Wenn ich hier sowas lese, hab ich als Meteorologe auch das Gefühl, kommentieren zu müssen. Sorry für Off-Topic im Vorfeld. Wer sich daran stört, liest am Besten nicht weiter.
1. Dass das Klima sich ändert, kann man durchaus schon allein ohne Modelle oder Forschung sehen, bzw. sich auf das "selbst Erlebte" beschränken. Wir erleben in den letzten Jahren einige Winter in denen es in Deutschland sehr wenig Schnee gab, und auch sind viele Gletscher in den Alpen zurückgegangen. Die milderen Winter sind natürlich weniger Anzeichen für einen Klimawandel, da das Wetter soundso in jedem Jahr unterschiedlich ist und schwankt. Die schmelzenden Gletscher sollten hingegen hinlänglich zeigen, dass die Durchschnittstemperaturen zunehmen und weniger Niederschlag als Schnee fällt.
2. Modelle sind immer unsicher. Theoretisch lassen sich viele Prozesse durch physikalische Gleichungen abbilden, aber längst nicht alle. Also braucht man Parametrisierungen, empirische Formeln, welche nicht immer einen physikalischen Hintergrund haben. Gleichzeitig haben wir auch nicht die Rechenleistung, zeitlich und vor allem örtlich so hochaufgelöst zu simulieren, dass man wirklich alle Prozesse abbilden kann.
3. Die Temperaturanomalie der Vergangenheit wird dennoch von einigen Modellen gut getroffen, was man
hier sehen kann, obwohl das eine Grafik von Klimawandelskeptikern sein müsste. Auch wenn die Beobachtungen am Ende der Grafik von den Modellen abweichen, so ist die Abweichung ein Jahr vor Beobachtungsende sehr viel geringer. Der Trend nach oben ist aber auch in den Beobachtungen schon ersichtlich.
4. CO2 als ein sehr entscheidendes Treibhausgas ist in den letzten 120 Jahren sehr viel mehr angestiegen als irgendwann sonst im Erdzeitalter, wie man
hier sehen kann. Diese Eisbohrkernmessungen, welche Aufschluss über die Vergangenheit bieten, gelten als sehr Zuverlässige. Eine Frage hierbei ist also: wie lange braucht unser System, bis es wieder im Gleichgewicht ist?
5. Der Klimawandel ist selbstverstärkend, z.B. mehr CO2 -> höhere Temperaturen -> mehr Verdunstung -> mehr Wasserdampf (Treibhausgas) in der Atmosphäre -> höhere Temperatur,...
6. Skeptisch sein ist gut und wichtig, gerade für Wissenschaftler. Ob das über GWPF (die Vereinigung der Herr Bengtsson beigetreten ist) am Besten möglich ist, halte ich jedoch für fraglich. Hierzu zitiere ich ihn aus dem Interview.
Die meisten Mitglieder der GWPF sind Ökonomen, und dies ist eine Chance für mich, von einigen dieser hoch qualifizierten Mitglieder in Bereichen außerhalb meiner eigenen Expertise zu lernen. Ich möchte dort durch meine meteorologische Kenntnisse dazu beitragen, die Debatte zu öffnen.
Sicher ist es ehrbar, mit Fachkenntnis dort zu einer Debatte beizutragen. Dennoch hat eine vorwiegend ökonomische Sichtweise, die GWPF anscheinend vertritt (vorwiegend Ökonomen) für mich definitv "ein Gschmäckle". Verschwörungstheoretiker könnten Stories erfinden, Herr Bengtsson wäre "gekauft...
Natürlich muss das Finanzielle bei der Betrachtung des Klimawandels und dem möglichen Gegensteuern auch eine Rolle spielen, aber wie hoch ist der Preis für eine zerstörte Erde (im Extremfall)? Jedoch sind es ja nicht wir selbst, die richtig unter dem Klimawandel leiden werden, sondern vielleicht unsere Kinder oder Kindeskinder... Ich frage aber dennoch: Sollte man gerade bei den vielen Unsicherheiten der Modelle nicht vorsichtig genug sein und lieber möglichst viel gegen die Klimaänderung tun? Oder so ehrlich sein und sagen: es ist uns wurscht, nach uns die Sintflut. Das wäre aber sehr verantwortungslos.