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Bahnausbau der Zillertalbahn

Mhhh.... Dass es sowas noch gibt...
Ich Stimme JDS tw. Zu: Gerade Familien fahren sicher nicht mit dem Zug zum Skifahren... Den Stau Samstags zum Bettenwechsel + Tagesgastansturm wirst aber auch mit ner vierspurigen Zillertal Strasse nicht gelöst bekommen, sondern nur verlagern... Ganz abgesehen davon, dass für den vierspurigen Ausbau oft der Platz fehlt...
 
Platz ist genug im Zillertal, wenn man die Straßen einfach da wo nötig ums Ortszentrum drumrum baut als Umgehung. Wie bei Zell.
 
Bevor man sich eine auch in meinen Augen utopische Verlängerung nach Hintertux Gedanken macht sollte man sich vielmehr auf das Potenzial im vorderen Bereich konzentrieren.
Wie schon angedacht ist die Anbindung der Skigebiete Penken / Ahorn, Zillertalarena und Hochzillertal an die Bahn durchaus noch verbessserungswürdig.
Darunter fallen bspw.:
Abstimmung der Fahrpläne zwischen Skibusse und Bahn an den Knotenpunkten mit kurzen Umsteigezeiten
Verlegung der Bahntrasse hin zu den Talstationen, möglicherweise als "Tram" ausgeführt wie Karlsruhe oder demnächst Gmunden oder
Verlegung der "Talstationen" bzw. Verlängerung der Seilbahnen Richtung Bahn mit Direktumstieg am Bahnsteig, wie am Kronplatz etwas aufwändiger verwirklicht.
Die Lage und Anbindung mancher Haltepunkte ist m.M.n. manchmal nicht optimal. Bspw. fährt man in Zell schon mitten durchs Ortszentrum hält aber am Ortsrand.
Mit der Elektrifizierung sollte diesbezüglich so einiges möglich sein, da dann die Bahnen weniger Lärm und Abgase produzieren und die Beschleunigung besser ist.
 
jbb-thr schrieb:
Mein Hauptinteresse besteht darin, zu wissen, wie die Strecke (ok, Berge sprengen oder Tunnel bauen kann auf dem Papier jeder) das Stück zwischen Mayrhofen-Ortsausgang und Vorderlanersbach-Ortseingang trassiert sein soll - danach wird es "relativ" einfacher. Daher meine Frage nach einer Karte und den eingezeichneten Verläufen etwas konkreter gefasst.


Da ich die Studie nicht kenne, kann ich nur sagen, was ich machen würde.

Ich würde zwischen Mayrhofen und Finkenberg einen 360 Grad Kreistunnel mit einem Radius von ca. 300 m bauen. Das hat man bereits 1880 beim Bau der Gotthardbahn realisiert:

https://www.youtube.com/watch?v=trtEkf3WJOs

Bei 0:00 - 0:11 sieht man die beiden 360 Gradkurven auf der Karte, so dass jeder Zug bei einer einzigen Fahrt logischerweise dreimal zu sehen ist.


Schauen wir uns das mal bei 8:15 - 11:20 an.

https://youtu.be/trtEkf3WJOs?t=8m15s

Ein Güterzug macht eine Bergfahrt von Lugano nach Airolo und ein CIS eine Talfahrt von Airolo nach Lugano. Zuerst ist der Güterzug unten und kurz danach taucht der CIS oben auf. Dann fährt der Güterzug in den unteren 360 Grad-Tunnel ein und der CIS in den oberen 360 Grad-Tunnel. Kurz danach ist der Güterzug auf der mittleren Ebene, wo ihm dann der CIS auf der durchgehend zweigleisigen Strecke begegnet. Dann werden die Rollen getauscht. Der Güterzug fährt durch den oberen 360 Grad-Tunnel und der CIS durch den unteren 360 Grad-Tunnel. Danach ist der Güterzug oben und kurze Zeit später der CIS unten, d.h. die Züge haben die Plätze getauscht. Als der Güterzug oben ist, erscheint schon der nächste Güterzug unten, der die nächste Bergfahrt macht. Die Güterzüge fahren genauso schnell wie der CIS, also 80 km/h, da der Radius nur 300 m beträgt. Da alle Züge etwa gleich schnell, also 80 km/h fahren, hat in diesem Fall die zweigleisige Strecke sogar die Hälfte der Leistungsfähigkeit einer viergleisigen Strecke; beim normalen Eisenbahnbetrieb in der Ebene, wo die Güterzüge 100 km/h und die IC/ICE-Züge 200 - 250 km/h fahren, sinkt die Leistungsfähigkeit einer zweigleisigen Strecke auf bis zu 25% einer viergleisigen Strecke ab. Eine eingleisige Strecke hat auch nicht die Hälfte der Kapazität einer zweigleisigen Strecke, sondern nur etwa 25%. Grund hierbei ist aber nicht die große Standardabweichung in der Geschwindigkeitsverteilung der einzelnen Züge, sondern der Durchmischungsgrad zwischen Richtung und Gegenrichtung. Je größer der Durchmischungsgrad ist, desto geringer der Quotient. Würde man z.B. in ungeraden Kalenderjahren nur von A nach B und in geraden Kalenderjahren nur von B nach A fahren, d.h. wenn der Durchmischungsgrad zwischen Richtung und Gegenrichtung gering wäre, dann hätte eine eingleisige Strecke 50% der Kapazität einer zweigleisigen Strecke. Da aber pausenlos in beide Rchtungen gefahren wird, sind es - je nach Abstand der Kreuzungsbahnhofe - nur etwa 25%.

