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Die große Klima-Diskussion

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Die Unsicherheiten in den Vorhersagen beruhen zudem auch noch auf der Tatsache, dass Ereignisse (wie Corona für Wirtschaftsprognosen) eintreten könnten, mit denen man nicht rechnen kann: zB. Vulkanausbrüche, die einen "positiven" Effekt haben und kühlend wirken. Es kann aber auch sein, dass es noch schneller mit den Temperaturen bergauf geht, weil die Sonne wieder in Schwung kommt. Denn die Sonne maskiert die Entwicklung in den letzten Jahren ganz gewaltig, da die Aktivitäten seit langem sehr gering sind - fast vergleichbar mit dem Maunder-Minimum (1650-1700), das letztlich zur kleinen Einzeit geführt hat. Sollte die Sonne im gerade beginnenden neuen Zyklus wieder sehr schwach bleiben, hilft uns das ein wenig. Wenn nicht, werden wir in den nächsten 10 Jahren noch sehr viel an Rekorden erleben...
 
Dein Diagramm endet irgendwo zwischen 2010 und 2020 und zeigt nur die Sonnenfleckenrelativzahl. Der Gesamtenergiefluss hat aber auch abgenommen, nicht nur die Sonnenflecken. Viele Modelle sagen, dass auch der 25.Zyklus ein eher schwacher werden wird - damit haben wir dann mindestens 30 Jahre an geringer Sonnenaktivität. Verglichen mit der Zeit von 1950 bis 2000.

Wie viel sich das wirklich auswirkt?

Die Modelle sagen eher nur im Bereich von 0,1 bis 0,3K. Aber wir merken ja jetzt schon die massiven Veränderungen, die eine globale Erwärmung von 1-1,5K gebracht haben.
 
Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, IPCC Koordinierender Leitautor 2014, ist da nicht so pessimistisch:
:arrow:
Quantifying the role of internal variability in the temperature we expect to observe in the coming decades

Indeed, and perhaps counter intuitively, in all models a lack of warming, or even a cooling trend could be observed at all individual points on the globe, even under the largest greenhouse gas emissions.
...
Finally we show that even out to thirty years large parts of the globe (or most of the globe in MPI-GE and CMIP5) could still experience no-warming due to internal variability
https://pure.mpg.de/rest/items/item_3180826_3/component/file_3235686/content
 
wetterstein schrieb:
Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, IPCC Koordinierender Leitautor 2014, ist da nicht so pessimistisch:
:arrow:
Quantifying the role of internal variability in the temperature we expect to observe in the coming decades

Indeed, and perhaps counter intuitively, in all models a lack of warming, or even a cooling trend could be observed at all individual points on the globe, even under the largest greenhouse gas emissions.
...
Finally we show that even out to thirty years large parts of the globe (or most of the globe in MPI-GE and CMIP5) could still experience no-warming due to internal variability
https://pure.mpg.de/rest/items/item_3180826_3/component/file_3235686/content

Irgendwie passt für mich dieser Text nicht zur 1. Abbildung, also weder die Zitatschnipsel aus dem Abstract noch die ausführlichere Beschreibung im Artikel. Es wird immer von Abkühlung geschrieben, aber gleichzeitig sehen insbesondere beide "mean trend"-Karten von Abbildung 1 nach einer leichten bis mittleren Erwärmung aus, und das über nahezu die ganze Erde verteilt. Bei "min trend" sehe ich eine Dominanz der Abkühlung und bei "max trend" eine Dominanz der Erwärmung. Methodisch fehlt mir aber zumindest eine kurze Erklärung wie diese "trends" berechnet werden, und was "min", "max" und "mean" in diesem Zusammenhang genau bedeuten, bzw. wie diese bestimmt wurden.

Auch fehlte mir zunächst eine Erklärung der "internal variability" und wie diese in den Modellen quantifiziert wird. Die Autoren gehen zwar in der Einleitung darauf ein und ziehen einen Vergleich mit dem Schmetterlingseffekt, aber da der Artikel hauptsächlich über diese modellinterne Variabilität geht, wüsste ich tatsächlich gerne etwas mehr über ihre Bestimmung. Beim genaueren Hinsehen fiel mir allerdings auf: in den Bildunterschriften versteckt sich eine entsprechende Kurz-Definition - etwas unorthodox in meinen Augen, aber möglich.

