Wie realitätsfremd und wenig sachbezogen Politik und RKI agieren, kann man übrigens am Grenzwert erkennen, ab dem ein Landkreis Einschränkungen vornehmen soll. Da wurde vor Monaten beschlossen, dass ab einer Fallzahl von 50 "Infizierten" pro 100.000 Einwohner "Lockerungen" (=grundgesetzlich garantierte Bürgerrechte) zurückgenommen werden sollen.
Dieser Grenzwert kann aber alleine durch die drastische Ausweitung der anlasslosen Tests erreicht werden, wie wir ja gerade vielerorts sehen. Ob man am Ende lediglich auch diejenigen Personenkreise erfasst, die seit je her schon vorher infiziert waren, aber wegen fehlender Symptome gar nicht zum Arzt gegangen sind, oder die Tests bei fehlender Prävalenz einfach mehr falsch positive Resultate liefern, spielt am Ende keine Rolle. Dieser Grenzwert ist in dieser Form einfach nur Unsinn in Reinkultur. Ein Grenzwert, der alleine durch die Ausweitung der Tests erreicht werden kann, ist ein Witz. Pure Willkür, so beschlossen von der Politik und der Billigung des RKI.
Ein sachbezogener Grenzwert würde dagegen nur auf die Zahl der Menschen abzielen, die wirklich Symptome zeigen oder wegen starker Symptome medizinisch oder gar intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Dann hätte die Zahl der Tests einen kaum noch messbaren Einfluss.
Das man statt dessen den nichtsagenden Wert positiv Getesteter als Basis für die Beurteilung der Lage heranzieht, ist für mich nur ein weiterer Beleg dafür, dass es den Entscheidern bis hin in die Spitze des RKI am nötigen Sachverstand zu mangeln scheint.
Gestern bei
Anne Will war auch Hendrik Streeck zu Gast. Wörtlich sagte er, das "
Virus ist Teil von unserem Leben" und bezeichnete
das Schüren der Hoffung auf einen Impfstoff als "ziemlich unseriös" (ab 9:20). Solch einen Impfstoff könne es im nächsten Jahr geben, genau so gut aber könne es noch Jahre oder ein Jahrzehnt dauern, bis ein solcher Impfstoff zur Verfügung steht. Da bleibt noch viel Zeit mal drüber nachzudenken, ob die derzeitige Strategie die richtige ist.