Selbstverständlich kann man zwischen Mayrhofen und Finkenberg ebenfalls einen 360 Grad-Tunnel bauen; Man könnte im Bereich Astegg / Gstan einen 360 Grad-Tunnel unter dem Penken bauen. Das bietet sich auch deshalb an, weil dort im Tal keine Seilbahnen oder Siedlungen anzubinden sind. In Finkenberg hat dann die Eisenbahn die notwendige Höhe. Nach der Station Finkenberger Almbahn würde ich zwischen Finkenberg und Freithof einen zweiten 360 Grad-Tunnel einbauen. Zwischen Freithof und Vorderlandersbach braucht man dann wahrscheinlich noch einige Galerien, um die Eisenbahn vor Steinschlag zu schützen. Ab Vorderlanersbach bis nach Hintertux ist dann das Gelände für die Eisenbahn verhältnismässig unproblematisch. Da kann man dann auch auf weiten Teilen zweigleisig bauen.

Wenn man zwischen Jenbach und Hintertux alle 15 Minuten fährt, dann kreuzen sich die Züge alle 7 - 8 Minuten. Um die Kosten nicht zu sehr explodieren zu lassen, muss man also darauf achten, dass die Züge vom zweigleisigen Bereich Mayrhofen bis zum zweigleisigen Bereich in Finkenberg im Abschnitt durch den ersten 360 Grad-Tunnel mit den angrenzenden eingleisigen Zulauframpen höchstens 6 Minuten unterwegs sind, damit man den 360 Grad-Tunnel nicht zweigleisig bauen muss. Dasselbe gilt analog für den Bereich zwischen Finkenberg und Vorderlanersbach.

Zwischen Vorderlanersbach und Hintertux, wo das Gelände einfacher ist, baut man dann längere zweigleisige Doppelspurabschnitte: Von der Kapazität her würde man dann in der Fachliteratur die zweigleisigen Abschnitte Jenbach - Mayrhofen und Vorderlanersbach - Hintertux als Erholungszonen bezeichnen und den Bereich Mayrhofen - Finkenberg - Vorderlanersbach als Sättigungszone. In einer Sättigungszone liegt der Auslastungsgrad einer Eisenbahnstrecke bei über 80%; in Erholungszonen bei unter 60%. Erholungszonen sind für die Betriebsstabilität notwendig.

Hätte ich die Diplomarbeit geschrieben, dann würde ich auch die Mehrkosten analysieren, wenn man die Maximalneigung statt mit 50 Promille mit 40 Promille festlegt.

Soweit meine ersten Überlegungen.

Per E-Mail wird man die Diplomarbeit wahrscheinlich kaum bekommen. Wahrscheinlich müsste man nach Innsbruck fahren und bei der Uni nachfragen, ob man wenigstens mal einen Blick auf die Trasse werden darf - ohne selbstverständlich die Arbeit zu kopieren.
 
Da fällt mir spontan das Lied zur Puls4 Sendung "Bist du deppert" ein: "Haun wir das Geld doch zum Fenster raus ...."
Unrealistisch, unprofitabel, viel zu teuer...
 
Für den Hintertuxer Gletscher... Eine in weiten Teilen zweigleisige Bahntrasse... Sorry aber jetzt sind wir völlig im reich der Visionen angekommen. Danke Thomask...
 
.. na dafür wurde doch der Thread aufgemacht .. Visionen, Utopien, Finanzträume , etc . :wink:
Jedenfalls auch Danke an ThomasK für den etwas tieferen Ansatz einer Antwort zu meiner Fragestellung. Für mich war es theoretisch interessant, auf welcher Seite des Tuxbach (vor allem bis Freithof) die Trasse führen könnte.
 
jbb-thr schrieb:
.. na dafür wurde doch der Thread aufgemacht .. Visionen, Utopien, Finanzträume , etc . :wink:
Jedenfalls auch Danke an ThomasK für den etwas tieferen Ansatz einer Antwort zu meiner Fragestellung. Für mich war es theoretisch interessant, auf welcher Seite des Tuxbach (vor allem bis Freithof) die Trasse führen könnte.


