Aus obig verlinktem Artikel: "Pikant: Robinhood unterhält selbst Geschäftsbeziehungen zu Melvin und Citadel. Die vermeintlich jungen Wilden sind in Wahrheit eng mit dem Establishment vernetzt."
Zumindest bei quasi allen US-Online Brokern ist es so, dass Aktien der Kunden keineswegs auf deren Namen im Dopt verwahrt werden bis zum Verkauf. Als Inhaber sind vielmehr die Grosshändler der Broker eingetragen. Das hat den Vorteil, dass bei Kauf/Verkauf der Zeit- und Bürokratieaufwand der Zuordnung der Aktie zum Inhaber aus Sicht der AG weg fällt, und bei Handel somit nichts eingetragen werden muss ("Street-Trading").
Pikant ist jedoch, dass im Falle einer Pleite des Online-Brokers der Aktieneigner nicht der bei der AG eingetragene ist, sondern der Broker bzw. sein Grosshändler. Dies kann in den USA für den Kunden mühsam werden.
Der Online-Broker kann einem den Namenseintrag zwar nicht verbieten (sog. "Direct Registration System"), aber im Online System die Funktionalität dazu einfach vergessen...
Noch Pikanter und komischerweise kaum öffentlich bekannt ist, dass dank der ""namenslosen"" Aktien diese ohne Kenntnis der Kunden von den jeweiligen Brokerfirmen "ausgeliehen" werden, an ... Short-Seller, welches idR Hedge-Fonds sind, also all jene die auf fallende Kurse setzen, genau das was die tatsächlichen Eigentümer der Aktien nicht wollen!
Hedge-Fonds, wenn sie groß genug sind, analysieren ihre Firmen gegen die sie wetten sehr akribisch, um das zielgerechte Absacken der Kurse zu unterstützen durch geschickten Handel und insbes. durch mediales Aussetzen von eigens recherchierten negativen Meldungen zur entsprechenden AG. Dazu bekommen Hedge-Fonds zur besseren Planung von den Online-Brokern auch noch Verhaltensmuster der Kunden mitverkauft.
Womit oft eine enge vertrickung von Hedge-Fonds und Online-Brokern hergestellt ist, wie im Falle von Robinhood (Broker) und Citadel (Hedge-Fonde): Ein Dream-Team um die immense Massen an Privatanlegern ideal abschöpfen zu können.
Das Ausborgen der eigenen Kundenaktien ist eine der (/die?) Haupteinnahmequellen von Online Brokern wie Robinhood, wodurch der Kunde den Eindruck bekommt alles sei "gratis". In der Tat kostet Handeln von gewöhnlichen Aktien quasi nichts mehr, und deren Aufbewahrung auch nichts - ganz im Ggs. zu traditionellen Depots bei "alten" Banken in Europa.
Das ist also das "geheime" Geschäftsmodell der zahlreichen Hippen Easytrader: Aktien der eigenen Kunden an Short-Seller und Hedgefonds und Market-Maker gegen Mietgebühr ausleihen!
Um festzustellen, ob eure Aktien ohne euer Wissen vom Broker an Andere (Short Seller und Market-Maker) ausgeborgt werden, genügt ein Blick in die Buchungszeilen der eingehenden Dividendenzahlungen: Als Quelle der Transaktion erscheint nicht die entsprechende AG, sondern euer Online Trader - der die Dividende eigens zahlt, indem er diese quasi auf die Ausleihgebühr eurer Aktien aufschlägt.
Das Fiese kommt somit doppelt daher: Zum einen bekommt ihr nichts für eure entliehenen Aktien, zum anderen arbeiten jene die eure Aktien geborgt haben auf den gewollten Kursabfall hin.
Und weiter: Aktien können mehr als 1x ausgeborgt werden (auch wenn ich nicht verstehe wie das buchhalterisch gehen kann). Im Falle von Gamestop hatten sich auf fallende Kurse wettende Shortseller 140% der zirkulierenden Aktien gesichert!
Kann man das Entleihen der eigenen Aktien verhindern, und somit einen kleinen Beitrag gegen Short-Seller leisteb? Leider nein, irgendwo im Fine-Print der Online-Broker findet sich stets die entsprechende Einwilligung.
Dennoch: Angeblich kann es sinnvoll sein, ein utopische hohes Limit Sell Order zu setzen, womit diese Aktien in die Order Books der Händler eingetragen würden, und so quasi zur Ausleihe nicht mehr zur Verfügung stehen.
Insgesamt fühlt sich die Situation jetzt sehr sehr nach 1999 an ... im März 2001 kam der "New Economy" - Crash.
Interessant ist auf jeden Fall anzuerkennen, wie ausgefuchst genial das Finanzsystem heute gestrickt ist. Immer wieder finden sich neue Mechanismen, dank derer durch rein virtuelles Geschäftsgebaren neue Gewinnmöglichkeiten geschaffen werden. Die Komplexität ist schon faszinierend.
Also Leute, ich empfehle setzt auch Stop Sell nach Unten, sodass ein etwaiger Crash nicht zu viel der zu schnellen Gewinne wegfrisst....
PS: Über die neuen hippen online Broker à la RobinHood und deren Geschäftsmodelle wurde in "Qualitätsmedien" wie Süddeutsche oder Standard im Zuge der Gamestop Geschichte derart naiv und stümperhaft berichtet, das hat mich schon sehr erschreckt. Hoffe daher, dass mein obiger Beitrag bei einem oder anderen Interesse geweckt haben möge
