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Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Dazu kommt: Die Abfahrten in den Hallen sind für fortgeschrittene und passionierte Skifahrer sterbenslangweilig. Für mich ist zudem das Umfeld auch sehr wichtig. Mitten in den Bergen zu sein, auch mal den Blick schweifen zu lassen (Während dem Fahren natürlich nur, wenn es die Bedingungen erlauben, ansonsten am Pistenrand anhalten!), das gehört ebenso dazu wie das reine Skifahren. Da können noch so grossformatige Fotografien mit Bergpanorama an den Hallenwänden hängen und mit rustikaler Inneneinrichtung in den Restaurants auf Hüttenstimmung gemacht werden, es ist und bleibt eine klar erkennbare Illusion!
 
Seilbahnjunkie schrieb:
Nö, das ist ein völlig normales Element der Preisgestaltung in sehr vielen Bereichen. In der Wirtschaftstheorie nent man das Preisdifferenzierung 2. Ordnung, man bietet dem Kunden das Produkt zu verschiedenen Konditionen zu unterschiedlichen Preisen an und er sucht sich aus zu welchen Konditionen er es kaufen möchte. In diesem Fall sind die attraktiven Konditionen, für die ein Teil der Kunden bereit ist mehr zu bezahlen, Ferien, gutes Wetter u d Spontanität. Ferien stehen lange vorher fest und wurden daher schon lange einbezogen. Vorverkaufsrabatte gab es auch schon teilweise, neu ist jetzt halt eine noch feinere und aktuellere Ausdifferenzierung.

In anderen Bereichen regt sich auch keiner über sowas auf. Wenn ich jetzt Lebkuchen, Plätzchen und Co. kaufe, dann zahle ich auch das Doppelte wie in einem Monat. Bei Flügen schießen die Preise regelmäßig zu Ferienbeginn hoch und bei Hotels auch.
Andere Bereiche vermarkten es geschickter. Was glaubst du, was eine Happy Hour ist? Nichts anderes. Zu Zeiten zu denen weniger Leute Lust haben was trinken zu gehen lockt man sie mit günstigeren Preisen. In Wahrheit verdient man daran noch immer gut und schöpft in den attraktiven Zeiten die Zahlungsbereitschaft ab.

Toll finde ich das auch nicht, aber da kommen wir jetzt tief in die Kapitalismuskritik rein. In unserem Wirtschaftssystem funktioniert das nunmal so. Und es hat auch eine gewisse Lenkungswirkung, damit sich nicht die ganze Nachfrage auf die gleiche Zeit konzentriert. Sonst wären die Hotels in der Spitzenzeit noch stärker ausgebucht und dazwischen leer. Natürlich wäre es mor lieber man würde sowas nicht über den Preis steuern, was natürlich grundsätzlich asozial und familienfeindlich ist. Aber mach mal einen Alternativvorschlag, jenseits von es soll einfach immer das selbe kosten, ohne weiter Einschränkungen.
Nur weil man das irgendwelchen wirtschaftstheoretischen Modellen zuordnen kann, muss das Konzept insgesamt ja nicht sinnvoll sein.
Das ist dann doch der schwierigere Teil der Aufgabe....
M.E. nutzt man hier irgendwelche Algorithmen von irgendwelchen Anbietern, deren Entwickler sich insgeheim wundern, wohin man ihr Produkt verkauft hat.
Und nein, unser Wirtschaftssystem funktioniert nun mal so nicht: gute Ideen setzen sich durch.

Beispiel Montafon, Abruf der Preise heute:
- 2 Tagesticket am 9.1.2026: 138€
- jeweils ein Tagesticket für den 9.1. und den 10.1.: 68€ + 67€ = 135€

Das kann man auch mit Skipässen mit längerer Dauer so machen: Stückelung kann günstiger sein.
Letztes Jahr gab es sogar Konstellationen, in denen ein Ticket für n-Tage teurer war als eins für n+1 Tage bei demselben Startpunkt.

Wo ist denn hier eine Lenkungswirkung? Das ist einfach nur (euphemistisch) Unfug.
Am Schalter einer Kasse ohnehin nicht vermittelbar. Aber vielleicht verkauft man dort lediglich Tickets für den aktuellen Tag.
 
Ist nicht nur dort so. Ich hatte neulich ja auch schon andere Beispieltage benannt, die die ganze Abzocke bzw. den Unsinn verdeutlichen.
 
