Firn77 schrieb:
Und wer hat zehn Jahre nach Beschluss des richtigen Atomausstiegs viel zu wenig in die Entwicklung neuer Technologien gesteckt, und alles auf die "Brückentechnologie" Putin-Gas gesetzt, ohne zu wissen, wo die Brücke hingehen soll?
Rot-Grün, siehe unten zitiertes Sitzungsprotokoll 14/209 vom 14.12.2001
[url=https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2012/38640342_kw16_kalender_atomaustieg-208324 schrieb:
Bundestag Archiv[/url]"]
Auch die FDP-Abgeordnete Birgit Homburger kritisierte, dass der Atomausstieg zulasten des Klimaschutzes gehe. Anstelle der abgeschalteten Kraftwerke müsste, wenn nicht auf importierte Kernenergie, massiv auf fossile Brennträger zurückgegriffen werden. Die Konzeptlosigkeit rot-grüner Politik zeigte sich in den Augen der Liberalen an kaum einer Stelle so deutlich wie bei der Energieversorgung und beim Klimaschutz.
[url=https://dserver.bundestag.de/btp/14/14067.pdf schrieb:
Plenarprotokoll 14/67 vom 5.11.1999 - Birgit Homburger (FDP)[/url]"]
Ähnlich unsinnig ist es, die Diskussion über den Ausstieg aus der Kernenergie zu führen, ohne ein Energiekonzept vorgelegt zu haben. Deswegen fordern wir von der F.D.P.-Bundestagsfraktion Sie mit unserem Entschließungsantrag erneut auf, diesen Ausstieg im Hauruck-Verfahren zu beenden. Denn sonst müßten Sie verstärkt auf klimaschädliche, fossile Brennstoffe und die Aktivierung alter Kraftwerke setzen. Wir fordern die Vorlage eines Energiekonzepts unter Darstellung, wie realistische Energie- und Energieersatzmengen in einem angemessenen Zeitraum zu erreichen sind.
Anm: dieses Konzept kenne ich nicht, obwohl nun 23 Jahre ins Land gegangen sind
[url=https://dserver.bundestag.de/btp/14/14209.pdf schrieb:
Plenarprotokoll 14/209 vom 14.12.2001 - Birgit Homburger (FDP)[/url]"]
Trotzdem bleiben viele Fragen offen, die die Bundesregierung nach wie vor nicht beantwortet hat. Im Zentrum steht die Frage, wie die rot-grüne Bundesregierung die Energieversorgung eines Industrielandes wie der Bundesrepublik Deutschland bei gleichzeitiger Erreichung des Klimaschutzziels sicherstellen will.
[...]
Das ist nicht nur eine nationale, sondern auch eine internationale Frage, weil die Bundesrepublik Deutschland internationale Verpflichtungen beim Klimaschutz übernommen hat. Deshalb haben wir vonseiten der FDP mehrfach darauf hingewiesen, dass man, wenn man den Ausstoß an Treibhausgasen wirklich verringern will, einschlüssiges Energiekonzept braucht. Genau daran fehlt es. An kaum einer Stelle zeigen sich die Kurzsichtigkeit und die Konzeptionslosigkeit rot-grüner Politik so deutlich wie bei der Energieversorgung und beim Klimaschutz.
[...]
Dieser Bericht hat erneut bestätigt, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie auf Kosten des Klimaschutzes gehen wird.
[...]
Der Bericht zeigt zwei Szenarien auf: Das eine Szenario geht davon aus, dass man auf Gas und Kohle ausweicht; das andere Szenario geht davon aus, dass man auf Gas und erneuerbare Energien ausweicht. Beide Szenarien gehen also davon aus, dass Gas als fossiler Energieträger massiv genutzt wird. Daher muss die Nutzung dieser Energieträger ausgeweitet werden, wenn Sie die Kernenergie ersetzen wollen. Das geht voll zulasten des Klimaschutzziels.
Guck mal schau, da behaupte noch jemand, man habe es nicht wissen können. Das war vor über 25 Jahren. Wer hats verbockt? Rot-Grün!
Halten wir doch noch mal fest:
Abseits der für solche Debatten üblichen Folklore stechen für mich zwei Kernaussagen heraus:
Bereits 2001 wusste Rot-Grün dass der Ausstieg aus der Kernenergie
nur mit einer massiven Ausweitung der Nutzung von Gas als Energieträger funktionieren wird. Das war von vorne herein so von Rot-Grün geplant. Wer ab jetzt noch einmal behauptet, dies habe Frau Merkel zu verantworten, der lügt vorsätzlich!
Weiterhin wusste Rot-Grün seit 1999, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie die international verbindlich vereinbarten Klimaziele gefährden könnte. Wer ab jetzt noch behauptet, dies sei die Schuld nachfolgender Regierungen, der lügt vorsätzlich!
Doch damals wie heute waren und sind die Grünen komplett beratungsresistent und gleichzeitig fachlich nicht in der Lage, die Folgen ihrer Entscheidungen zuverlässig abzuschätzen.
Heute braucht niemand aus diesem Milleu über das baldige Ende der Menschheit durch den Klimawandel zu jammern. Hätten sie seinerzeit einfach mal nur den Gegenargumente mehr Bedeutung beigemessen, dann hätte man rechtzeitig auch in die Forschung von Speichern einsteigen können. Statt dessen haben sie Solarzellen und Wind komplett über-subventioniert und vermögenden Investoren eine Gelddruckmaschine geschenkt. Zeitweise bekamen die Besitzer eine höhere Einspeisevergütung für ihren Sonnenstrom, als die Kunden am Markt zahlen mussten. Und bei Dunkelheit und Windstille durften dann die "Vertreter der alten Energiewirtschaft" die Dreckarbeit leisten.
Und bis heute ist Strom in Deutschland genau deswegen so teuer, weil Strom aus Sonne und Wind reine Rosinenpickerei ist. Wenn sich die Windräder drehen und die Solarzellen glühen, dann klingelt die Kasse oder der heimische Zähler läuft rückwärts. Ist beides nicht vorhanden, dann muss die immer geringer ausgelastete und damit wirtschaftlich betreibare "alte Energiewirtschaft" die Kohlen ins Feuer schaufeln.
Und unterm Strich sind die Auswirkungen auf den Klimaschutz global gesehen marginal, weil kaum ein anderes Land diesen Weg mitgeht. Einen gewissen Anteil an volatilen Energiequellen mischen sie zwar bei bzw. bauen dies aus. Aber so dumm, intakte Kraftwerke abzuschalten, ohne dass gleichwertiger Ersatz zur Verfügung steht, dass schaffen nur die Deutschen.