kaldini schrieb:
dann aber bitte auch bei den anderen Stromproduktionen die kompletten Kosten mit einrechnen und bezahlen lassen (z.b. bei derAtomkraft die Baukosten, Entsorgungs- und Versicherungskosten)
Wir können jetzt gerne in eine Grundsatzdebatte über die Ewigkeitskosten diverser Sünden der Vergangenheit einsteigen. Aber wie Du es auch drehst und wendest, am Ende hat die Kilowattstunde Strom einen Preis. Und wenn der unsere Industrie ins Ausland treibt, dann werden wir halt von dort mit Waren überschwemmt, die dort mit Energie aus fossilen Energieträgern oder Atomstrom hergestellt wurden.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ab dem Tag, an dem jemand auf der Welt einen Superspeicher zur Serienreife entwickelt hat, der preiswert, kaskadierbar und recyclebar ist, die ganze Welt wie blöde Windräder und Solarparks bauen wird, um endlich von den Importen fossiler Energieträger und der damit verbundenen Abhängigkeit von nicht immer ganz zweifesfreien Regimen und politisch instabilen Staaten wegzukommen.
Aber diese Reihenfolge wird von der Technik und der Geografie vorgegeben. Wer seine Energieversorgung überwiegend mit Sonne und Wind bestreiten möchte und dies auch noch jenseits der Wendekreise und mit begrenzter Verfügbarkeit windreicher Standorte, der muss erst einmal preiswerte Speicher erfinden. Jeder andere Weg führt zu nicht tragbaren volkswirtschaftlichen Kosten und endet in einem Ausverkauf der Wirtschaft.
Leider wurde das Problem der saisonalen Speicherung von Strom über Jahrzehnte von den Protagonisten der Windräder geleugnet und auf für diese Kreise bekannte Weise ins lächerliche gezogen. Noch vor 7 Jahren meinte der Spiegel:
[url=https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekostrom-knapp-panikmache-mit-der-dunkelflaute-a-1133450.html schrieb:
Spiegel[/url]"]Deutsche Wind- und Solaranlagen haben im Januar kaum Strom produziert - im Fachjargon heißt das Dunkelflaute. Die Vertreter der alten Energiewirtschaft warnen nun vor einer Versorgungslücke. Doch das ist Unfug.
Das, was der Spiegel hier in üblich manipulativer Weise als Unfug bezeichnet, wird mittlerweile auch außerhalb von Fachkreisen als das Kernproblem der Energiewende angesehen.
Bedankt Euch also bei denen, die das Thema Dunkelflaute über Jahrzehnte in das Reich der Verschwörungstheoretiker und Klimaleugner verwiesen haben. Hätten wir vor 40 Jahren mit der Forschung nach Superspeichern begonnen, dann wären wir heute weiter. Und wenn wir nur der Erkenntnis einen Schritt näher wären, dass auch diese Variante ggf. nur eine Sackgasse ist.
Den Vogel an fehlender Sachkompetenz hat der Spiegel dann im Schlußsatz abgeschossen:
[url=https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekostrom-knapp-panikmache-mit-der-dunkelflaute-a-1133450.html schrieb:
Spiegel[/url]"]Wenn weitere Kohle- und Atomkraftwerke vom Netz gehen, dürften die Strompreise wieder steigen. Der Betrieb der verbleibenden Meiler werde dann automatisch wieder rentabler
Die konventionellen Kraftwerke sind heute sooooo rentabel, dass der Steuerzahler neben den hohen im Strompreis enthaltenen Subventionen zusätzlich noch deren Vorhaltung im Standby-Modus über den Staatshaushalt subventionieren muss. Und ohne massive Subventionen möchte trotz der hohen Strompreise niemand neue Gaskraftwerke bauen. Was eigentlich auch jedem einleuchtet, der die Grundlagen der Betriebswirtschaft verstanden hat. Denn ein Gaskraftwerk, welches stillsteht, geht zwar nicht pleite. Es hört nur auf, zu produzieren. Aber es leistet damit auch keinen Beitrag, um seine Kosten wieder einzuspielen. Und einen Gewinn möchten die "Vertreter der alten Energiewirtschaft" am Ende auch noch machen.
Dazu fällt mir grad ein Dialog aus der Sendung "Maischberger" zwischen Stefan Aust und Anja Kohl ein:
Frau Kohl: Kohlendioxyd ist ein Stoff, wo die Industrie nicht mehr rein will. Es ist ein Auslaufmodell, ein "Stranded Asset"
Herr Aust: Außer im Ausland, da machen sie es alle
Fau Kohl (mit gespielter moralischer Empörung): ja, getrieben von Profitgier
Herr Aust (trocken): ja, wovon denn sonst?
It's capitalism, stupid! Wenn es sich nicht rechnet, dann wird es nicht gemacht.