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Baden-Württemberg führt Studiengebühren ein

Studiengebühren? Wenn sie in eine Verbesserung der Lehre und Lehrmittel umgesetzt werden, ja. Ansonsten meiner Meinung nach sollte es wie bisher bleiben, sonst gäbe es wirklich mehr Studenten, die sich ein Studium nicht mehr leisten könnten. Ich bin jetzt auch schon aus der Uni draußen, und damals mußte ich gerade in den letzten Semestern an jedem Wochenende zusätzlich arbeiten, um mir meine wichtigsten Dinge leisten zu können, obwohl meine Eltern eher der Mittelschicht angehörig sind/waren. Ach ja, und ein Bummler war ich wirklich nicht, da ich in der Regelstudienzeit mein Studium beendet hatte...
Noch ein Problem, was ich in Hessen kommen sehe: sollten hier allgemeine Gebühren eingeführt werden, so sehe ich Probleme in der Verteilung der Finanzen bei privatisierter Uniklinik Marburg-Giessen, nur so nebenher...
 
GMD schrieb:
Zuwenig Studenten? Die ETH Zürich und die Uni Zürich überlegen sich ernsthaft einen numerus clausus einzuführen!

Zitat: OECD - Bildung auf einen Blick (http://www.oecd.org/dataoecd/21/12/35344382.pdf)

Auf Grund der demographischen Entwicklung in Deutschland steht dem steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ein deutlicher Rückgang der jungen Bevölkerung gegenüber. Während der Anteil der entsprechenden Altersgruppen, die in Hochschul- oder Fachhochschulstudiengängen eingeschrieben sind, zwischen 1995 und 2003 um 19% stieg, ist die Bevölkerung in diesen Altersgruppen um 15% geschrumpft. Im Ergebnis stieg die Zahl der Studierenden im Tertiärbereich zwischen 1995 und 2003 deswegen lediglich um 4%
(im OECD-Mittel betrug der Anstieg dagegen im gleichen Zeitraum 45%) (Tabelle C2.3). Um hier international den Anschluss zu finden, müsste die tertiäre Bildungsbeteiligung in den nächsten Jahren in weit stärkerem Maße wachsen, als dies in den letzten Jahren der Fall gewesen ist. Insgesamt ist daher darauf zu achten, dass für eine weiter steigende
Bildungsbeteiligung der Bevölkerung keine neuen Hürden errichtet werden.

Die Entwicklung der Studienanfängerzahlen, aus der zukünftige Abschlussquoten abgeleitet werden können, legt nahe, dass sich der internationale Trend zu höheren Qualifikationen
weiter verstärken wird. Im OECD-Mittel beginnt jetzt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs eine Ausbildung im Tertiärbereich A (Tabelle C2.2) und in Island, Neuseeland, Schweden, Finnland und Polen sind es sogar mehr als 70%. In vielen Staaten kann man von einem Paradigmenwechsel sprechen, von der traditionellen Ausbildung, die darauf abzielt
den gegenwärtigen Qualifikationsbedarf des Arbeitsmarktes abzudecken, hin zur Investition in die weiterführende Bildung junger Menschen, um diese zu befähigen, den wirtschaftlichen
und sozialen Wandel der Gesellschaft aktiv zu gestalten.

-> Um international wettbewerbsfähig zu bleiben brauchen wir in Zukunft mehr Studenten. Ein Hochlohnland wie Deutschland kann sich nur in Zukunfts- und Hochtechnologien international behaupten, folglich brauchen wir hier auch hochqualifizierte Arbeitnehmer, und das sind in diesen Bereichen in der Regel Hochschulabsolventen.

Dänemark, Island, Norwegen, Schweden und Belgien investieren die meisten öffentlichen Mittel in ihre Bildungssysteme – über 6% ihres Bruttoinlandsprodukts (Tabelle B2.1a). In Deutschland liegt der Wert mit 4,4% erst an 20. Stelle unter den 28 OECD-Staaten mit
vergleichbaren Daten. Dies wird jedoch teilweise durch einen überdurchschnittlichen Anteil von Privatausgaben im Rahmen des dualen Systems kompensiert. Dennoch bleibt auch der
Gesamtanteil öffentlicher und privater Investitionen am BIP in Deutschland mit 5,3% unter dem OECD-Mittel von 5,8% (das bei einer Gewichtung nach der Größe der Staaten sogar auf 6,1% ansteigt). Spitzenreiter sind hier Island und die Vereinigten Staaten (7,4% und
7,2%), gefolgt von Dänemark und Korea (jeweils 7,1%).

