NeusserGletscher schrieb:
Eines verstehe ich an der aktuellen Entwicklung nicht. Beim Einkaufen tragen wir alle Masken. Abstände werden eingehalten. Schüler werden bei geöffneten Fenstern beschult. Viele Menschen arbeiten unverändert im Home-Office. Klasentreffen werden abgesagt. Besuche öffentlicher Veranstaltungen finden entweder gar nicht oder nur unter verschärften Hygienebedingungen statt. Flugreisen wie Kreuzfahrten sind stark zurückgegangen. Und trotzdem steigen die Infektionszahlen. Könnte es sein, dass die Maßnahmen gegen das Virus überhaupt nicht greifen? Könnte es sein, dass der Rückgang der Zahlen im Frühjahr einzig und alleine der Jahrzeszeit geschuldet war?
Das gleiche Verhalten mit den gleichen Hygienemaßnahmen ist unterschiedlich gefährlich, je nach dem, wie viele Infizierte herumlaufen.
Nimm eine Begegnung z.B, im Restaurant. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung beruht auf der Ausgestaltung des Kontaktes, wie eng, wie lange, mit welchen Hygienemaßnahmen usw....
....und vor allem: auf der Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Person anwesend ist. Das ist überhaupt die Grundvoraussetzung. Wenn die nicht gegeben ist, ist auch ein weglassen aller Maßnahmen ungefährlich, ist hingegen eine Infektionsquelle da, gibt auch das einhalten aller Maßnahmen keine 100%-ige Sicherheit, wie wir wissen.
Wenn sich nun diese Grundlast langsam erhöht, durch Reiserückkehrer, Jodelwettbewerbe, Feten oder Schlachthöfe, werden nun vorher harmlose Dinge plötzlich eben doch etwas gefährlicher. Dazu kommt die automatische Verhaltensänderung im Herbst.
Bei uns auf dem Marktplatz waren im Sommer die Kneipen drinnen komplett leer, jetzt gehen die Leute auch wieder in die Innenräume... usw.
Deswegen sind auch Aussagen wie, „beim Frisör hat sich niemand angesteckt“ immer gedanklich zu ergänzen um die Überlegung, wie hoch denn zu dem Zeitpunkt die Wahrscheinlichkeit war, dass sich überhaupt eine infizierte Person da befand. Höchstwahrscheinlich lag es nämlich einfach (auch) daran, und nicht (nur) an den wasserdichten Hygienemaßnahmen.
Der gleiche Frisörbesuch mit den gleichen Maßnahmen ist unterschiedlich gefährlich in Abhängigkeit von der Zahl der aktuell infektiösen Personen. „Frisör“ ist nur ein Beispiel, gilt für jeden Kontakt.
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