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Coronavirus 2019-nCoV

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NeusserGletscher schrieb:
Hätte die Politik in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, dann würde jetzt niemand von einer drohenden Überlastung der Krankenhäuser reden.

Außer natürlich hier hätten (Gott behüte!) irgendwelcher Querdenker die Macht den Kurs zu bestimmen. Die würden jedes System an die Grenze bringen.
 
Pilatus schrieb:
Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.

Die Aussagen halte ich alle für völlig zutreffend. Neben der Finanzierung blieben zwei weitere klitzekleine Fragen:
  1. Auf welche Kapazität sollten wir denn auslegen? Unsere So-nicht-Fraktion möchte ja gern selbst nichts beitragen und stattdessen die Inzidenzgrenzen hochschrauben. Im Moment gewännen wir in D mit einer Verdopplung der Kapazität 2 Wochen (und da sind die zu erwartenden längeren Intensiv-Belegungsdauern durch Covid-Patienten noch gar nicht berücksichtigt). Also 200% Kapazität für 2 Wochen extra? 400% für 4 Wochen? 800% für 6 Wochen? 1600% für 8 Wochen? Oder für eine "Saison" bis zum 24.3. gleich 10240% (Faktor 100)?
  2. Und mal angenommen, Bereitschaft zur Finanzierung und genügend qualifiziertes Personal wären da, wie attraktiv wären die ganzen Tätigkeiten im Gesundheitswesen, wenn man die ganze Zeit nur noch herumsitzt, bis etwas passiert? Wie stünde es um die Behandlungsroutine, wenn man (im Nicht-Ausnahmefall) fast nie mit Patienten arbeiten dürfte?
 
Das „Problem“ im Gesundheitswesen ist die steigende Lebenserwartung, der rasende Fortschritt bei den therapeutischen Verfahren und der zunehmende Absicherungsbedarf aufgrund juristischer Auseinandersetzungen. Das hat gigantische Kosten verursacht die man nicht 1:1 auf die Prämien-/Steuerzahler sondern auch auf das Gesundheitspersonal abgewälzt hat.

Ich habe ja nichts gegen bessere Arbeitsbedingungen, aber das bedeutet höhere Kosten oder aber auch gesetzliche Anpassungen, damit (vermeintliche) Opfer von Behandlungsfehler ihre Rechte nicht mehr so einfach durchsetzen können. Wollen wir das?
 
Tyrolens schrieb:
Mit Prävention könnte man wahrscheinlich 50% der Kosten einsparen.

Jein. Die Rechnung geht nur für einzelne Krankheiten auf, global gesehen nicht. Gesund ist noch keiner gestorben. Die Kosten kommen dann wahrscheinlich einfach in einem noch höheren Lebensalter, und möglicherweise wird es dann noch teurer. Billig aus Sicht der Gesundheitskosten ist es, wenn die Krankheit schnell zum Tod führt und man sie nicht behandeln kann. Bitter aber wahr.
 
NeusserGletscher schrieb:
"...... In Norwegen gibt es zum Beispiel keine Beitragsbemessungsgrenze und dort kosten die Sozialversicherung, die auch Krankheit abdeckt, nur 8,2% vom Bruttoeinkommen.
......"

Dieser Vergleich mit Norwegen hinkt. Meines Wissens finanziert Norwegen sein Gesundheitswesen im wesentlichen durch die Förderung von Erdöl im Nordatlantik. Daher zahlen die Norwegen einen so kleinen Beitrag.

Gruß

FranJo
 
FranJo schrieb:
Dieser Vergleich mit Norwegen hinkt. Meines Wissens finanziert Norwegen sein Gesundheitswesen im wesentlichen durch die Förderung von Erdöl im Nordatlantik. Daher zahlen die Norwegen einen so kleinen Beitrag.
Soweit ich das weiß, packen die Norweger die Erlöse aus der Erdölförderung in ihren Staatsfond und nicht in die Finanzierung des Gesundheitssystems.
 
Pilatus schrieb:
Jein. Die Rechnung geht nur für einzelne Krankheiten auf, global gesehen nicht. Gesund ist noch keiner gestorben. Die Kosten kommen dann wahrscheinlich einfach in einem noch höheren Lebensalter, und möglicherweise wird es dann noch teurer. Billig aus Sicht der Gesundheitskosten ist es, wenn die Krankheit schnell zum Tod führt und man sie nicht behandeln kann. Bitter aber wahr.