Im OECD-Raum sind die öffentlichen und privaten Ausgaben für
Bildungseinrichtungen im Zeitraum 1995-2002 netto um 21% unterhalb des Tertiärsektors und um 30% im Tertiärsektor gewachsen. In Deutschland lagen die Steigerungsraten bei jeweils 8% und 10% (Tabelle B2.2).

Die öffentliche Finanzierung der Bildung ist eine vorrangige gesellschaftspolitische Aufgabe – selbst in den OECD-Ländern, in denen die Staatsquote insgesamt gering ist. Im Durchschnitt wenden die OECD-Länder 12,9% ihrer gesamten öffentlichen Ausgaben für
Bildungseinrichtungen auf, eine Steigerung von einem Prozentpunkt seit 1995. In Deutschland beträgt der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben an den öffentlichen Ausgaben 9,8%, ein Plus von 0,1% seit 1995 Tabelle B4.1).

-> Die Politiker sollen mal nicht so tun, als ob der Staat zuviel in Bildung investiert. Ein Land was sich Zuschüsse zu ICE-Trassen für mehrere Milliarden Euro leisten kann, muß dann natürlich in der Bildung sparen.

Ich selber werde wohl auch bald mein Studium anfangen. Glücklicherweise wäre ich in der Lage die Studiengebühren aufzubringen. Allerdings wird es nicht bei solch geringen Beträgen bleiben, darauf könnt ihr euch verlassen. Außerdem wird das Geld auch garantiert nicht den Studenten zu Gute kommen, letztendlich werden damit nur die Haushaltlöcher gestopft.
 
Die Studenten die euch in Deutschland fehlen, sorgen für die übervollen Institute in Zürich. Kein Witz, gewisse Kurse haben mehr ausländische Studenten als Schweizer!

Woran das liegt? Einerseits sicherlich am hervorragenden Ruf dieser Unis. Aber auch daher, dass es für Deutsche einfacher ist zu studieren als für Schweizer! Der Grund dafür wiederum liegt in den Zulassungsbestimmungen. Ein deutsches Abitur gestattet das Studium in der Schweiz. Das Schweizer Gegenstück zum Abi heisst Matura. Das Problem ist nur: Die Anforderungen an diesen Abschluss ist einiges höher als für das Abitur. Logischerweise erreichen darum auch prozuental gesehen weniger Schweizer dies als Deutsche.

Ich persönlich habe die Sekundarschule besucht, dies ist die zweithöchste Stufe der allgemeinen und obligatorischen Schule. Studieren darf ich damit nicht, obwohl diese Schule fast dem deutschen Abitur entspricht! Oder anders ausgedrückt: In Deutschland dürfte ich mit meiner Ausbildung wohl studieren!
 
Die Studenten die euch in Deutschland fehlen, sorgen für die übervollen Institute in Zürich. Kein Witz, gewisse Kurse haben mehr ausländische Studenten als Schweizer!

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich sind manche Studienrichtungen total überfüllt. So wurden zum Beispiel das erste Semester des Medizinstudiums in Graz aufgrund von Überfüllung zum Fernsemester erklärt. Das heist, wenn man Medizin in Graz studiert und im ersten Semester ist, hast du ein paar tausend Mitstudenten, für die alle Mitte Jänner eine Prüfung stattfindet. Dort wird dann auf 400 Studenten reduziert. Nicht gerade super, die Chancen kann sich jetzt jederausrechen, dass man das schafft. Auch hat unster Studiengebühr nichts daran geändert, dass vor allem Deutsche unsere Unis stürmen. Auf der Medizinischen Uni in Innsbruck ist sogar mittlerweile ein Securitydienst vorhanden, der Zusammenstöße zwischen Österreichern und den "Ausländern" verhindern soll. Hintergrund war, dass es anscheinend eine Schlägerei zwischen Italienern, welche den halben Hörsaal beschlagnamt haben (ohne alle Plätzt zu brauchen) und Österreichern gegeben hat. Ich bin froh, dass ich nicht Medizin studiere!

