So, dann will ich euch doch mal an meinem diesjährigen Adventskalender teilhaben lassen...
Es geht los mit Teil 1 - 01. bis 12. Dezember
Endlich geht es los... und wie
Heute morgen der erste Blick in den Kalender, und was sehe ich? Ein Witbier. Also ein belgisches Weizen, das nicht ganz dem Reinheitsgebot entspricht. Es enthält nämlich auch Zucker, Koriander und Orangenschalen. Aber von vorne...
Es gibt ein Hoegaarden Wit Blanche, alc. 4,9 % vol.. Laut Etikett ein "frisse witbier", das seit 1445 gebraut wird, mit "een verrassend zachte smaak". Na dann wollen wir doch mal schauen, ob der smaak was taugt.
Ich bin ja nicht der größte Witbier-Freund, meine bisherigen Erfahrungen damit waren eher weniger begeisternd. Also dann los. Das Bier hat eine sehr hellgelbe Farbe und ist enorm hefetrüb. Der Schaum kann leider gar nix - sehr grobporig und fällt in nullkommanix in sich zusammen. Der Geruch ist unauffällig bis gar nicht vorhanden, eine Spur Orange findet man dann aber nach intensivem Schnüffeln.
Im Antrunk ist das Hoegaarden zunächst recht frisch und von etwas öliger Konsistenz bei leichter Spritzigkeit. Das Koriander-Aroma breitet sich schnell aus und dazu wird das Bier dann genauso schnell sehr schal im Mund und verliert jegliche Rezenz. Zum Abgang hin wird es immer dünner und es bleibt auch nicht viel haften - eine ganz leicht-frische Hopfennote meine ich noch zu finden.
Also unterm Strich nichts besonderes. Trinkbar ja, aber aber dann auch wieder vergessen. Ich bin ganz froh, dass die Flasche nur einen Inhalt von 0,25 l hat.
Adventskalender, 02.12.:
Ja schau mal an... es gibt tatsächlich etwas heimisches, das mir bisher völlig unbekannt ist. Aus dem Kalender ziehe ich ein "St. Erhard Original", alc. 5,0 % vol..
Die 0,33-l-Flasche aus Weißglas mit ihrer gedrungenen, bauchigen Form schaut schon mal ziemlich genial aus. Das Kleingedruckte auf der Rückseite: "Warum soll deutsches Bier nicht auch modern sein können? Aus dieser studentischen Idee entstand unser St. Erhard Original, das mittlerweile in alle Welt exportiert wird. Neben dem außergewöhnlichen Flaschendesign besticht unser filtriertes Kellerbier - typisch fränkisch - insbesondere durch seine malzige Note. Traditionelles Bier in modernem Gewand. Bier ist ein Kulturgut. Pflege es verantwortlich."
Dem ist doch eigentlich nichts hinzuzufügen... Doch: Das St. Erhard wird "hergestellt für:" St. Erhard GmbH in Bamberg. Leider steht nirgends, wer es wo braut. Aber egal, der Geschmack entscheidet...
Optisch ist das Bier - von der schon genannten super Flasche abgesehen - ziemlich gut gelungen. Farblich kommt das Rotgold ziemlich an meine Hausmarke (Reichold) heran. Der Schaum ist schön fest, feinporig und richtig ins Glas reinzementiert. Einmal schnuppern... jaaaa, Malzbombe! Kräftig malzig mit leichten Röstaromen.
Der Antrunk gestaltet sich frisch, sehr vollmundig und süffig. Hmmm... irgendwie kommt aber nicht allzu viel nach. Das Bier wird im Mittelteil deutlich süßlich-malzig, nicht unangenehm, aber doch dominant - hat schon beinahe was von Bockbier. In den Abgang hinein wird es dann karamellig und dazu fehlt leider jegliche Spritzigkeit.
Das Fazit ist schwer zu finden. Es schmeckt zwar, aber insgesamt hält der Geschmack dann doch nicht, was die Optik und der vollmundige Text versprechen. Ein passables fränkisches Bier, für meinen Geschmack aber deutlich zu süß.