In der Tat ist es alles andere als einfach zwischen Mayrhofen und Vorderlanersbach eine vernünftige Trassierung zu finden, die ohne Zahnstange auskommt. Würde man die Lösung der Matterhorn Gotthardbahn wählen, die zwischen Visp und Zermatt partiell auf die Zahnstangenlösung zurückgreift, dann wäre es bedeutend einfacher. Zwischen dem Talboden des Zillertals bei Gstan auf ca. 640 müM und Finkenberg auf 840 müM sind auf einer Länge von 1500 m also 200 Höhenmeter zu überwinden. Mit einer Zahnstange sind 15% Steigung kein Problem. Die Zugspitzbahn hat ebenso wie die Jungfraubahn 25%. Die Gornergratbahn hat 20%.

Will man auf die Zahnstange verzichten, weil man nicht nur 30 km/h, sondern 80 km/h fahren will, so würde ich also von Mayrhofen aus kommend bei Gstan mit Hilfe einer 360 Grad-Kurve durch den Penken fahren und damit die Höhenmeter gewinnen. In Finkenberg selbst wäre bei mir lediglich der zweigleisige Bahnhof Finkenberger Almbahn oberirdisch. Der Rest wäre in den Berg gebaut. Ich stelle mir das ungefähr so vor, wie beim neuen Bahnhof St. Anton am Arlberg.

Der neue Bahnhof St. Anton am Arlberg (Baujahr 1997 - 2000) selbst ist oberirdisch; allerdings ist er zwischen dem verlängerten Arlbergtunnel und dem neuen Wolfsgrubentunnel so stark eingezwängt, dass man sogar noch ein Teil der Bahnhofsanlagen in die beiden Tunnels verlegen musste, was extrem teuer ist. Ganz so teuer wie in St. Anton am Arlberg wäre der Eisenbahnneubau in Finkenberg nicht. Allerdings zeigt das Beispiel St. Anton am Arlberg auch, dass, wenn der politische Wille da ist, die Eisenbahn richtig auszubauen, man auch bereit ist, ordentlich Geld in die Hand zu nehmen. Der Neubau des Bahnhofs St. Anton am Arlberg kostete damals ca. 150 Millionen €; in heutiger Kaufkraft also etwa 300 Millionen €. Für 300 Millionen € bekäme man dann allerdings schon die gesamte Strecke Mayrhofen - Hintertux. Allerdings hat man durch die Neutrassierung im Bereich von St. Anton am Arlberg die Strecke für eine Geschwindigkeit von 140 km/h trassiert; für die Strecke Mayrhofen - Hintertux wäre eine Trassierung auf 140 km/h overkill. 80 km/h sind völlig ausreichend.

In diesem Video sieht man die Situation in St. Anton am Arlberg sehr gut. Die rote 14 im weißen Quadrat zeigt an, dass die Strecke für 140 km/h trassiert ist:

https://youtu.be/tdXmB_EA2Qo?t=1h2m10s

Im Video wird von Westen in St. Anton am Arlberg eingefahren.


Zurück ins Zillertal:

An der Westseite vom Bahnhof Finkenberg schliesst sich dann nach meinen Vorstellungen die nächste 360-Grad-Kurve an. Jetzt allerdings würde ich den Kreisel als Linkskurve bauen. Ca. 1 km westlich von Freithof hätte der Kreisel sein Tunnelwestportal und käme dann wieder an die Oberfläche. Bis Vorderlanersbach wären dann noch ein paar Lawinengalerien erforderlich. Dass die Zillertalbahn bei Juns die Talseite wechselt halte ich für plausibel.

Wenn ich im Sommer wieder im Zillertal bin, dann werde ich mal von Mayrhofen zu Fuss nach Hintertux gehen und mir das vor Ort noch genau angucken. Dann kann ich mal meine Vorstellungen skizzieren. Anschliessend werde ich versuchen mir dann die Diplomarbeit anzugucken um meine Überlegungen mit denjenigen des Ingenieurs zu vergleichen.

Leider stehen in den Zeitungsberichten keinerlei Angaben über die Trassierungsparameter wie Mindestradius, Maximalneigung usw. Das ist mal wieder typisch für Journalisten, dass die entscheidenden Informationen weggelassen werden und die Artikel mit jeder Menge unwichtigem Zeug überladen werden.