MFG Dachstein
 
Dachstein schrieb:
Die Studenten die euch in Deutschland fehlen, sorgen für die übervollen Institute in Zürich. Kein Witz, gewisse Kurse haben mehr ausländische Studenten als Schweizer!

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich sind manche Studienrichtungen total überfüllt. So wurden zum Beispiel das erste Semester des Medizinstudiums in Graz aufgrund von Überfüllung zum Fernsemester erklärt. Das heist, wenn man Medizin in Graz studiert und im ersten Semester ist, hast du ein paar tausend Mitstudenten, für die alle Mitte Jänner eine Prüfung stattfindet. Dort wird dann auf 400 Studenten reduziert. Nicht gerade super, die Chancen kann sich jetzt jederausrechen, dass man das schafft.
Auch hat unster Studiengebühr nichts daran geändert, dass vor allem Deutsche unsere Unis stürmen. Auf der Medizinischen Uni in Innsbruck ist sogar mittlerweile ein Securitydienst vorhanden, der Zusammenstöße zwischen Österreichern und den "Ausländern" verhindern soll. Hintergrund war, dass es anscheinend eine Schlägerei zwischen Italienern, welche den halben Hörsaal beschlagnamt haben (ohne alle Plätzt zu brauchen) und Österreichern gegeben hat. Ich bin froh, dass ich nicht Medizin studiere!
MFG Dachstein

Sicher ein extremes Beispiel. Sorry, aber in anderen Ländern ist das auch so, selbst in Deutschland wird in diesem Studiengang am Anfang ausgesiebt, nur vielleicht etwas anders...
Übrigens stürmen dafür nach dem Studium nicht wenige österreichische Ärztinnen und Ärzte an unsere Krankenhäuser, wobei diese Kolleginnen und Kollegen bezüglich behördlicher Auflagen trotz EU nicht zu beneiden sind. Man muß dazu auch sagen, daß der Abschluß in Österreich und in Deutschland nicht gleichwertig ist. Ich selbst kenne Medizinstudenten, die in Innsbruck studiert haben, aber eben nicht das gesamte Studium, sondern nur ein bis zwei Semester. Dafür wurden auch denen zu viele Steine von behördlicher Seite aus in den Weg gelegt. Für mich war es scheinbar einfacher, an unserer Partneruniversität in Lyon für 1 Jahr zu studieren.
Ich denke, daß gerade in der EU eine relativ freie Uni- und Studiengangswahl kein Problem sein sollte, dafür gibt es ja auch in einigen Ländern eben Studiengebühren (um aufs Thema wieder zurückzukommen :wink: ), die eine gewisse Gleichheit bestimmt auch bringen sollen. Schweiz ist sicherlich ein Sonderfall. Solange für Leistung (d.h. gute Lehre) bezahlt wird und diese auch geboten wird-> why not?!
 
GMD schrieb:
Das Schweizer Gegenstück zum Abi heisst Matura. Das Problem ist nur: Die Anforderungen an diesen Abschluss ist einiges höher als für das Abitur.

Woran kann man das feststellen?
Ich komme direkt von der Schweizer Grenze und hatte ein paar Schweizer Mitschüler.
Die empfanden das Niveau in CH und D als durchaus ähnlich. In einem Fach waren sie etwas weiter und tiefer im Stoff, in anderen mussten sie einiges nacharbeiten um erfolgreich abzuschneiden.
 
GMD schrieb:
Das Schweizer Gegenstück zum Abi heisst Matura. Das Problem ist nur: Die Anforderungen an diesen Abschluss ist einiges höher als für das Abitur. Logischerweise erreichen darum auch prozuental gesehen weniger Schweizer dies als Deutsche.
Äh... es sollte eigentlich bekannt sein, daß es kein "deutsches Abitur" gibt. Da gibt es riesige Unterschiede zwischen den Bundesländern. Manche haben noch nicht mal ein Zentralabitur, die Systeme und Lehrpläne sind z.T. total verschieden. In Bayern z.B. ist das Abitur eines der schwersten.
 