Adventskalender, 03.12.:
Uhh.... heute wird es kräftig. Also so richtig kräftig. Und zwar mit 9,5 % vol.. Es erwartet mich ein Imperial Stout aus der Landbrauerei Schönram, was wohl irgendwo im südlichen Bayern liegt. Interessant ist das auf der Flasche aufgedruckte Haltbarkeitsdatum: Da steht tatsächlich 22.09.31 - ob das so stimmt, sei mal dahingestellt...
Ich bin ja schon ein bisschen gespannt - gebraut wird es nämlich mit Gersten-, Weizen- und Hafermalz, eine interessante Mischung. Die Farbe des Bieres ist standesgemäß tiefschwarz, es geht so gut wie kein Lichtschimmer durch. Der Schaum ist schön fest, hält aber nicht ewig, dafür bleibt ein Rest von einem Zentimeter dauerhaft stehen. Der Geruch ist wuchtig, sehr malzig mit starken Röstaromen. Da wird man schon beim schnuppern satt.
Boah... im ersten Moment glaubt man, einen Schluck Öl zu nehmen. Aber gleich danach wird das Imperial Stout vollmundig und extrem weich und zunächst breitet sich die ganze Mischung der Malzaromen mit nur dezenter Röstnote im ganzen Mund aus. Das hat echt was von flüssigem Brot! Dabei ist es nur leicht süßlich, ab der Mitte bis hin zum Abgang kommt dann eine deutliche Hopfenbittere, die immer kräftiger, aber nie penetrant wird und lange haften bleibt.
Ich bin jetzt nicht der größte Fan von Stark- bzw. Bockbieren, aber das Schönramer Imperial Stout überzeugt mich abolut. Ein hervorragendes Bier mit einer sehr ausgewogenen und homogen abgestimmten Geschmacksmischung. Einfach klasse! Allerdings merkt man auch, dass es sofort in Kopf und Beine geht
Adventskalender, 04.12.:
So, ein super gelungenes Weißdorfer Weihnachtsmarkt-Wochenende neigt sich dem Ende entgegen. Mal sehen, ob das heutige Bier auch so gelungen ist...
Heute wird es schottisch: Es erwartet mich ein "Punk IPA" von BrewDog aus Ellon, alc. 5,6 % vol.. Mir schwant Böses - ich bin definitiv kein IPA-Liebhaber. Aber mal sehen.
Das Bier von schöner etwas dunkelgelber Farbe und perlt fein im Glas. Der Schaum ist fein, fällt aber recht schnell in sich zusammen. Das Punk IPA riecht super einladend frisch, stark nach Limette - definitiv kaltgehopft, könnte evtl. Cascade sein.
Der Antrunk ist zunächst samtig-weich, allerdings breitet sich dann schnell eine gewisse Wässrigkeit aus. Es schmeckt tatsächlich ziemlich dünn. Im Mittelteil kommt dann langsam die Hopfenbittere durch, die langsam immer stärker wird und sehr lange bei weiterhin steigender Intensität nachhält. Leider schmeckt man kaum etwas vom Aromahopfen, den der Geruch verspricht.
Irgendwie ein seltsames Bier - Geruch und Geschmack passen nicht recht zusammen. Insgesamt schmeckt es mir etwas zu dünn, hinten raus recht bitter, aber trotzdem finde ich es nicht schlecht. Echt schwer in Worte zu fassen - die einzelnen Komponenten passen nicht so recht zusammen, im Gesamtpaket schmeckt es mir dann aber trotzdem ganz passabel.
Adventskalender, 05.12.:
Heute schaut es gut aus - es gibt ein Helles aus Bayern, und zwar von der Flötzinger Bräu aus Rosenheim, alc. 5,2 % vol.. Hell mag ich ja recht gerne „smile“-Emoticon
Das Flötzinger ist von eher blassgelber, sehr klarer Farbe, der Schaum ist recht fein und mittelmäßig haltbar und das Bier perlt dezent im Glas. Optisch schon mal ganz in Ordnung. Allerdings finde ich das Design des Flaschenetiketts schon sehr altbacken, vermute aber, dass das so gewollt ist.