Die billigste Krankheit ist die, die man nicht hat. Nimm mal Rauchen, Alkohol und Übergewicht - drei Faktoren, die irre hohe Gesundheitskosten verursachen.
Oder sowas wie Hypertonie. Lässt sich einfach behandeln und trotzdem gibt's viele, die's ignorieren und dann mit ihrem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Notaufnahme landen.
 
Oliver.O schrieb:
Pilatus schrieb:
Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.

Die Aussagen halte ich alle für völlig zutreffend. Neben der Finanzierung blieben zwei weitere klitzekleine Fragen:
  1. Auf welche Kapazität sollten wir denn auslegen? Unsere So-nicht-Fraktion möchte ja gern selbst nichts beitragen und stattdessen die Inzidenzgrenzen hochschrauben. Im Moment gewännen wir in D mit einer Verdopplung der Kapazität 2 Wochen (und da sind die zu erwartenden längeren Intensiv-Belegungsdauern durch Covid-Patienten noch gar nicht berücksichtigt). Also 200% Kapazität für 2 Wochen extra? 400% für 4 Wochen? 800% für 6 Wochen? 1600% für 8 Wochen? Oder für eine "Saison" bis zum 24.3. gleich 10240% (Faktor 100)?
  2. Und mal angenommen, Bereitschaft zur Finanzierung und genügend qualifiziertes Personal wären da, wie attraktiv wären die ganzen Tätigkeiten im Gesundheitswesen, wenn man die ganze Zeit nur noch herumsitzt, bis etwas passiert? Wie stünde es um die Behandlungsroutine, wenn man (im Nicht-Ausnahmefall) fast nie mit Patienten arbeiten dürfte?

Ich würde eher die umgekehrte Frage stellen: Was sollte man denn deiner Meinung nach tun, wenn man nie einen Impfstoff oder eine Behandlung findet? Immun ist man ja höchstens 6 Monate, daher ist das auch keine Lösung.

Einfach jedes Jahr bis zum Nimmerleinstag zwei Lockdowns? Oder für immer Masken tragen, keine Volksfeste, keine Konzerte, usw.?

Jetzt sag doch einfach mal, ab wann man dann deiner Meinung nach - und zwar egal wie "schlimm" die "Infektionslage" auch ist - mit den Gegenmaßnahmen aufhören sollte. In 5 Jahren? In 10? Oder wirklich nie?
 
Wie es sich mit der Immunität insgesamt verhält, wissen wir noch nicht. Und schon gar nicht, wenn ein Impfstoff im Spiel ist. Also warten wir das erstmal ab. Ich verschwende nicht wirklich Zeit darauf, für jedes spekulative Szenario Lösungen zu überlegen. Welche Optionen wir im Moment noch alle nutzen könnten, um Lockdowns zu verhindern, habe ich in diesem Thema schon mal relativ ausführlich dargelegt. Der Ball ist ganz sicher eher in deinem Feld...
 
Oliver.O schrieb:
Die Aussagen halte ich alle für völlig zutreffend. Neben der Finanzierung blieben zwei weitere klitzekleine Fragen:
  1. Auf welche Kapazität sollten wir denn auslegen? Unsere So-nicht-Fraktion möchte ja gern selbst nichts beitragen und stattdessen die Inzidenzgrenzen hochschrauben. Im Moment gewännen wir in D mit einer Verdopplung der Kapazität 2 Wochen (und da sind die zu erwartenden längeren Intensiv-Belegungsdauern durch Covid-Patienten noch gar nicht berücksichtigt). Also 200% Kapazität für 2 Wochen extra? 400% für 4 Wochen? 800% für 6 Wochen? 1600% für 8 Wochen? Oder für eine "Saison" bis zum 24.3. gleich 10240% (Faktor 100)?
  2. Und mal angenommen, Bereitschaft zur Finanzierung und genügend qualifiziertes Personal wären da, wie attraktiv wären die ganzen Tätigkeiten im Gesundheitswesen, wenn man die ganze Zeit nur noch herumsitzt, bis etwas passiert? Wie stünde es um die Behandlungsroutine, wenn man (im Nicht-Ausnahmefall) fast nie mit Patienten arbeiten dürfte?
Wie ich schon vorher ausgeführt habe, könnte man durch verschiedene Maßnahmen quasi kostenneutral die Kapazität erhöhen. Dafür müsste man halt alle parasitären Kostentreiber aus dem System drängen. Außerdem spielt Geld in Deutschland nie eine Rolle, wenn die Politik unbedingt etwas will. Für die Rettung von Banken, Konzernen und Migration hat die Politik in den letzten 10 Jahren bis zu einer Billion Euro ausgegeben. Dafür hätte man auch so manches Krankenhaus neu bauen und mit vergoldeten Betten ausstatten können.

