NeusserGletscher schrieb:
icedtea schrieb:
Liebe Mitforisten,
zumindest bei Dividendenerträgen darf man bei der Steuerbelastung nicht außer Acht lassen, dass die ausgeschütteten Beträge aus dem Nachsteuerergebnis des Unternehmens kommen d.h. dort (hoffentlich) schon Körperschaftsteuer gezahlt wurde. Wenn man also die pauschale Abgeltungsteuer in Deutschland wieder abschafft, müsste man dort wieder zurück zur Erstattung von Körperschaftsteuer.
Grundsätzlich sehe ich es aber auch so, dass auch Kapitalerträge zum persönlichen Steuersatz besteuert werden sollten
Ach, das ist ein beliebtes Argument, um die steuerliche Bevorzugung von leistungslosen Kapitalerträgen zu rechtfertigen. Rein fiskalisch sind Unternehmen und Renditeempfänger zwei völlig unterschiedliche Steuervorgänge. Ich kann mir ja auch nicht die Einkommensteuer anrechnen lassen, die mein Vermieter auf meine monatliche Miete entrichten muss, die ich ja auch aus versteuertem Einkommen bezahle.
Aber das ist typisch für die öffentliche Diskussion. Wenn es um die Besteuerung von Kapital und seinen Erträgen geht, dann werden immer nur Argumente gesucht, die dagegen sprechen. Zu kompliziert, zu teuer in der Erfassung, führt zu ungerechter Doppelbesteuerung, hat enteigneten Charakter, usw....
Dass Arbeitseinkommen doppelt und dreifach besteuert werden, Menschen, die nur von Fleiß und Können leben, vom Staat durch Abgaben und Steuern enteignet werden, habe ich in der öffentlichen Diskussion bislang selten gehört. Und schon gar nicht von Vertretern des Establishments.
Lieber NeusserGletscher,
es gibt durchaus einige Dinge, bei denen ich dir beipflichten kann. Kapitalerträge pauschal als leistungslos zu bezeichnen gehört nicht dazu
Als (Mit-)Eigentümer eines Unternehmens stelle ich dem Unternehmen Geld zur Verfügung (und bei mir resultiert das aus Arbeitseinkommen), welches im negativsten Fall verloren geht. Dafür erwarte ich eine Beteiligung am Gewinn der Unternehmung (so sie denn einen macht). Diesen Gewinn hat das Unternehmen schon versteuert und ich finde es in Ordnung, wenn man diese schon erfolgte Gewinnbesteuerung bei mir als Anteileigner anrechnet.
Mir wäre es auch lieber, eine eigene (kleine) Unternehmung zu besitzen und für diese Verantwortung zu tragen und auch Steuern zu zahlen, aber ich habe derzeit nur die Möglichkeit, Geld, das ich verdiene und nicht verkonsumiere (und da bin ich in vielen Bereichen nicht sparsam) am Kapitalmarkt anzulegen. Wenn das per Saldo zu meinem persönlichen Steuersatz versteuert wird, habe ich damit auch grundsätzlich kein Problem (siehe oben), aber halt nicht zweimal.
Dein Vergleich mit dem Vermieter hinkt aus meiner Sicht gewaltig: Du bist Nutzer einer Wohnung und zahlst dafür ein Entgelt; deine Steuer und die deines Vermieters haben in der Tat nichts miteinander zu tun; das Verhältnis des Eigentümers und der Steuerlast "seines" Unternehmens schon.
Zinsen kann man ggf. anders betrachten; auch hier ist der Zins das Entgelt für das Risiko des Einlagenverlust. Jedoch mindert die Zinsbelastung die Steuerlast eines Unternehmens, da i.d.R. Betriebskosten. Somit sollte der Zinsertrag in jedem Fall mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, keine Frage.
Ich bin völlig bei dir, dass die Tatsache, dass die Lohnsteuer (und auch die Abgeltungsteuer

, lieber 25% von x, als 40% von nix

) zu den wenigen Steuern gehören, die einem einfach weggenommen werden, während vieles andere Erklärungspflichtig ist (was sich halt zu viele Leute sparen), nicht steuergerecht ist.
Ich bin auch bei dir, dass man heute in Deutschland schon viel zu früh steuerlich als "Spitzenverdiener" angesehen wird und der "Mittelstandsbauch" in der Steuerprogression schädlich ist. Und ja, man wird überlegen müssen, wie man
a) mit der Höhe des Steuersatzes bei wirklich hohen Einkommen umgeht, und
b) wie man sicherstellt, dass auch wirklich alles an Einkommen versteuert wird.
EU-Zinsrichtlinie mit den ganzen Meldungen etc. ist ein Punkt auf diesem Weg; je genauer man in der Überwachung wird, desto eher komme ich natürlich auch wieder in die Frage "Überwachungsstaat", aber hier muss man wohl "einen Tod sterben".
Wenn alles Einkommen ordentlich zu entsprechenden Steuersätzen versteuert würde, wäre auch das - aus meiner Sicht unsägliche - Thema Vermögensteuer keines mehr, mit dem man sich beschäftigen müsste.
Ich schlage dir (nicht zum ersten Mal

) vor; engagiere dich politisch, auch wenn es oft schwierig ist, in den Parteistrukturen Gehör zu finden. Je mehr kritische Denker (und zu denen zähle ich dich) sich dort einbringen, desto eher wird sich etwas bewegen. Das ist und bleibt meine Hoffnung
Da ich zwischendurch immer noch ein wenig arbeiten muss, um mir den Luxus z.B. des Skifahrens zu finanzieren, ist das jetzt vielleicht nicht 100% geordnet
Gruß icedtea