Der Geruch ist schön kräftig-würzig mit einer feinen Hopfennote. Vom Antrunk weg gibt sich das Flötzinger sehr süffig und mit einer angemehm milden Würzigkeit, die sich bis in den Nachtrunk schön ausbreitet. Dabei ist es recht frisch, könnte aber eine Spur mehr Spritzigkeit vertragen. Die Hopfengabe ist sehr dezent und hält sich vornehm im Hintergrund.
Ein gutes, süffiges Helles. So was passt bestens für einen Wirtshaus- oder Fernsehabend. Leider ist die 0,33er Flasche aber recht schnell leer...
Dachte ich mir's doch... Das Flötzinger hatte ich schon mal. Und zwar am 06.12.2014. Hier das damalige Urteil:
Das Etikett ist in Rot-Gelb gehalten, eine untypische, seltene Farbkombination, aber zusammen mit der Schrift passt das ganz gut. Im Geruch ist das Helle frisch und eher hopfenbetont. Der Antrunk gibt sich weich und sehr frisch, im weiteren Verlauf entfaltet sich eine dezente, sehr angenehme Hopfennote. Insgesamt ist der Geschmack allerdings ein bisschen dünn, was dem Bier aber keinen großen Abbruch tut. Ein kleines bisserl würziger könnte es zwar sein, aber durch die Frische, die fein abgerundete Hopfennote und das offenbar sehr weiche, gute Brauwasser wird dieser kleine Mangel ausgeglichen.
Unterm Strich ist das Flötzinger Bräu Hell ein gutes, harmonisches Bier ohne große Ecken und Kanten. Es lässt sich sehr schön trinken und läuft gut runter. Wäre sicherlich auch in höherer Dosis gut trinkbar. Daumen hoch.
Adventskalender, 06.12.:
Lieber Nikolaus, ich war doch wirklich das ganze Jahr lieb, brav und anständig. Was habe ich dir getan??? Warum stellst du mir das ausgerechnet heute in den Adventskalender? Beim ersten Blick kommt ein altes Trauma in mir hoch - vor ein paar Jahren habe ich ein unvergessliches Getränk aus dem Spreewald konsumieren dürfen: Ein Gurken-Radler. Und jetzt lacht mich an: Eine Gurken Gose mit dem Untertitel "Alkoholhaltiger Salat". Na hurra
Kurz zur Einführung: Gose ist ein alter Bier-Stil, der sich im badischen noch einiger Beliebtheit erfreut. Das Sauerbier entspricht allerdings nicht ganz dem Reinheitsgebot, Koriander, Salz und Milchsäure dürfen die klassischen Zutaten ergänzen. Ich hatte kürzlich bei einem Bier-Tasting meine erste Gose-Begegnung, die ich durchaus gar nicht so schlecht fand.
Aber zurück zum Thema. Gurken Gose also. Das Gebräu hat 4,0 % vol., wird von einem fränkischen Hersteller in Tschechien gebraut und dann re-importiert, um als "Bier" verkauft werden zu dürfen. Außer den für echtes Bier üblichen sowie den schon genannten Zutaten enthält es auch noch Karamelweizenmalz, Gurken und Rohweizen.
Dann kommen wir mal zum Wesentlichen. Die Gurken Gose sieht aus wie Almdudler. Schaum? Nein. Sprudelt wie Zitronenlimo ohne jegliche Schaumentwicklung. Der Geruch ist eindeutig: Gurkig. Und zwar Salatgurkig (im Gegensatz zum damaligen Gurkenradler, das war Spreewälder Senfgurkig - aber ich schweife schon wieder ab). Und um es ganz genau zu sagen: Salatgurkig mit ungewaschener Schale.
Beim ersten Schluck zieht es mir sofort die Mundschleimhäute zusammen. Zunächst ist es noch einen kurzen Moment spritzig-frisch und hat was von der sonntäglichen Salatsoße, dann wird es aber immer saurer und vor allem ziemlich salzig. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen, aber nicht vor lauter Freude oder Genuss...
Echt schlimm. Liebe Braumanufaktur Hertl, auf solche Experimente kann ich gut verzichten. Craft-Beer-Szene hin oder her, sowas sind für mich nix als Färds.