Jens schrieb:
Hab da wenig Ahnung, weil ich selber ja nicht studiert habe, aber ist dann nicht ein Fehler bei der Berechnung der Regelstudienzeit passiert ?
Die sog. "Regelstudienzeit" ist die Zeit, in der ein Student, der

- nicht nebenher arbeiten muß
- immer einen optimalen Stundenplan zusammenbekommt
- alle Prüfungen/Scheine auf Anhieb schafft
- keine externen Praktika etc. macht
- sonst keine Hobbys/Freizeit hat

ein Studium theoretisch schaffen kann. Zum Vergleich: bei uns in Informatik sind das 9 Semester, der Durchschnitt sind 12-13 Semester. Der Rekordwert an unserer Uni liegt bei gerade mal 8,5 Semestern, den Typ hab ich ein bißchen gekannt, eine normale Unterhaltung konnte man mit dem nicht führen...
 
Gletscherfloh schrieb:
Tatsache ist jedoch, dass Studieren geradezu eine klassische Mittelschichtssache geworden ist. Auch wenn nicht alle Mittelschichtskinder eines Jahrgangs studieren (aus verschiedensten Gründen), so ist es geradezu zur "Normalbiographie" in diesen Kreisen geworden. Ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis mit entsprechenden Kindern, dessen Kinder nicht studieren bzw. der nicht davon ausgeht, dass seine Kinder mal studieren werden.

Hi,

also ich bin zu 100% für Studiengebühren.

Wie Gletscherfloh schon sagte, jeder meint Studieren zu müssen.
Das hat meiner Meinung nach zu folge, dass die Firmen nur noch Leute nehmen mit abgeschlossenem Studium, wo es vor 20 Jahren auch noch Leute mit Realschulabschluss sein konnten. Und wenn es dann mal ein paar zuwenig Studierende für "Tellerwäscherarbeiten" gibt wird direkt geschrieen wir haben zuwenig davon.
Mal ganz davon abgesehen dass man mit abgeschlossenem Abi ja deswegen schon fast nix mehr in der Tasche hat. (Da kommt dann auch noch dazu dass es wirklich Schulen geben mag die so was verschenken.)


Zweitens wer wirklich ernsthaft Studieren will der schafft es auch das zu finanzieren.

Jojo
 
Ich bin persönlich gegen "allgemeine" Studiengebühren. Eine Ausbildung sollte jedem kostenlos ermöglicht werden und wenn dazu ein Studium notwendig ist, dann sollte auch dieses umsonst sein.
Eine Berufschulbesuch ist ja auch kostenlos und da sehe ich eigentlich keinen wesentlichen Unterschied.
Studiengebühren für Langzeitstudenten finde ich vollkommen i.O.
Man bezahlt ja nicht gleich nach der Regelstudienzeit auch Studiengebühren. In BaWü hat man beispielsweise 4 zusätzliche Semester gratis, bevor man Langzeitstudiengebühren bezahlen muss.
Bei dem Informatikstudium wären das also 13 Semester (9 Semester Regelstudienzeit) und das sollte eigentlich zu schaffen sein.
 
GMD schrieb:
Die Anforderungen an diesen Abschluss ist einiges höher als für das Abitur. Logischerweise erreichen darum auch prozuental gesehen weniger Schweizer dies als Deutsche.
Interessante These. Hast Du auch konkrete Zahlen dafür?

GMD schrieb:
Ich persönlich habe die Sekundarschule besucht, dies ist die zweithöchste Stufe der allgemeinen und obligatorischen Schule. Studieren darf ich damit nicht, obwohl diese Schule fast dem deutschen Abitur entspricht! Oder anders ausgedrückt: In Deutschland dürfte ich mit meiner Ausbildung wohl studieren!
In D ist die zweithöchste Stufe die 'Realschule'. Die beendet man im Durchschnitt im Alter von 16-17 Jahren nach insgesamt 10 Jahren Schulzeit (ohne Sitzenbleiben). Mit deren Abschluss darfst Du in D auch nicht studieren. Wieviele Jahre warst Du auf dieser 'Sekundarschule'? Wie alt warst Du, als Du mit der Schule fertig warst?