Gerne möchte ich noch aus den Schlussfolgerungen zitieren:
These maps clearly demonstrate the cooling that could occur under increasing greenhouse gases, caused by internal variability. In the short-term all points on the globe could individually experience cooling or no warming, although in a probabilistic sense they are much more likely to warm.
Ich denke letzteres bezieht sich auf Abbildung 5 (letzte "Zeile"), in der es so aussieht, als ob eine überwältigende Mehrheit der Gitterpunkte der einzelnen Ensemble-Mitglieder einen Trend zur Erwärmung aufweist.

Und damit komm ich noch zur Sprache, das Englische ist leider oftmals nicht besonders exakt. Dabei beziehe ich mich auf das Wort "could". Ist damit "konnte" (Imperfekt, Indikativ) oder "könnte" (Konjunktiv) gemeint? Ich tendiere in allen hier gebrachten Zitaten stark zum Konjunktiv, denn immerhin handelt der ganze Artikel um Unsicherheiten und Möglichkeiten... Fakt ist aber, dass "konnte" oder "könnte" den Inhalt einer Aussage massiv beeinflussen kann.
 
So unplausibel ist dieses erstaunliche ("cooling" war ja bisher völlig abwegig), vom Mainstream ignorierte, Paper nicht. Marotzke war ja schon 2018 kein Alarmist:
Die bisherigen Klimamodelle, so die Erklärung, waren an einer entscheidenden Stelle zu empfindlich.
"Offenbar verbleibt ein kleinerer Teil der Treibhausgase in der Atmosphäre, weil Wälder und Ozeane mehr davon schlucken als gedacht", sagt Marotzke, der auch einer der Leitautoren des letzten Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC war.

In den früheren Simulationen erzeugten die angenommenen Emissionen dadurch eine stärkere Erwärmung als in der Wirklichkeit.
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/10910109-max-planck-institut-menschheit-zeit-klimaschutz
 
Der Punkt ist: der von Dir geteilte wissenschaftliche Artikel lässt in meinen Augen gar nicht unbedingt diese Schlüsse zu. Also Text/Zitat und Abbildungen passen für mich nicht zusammen. Und da kannst Du noch so viele Links mit kurzen Zitatschnipseln schicken, diese können MIR diese Diskrepanz nicht erklären. Für mich bleibt hingegen die Kernaussage des Artikels: es sind viele Szenarien möglich, und zwar welche, bei denen sich die Erdoberfläche erwärmt, als auch andere, bei denen sich die Erdoberfläche zunächst mal abkühlt oder die Temperatur zumindest gleich bleibt. Die Klimamodelle haben da einen Spread von ca. +/-0.3 °C bezogen auf die nächsten 15 Jahre. Das ist soweit auch ehrlich und nicht zu beanstanden. Welches Szenario tatsächlich eintreten wird können wir eh nicht vorher wissen, allenfalls mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten.

Hier noch ein Link, zu einer kurzen Kolumne von Marotzke. Auch wenn das nicht viel Text ist muss man sich da erstmal reindenken. Letzten Endes geht es auch wieder um verschiedene Szenarien (in dieser Studie: 100), die eintreten könnten, also z.B. dass sich trotz Treibhausgasreduktion die Erderwärmung zunächst einmal beschleunigen könnte. Dennoch schließt Marotzke mit folgendem Satz:
Langfristig allerdings wird die Emissionsminderung die globale Erwärmung begrenzen – aber es wird dauern, bis wir das in der gewünschten Deutlichkeit sehen können.
Eigentlich ziemlich eindeutig, oder?
 
Florian86 schrieb:
Eigentlich ziemlich eindeutig, oder?
Ja, ist es. Passt nur leider nicht zu dem was wetterstein zu finden gedenkt - von daher natürlich nicht eindeutig.
 
Ebenda:
Allerdings schätzen die Wissenschafter die aktuelle Situation trotzdem als große Chance dafür ein, das Pariser Klimaziel zu erreichen. Kehre man nämlich eben nicht zu business as usual zurück, sondern schaffe eine Art grünen Neustart in der Wirtschaft, dann könne man eine zusätzliche Erwärmung von 0,3 Grad bis 2050 verhindern. Das könnte laut Piers Forster den Unterschied zwischen dem Erreichen der Klimaziele und dem Verfehlen ausmachen.
 