Adventskalender, 07.12.:
Nach der gestrigen Gurken-Gos(s)e kommt dann heute doch ein kleines Friedensangebot, und zwar in Form eines Herren Pils aus der Keesmann Bräu in Bamberg, alc. 4,8 % vol..
Auch wenn ich nicht der große Pilstrinker bin, ist mir das Keesmann natürlich bekannt. Es ist von schöner, nicht zu blasser mittelgelber Farbe und hat einen feinperligen, recht gut haltbaren Schaum. Auch im Glas perlt es fein und relativ kräftig - insgesamt ist die Optik sehr gelungen. Der Geruch ist sehr frisch mit einer angenehmen, nicht zu kräftigen Hopfennote.
Sofort beim Antrunk entwickelt sich das Herren Pils sehr vielseitig: Es ist sehr weich und rund, gleichzeitig vollmundig und hat eine sehr schöne Rezenz. Sehr schnell kommt eine perfekt abgestimmte Hopfenbittere zum Tragen, die über den Mittelteil bis zum Nachtrunk gleichmäßig anhält, sich aber nicht dominant in den Vordergrund drängt. Gleichzeitig ist das Bier sehr frisch, Richtung Abgang hin gesellt sich kurzfristig auch eine leichte malzige Süßlichkeit dazu, die es insgesamt sehr süffig macht.
Kurz und knapp zusammengefasst: Ein hervorragendes Pils, unheimlich gut und süffig, nicht zu bitter, einfach super lecker. Der Slogan auf dem Etikett lügt nicht: "Ein Pils der Extraklasse." Leider ist es viel zu schnell leer...
Nachschlag!
Ein lieber Freund hatte Mitleid mit meinem gestrigen Gurken-Trauma und hat mir deshalb heute eine belgische Spezialität mitgebracht: Ein Duvel Tripel Hop.
Tripel Hop bedeutet in diesem Fall nicht dreifache Menge, sondern drei (verschiedene) Hopfen. Das Besondere daran: Eine der drei Hopfensorten wird jährlich gewechselt. Aktuell ist die "neue" Sorte so neu, dass sie noch nicht einmal einen offiziellen Namen hat und auf "Experimental Hop 291" hört. Das Aroma soll schwarzen Pfeffer, Rosen und Lavendel beinhalten.
Ach ja, das Duvel Tripel Hop hat es auch ganz schön in sich - 9,5 % vol. steht da auf der kleinen bauchigen Flasche
Das Bier hat einen absoluten Betonschaum. Es riecht hopfig-frisch und tatsächlich etwas pfeffrig und rosig. Auch der Geschmack bestätigt das, es entwickelt sich von Anfang an ziemlich scharf. Ob das jetzt schwarzer oder lilablassblauer Pfeffer ist, spielt für mich allerdings keine Rolle...
Im Mittelteil gesellt sich wie versprochen auch etwas Rosen- und Lavendelaroma dazu - jedoch nur ganz kurz und man merkt es auch nur, wenn man das Etikett vorher gelesen hat. Zum Abgang hin schlagen dann unerbittlich die Umdrehungen zu - der erste Schluck ist schon im Kopf, bevor er überhaupt die Kehle drunten ist.
Ouhauerha... das ist ein gefährliches Zeug. Aber zugegebenermaßen schmeckt es doch recht interessant.
Adventskalender, 08.12.:
Ganz schön spät heute... aber dienstliche und gemeindliche Weihnachtsfeier brauchen halt ihre Zeit „wink“-Emoticon
Heute wird es wieder international - aus dem Kalender lacht mich eine Flasche mit schwarz-weißem Etikett an. Ja was ist denn das??? Zwei Hunde sind drauf, dazu steht da "Lobus Njuufa" und dann noch ein eher verständliches "Black India Pale Ale". Es gibt aber auch ein weiteres Etikett: Ich habe ein "Jolly Newfie" vor mir, ein Bier, für das die Hunderasse Neufundländer als "würdevoller und freundlicher Riese" die Inspiration war. Gebraut wird es in Estland und es erwarten mich 6,5 % vol. alc..