Downhill schrieb:
Äh... es sollte eigentlich bekannt sein, daß es kein "deutsches Abitur" gibt. Da gibt es riesige Unterschiede zwischen den Bundesländern. Manche haben noch nicht mal ein Zentralabitur, die Systeme und Lehrpläne sind z.T. total verschieden.
Äh... es sollte eigentlich bekannt sein, daß es in D seit langem eine 'Kultusministerkonferenz' gibt und daher das System (Abiprüfung: 2 Leistungskurse + 2 Grundkurse, 15-Punkte-System, Abischnitt-Berechnung, etc.) und die Lehrpläne in allen deutschen Bundesländern nahezu identisch sind? Meine Güte, 'noch nicht mal ein Zentralabitur', was soll daran eigentlich so toll oder wertvoll sein? Einziger formaler Unterschied ist eben nur das Zentralabitur, und da hat mir mein dezentrales Hamburger 'Witzabitur' bisher auch nicht geschadet. Eher im Gegenteil. Was meinst Du also mit 'total verschieden' ?

jojo2 schrieb:
also ich bin zu 100% für Studiengebühren. Wie Gletscherfloh schon sagte, jeder meint Studieren zu müssen. Das hat meiner Meinung nach zu folge, dass die Firmen nur noch Leute nehmen mit abgeschlossenem Studium, wo es vor 20 Jahren auch noch Leute mit Realschulabschluss sein konnten.
Problem erkannt, falsche Lösung gewählt.
Eine Volkswirtschaft ist gut beraten, die klügsten Köpfe zu fördern. Und NICHT die ärmsten auszusondieren, wie Du vorschlägst.

jojo2 schrieb:
Zweitens wer wirklich ernsthaft Studieren will der schafft es auch das zu finanzieren.
Etwas zu pauschal formuliert für meinen Geschmack.
Nochmal: Es wäre fatal, begabten Leuten das Studium zu verhindern, weil sie es sich nicht mehr leisten können! Deswegen gegen allgemeine Studiengebühren (die ohnehin nicht zu den Unis fließen), und für verschärfte Zugangsmöglichkeiten auf Basis der Qualifikation/Begabung. Der Numerus Clausus ist hier ein erster Ansatz, eine spezifischer NC (z.B. Schulnoten ausschließlich in Mathe, Physik, ggf. Informatik als Basis für eine Studienberechtigung z.B. der Informatik oder der Ingenieurswissenschaften) wäre besser. Obligatorische Zwangsprüfungen bereits nach einem Semester könnten auch nicht schaden, Unbegabte rechtzeitig rauszufiltern. Also: Selektion durch Schul-/Studienleistung, nicht durch reichen Papa.
 
Roberto schrieb:
Äh... es sollte eigentlich bekannt sein, daß es in D seit langem eine 'Kultusministerkonferenz' gibt und daher das System (Abiprüfung: 2 Leistungskurse + 2 Grundkurse, 15-Punkte-System, Abischnitt-Berechnung, etc.) und die Lehrpläne in allen deutschen Bundesländern nahezu identisch sind?
:lol: Ja auf den KMK-Konferenzen sind die sich in etwas so einig wie die 25 Länder auf einem EU-Gipfel. Die größte Bildungshoheit haben in Deutschland immer noch die Länder. Außerdem bestehen gerade bei deinen Beispielen hier ja schon Unterschiede: in manchen Ländern ist das LK-System ja schon wieder abgeschafft, auch die Anzahl der Abiturfächer sowie deren Zusammensetzung ist bei weitem nicht überall identisch.
Es gibt ja nichtmal eine einheitliche Dauer des Gymnasiums in Deutschland.

