Tyrolens schrieb:
Manfred Spitzer hat auf Servus TV mal ordentlich auf den Tisch gehauen:
https://www.servustv.com/videos/aa-2575df4492112/
Ich habe die Sendung auch gesehen, fand aber Manfred Spitzer in seinem Auftreten (nicht zu verwechseln mit seinen Argumenten) nicht gerade überzeugend. Wer anderen Diskussionsteilnehmer dermassen mit errregter Stimme über den Mund fährt oder sie als Corona-Leugner und Lügner abkanzelt, der macht auf mich nicht gerade einen souveränen Eindruck. So ein Herumgepoltere mag Leuten gefallen, die sich im Privat-TV diese Pseudo Gerichtsshows oder Reality Sendungen anschauen, in denen auch ständig nur gebrüllt wird. Mein Ding ist es nicht. Sein übelster Paux-Pax war die Behauptung, im Krankenhaus würde sich niemand anstecken. Ja nee, iss klar. Der Herr Spitzer hat wohl noch nie was von Krankenhauskeimen gehört.
Beide Lager neigen dazu, sich in ihren Argumenten auf Teilaspekte zu stützen, welche ihre Position untermauern. Dabei wäre gerade so ein Zusammentreffen in einer gesitteten Atmosphäre geeignet, auch mal über den Tellerand zu schauen und aus einem anderen Standpunkt die Situation zu betrachten. Wenn man aber von vorne herein jeden dermaßen abkanzelt, der nicht seiner Meinung ist, dann kann man auch nichts an neuen Erkenntnissen dazu gewinnen.
Ein Fehler, der momentan immer wieder gerne gemacht wird, ist mit der Auslastung der Intensivstationen zu argumentieren. Nach dem Motto: es ändere sich ledigich das Verhältnis zwischen Positiv und Negativ getesteten, insgesamt aber bleibe die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Patienten konstant. Also haben wir keine Probleme auf den Intensivstationen.
Die Aussage ist richtig, die Schlußfolgerung in dieser Verkürzung falsch.
Denn dass die Zahl der Belegung der Intensivbetten insgesamt konstant bleibt, hat eine einfache Ursache: Planbare und vermeidbare Eingriffe, die einer intensivmedizinische Nachbehandlung bedürfen, werden derzeit wieder verschoben. Außerdem fallen vermehrt Pfleger aus, weil sie positiv auf C-19 getestet wurden, das vorhandene Personal wird stärker belastet, weil sie jeden C-19 Patienten nur im ABC Vollschutz behandeln dürfen. Es wäre durchaus mal zu hinterfragen, ob ein lediglich positiv getesteter aber nicht infektiöser C-19 Patient mit Vollschutz behandelt werden muss. Auch müssten aktuelle Zahlen einmal mit Referenzwerten aus gleichen Zeiträumen vergangener Jahre verglichen werden, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Patienten auf Fluren und Klinken, die sich wegen Überlastung von der Erstversorung intensivmedizniisch zu betreuender Patienten abmelden, gab es auch in früheren Jahren. Das alles ist aber so auf den ersten Blick nicht ersichtlich und müsste folglich näher analysiert werden. Da hätte Herr Spitzer ganz unaufgeregt einmal sachlich seine Argumente vorbringen können und zumindest darauf hinweisen können, dass man dazu auch weitere Aspekte mit in die Beurteilung einbeziehen muss.