Ein dunkles IPA also. Laut Etikett mit 4 verschiedenen Malzen sowie Cascade- und Citra-Hopfen. Die Optik ist schon mal sehr schön, tiefschwarz mit einem halbwegs stabilen Schaum. Der Geruch hält, was das Etikett verspricht: Aromahopfen-Frische in bester Güte. Von Röstmalz riecht man nicht das kleinste Fürzchen.
Wow... ein interessanter erster Schluck: Zunächst kommt es dickflüssig daher, dann schlägt recht schnell, aber angenehm der Aromahopfen mit frischen Zitrusnoten zu. Richtung Mittelteil wird es dann schokoladig mit karamelligem Einschlag. Nach hinten raus kommt dann die Bittere des Hopfens gepaart mit den Röstmalz-Aromen zur Geltung, die an Intensität immer mehr zunimmt und lange nachhält. Dabei bleibt das Bier jederzeit angenehm weich und hat sogar eine gewisse Süffigkeit.
Wetter nei, das ist gar nicht schlecht! Ziemlich stark, aber eine sehr abwechslungsreiche Geschmacksmischung. Vor allem schmeckt es nicht so, wie es die tiefschwarze Farbe vermuten ließe. Alles in allem: Feins Stöffla
Adventskalender, 09.12.:
Heute wieder leicht verspätet - erst einmal wollte die Skisaison eröffnet werden. Es gibt wieder einmal etwas Heimisches. Und zwar aus einer Plopp-Flasche, und vermutlich macht es auch satt, denn es handelt sich um ein Roggenbier. Es nennt sich Schänzer Rogg'n, stammt aus der Brauerei Drei Kronen in Scheßlitz und hat 5,5 % vol. alc..
Das Bier ist von leicht rötlicher, getrübter Farbe, perlt ganz leicht im Glas und hat einen feinen, recht stabilen Schaum. Geruch hat es leider relativ wenig - ein wenig malzig, etwas hopfig, und ein bisschen wie abgestandenes Wasser.
Dann mal hinein damit! Das Schänzer Rogg'n ist zunächst sehr spritzig, aber sofort setzt sich ein alles übertünchender saurer Geschmack durch. Komisch... das MHD ist 30.03. und ordentlich gepfloppt hat es auch beim Öffnen. Daran kanns also nicht liegen. Ich vermute, der ziemlich seltsame Geschmack soll so sein. Wie gesagt, sehr anhaltend säuerlich das Ganze, dazu ist es im Mittelteil auch recht wässrig. Ansonsten kann ich beim besten Willen nichts anderes herausschmecken.
Das ist nix. Und satt macht es auch nicht. Aber egal, reinquälen und vergessen. Keine Tendenz zum Zweitseidla!
Adventskalender, 10.12.:
Ah ja - schon wieder das nette kleine bauchige Fläschlein, da es am 02.12. schon mal gab: Ein "St. Erhard". Diesmal ist es das "Saison" mit 6,5 % vol. alc.. Lt. Info auf dem Etikett heißt es aber nicht so, weil es saisonal gebraut wird. Es wird demnach aus Farmhouse Ale genannt und ist ein alter belgischer Bierstil, der früher auf den Bauernhöfen für die Saisonarbeiter gebraut wurde.
Das Saison wird mit allerhand unterschiedlichen Zutaten gebraut: Pale Ale, Tennenmalz dunkel, belgische Karmallmalze auf der Malzseite und Hallertrauer Tradition, Nelson Sauvi, Hallertau Blanc und Mosaic auf der Hopfenseite. Vill hilft vill! Dann schau mer moll...
Das Bier ist bersteinfarbig in Richtung hellbraun und deutlich hefetrüb. Der Schaum fällt recht schnell in sich zusammen und im Glas glotzt es irgendwie recht uninspiriert. Der Geruch ist interessant, eine Mischung aus Malz- und Hopfenaromen, nicht unangenehm, aber beinahe etwas zu viel des Guten.
Das Saison hat eine leicht zähflüssige Konsistenz und ist vom Antrunk weg ohne Umschweife vor allem eines: sehr süß. Und viel mehr kommt auch nicht mehr. Es schmeckt einfach stark nach Zuckerwasser. Zum Abgang hin kommt noch eine leichte Hopfenbittere durch, die sich aber gegen die pappige Süße nicht durchsetzen kann.
