Pilatus schrieb:
Nüüüüt
Doch. Die Farbe der Plakate wurde auf orange geändert.
chatmonster schrieb:
Was machen die / macht Ihr?
Und ich befürchtet dieses Mal ändert sich erst etwas wenn es eskaliert!
Glaube ich leider auch. Ich gehe allerdings davon aus, dass das Wachstum der Anzahl positiver Tests alleine deswegen wieder schwächer wird, weil die Testzentren in den Spitälern bereits am Anschlag sind, obwohl in der Schweiz weniger getestet wird als im umgehenden Ausland.
Ein grundlegendes Problem ist halt, dass das die Schweiz föderalistisch ist. Im März / April hat der Bundesrat gehandelt mithilfe des Epidemiengesetzes, doch dadurch fühlten sich die Kantone entmachtet. Seither sollten die Kantone einzeln für sich handeln. Gleichzeitig ist aber die wissenschaftliche Task-Force mit den Epidemologen und Virologen der Unis und Eths der Schweiz national organisert. Diese Experten betteln förmlich um Massnahmen. Aber die aktuellen Entscheidungsträger (Kantone) sind halt von der Wissenschaft mehr oder weniger entkoppelt (da kantonal statt national) und kochen ihre eigene Suppe. Die in der Wissenschaft mittlerweile gesicherte Tatsache, dass bei Corona die Todesrate 12-15 mal so hoch ist wie bei einer normalen Grippe (hochgerechnet auf die Schweizer Bevölkerungsstruktur) ist somit bei manchen Entscheidungsträgern gar nicht angekommen, genauso wenig, dass Hospitalisierungen zeitlich versetzt zu den Infektionen stattfinden. Solange die Spitäler nicht voll sind, sieht man darum keinen Grund für grössere Massnahmen. Exemplarisch der Gesundheitsdirektor von Glarus, der tatsächlich meint, wenn die Wahrscheinlichkeit klein ist, dass er sich bei Aktion x von Person y infiziert (was richtig sein mag), dass dann insgesamt die Wahrscheinlichkeit klein sei, dass überhaupt irgendwo Infektionen passieren. Und so ist er dann gegen jegliche Massnahmen.
Die Gesundheitsdirektoren haben sich nur auf Druck der Bundespräsidentin getroffen um sich abzusprechen, danach treffen sich dann wieder regionale Gruppierungen der Direktoren, am Schluss soll trotzdem jeder Kanton selber entscheiden - die heisse Kartoffel wird rundherumgereicht. Deshalb ist es so, dass die Schweiz weit herum die liberalesten Regeln hat (viel liberaler als etwa Schweden), Grossveranstaltungen finden alle statt, das Sicherheitskonzept besteht oft aus einer Namensliste, die häufig weder auf Vollständigkeit noch Korrektheit überprüft wird. So findet etwa das Gruppen-Sauf-Fest Olma in St. Gallen immer noch statt, einfach im Freien und an zwei Wochenenden. Böse Zungen behaupten, die Anpassung an die Corona-Situation besteht einzig und allein aus dem Ändern des Namens. Abstand einhalten? Denkste.
Dazu kommt halt eine starke Portion Schweizer Arroganz und Bünzlitum im Sinne, man weiss und macht eh alles besser als im Ausland und weisss schon, was zu tun ist, und auf "diese Studierten" müsse man eh nicht hören. Da bei der ersten Welle die Massnahmen in der Deutschschweiz gerade noch rechtzeitig kamen und die Bevölkerung damals solidarisch mitgemacht hat, fehlt auch völlig die Vorstellung was passieren kann und wie sich das exponentielle Wachstum explosionsartig in Hospitalisierungen niederschlagen kann. Und jede kleine Einschränkung wird als Frontalangriff auf Freiheitsrechte gedeutet. Beispielsweise macht man sich darüber lustig, dass man die Hände waschen soll. Und die SVP will in den Kantonsparlamenten jegliche Massnahmen verbieten lassen.
Und was halt auch nicht hilft ist der weit verbreitete Glaube, dass man zwischen Wirtschaft und Gesundheit auswählen muss. Da fehlt der Blick über den Tellerrand umzusehen, dass das Gewerbe erst recht kollabiert, wenn das Gesundheitssystem mal überlastet ist (siehe New York).