Politisch schätze ich die Situation wie folgt ein: Österreich wird in den nächsten 10 Jahren extrem viel Geld in die Hand nehemen, um die Eisenbahn auszubauen. Mittlerweile hat auch die FPÖ ihre Meinung geändert und will mehr Geld in die Eisenbahn stecken. Neben der Westbahn Wien - Salzburg, der Unterinntalbahn zwischen Wörgl und Innsbruck wird nun u.a. auch der 55 km lange Brennertunnel gebaut, der 33 km lange Koralmtunnel zwischen Graz und Klagenfurt und der 27 km lange Semmering Basistunnel zwischen Wien und Graz. Dass das alles sehr viel Geld kostet, ist völlig logisch. Wenn etwa im Jahr 2026 dieses gesamte Programm abgearbeitet ist, dann wird man die nächste Ausbauetappe für die Eisenbahn vorstellen. Dazu gehören auch die NBS Salzburg - Straßwalchen, der vollständige zweigleisige Ausbau der Arlbergbahn und einiges mehr. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass man sich im Wiener Verkehrsministerium nach 2026 im Zuge der nächsten Etappe sich das Projekt der Zillertalbahn bis nach Hintertux bzw. sogar bis nach St. Jodok anschaut. Der Charme ist dann nämlich, dass nach der Inbetriebnahme des Brennertunnels im Jahr 2026 zwischen St. Jodok und Brenner Trassen für die Zillertalbahn frei sind.

Wie ich schon sagte: In den nächsten 10 Jahren wird das mit der Zillertalbahn nach Hintertux nichts, aber nach 2026 werden die Karten völlig neu gemischt; erst recht, wenn der Liter Sprit vsl. 3 € kosten wird und dann die Menschen gezwungen sind, nachzudenken, ob nicht in der Verkehrspolitik einiges schief gelaufen ist.

Aber der Umdenkungsprozess pro Eisenbahn hat schon längst begonnen. Die südtiroler Landesregierung in Bozen lässt eine Machbarkeitsstudie für eine Dolomiteneisenbahn via Cortina erstellen und eine Eisenbahn über den Reschenpass, sowie die Verbindung zur RhB ist längt kein Tabu mehr.
 
St. Anton liegt an der Strecke, die ganz Vorarlberg mit dem Rest Österreichs verbindet. Ich glaub da ist ein Vergleich mit dem Zillertal, wo lediglich der Bereich von Mayrhofen bis Tux erschlossen werden würde nicht angebracht. Dafür ist man niemals bereit so viel Geld in die Hand zu nehmen, verständlicherweise.

Und wenn der Sprit mal 3 € kostet wirds vorher Autos geben die weniger als 2 Liter pro 100 km verbrauchen, bevor derart utopische Bahnprojekte umgesetzt werden. Die Pläne dafür liegen nämlich längst in den Schubladen der Autohersteller, nur bei den momentanen Ölpreisen ist es noch nicht wirtschaftlich die umzusetzen.
 
David93 schrieb:
St. Anton liegt an der Strecke, die ganz Vorarlberg mit dem Rest Österreichs verbindet. Ich glaub da ist ein Vergleich mit dem Zillertal, wo lediglich der Bereich von Mayrhofen bis Tux erschlossen werden würde nicht angebracht. Dafür ist man niemals bereit so viel Geld in die Hand zu nehmen, verständlicherweise.


Verkehrlich hast du zunächst einmal recht.

Politisch war es damals so, dass St. Anton erst dann die Luxusvariante beim Eisenbahnausbau bekam, als man den Zuschlag zur Ski-Weltmeisterschaft hatte. Das ist typisch für die Politik: Der allgemeine Nutzen für die Bevölkerung, die vom Eisenbahnausbau jahrzehntelang profitiert, zählt nicht so stark, wie ein zweiwöchiges Remmidemmi für die Ski-Weltmeisterschaft.

Nun wird es - soweit ich das beurteilen kann - weder in Finkenberg noch in Hintertux eine alpine Skiweltmeisterschaft geben.

Aber das politische Gerangel ist auch immer wieder für Überraschungen gut. Oft kommt es auf entscheidende politische Meinungsführer an. Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass man für das vordere Zillertal nun 150 Millionen € für die Zillertalbahn in die Hand nehmen will?

