Julian96 schrieb:
Bezogen auf die Abnahme des Verkehrs und einem gewissen Gewinn an Bequemlichkeit verstehe ich dieses Argument ja noch...das ist aber auch die einzige Sichtweise.
Ausnahmslos jede Person mit der ich an der Hochschule mal darüber gesprochen habe wünscht sich sofort ein normales Studium wieder. Grundsätzlich geht es jedem gleich...deutlich schlechtere Konzentration aufs Lernen, weil man sich zu Hause viel leichter ablenken lässt. Man lernt ausschließlich nur noch für eine Klausur und behält noch weniger fürs Leben als ohnehin schon.
Weiterhin und das finde ich auch persönlich noch viel schlimmer, das völlig fehlende Sozialleben.
Wirklich niemand kann mir erzählen, dass eine Videokonferenz ein reales Treffen mit Mitmenschen ersetzt. Gemeinsam einen Kaffee, ein Bier oder was auch immer zu trinken, einfach in der Pause ein bisle mit Kollege plaudern...niemand (für den das zuvor eine Bedeutung hatte) kann mir erzählen, dass das per Video gleichwertig ist. Als ich am Montag zur Skriptabholung an der HS war und meine ganzen Studienkollegen mal wieder gesehen habe, hatte ich das erste mal seit einem halben Jahr mal wieder das Gefühl auch wirklich zu studieren. Bis dahin ist gefühlt die Zeit stehen geblieben. Am Ende kommts noch so weit, dass man den Lebenspartner nicht mehr umarmt, küsst oder mit ihm Körperkontakt hat, sondern alles nur noch mit Emojis löst...will ich mir garnicht vorstellen
Warum ist es wohl so, dass Dating Seiten und Partnervermittlungen mit den Kontaktbeschränkungen im Frühjahr so einen boom erlebt haben? Den Leuten fehlt sofort das Sozialleben.
Also für mich kann Homeoffice maximal eine Ergänzung zum normalen Arbeitsleben sein, sollte aber niemals auch nur ansatzweise dieses ersetzen.
Julian, ich verstehe deinen Einwand vollkommen.
Ich glaube, wir haben da auch etwas aneinander vorbei geredet.
Homeoffice ist im Geschäftsleben sicherlich tageweise sinnvoll, wenn dies die Tätigkeit zulässt. Ich merke auch, dass ich Tage habe, an denen ich Aufgaben zu erledigen habe, bei denen ich mich einfach in Ruhe konzentrieren muss und keine anderen Kollegen in dem Moment für die Arbeit brauche oder diese ggf. nur ablenken würden.
Da aber die Kontakte zwischen den Kollegen, mit Geschäftspartnern, etc. nicht durch Videokonferenzen ersetzbar sind, wäre für mich Homeoffice keine Dauerlösung, auch wenn ich Homeoffice für 1-2 Tage sehr angenehm finde.
Aber auch alleine das reduziert ja den Verkehr auf den Straßen und in den Öffentlichen merklich.
Im Hochschulbereich sehe ich das genau so wie du. Die Hochschule ist aber ja an sich keine Arbeitstelle, in der sich (hoffentlich) jeder auskennt, sondern dafür da, neue Dinge zu lernen.
Da taugt Homeoffice nicht wirklich. Wenn ich mich den ganzen Tag über Videokonferenzen berieseln lasse, ist man einfach viel schneller als sonst nicht mehr aufnahmefähig.
Ich bin selbst noch an meiner ehemaligen Hochschule nebenher als Lehrbeauftragter tätig und ich finde die Durchführung von Online-Vorlesungen extrem schwierig. Ich habe den Eindruck, es bleibt einfach weniger hängen.
Noch bescheidener finde ich aber das aktuelle Credo meiner Hochschule mit dem Hybrid-Semester. Die eine Hälfte des Kurses ist im Vorlesungsraum präsent, während die andere Hälfte online zugeschalten ist. Da kann ich mich als Lehrender weder vernünftig auf die Studierenden vor Ort, noch auf die Studierenden, die online teilnehmen, konzentrieren - mal ganz davon abgesehen, dass bei einer Präsenzveranstaltung ganz andere Lehrmethoden sinnvoll sind, als bei Online-Veranstaltungen.
Im Hochschulbereich wäre ich auch für eine viel weitergehende Öffnung. Die Studierenden an sich sind ja in aller Regel jung genug, dass bei ihnen kein größeres Risiko durch Covid-19 zu erwarten ist (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die Lehrenden, die teilweise ja wirklich in die Jahre gekommen sind, müssten aber auf jeden Fall entsprechend geschützt werden, indem die wegen mir aus einem "Plexiglaskäfig" oder dergleichen heraus referieren und die Laufwege entsprechend entzerrt sind, etc.