Das St. Erhard Saison schmeckt mir, wie auch schon das Original, leider nicht so sonderlich gut. Trinkbar ja, aber viel zu süß. Und vor allem hält der Geschmack nicht, was der Geruch verspricht - das Bier verschießt sein ganzes Pulver beim Schnuppern und dann kommt nicht mehr viel nach.
Adventskalender, 11.12.:
Hurra, heute gibt es gleich zwei Sachen, von denen ich nicht so ganz begeistert bin: 1. Bockbier. 2. Brauerei Hartmann Würgau. Na da bin ich ja schon voller Vorfreude!
Aber trotzdem - emotionslos rangehen. Der dunkle Bock erwartet mich mit 7,0 % vol. alc. und hat eine sehr schöne dunkel-rotbraune Farbe. Der Schaum ist fein und zunächst fest, fällt aber bis auf einen kleinen Rest dann recht schnell zusammen. Der Geruch ist typisch bockig-süßlich-malzig und dazu angenehm frisch.
Im Antrunk ist der Hartmann Bock zunächst etwas schal im Geschmack, aber recht vollmundig. Er wird dann aber schnell kräftig-würzig mit deutlichen Röstmalzaromen und natürlich kommt auch die Süße durch, aber durchaus passend und nicht zu dominant. Richtung Abgang wird das Bier dann wieder dünner und schmeckt irgendwie abgestanden - insgesamt fehlt es an der Spritzigkeit, dafür merkt man aber ab dem ersten Schluck die Umdrehungen.
Unterm Strich bin ich sogar etwas positiv überrascht. Geschmacklich ist der Hartmann Bock eigentlich ganz passabel, Optik und Geruch können überzeugen, aber die fad-schale Muffligkeit macht ihn dann leider eher schwer trinkbar. Dennoch, für Bockbierfreunde auf jeden Fall ein guter Tropfen, aber ich muss davon trotzdem nicht mehr als einen haben...
Adventskalender, 12.12.:
Sachen gibts... Heute muss ich etwas ausholen: Wir hatten heute wieder "Männerabend", eine internationale Bierverkostung und -bewertung via Skype. Es gab 4 verschiedene Craft-Biere aus den USA, und diese waren durchaus sehr überraschend im positiven Sinn. Und dann schau ich in den Adventskalender rein, und was schaut raus? Ein Fire Rock Pale Ale aus ... na? ... genau, USA. Genauer gesagt aus Hawaii, von der Kona Brewing Company. 6,0 % vol. sagen Aloha! Es gibt also doch Bier auf Hawaii!
Das Bier hat eine schöne goldbraune Farbe mit deutlicher Trübung, einige Schwebstoffe sind im Glas, aber es perlt nicht. Der Schaum ist zunächst schön und fest, fällt dann aber bis auf einen kleinen Rest zusammen. Der Geruch ist frisch und sehr fruchtig mit einer süßlichen Note und lädt direkt zum ersten Schluck ein.
Hmmm... Das Pale Ale kommt vom Antrunk her sofort gut. Vollmundig-satt, kräftig und sehr würzig entwickelt es sich im Mittelteil, wobei es etwas spritziger sein könnte. Man schmeckt allerdings schon den erhöhten Alkoholgehalt. Richtung Abgang wird das Fire Rock dann hopfig - und dabei bleibt es aber sehr rund und ausgewogen, die Bittere entwickelt sich nach hinten raus immer kräftiger, was jedoch sehr gut passt.
Heute muss ich mal ein Gesamtfazit ziehen - es gibt überraschenderweise durchaus gute, geschmack- und gehaltvolle Biere aus Amerika. Man muss schon über den Tellerrand hinausschauen... Ich finde die Craft-Bier-Welle ja nicht immer gut und sinnvoll, es kommt oft "lasst es lieber" dabei heraus; aber ebenso oft gibt es halt auch interessante, gute Entwicklungen - man muss halt einfach auch mal offen für Neues sein (und wissen, wo das Gute Althergebrachte daheim ist).