Die Frage der Kapazität ist halt verknüpft mit der Frage der - Achtung, jetzt kommt ein beliebtes Argument - Wahrscheinlichkeit, mit der ein Gesundheitssystem überlastet ist. Im Frühjahr war z.B. das deutsche Gesundheitswesen zu keinem Zeitpunkt überlastet. Auch jetzt wird lediglich eine Überlastung befürchtet. Die Schweiz hat dagegen fast nur ein Drittel der Intensivbetten pro Einwohner wie Deutschland. Wobei hier noch zu hinterfragen ist, wieviele dieser Betten tatsächlich zur Verfügung stehen und für eine Behandlung von Corona geeignet sind.

Wieviel es am Ende mehr sein müssten, kann ich Dir auch nicht sagen. Weil das hängt auch davon ab, wie sich das Virus ausbreitet. Irgendwann kann mann durch jedes denkbare Szenario ein Gesundheitssystem an seine Grenzen fahren. Die Frage ist halt, wie oft dies passiert.
 
NeusserGletscher schrieb:
Die Schweiz hat dagegen fast nur ein Drittel der Intensivbetten pro Einwohner wie Deutschland. Wobei hier noch zu hinterfragen ist, wieviele dieser Betten tatsächlich zur Verfügung stehen und für eine Behandlung von Corona geeignet sind.

Standard-Pflegeschlüssel auf Intensivstationen in der Schweiz 1:1, in Deutschland 3:1. Kommt also so etwa aufs selbe raus. Beatmungsgeräte hat die Armee ja genug gebunkert und wenn keine geplanten Eingriffe mehr stattfinden kann man OP-Säle zu provisorischen Intensivstationen umbauen. Aber das ist dann keine hochstehende Intensivmedizin mehr.

NeusserGletscher schrieb:
Weil das hängt auch davon ab, wie sich das Virus ausbreitet. Irgendwann kann man durch jedes denkbare Szenario ein Gesundheitssystem an seine Grenzen fahren. Die Frage ist halt, wie oft dies passiert.

Absolut... darum kann man ja auch nicht einfach nichts machen :wink: Wenn wir nichts testen und das ganze ignorieren würden, dann wär das Gesundheitswesen ziemlich schnell mit dem Rücken zur Wand. Dieses Mal hat man's schon ziemlich weit kommen lassen, mal schauen ob wir dieses Mal auch wieder halbwegs davon kommen (wir Schweizer sind es uns halt gewöhnt, dass jede Katastrophe in den letzten 150 Jahren irgendwie ohne grösseren Schaden zu verrichten an uns vorbei gezogen ist :wink: )

https://www.hug.ch/coronavirus-maladie-covid-19/situation-aux-hug

In Genf sind am Unispital unterdessen 590 COVID-19-Patienten hospitalisiert. Die Steilheit der Kurve scheint ein bisschen abzunehmen, mal gucken ob da bald mal ein Peak kommt... Seit Sonntag ist da ja wieder radikaler Shutdown, aber im Gegensatz zum Frühjahr können die unbelehrbaren noch ausweichen.
 
Man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Man tötet Tiere, weil man einen Virus am mutieren hindern will, damit auch der (vielleicht) entwickelte Impfstoff gegen das nicht mutierte Virus hilft....
 
In diesem Beitrag des NDR wird über die chronische Überlastung der Intensivstationen berichtet - vor Corona, der Beitrag stammt vom 13.12.2018 oder davor.



Ich kann daher nicht so wirklich glauben, dass Deutschland 3x mehr (verfügbare) Intensivbetten als die Schweiz haben soll. Im Kommentar zu dem Video steht ja auch
Bis zu einem Drittel der Betten kann nicht genutzt werden, da Pflegekräfte fehlen

Interessant ist für mich, dass damals niemand auf die Idee kam, Menschen, die sich "Risiken" aussetzen, als "Leugner" oder "unvernünftig" zu bezeichnen. Eigentlich war die Überlastung der Intensivstationen damals kein großes Thema. Es wurde halt nicht zur Prime-Time gesendet, um damit Stimmung zu machen. Und die Politik hat es nicht weiter interessiert. Man war offensichtlich mit wichtigerem beschäftigt.
 
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