Pancho schrieb:
Der Graben verläuft doch Diskussionstechnisch entlang des "Es ist mein Bier ob ich mich schütze" - Argument. Das sticht halt nicht bei dieser ganzen Pandemie-Schutz-Story.
Einfaches Beispiel (frei erfundene fiktive Story):
Es impfen sich in Deutschland 70% nicht. Jeder einzelne davon beruft sich auf das Argument:
WackelPudding schrieb:
Vorausgesetzt die Impfung funktioniert, soll sich doch jeder, der sich schützen will, impfen lassen. Die, die das nicht wollen, sollen das eben nicht tun, müssen dann aber eben auch zu ihrer Entscheidung stehen, wenn sie einen schweren Verlauf davon tragen.
Das hat zur Folge, dass sich wesentlich nicht viel ändert, es kommt die nächste Welle, das Gesundheitssystem bricht komplett zusammen, weil keiner mehr Bock auf irgendwas hat (jeder hat das Risiko für sich selbst bewusst in Kauf genommen).
Einer meiner Lieben hat einen Herzinfarkt, oder einen Autounfall oder was weiß ich, und stirbt nun, weil das kolabierte Gesundheitssystem nicht helfen konnte.
Die Partnerin eines guten Freundes könnte eventuell den Impfstoff nicht vertragen, sie wäre auf die Herdenimmunität angewiesen.
Beide haben für sich entschieden, lieber kein Risiko einzugehen und hätten gerne möglichst sicher weitergelebt, was aber faktisch durch die Entscheidung einer anderen Gruppe, lieber das Risiko einzugehen, gleich für die zwei genannten nun ohne sie zu fragen gleich mitentschieden wurde.
Diese Beispiele zeigen, dass in einer Gesellschaft in der wir alle so eng zusammen leben und auf die gleichen "Rettungsboote" angewiesen sind, es eben nicht eine Entscheidung "auf eigenes Risiko" gibt, Solidarität ist gefragt.
Natürlich ist auch das Maß der Solidarität die legitimerweiese eingefordert werden kann, eine Frage der Abwägung - und damit darf das durchaus kontrovers diskutiert werden, mit verschiedenen Ergebnissen. Aber es ist eben nicht 100% Privatsache - aber darf auch nicht grenzenlos eingefordert werden.
Nebenbei @WackelPudding, lese ich deine Beiträge sehr gerne, vielen Dank dafür.
Wir sind nicht wirklich auf der gleichen Linie, aber deine Beiträge gehören für mich dennoch zu denen, die zum Nachdenken anregen, weil sich da jemand offensichtlich wirklich Gedanken macht.
Erstmal danke für die Blumen, Pancho
Bei allen Eskapaden in diesem Topic schätze ich es grundsätzlich doch sehr, hier allerhand von verschiedenen Seiten zu erfahren, welche ich im normalen Leben so nicht erfahren hätte. Auch die Diskussionen, z.B. mit dir schätze ich. Wir sind sicherlich nicht auf der gleichen Linie, aber das müssen wir ja auch nicht sein

Wäre ja sonst auch langweilig

Leider gibt es aber gerade in diesem Topic "auf beiden Seiten" einige Kandidaten, die mir manchmal die Lust an diesem Topic doch sehr vermiesen.
Um auf deinen inhaltlichen Teil zurück zu kommen:
Ich bin bei dir, wir brauchen eine gewisse Durchimpfungsrate, sodass das Gesundheitssystem nicht mehr an die Grenzen stößt. So lange sind sinnvolle und verhältnismäßige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie absolut richtig und wichtig. Es muss vermieden werden, dass Leute in Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden können, obwohl es dafür eigentlich die Möglichkeit gebe (so wie z.B. bei deinem Autounfall-Beispiel).
Wie viel Prozent dann am Ende die nötige Durchimpfungsrate sein werden, um die Krankenhäuser vor der Überlastung zu schützen, lässt sich aktuell nur raten, wobei ich mir nach wie vor recht sicher bin, dass es dafür die 60-70% nicht braucht.
Auch wenn ich die Grippe-Vergleiche nicht sonderlich mag, lässt hier die Grippeschutzimpfung eine gewisse Parallele zu. Jährlich lassen sich ja etwa nur 10-30% gegen die Grippe impfen. Das ist eigentlich nicht viel. Die Überlastung der Krankenhäuser wird aber dennoch vermieden, auch wenn weiterhin viele Menschen an der Grippe sterben.