Fab schrieb:

Eher "beware of Axel Springer Verlag". Aber vielen Dank, das hat mich zu diesem äusserst lesenswertem Bericht gebracht:
https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/palaeoklima-die-letzten-2000-jahre-hockeyschlaeger/

Der Artikel handelt vom Paläoklima (Fazit: eine so rasche globale Erwärmung wie die aktuell beobachtbare ist im Holozän einmalig) und die Spannweite des Klimas, in dem sich sämtliche Hochkulturen entwickelt haben, verlassen wir in horrendem Tempo. Besorgnisserregend die letzte Grafik von Marcott et al., nicht nur für uns Wintersportler. Die "Hockeyschläger-Kurve" hat sich in einer 7-jährigen Arbeit von 78 Forschern wieder einmal bestätigt, big surprise.
Ganz ehrlich, ich würde eine Zeitung, die im Ressort "Wissen" solch haltlose Polemik fabriziert, kündigen.
 
Würde gerne mal wissen was Hochkulturen in 1000 Jahren (falls es die dann überhaupt noch gibt :wink:) über uns sagen werden...
 
Timob schrieb:
Würde gerne mal wissen was Hochkulturen in 1000 Jahren (falls es die dann überhaupt noch gibt :wink:) über uns sagen werden...
Die Badeurlauber auf den Lofoten werden sagen "Es soll hier früher kalt gewesen sein - fürchterlich!" ;D
 
Und viele Menschen, die aufgrund des menschengemachten Klimawandels ihre Heimat und Lebensgrundlage verlieren, werden sagen: „Danke, ihr ignoranten Vollidioten.“
 
Und viele Menschen, die aufgrund des menschengemachten Klimawandels ihre Heimat und Lebensgrundlage verlieren, werden sagen: „Danke, ihr ignoranten Vollidioten.“
Man muss ja nicht vom schlimmsten Szenario ausgehen:
Ein Nebeneffekt des menschengemachten Klimawandels ist inzwischen selbst aus dem All zu erkennen: Die Erde wird grüner. Denn der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre wirkt wie ein Wachstumsverstärker auf die Vegetation. Eine Auswertung von Satellitenaufnahmen belegt, dass die Pflanzendecke auf einem Großteil der Landflächen dadurch üppiger geworden ist. Die Zunahme an grüner Biomasse entspricht einem grünen Kontinent, doppelt so groß wie die USA.
https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/die-erde-wird-gruener/
 
Und viele Menschen, die aufgrund des menschengemachten Klimawandels ihre Heimat und Lebensgrundlage verlieren, werden sagen: „Danke, ihr ignoranten Vollidioten.“
Darüber kann man diskutieren sobald diese jetzt betroffenen Menschen und alle wo jetzt den menschengemachten Klimawandel immer so hervorheben endlich auch einmal akzeptieren dass es so bis gegen 1850 einen "nicht" menschengemachten Klimwandel in die andere Richtung gab der dazu führte dass auch Europäische Länder sich nicht mehr selber ernähren konnten weshalb bis zu 50% der Bevölkerung gezwungen war auszuwandern und diese damalige Situation an gewissen Orten eine sehr hohe Zahl an Menschenleben forderte und wenn es auf dem Niveau geblieben wäre in den meisten Bergregionen heute wohl niemand mehr leben würde.
Die Situation von damals kann doch unmöglich als "normal" bezeichnet werden und man kann sich doch unmöglich wünschen dass es noch immer so sein sollte.
 
Wie kommst du auf das schmale Brett, dass Menschen, die den menschgewordenen Klimawandel hervorheben, sich wünschten, dass es nochmal so eine kleine Eiszeit mit all seinen schlimmen Folgen geben sollte? Woher meinst du, das zu wissen?
 
gelöscht
 
Julian96 schrieb:
Und Weinanbau in England gabs ja schonmal man sollte halt anpassungsfähig an die Sache ran gehen und nicht ständig sagen dieses und jenes funktioniert nicht mehr.
Auch das ist so etwas wie ein Mythos. Wein wächst weit weit nördlich der heutigen Anbauregionen. Da ist nur die Sache mit der Wirtschaftlichkeit und kommerziellen Anbau. Es gab mal eine Zeit, da konnte man Wein nicht in jedem Supermarkt um die Ecke kaufen.
 
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