Roberto schrieb:
Meine Güte, 'noch nicht mal ein Zentralabitur', was soll daran eigentlich so toll oder wertvoll sein?
Da bleibt mir die Spucke weg. Wenn Noten völlig vom Belieben jeder Schule bzw. deren Lehrer und Rektoren abhängen, dann geht jede Vergleichbarkeit von Noten und Abischnitten verloren. Dann kannst dir deine einheitliche 15-Punkte-Skala gleich schenken.

Irgendwelche persönlichen Stories wollte ich hier übrigens mit Absicht heraushalten. Aber unbestrittener Fakt ist nunmal, daß einfach Unterschiede da sind. Bei der PISA-Studie gab's z.T. krasse Leistungsunterschiede zwischen Bundesländern. Und wer studiert (hat) und sich gerade als Erstsemester mal ein bißchen mit Kollegen unterhält, wird feststellen daß die Grundvorraussetzungen - z.B. gerade auch die mathematischen Grundkenntnisse - eben nicht immer dieselben sind. Dafür können diese Leute überhaupt nix weil die manche Sachen einfach überhaupt nicht in der Schule hatten, was dann oft ein böses Erwachen an der Uni gibt.
 
jojo2 schrieb:
also ich bin zu 100% für Studiengebühren.

Wie Gletscherfloh schon sagte, jeder meint Studieren zu müssen.
Das hat meiner Meinung nach zu folge, dass die Firmen nur noch Leute nehmen mit abgeschlossenem Studium, wo es vor 20 Jahren auch noch Leute mit Realschulabschluss sein konnten.

Das ist ja gerade der Irrglaube, der leider im Volk und unter vielen Politikern herrscht, aber das ist schlichtweg falsch. Die Arbeitsabläufe in einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft werden immer komplexer und dazu bedarf es mehr hochqualifizierten Arbeitnehmer als noch vor 20 Jahren. Deutschland entwickelt sich weg von der klassischen Industrienation hin zur Dienstleistungsgesellschaft, das ist auch gut so, denn nur so kann Deutschland der Globalisierung standhalten.

Schau mal in die Medien, Industriebetriebe werden zu Hauf dichtgemacht und in Billiglohnländer verlagert. Dieser Trend wird auch nicht abflachen, ganz im Gegenteil. Im Gegenzug dazu entstehen immer mehr Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor. Das sich dann auch das Anforderungsprofil an die Arbeitnehmer ändert ist wohl klar. Ich habe ja bereits auf der vorherigen Seite eine OECD-Studie zitiert, wonach Deutschland in Zukunft dringend mehr Hochschulabsolventen brauchen wird. Verstärkt wird dies noch durch die demographische Entwicklung und die Marktkräfte des EU-Binnenmarkts, andere Länder sind uns weit vorraus.

Das sind Studiengebühren in der jetzigen Form einfach der falsche Weg, weil sie die Anzahl der Studenten drosseln werden. Außerdem ist es entgegen deiner Behauptung nicht so einfach ein Studium zu finanzieren, wenn man nicht durch die Eltern unterstützt wird. Da kommen zu den allgemeinen Lebenskosten, die jetzt schon viele Studenten zum Arbeiten zwingen, auch noch die Studiengebühren dazu, die garantiert nicht bei dem jetzigen Betrag bleiben werden.
 
Downhill schrieb:
Irgendwelche persönlichen Stories wollte ich hier übrigens mit Absicht heraushalten. Aber unbestrittener Fakt ist nunmal, daß einfach Unterschiede da sind. Bei der PISA-Studie gab's z.T. krasse Leistungsunterschiede zwischen Bundesländern. Und wer studiert (hat) und sich gerade als Erstsemester mal ein bißchen mit Kollegen unterhält, wird feststellen daß die Grundvorraussetzungen - z.B. gerade auch die mathematischen Grundkenntnisse - eben nicht immer dieselben sind. Dafür können diese Leute überhaupt nix weil die manche Sachen einfach überhaupt nicht in der Schule hatten, was dann oft ein böses Erwachen an der Uni gibt.
Gutes Stichwort. Da ich das Glück hatte, in den letzten Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München gearbeitet zu haben, dementsprechend partiell in die Lehre eingebunden war, Fachlabore im Bereich der Technischen Mechanik betreut habe und somit die mathematischen Kenntnisse und sonstige Fertigkeiten der Studis aus erster Hand beurteilen konnte, ist mir kein Vorteil der bayrisch-dialektischen Fraktion aufgefallen. Die waren genauso schlau/doof wie die Restdeutschen (und übrigens wie die Heerscharen von Österreichern, die sich erdreisten, an der TU München Maschinenbau zu studieren und die Hörsääle zu verstopfen, was jedoch auch ohne Sicherheitsdienst ganz gut geht und ganz im europäischen Sinne toleriert wird). Und nun?

