Pilatus schrieb:
Das mit dem Personalbedarf ist sicher ein wunder Punkt, würde uns jetzt aber auch nur bedingt helfen. Kein vernünftiger Mensch würde die Kapazität des Gesundheitswesens auf eine Spitzenbelastung auslegen, die alle 100 Jahre - oder auch nie - auftritt. Das zu finanzieren wären wir zu normalen Zeiten schlicht nicht bereit gewesen.
Bis in die Mitte der 1980er Jahre war dies finanzierbar. Da hatten wir deutlich mehr Pflegekräfte pro Einwohner und das bei einer auch weniger überalterten Gesellschaft. Dann kam die Erosion der Staatsfinanzen durch Steuergeschenke an Konzerne und Reiche und der Privatisierungswahn. Der Zwang zu Kosteneinsparung und Steigerung der Rendite wurde auf dem Rücken der Menschen und auf Kosten der Qualität der Versorgung ausgetragen. Wenn man in normalen Zeiten seine Arbeit ohne Hektik und Stress erledigen kann und auch mal Zeit für ein Gespräch mit den Patienten hat, dann hat man in Krisenzeiten eine stille Reserve, die sfort verfügbar ist. Wenn man dagegen schon in normalen Zeiten am Limit fährt, dann hat man im Fall einer Krise nicht die Möglichkeit, noch ein paar Kohlen nachzulegen.
Gesundheit ist halt ein Zweig allgemeiner (staatlicher) Daseinsvorsorge, der nicht privaten Interessen zur Steigerung der Rendite ausgeliefert werden darf. In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten dutzende Gesundheitsreformen. Sie dienten alle nur dem Zweck, den Mangel zu verwalten, keine einzige hat die Probleme an der Wurzel bekämpft. Am Ende gabe es für die unmittelbar Betroffenen nur mehr Bürokratie, mehr Arbeit, weniger Peronsonal und unterm Strich weniger Geld. Aus diesen Grund haben auch viele Pfegekräfte in diesem Bereich in den letzten Jahren entweder das Land verlassen oder haben ihren Beruf aufgegeben.
So lange wir über Kapitalrenditen von 10-15% in diesem Bereich reden, kann mir niemand erzählen, wir hätten nicht genügend Geld, um mehr Pfleger einzustellen.