Nach meinen Informationen gab es in der ÖVP Sympathien, die Straße zwischen Jenbach und Mayrhofen auszubauen, aber die Grünen, die in der Tiroler Landesregierung mit am Tisch sitzen, konnten dann die ÖVP überzeugen, die Zillertalbahn auszubauen und Straßenausbaupläne zunächst einmal ad acta zu legen. Jetzt warten wir einfach mal die weitere Entwicklung ab und wenn man dann sieht, dass es auf der Schiene zwischen Jenbach und Mayrhofen ab Dezember 2019 gut läuft, dann sieht man, wie sich die Diskussion weiter entwickelt. Entscheidend ist, dass man von jedem Skigebiet mindestens eine EUB direkt an die Eisenbahn heranführt.

Nachdem jetzt auch die ÖVP öffentlich erklärt hat, ohne wenn und aber 150 Millionen € in die Zillertalbahn zu stecken, werden die jetzt wohl kaum noch einen Rückzieher machen.
 
Generell sind deine Ausführungen ja durchaus interessant, und wir sind ja im Utopie-Topic.

Utopisch niedrig sind ja auch die Fahrgastzahlen im verlinkten Video

https://youtu.be/tdXmB_EA2Qo?t=1h2m10s

die Bahnhöfe am Arlberg komplett leer 8O , da ist ja bei uns in der Provinz mehr los.
 
Nachdem jetzt auch die ÖVP öffentlich erklärt hat, ohne wenn und aber 150 Millionen € in die Zillertalbahn zu stecken, werden die jetzt wohl kaum noch einen Rückzieher machen.

der war gut! Selten so gelacht :-)

St. Anton liegt an einer Fernverkehrsstrecke, das Zillertal ist maximal eine Tourismusstrecke - warum soll man da so viel Geld investieren? Der Sportbus fährt von Mayrhofen bis Hintertux 35 Minuten (im Winter). Und der normale Bus muss fahren, da wir es hier mit dreidimensionaler Fläche zu tun haben (im Flachen sind 5 bis 10 Minuten zu Fuss eine akzeptable Zeit bis zur nächsten Haltestelle, wenns rauf und runter geht eher kürzer) - es gibt viele kleine Weiler, die auch einen Anschluss an den ÖPNV brauchen (und nicht nur eine Eisenbahnstation 5km/200hm weit weg). Deshalb ist der Bus in diesem doch eher abgelegenen Tal ideal.
 
ThomasK schrieb:
David93 schrieb:
St. Anton liegt an der Strecke, die ganz Vorarlberg mit dem Rest Österreichs verbindet. Ich glaub da ist ein Vergleich mit dem Zillertal, wo lediglich der Bereich von Mayrhofen bis Tux erschlossen werden würde nicht angebracht. Dafür ist man niemals bereit so viel Geld in die Hand zu nehmen, verständlicherweise.


Verkehrlich hast du zunächst einmal recht.

Politisch war es damals so, dass St. Anton erst dann die Luxusvariante beim Eisenbahnausbau bekam, als man den Zuschlag zur Ski-Weltmeisterschaft hatte. Das ist typisch für die Politik: Der allgemeine Nutzen für die Bevölkerung, die vom Eisenbahnausbau jahrzehntelang profitiert, zählt nicht so stark, wie ein zweiwöchiges Remmidemmi für die Ski-Weltmeisterschaft.

Nun wird es - soweit ich das beurteilen kann - weder in Finkenberg noch in Hintertux eine alpine Skiweltmeisterschaft geben.

Aber das politische Gerangel ist auch immer wieder für Überraschungen gut. Oft kommt es auf entscheidende politische Meinungsführer an. Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass man für das vordere Zillertal nun 150 Millionen € für die Zillertalbahn in die Hand nehmen will?

Nach meinen Informationen gab es in der ÖVP Sympathien, die Straße zwischen Jenbach und Mayrhofen auszubauen, aber die Grünen, die in der Tiroler Landesregierung mit am Tisch sitzen, konnten dann die ÖVP überzeugen, die Zillertalbahn auszubauen und Straßenausbaupläne zunächst einmal ad acta zu legen. Jetzt warten wir einfach mal die weitere Entwicklung ab und wenn man dann sieht, dass es auf der Schiene zwischen Jenbach und Mayrhofen ab Dezember 2019 gut läuft, dann sieht man, wie sich die Diskussion weiter entwickelt. Entscheidend ist, dass man von jedem Skigebiet mindestens eine EUB direkt an die Eisenbahn heranführt.

Nachdem jetzt auch die ÖVP öffentlich erklärt hat, ohne wenn und aber 150 Millionen € in die Zillertalbahn zu stecken, werden die jetzt wohl kaum noch einen Rückzieher machen.