Ähnlich stelle ich mir das mit Corona vor. Hier ist die Impfbereitschaft zu Beginn sicherlich höher als die 10%, wahrscheinlich eher im Bereich der 30-40%. Das ist soweit ja schonmal gut. Dadurch kann dann wahrscheinlich auch der schwerere Verlauf von Covid-19 im Vergleich zur Grippe zumindest zum Teil kompensiert werden und damit würden Kapazitäten im Gesundheitswesen geschont, die wir auch für andere Bereiche benötigen. Es wird aber auch weiterhin Fälle geben, bei denen Menschen an Corona sterben. Das ist persönlich immer extrem schade, lässt sich aber einfach nicht vermeiden, denn dein Beispiel mit der Person, die den Impfstoff nicht verträgt lässt sich ja auch umkehren. Zum Einen gibt es auch im Falle einer Herdenimmunität nie die vollständige Sicherheit, auch wenn diese Fälle dann natürlich unwahrscheinlicher sind. Andererseits könnte aber auch der Fall eintreten, dass sich die Person dann eben doch aus Zwang oder der indirekten Pflicht impfen lässt, da wir ja um jeden Preis die Herdenimmunität brauchen und am Ende Impfschäden davon trägt.
Es gibt nicht den perfekten Weg.
Auch wenn es vielen schwer fällt, das einzugestehen. Zum Leben gehört immer der Tod. Niemand lebt ewig und das ist auch gut so.
Wir müssen uns auch irgendwann die Frage stellen, ob jede Verlängerung der Lebensjahre immer sinnvoll und mit einer Lebensqualität verbunden ist, die das Wort "Qualität" verdient. Ist es wirklich tragisch, wenn wir von unserer Lebenserwartung, die schon sehr hoch ist, ein paar Jahre verlieren? Sicherlich hängt das auch vom Einzelfall ab, aber im Großen und Ganzen dürfte das egal sein, solange wir alle ein schönes Leben hatten.
Sicherlich gibt es Fälle, bei denen auch junge, gesunde Menschen sterben und ja, das ist tragisch und ja, das muss man versuchen zu vermeiden. (Siehe auch deine Beispiele).
Verhindern kann das aber letztlich niemand. Auch ich will jetzt nicht sterben, deshalb ist es sinnvoll, wenn auch jeder aus Solidarität, aber auch aus Eigennutz vorsichtiger als sonst agiert, aber dennoch weiterhin - soweit es eben geht - sein Leben lebt.
Ein Durchlaufen lassen der Pandemie ist daher natürlich auch nicht sinnvoll, auch wenn das mir manchmal unterstellt wird, dass ich das fordern würde.
Es ist also bei dieser Sache sicherlich nicht einfach und auch ich persönlich sitze da aktuell sehr zwischen den Stühlen.
Zum einen ist mir klar, dass die Einschränkungen desto schneller fallen können, je früher sich viele Menschen gegen Corona geimpft haben. Da will ich grundsätzlich aus Solidarität, aber zugegebenermaßen auch aus Eigennutz, schon mitmachen. Andererseits traue ich dem Impfstoff nicht. Natürlich kann durch verbesserte Prozesse Zeit im Vergleich zu einem normalen Verfahren aufgeholt werden. Knapp 10 Jahre kann man daher aber nicht gut machen und deswegen habe ich schon (noch) große Zweifel daran, ob die Impfung auch hinreichend sicher ist, vor allem auch in Hinblick auf Langzeitfolgen.
Entscheidend wird daher sein, dass von Seiten der Politik offen und ehrlich aufgeklärt wird und (bekannte) Nebenwirkungen kommuniziert werden. Auch muss darauf eingegangen werden, wo bei der Zulassung des Corona-Impfstoffs die viele Zeit eingespart werden konnte und welche Probleme eventuell daraus entstehen könnten.
Ich bin davon überzeugt, dass es so wie bei allen Corona-Maßnahmen sein wird:
- Überzeugt man die Bürger mit Ehrlichkeit von der Notwendigkeit, wird die Akzeptanz hoch sein
- Verspielt man aber diese Akzeptanz durch Intransparenz, Lügen oder stellt man Regeln auf, die jeglicher Logik entbehren (so wie das leider in Deutschland immer mehr passiert), so wird man die Akzeptanz für alle Maßnahmen (und damit auch für sie sinnvollen Maßnahmen) rapide schwinden