Skitobi schrieb:
wie wärs mit massivem Ausbau des öffentlichen Verkehrs?
Bei praktisch jeder Diskussion über Armut und Reichtum wird einer der Diskussionsteilnehmer sagen, der beste Weg aus der Armut seien Investitionen in Bildung. Wenn jedes Mal, wenn ich in den letzten 30 Jahre diese Aussage gehört habe, eine Bildungseinrichtung von Grund auf saniert oder gebaut worden wäre, dann hätten wir in Deutschland heute blühende Bildungslandschaften.
Genau so verhält es sich mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Alle wissen, dass eine Verkürzung der Wege und ein verbesserter öffentlicher Nahverkehr Umwelt, Anwohnern und Pendlern geichermaßen nutzen würde. Wenn man sich anschaut, wie lange es heute dauert, von den ersten Überlegungen über Planfeststellungsverfahre und dem ersten Spatenstich endlich eine neue Strecke in Betrieb zu nehmen, dann geht da eine ganze Generation darüber.
Denn in dem Moment, wo die Kameras ausgehen, haben die Politiker ihre Lippenbekenntnisse bereits wieder vergessen und gehen zum Tagesgeschäft über.
Und so manche Wohlstandsbürger, deren Eigenheim nahe einer bestehenden, stillgelegten oder geplanten Trasse steht, leisten mit ihren Klagen ihren Beitrag dazu, dass in Deutschland kaum ein Projekt innerhalb eines Jahrzehnts realisiert werden kann.
Dieser Gesellschaft geht es einfach zu gut. Sie befindet sich im Stadium spätrömischer Dekadenz. Alles, was Nutzen bringen könnte, ein neuer Skilift, eine Skigebietsverbindung, der Ausbau der Rheintalstrecke, der Betuwelinie, wird von einigen erstmal grundweg abgelehnt. Und die blockieren mit ihren Klagen den Fortschritt der Gesellschaft. Die grassierende Inkompetenz, wie man sie anschaulich bei S21 und BER beobachten kann, wenn Entscheidungen nicht mehr von wirklichen Fachleuten sondern von Quacksalbern, Luftpumpen und Politiker getroffen werden, leisten ihr übriges.
Noch für 100 Jahren waren die Menschen hungrig. Eine Bahnlinie wurde nicht als Gefahr für die eigene Ruhe gesehen, sondern als Chance, den Anschluss an den Rest der Welt zu verbessern. Die Menschen heute sind bequem, fett und träge geworden.