Da sieht man den schädlichen Einfluss der Grünen. Statt was gegen den Dauerstau auf der Zillertalstraße zu tun und damit den Menschen einen echten Mehrwert zu schaffen, werden Unmengen an Geld in ein Projekt verschleudert, was keinerlei Alternative ist. Der Stau auf der Zillertalstraße kommt ja großteils durch die Urlauber, welche sicher nicht mit dem Zug anreisen werden, nur weil der zweigleisig ist. Skiurlauber haben ja typischerweise ne Menge Gepäck und damit ist Bahnfahren nicht sinnvoll möglich, vor allem weil man ja mehrfach umsteigen muss (denn in Jenbach muss man ja immer umsteigen).
 
... Auch wenn es Utopie ist... Aber hat er echt und ernsthaft davon philosophiert bis St. Jodok zu bauen?
 
Rüganer schrieb:
Generell sind deine Ausführungen ja durchaus interessant, und wir sind ja im Utopie-Topic.

Utopisch niedrig sind ja auch die Fahrgastzahlen im verlinkten Video

https://youtu.be/tdXmB_EA2Qo?t=1h2m10s

die Bahnhöfe am Arlberg komplett leer 8O , da ist ja bei uns in der Provinz mehr los.


Das Video wurde offenbar am 12.11.2014 oder 13.11.2014 gedreht, da der Filmer das Video am 13.11.2014 hochgeladen hat und im Video erzählt, dass bei ihm zu Hause in Wien der Wiener Weihnachtsmarkt nächste Woche beginnt. Schauen wir in den Fahrplan, dann sehen wir, dass der RJ 360, in welchem das Video aufgezeichnet worden ist, in St. Anton am Arlberg um 8.50 Uhr ankommt und um 8.52 Uhr abfährt:

http://www.oebb.at/de/Reiseplanung/Fahrplanauskunft/Fahrplanbilder/Detail_400/kif400_16.pdf

Halten wir fest:

Der 12.11.2014 war ein Mittwoch bzw. der 13.11.2014 war ein Donnerstag. Es sind somit keine Wochenendtagesausflügler zu sehen. Für die Berufstätigen ist die Abfahrt in St. Anton um 8.52 Uhr viel zu spät. Dasselbe gilt für die Schüler, die um diese Uhrzeit schon in der Schule sind. Wie man am Video unschwer erkennen kann, lag am 13.11.2014 weit und breit kein Schnee, sodass logischerweise auch keine Skifahrer zu sehen sind. Auch ist die Wandersaison am 13.11.2014 schon zu Ende. Am 13.11.2014 dürften zudem die Seilbahnen in der Revision gewesen sein. St. Anton hat zudem auch keine Industrie und keine Businesszentren, die für eine verkehrliche Grundlast sorgen. Kein Wunder, dass da auf dem Video auf dem Bahnsteig nichts los ist.

Bezüglich dieses Zeitpunktes ist klar, dass die meisten Fahrgäste im Zug von Innsbruck oder Landeck weiterfahren bis nach Bludenz, Feldkirch oder auch Zürich HB. Aber weil der Fahrplan selbstverständlich auch dann gilt, wenn keiner einsteigen will, hält der Zug dann logischerweise trotzdem in St. Anton.


kaldini schrieb:
St. Anton liegt an einer Fernverkehrsstrecke, das Zillertal ist maximal eine Tourismusstrecke - warum soll man da so viel Geld investieren?


Ganz einfach. Wenn du das Zillertal zwischen Mayrhofen und Hintertux autofrei machst, dann hast du das Fahrgastaufkommen, damit sich eine Eisenbahn volkswirtschaftlich rechnet. Zwischen Täsch und Zermatt läuft das ja auch sehr gut. Von der Struktur her unterscheidet sich St. Anton auch nicht sehr vom touristischen Zillertal zwischen Mayrhofen und Hintertux. St. Anton hat keine Industrie, keine Businesszentren und von der Einwohnerzahl her dürften Finkenberg und Hintertux wahrscheinlich zusammen genauso groß sein, wie St. Anton.


kaldini schrieb:
Der Sportbus fährt von Mayrhofen bis Hintertux 35 Minuten (im Winter). Und der normale Bus muss fahren, da wir es hier mit dreidimensionaler Fläche zu tun haben (im Flachen sind 5 bis 10 Minuten zu Fuss eine akzeptable Zeit bis zur nächsten Haltestelle, wenns rauf und runter geht eher kürzer) - es gibt viele kleine Weiler, die auch einen Anschluss an den ÖPNV brauchen (und nicht nur eine Eisenbahnstation 5km/200hm weit weg). Deshalb ist der Bus in diesem doch eher abgelegenen Tal ideal.


