten diese Last zu tragen haben würde ich daher bestreiten. Ihr Anteil an der Staatseinnahmen ist übrigens wesentlich geringer, als der der Hochqualifizierten. Außerdem finanziert der Staat auch einen Teil der Ausbildung von den meisten niedrig- bis mittelqualifizierten, Stichwort Berufsschulen. Sollen für diese etwa nun auch Gebühren erhoben werden ?

*) Die öffentlichen Haushalte sind knapp bei Kasse. In Deutschland noch mehr als in Österreich. Gleichzeitig sind steigende Investitionen in das Bildungssystem aber notwendig. Studiengebühren sollen die Finanzierung der Universitäten aus den allgemeinen Steuern ja nicht ersetzen, ermöglichen aber eine zusätzliche Einnahme, was die (meisten) Unis wohl sicher mehr als nötig haben (mittlere gehen auch in Österreich die Studiengebühren direkt an die jeweiligen Unis).

Zusätzlich Einnahmen stellen Studiengebühren in der jetzigen Form für die Universitäten mit Sicherheit nicht dar, zumindestens in Deutschland. Rein formell bekommen die Unis zwar das Geld, aber dafür streicht der Staat wiederrum Ausgaben in diesem Bereich, bzw. um dies zu kaschieren hat er dies schon vor einiger Zeit gemacht. Fazit: Die Studenten müssen also zum Stopfen der Haushaltlöcher herhalten. Soziale Gesichtpunkte werden dabei vergessen und Stipendien werden diese Ungerechtigkeit sicherlich nicht bereinigen.
 
Erfreulich hohes Diskussionslevel. Ein paar Einwürfe:

- wie sollen die Unis das geforderte Mehr an Studenten bewältigen? Viele Fächer sind bei weitem über dem Kapazitätslimit!

- was nützt kostenloses, aber wenig gute Studienausbildung?

- Freunde von mir haben ein Semester in England verbracht: waren begeistert, Uni serviceorientiert, kaum Verwaltungsschikanen, wie wir sie hier zu Hauf haben, bessere Betreuungsrelation etc.

- Unterschiede Bundesländer: in unserem nicht sehr mathematischen Statistik-Kurs hatten einige NRW oder Niedersachense-Abiturienten Probleme, weil sie in Mathe in der Kollegstufe exakt die Hälfte von unserem bayerischen Stoff durchgenommen haben: nur Analysis, keine Stochastik, keine Geometrie. Dass es natürlich genauso Spitzenleute aus diesen Bundesländern gibt ist völlig klar: die Intelligenz der Bevölkerung ist meines Erachtens tendenziell gleichverteilt, allen Gerüchten und Vorurteilen zum Trotz... :D

- Regelstudienzeit: kaum einzuhalten, so lange Diplomarbeit und Prüfungen zur Studienzeit gezählt werden, insgesamt aber zwei ganze Semester einnehmen. Wegen Überfüllung bzw. zur wenig Lehrpersonal (die Verwaltungen sind dicht besetzt!) können viele Kommilitonen einfach ihr Pflichtpensum nicht ableisten. Viele gehens einfach ruhiger an: oh ich bin schon im 10. Semester? Aber eigentlich bräuchte ich noch ein Pflichtpraktikum!

- Zulassungsbeschränkungen und NCs halte ich nach wie vor für sinnvoll: wer soll denn bitte mit 800 BWL-Erstsemestern jedes Jahr die Auswahlgespräche führen? Nicht sehr effizient...
 
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