Bzgl. Zentralabitur: 13 Jahre lang kann Deine Schule bei Prüfungen machen, was sie will. Und nur an den paar Tagen der Abiturprüfung (die dann nur einen Teil Deiner Abinote ausmacht), unterwirft sie sich den Vorgaben des Ministeriums. Man sollte diese 2-3 Tage nicht überbewerten. Und selbst wenn die Aufgaben der Abiprüfung landesweit gleich sind - die Korrektoren sind es nicht. Das mag in den Naturwissenschaften nicht so schlimm sein - in den Geisteswissenschaftlichen kann das jedoch immernoch für Willkür sorgen.

Generell: So wie Du es oben geschrieben hattest, klingt es für die Außenstehenden in Ö und CH, als wäre das deutsche Schulwesen völlig heterogen und unabgestimmt zwischen den Bundesländern. Und das ist einfach nicht richtig.

Downhill schrieb:
Da bleibt mir die Spucke weg.
Mehr trinken! :bia:
 
Downhill schrieb:
Roberto schrieb:
Meine Güte, 'noch nicht mal ein Zentralabitur', was soll daran eigentlich so toll oder wertvoll sein?
Da bleibt mir die Spucke weg. Wenn Noten völlig vom Belieben jeder Schule bzw. deren Lehrer und Rektoren abhängen, dann geht jede Vergleichbarkeit von Noten und Abischnitten verloren. Dann kannst dir deine einheitliche 15-Punkte-Skala gleich schenken.

Naja die Prüfungsaufgaben für die Abiprüfungen müssen afaik zumindest in NRW zentral von den Bezirksregierungen geprüft und zugelassen werden. Die Klausuren werden von mindestens 2 Lehrern kontrolliert also ist schon eine gewisse Objektivität gewährleistet.
Die Tatsache das die Prüfungsaufgaben von den Lehrern gestellt werden die auch die entsprechenden Kurse unterrichtet haben finde ich persöhnlich richtig, nur die können wissen welche Schwerpunkte genau gesetzt wurden (Schwerpunkte natürlich im Rahmen des Lehrplans).
 
tipe schrieb:
Naja die Prüfungsaufgaben für die Abiprüfungen müssen afaik zumindest in NRW zentral von den Bezirksregierungen geprüft und zugelassen werden. Die Klausuren werden von mindestens 2 Lehrern kontrolliert also ist schon eine gewisse Objektivität gewährleistet.
Dito in Hamburg. Da werden die Aufgaben vom Landesministerium freigegeben und müssen somit dem zentralen (!) Lehrplan entsprechen. Und dann auch von mehreren Lehrern (>= 2, meines Wissens nach von verschiedenen Schulen) korrigiert.
Und warum? Weil die bundesweite Kultusministerkonferenz es so will und zumindest Hamburg und NRW als föderale Länder mitziehen.
 
Roberto schrieb:
Und selbst wenn die Aufgaben der Abiprüfung landesweit gleich sind - die Korrektoren sind es nicht.
Also bei mir war's noch so, daß nur die Erstkorrektur von meinen Lehrern vorgenommen wurde. Dann gab es eine völlig unabhängige Zweitkorrektur, für die die Arbeiten an eine andere Schule gingen. Der Zweitkorrektor kannte die Bewertung des Erstkorrektors nicht. Erst der Drittkorrektor (ebenfalls schulfremd), dem beide Bewertungen vorgelegt wurden, hat dann die Note festgelegt.
Ich kenne manche, die im Abi deswegen gewaltig abgestürzt sind, weil ihr Kursniveau niedriger war. Ich kenne andere (darunter mich selbst ;-)), für die die Abiprüfung gigantisch gelaufen ist, weil das LK-Niveau bewusst höher gehalten wurde und wir die Abiaufgaben im Schlaf lösen konnten.