Selbstverständlich sollte die Eisenbahn nicht anstelle des normalen Busses fahren, sondern zusätzlich. Zwischen Wörgl und Kufstein fährt der Bus natürlich auch zusätzlich zur Eisenbahn, da er eine ganz andere Verkehrsfunktion hat. Als ich einmal von der Wildschönau kam und nach München wollte, habe ich mir mal den Gag erlaubt, in Wörgl in den Bus nach Kufstein einzusteigen anstatt in den Eurocity nach München. Normalerweise fährt man von Wörgl in 1:15 Stunden mit dem Eurocity nach München Hbf. Ich hatte aber Zeit und hatte Spass daran, ausnahmsweise einmal mit dem Bus die ganzen Käffer im Inntal wie Langkampfen und Schaftenau abzuklappern. Ungefähr eine 3/4 Stunde hat das gedauert, ehe ich von Wörgl nach Kufstein kam. Klar, mit dem Zug wäre ich in 9 Minuten in Kufstein gewesen. Wer diese Fahrt mal gemacht hat, weiß, warum sich Zug und Bus ergänzen.

Führe die Bahn von Mayrhofen nach Hintertux, dann würde logischerweise lediglich der Schnellbus wegfallen und wenn man es geschickt macht, dann ist zwischen Mayrhofen und Hintertux alles autofrei. Nur noch Anwohner mit Sondergenehmigung kämen dann rein. Wenn die Eisenbahn alle 15 Minuten fährt, dann kann sie leicht das gesamte Verkehrsaufkommen von der Straße übernehmen. Der Bahnhof Hintertuxer Gletscherbahn nähme bei weitem weniger Fläche in Anspruch als der Riesenparkplatz. Mit der Autofreiheit im hinteren Zillertal wäre auch das Problem auf der 169 im vorderen Zillertal gelöst, denn wenn die Leute schon vorher wissen, dass spätestens in Mayrhofen Schluss ist mit der Autofahrerei, dann setzen die sich doch gleich schon in Jenbach in den Zug, wenn günstige Pauschalpreise für die Fahrkarten angeboten werden. Da zudem beim Eisenbahnbetrieb 70% Fixkosten sind, muss die Devise heißen, möglichst viele Autofahrer mit Zuckerbrot und Peitsche zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen.

Zuckerbot = attraktive Bahntarife, lange Betriebszeiten, günstige Taktzeiten, saubere Züge, attraktives Erscheinungsbild der Bahnhöfe, freundliches Zugpersonal.
Peitsche = hohe Parkgebühren, Zugangsbeschränkungen, Straßensperrungen, hohe Benzinpreise.

Im Fachjargon der Verkehrsplaner sagt man dazu Push and Pull.

Push = Zusammendrücken des Marktanteils des motorisierten Individualverkehrs (MIV) durch Restriktionen gegen das Auto
Pull = Auseinanderziehen, also Erhöhen des Marktanteils des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch Verbesserung bei der Bahn und beim Linienbus

Aber wie ich schon sagte: Das dauert alles noch seine Zeit, ehe sich diese Erkenntnisse in der Politik durchsetzen. Peu a peu will jetzt auch die ÖVP immer mehr Geld in die Eisenbahn investieren.

Zwar wird die Zillertalbahn noch nicht in den nächsten 10 Jahren bis nach Hintertux fahren, aber für die nächsten 20 Jahre bin ich mir da nicht so sicher. In diversen Eisenbahnforen wurde schon vorgeschlagen noch eine Schippe drauf zu legen und die Zillertalbahn auf Normalspur (1435 mm) umzubauen. :biggrin:
 
Und das alles wofür? Um Abgase zu reduzieren, die sowieso kaum ins Gewicht fallen? :lach: Und um damit dem Tuxertal den Tourismus abzugraben, sowie den Leuten die massiven Nachteile vom Bahnfahren aufzwingen (Fahrpläne, Umsteigen, alles zu Fuß laufen oder Busfahren vor Ort etc.)?

Abgesehen davon ist die Behauptung, die Zillertalstraße würde weniger befahren, wenn man ab Mayrhofen die Straße sperrte, höchst fragwürdig. Zum einen sind dann ja alle Orte vor Mayrhofen immer noch mit dem Auto erreichbar, und zwar deutlich besser und komfortabler als mit irgendeinem Zug. Außerdem gibt es noch den Gerlospaß, der eine wichtige Verbindung zwischen Tirol und Salzburger Land ist.

Und nicht zuletzt sind Autofahrer Leute, die immer so weit wie möglich fahren. In Zermatt (was absolut nicht im Ansatz vergleichbar ist mit dem Tuxertal) fahren die Leute auch bis Täsch und steigen nicht schon in Stalden oder Visp um. Oder sie fahren gleich übern großen St. Bernhard nach Cervinia.

Der Öffentliche Verkehr wird den Individualverkehr niemals ersetzen.
 
ThomasK schrieb:
Rüganer schrieb:
Zwar wird die Zillertalbahn noch nicht in den nächsten 10 Jahren bis nach Hintertux fahren, aber für die nächsten 20 Jahre bin ich mir da nicht so sicher. In diversen Eisenbahnforen wurde schon vorgeschlagen noch eine Schippe drauf zu legen und die Zillertalbahn auf Normalspur (1435 mm) umzubauen. :biggrin:
Na jetzt ist es utopisch.
Wenn die Umbauten auf Zweigleisigkeit, Elektrifizierung etc. erledigt sind hat sich die Umspurung auf Normalspur für die kommenden Jahrzehnte eh erledigt. Denn der Umbau würde dann richtig viel kosten. Außerdem haben diverse Untersuchungen gezeigt, dass sich eine Umspurung selbst bei optimistischen Annahmen nicht rechnet.
Eine Verlängerung der Strecke Richtung Hintertux hätte sich spätestens mit einer Umspurung erledigt, denn die würde dann ja noch teurer. Denn Normalspur führt zu
einem größerem Lichtraumprofil und somit zu einer breiteren Trasse und erheblich größeren Tunnel sowie
erheblich größeren Kurvenradien ergo längerer Strecke / Tunnel mit allen negativen Folgen.
 
Die ZTB wäre schön dumm wenn sie auf Normalspur wechseln würde, denn dann müssten sie ihre Gleise der Konkurrenz zur Verfügung stellen....
 
Schneeloewe schrieb:
Der Vergleich Bahnbau Mayrhofen-Tux mit einer möglichen Dolomitenbahn (Cortina) hinkt stark. Denn dort gibt es schon eine aufwändige Trasse einer ehemaligen elektrifizierten Schmalspurbahn, die heute immer noch weitestgehend frei geblieben und inklusive Tunnel und Brücken erhalten ist.
@ ThomasK: Da sei dann die Frage gestellt, was denn nun ein Kinderspiel ist? Eine REAKTIVIERUNG der Dolomitenbahn oder der NEUBAU einer Bahn im hinteren Zillertal. Außerdem gibt es derzeit nur den Auftrag einer Machbarkeitsstudie. Das heißt noch gar nichts.
Ferner ist der Bau der Reschenbahn nicht beschlossen worden sondern man steckt auch erst ganz am Anfang im Sondieren von Möglichkeiten. Und eine Absichtserklärung ist längst noch kein Bau.


Die Beispiele mit der Dolomitenbahn und der Reschenbahn habe ich gewählt, um das Umdenken in der Verkehrspolitik in Tirol und Südtirol aufzuzeigen.

Im übrigen soll die Dolomitenbahn durchgehend als Normalspurbahn (1435 mm) ausgeführt werden, was in weiten Teilen eine völlig neue Trassierung erforderlich macht. Abgesehen davon ist nunmehr von einer Trassierungsgeschwindigkeit von 80 - 100 km/h mit spurtstraken Elektrotriebzügen die Rede. Früher fuhr man bis zur Elektrifizierung mit Dampfloks etwa 20 km/h. Soweit ich informiert bin, sind heute zudem etliche Teile der damaligen Dolomiteneisenbahn zugebaut.

Insofern hat die neue Dolomiteneisenbahn, falls sie realisiert wird, mit der früheren Dolomitteneisenbahn bis auf den Namen fast nichts mehr gemeinsam.

Im Zillertal würde ich zwischen Mayrhofen und Hintertux folgende Bahnhöfe einrichten:

Mayrhofen, Ahornbahn
Finkenberg, Almbahn
Vorderlanersbach, Rastkoglbahn,
Lanersbach, Eggalmbahn
Juns
Madseit
Hintertux, Ortsmitte
Hintertuxer Gletscherbahn

Eine Beförderungszeit von 22 Minuten zwischen Mayrhofen und Hintertux ist zwar ambitioniert, aber technisch machbar. Wenn man alle Autos zwischen Mayrhofen und Hintertux rausschmeisst, dann ist ein 15-Minuten-Takt notwendig; bei einem Wagenumlauf von 75 Minuten benötigt man also 5 Zuggarnituren.

Zur Anbindung der Streusiedlungen wie z.B. Freithof würde ich zusätzlich noch einen Bus zwischen Mayrhofen und Hintertux im Stundentakt fahren lassen. Bei einer Beförderungszeit von 45 Minuten und einer Wendezeit von jeweils 15 Minuten in Hintertux und Mayrhofen benötigt man somit bei einem Wagenumlauf von 2 Stunden demzufolge 2 Fahrzeuge.
 
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