Seit der Oberstufenreform gibts hier in BW quasi keine LKs mehr, man kann zwar noch zwei Neigungsfächer (heißt das so? Experten vor!) festlegen, aber eigentlich sind es fünf "große" Pflichtfächer statt der zwei LKs von früher. Der nächste Schritt, der kommen wird ist das G8, also Abitur nach der 12. Klasse. Der Probebetrieb läuft schon.
 
Roberto schrieb:
10 Tage noch... :P

Im übrigen, hohe Bildung muß nicht immer auch (soziale, menschliche) Intelligenz bedeuten, ich war da heuer in nem Land... :twisted: (gibt aber auch Ausnahmen) :wink:
 
k2k schrieb:
Der nächste Schritt, der kommen wird ist das G8, also Abitur nach der 12. Klasse. Der Probebetrieb läuft schon.

Das mit euren 9 Jahren bis zum Abitur versteh ich sowieso nicht. Man kann sich das "Leben" auch besonders schwer machen (und dann auch noch mit deutscher Gründlichkeit ...)

Nochmal zum Thema Studiengebühren:

*) Die Verringerung der Studentenzahl durch Studiengebühren wird ganz sicher von niemandem angestrebt. Auch ist die Zahl der Studienanfänger dadurch z.B. in Österreich nicht sichtbar beeinflusst worden (die Zahl des Studentenbestands hat sich kurz nach der Einführung etwas verringert, da viele "Karteileichen" nicht mehr weiter inskribiert haben ... letztlich hat das auch zu einer Verbesserung der Statistik geführt, was die Univerwaltung sicher auch etwas leichter macht).

*) Zur sozialen Frage: Meines Erachtens ist dies leider nur zo oft ein Vorwand. Durch geeignete Stipendien ist dies meines Erachtens besser lösbar. Tatsächlich ist der grösste Gewinner des kostenlosen Hochschulzugangs (in Österreich ab ca. 1970 bis Sommersemester 2001, wobei bei uns die Gebühren "Studienbeiträge" heissen, schliesslich hat ja die zuständige Frau Minister kurz vor Einführung derselben ausgeschlossen, dass unter ihrer Ministerschaft Studiengebühren kommen werden ...sie betragen übrigens 363.36 Euro/Semester) der Mittelstand gewesen. Der Anteil der Studenten aus einkommensschwächeren Schichten ist trotz kostenlosem Studienzugang unterproportional.

*) Die Lohndisparität zwischen Akademikern und Nichtakademikern ("college-premium") steigt tendenziell, dh. die privaten Erträge von Bildungsinvestitionen steigen. Von daher sind genug Anreize da, um eine gesamtgesellschaftlich suboptimal niedrige Studierendenquote zu verhindern (rational denkende Menschen würden trotz Studiengebühren studieren, da sie richtigerweise davon ausgehen, sehr hohe Erträge ihrer Bildungsinvestition (in Form deutlich höherer Löhne später) erzielen zu können).

*) Kostenloser Studienzugang bedeutet ja nicht, dass niemand dafür bezahlen muss. Letztlich finanzieren in diesem System die niedrig bis mittel qualifizierten den künftigen Akademikern ihre "Priviligien" (in Form von "Status" und höheren Löhnen, besseren und sicheren Jobs etc.) zumindest mit. Das finde ich bis zu einem gewissen Grad doch etwas unfair.

*) Die öffentlichen Haushalte sind knapp bei Kasse. In Deutschland noch mehr als in Österreich. Gleichzeitig sind steigende Investitionen in das Bildungssystem aber notwendig. Studiengebühren sollen die Finanzierung der Universitäten aus den allgemeinen Steuern ja nicht ersetzen, ermöglichen aber eine zusätzliche Einnahme, was die (meisten) Unis wohl sicher mehr als nötig haben (mittlere gehen auch in Österreich die Studiengebühren direkt an die jeweiligen Unis).
 
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