Im Brandnertal haben sich offenbar genügend beschwert.
Letzten Sonntag hat das Ticket noch 68€ gekostet.
Heute war es zu meinem erstaunen nur 63€ mit komplett gefüllten Parkplätzen und etwas mehr Liften und Pisten.
 
Gut, in der Umsetzung kann man sowas natürlich versauen. Aber auch solche Beispiele gibt es in anderen Bereichen auch. Manchmal ist es im Laden auch günstiger die kleinere Menge mehrmals zu nehmen, ob wohl man eigentlich von Mengenrabatt ausgeht.

Bei Flügen oder Bahnfahrten gibt's ähnliche Phänomene, wird günstiger, wenn man noch eine andere Strecke dran hängt. Die Fluggesellschaften gehen dabei so weit, dass sie dich zwingen alle Segmente auch wirklich zu fliegen. Wenn du das erste nicht antrittst, nehmen sie dich beim zweiten auch nicht mit. Umgekehrt geht das natürlich nicht, aber da hat die Lufthansa schon erfolgreich Kunden verklagt die einfach nicht weiter geflogen sind.

Man darf auch nicht vergessen, dass das für die Skigebiete noch relativ neu ist. Die werden auch noch dazulernen und das verbessern. Das heißt nicht, dass mir die Entwicklung gefällt, aber sie ist jetzt halt nicht so speziell wie manche tun. Ich kaufe mich davon halt mit einer Saisonkarte frei, und da würde ich denen auch was husten, wenn sie mir die Nutzung einschränken würden.
 
Ich bezweifle, dass die Betreiber die mathematischen Modelle hinter ihrem Dynamic Pricing wirklich durchschauen. Als das aufkam, hatte ich schon mal Fälle, wo durch das Zubuchen eines Wochentags vor meinem geplanten Urlaub der Gesamtpreis günstiger war als wenn ich So-Sa gebucht hätte.
 
Seilbahnjunkie schrieb:
Gut, in der Umsetzung kann man sowas natürlich versauen. Aber auch solche Beispiele gibt es in anderen Bereichen auch. Manchmal ist es im Laden auch günstiger die kleinere Menge mehrmals zu nehmen, ob wohl man eigentlich von Mengenrabatt ausgeht.

Bei Flügen oder Bahnfahrten gibt's ähnliche Phänomene, wird günstiger, wenn man noch eine andere Strecke dran hängt. Die Fluggesellschaften gehen dabei so weit, dass sie dich zwingen alle Segmente auch wirklich zu fliegen. Wenn du das erste nicht antrittst, nehmen sie dich beim zweiten auch nicht mit. Umgekehrt geht das natürlich nicht, aber da hat die Lufthansa schon erfolgreich Kunden verklagt die einfach nicht weiter geflogen sind.

Man darf auch nicht vergessen, dass das für die Skigebiete noch relativ neu ist. Die werden auch noch dazulernen und das verbessern. Das heißt nicht, dass mir die Entwicklung gefällt, aber sie ist jetzt halt nicht so speziell wie manche tun. Ich kaufe mich davon halt mit einer Saisonkarte frei, und da würde ich denen auch was husten, wenn sie mir die Nutzung einschränken würden.

Das kann man so sehen. Einfache und offensichtliche handwerkliche Fehler kann man jedoch auch bei 'neuen' Dingen vermeiden.

Und ja, es ist speziell, denn Skifahren ist u.a. sehr wetterabhängig.

U.a. wird doch ein Druck auf die planenden Urlauber ausgeübt, den Skipass frühzeitig verbindlich zu kaufen.
Nach Sölden, Ischgl, St. Gallenkirch, ... fährt man ja in erster Linie zum Skifahren.
Ist das Seilbahnunternehmen nun weitgehend unabhängig von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben, dann 'bepreist' man natürlich anders als Unternehmen mit einer hohen Rate an einheimischen Besitzern (mit eigenen Hotels, Pensionen und Gaststätten).

So erkläre ich mir den (konkurrenzlos) günstigen Skipass von Ischgl: sind die Gäste erst einmal da, kaufen Sie ohnehin. Das ist im Montafon anders.
 
NeusserGletscher schrieb:
Ich bezweifle, dass die Betreiber die mathematischen Modelle hinter ihrem Dynamic Pricing wirklich durchschauen. Als das aufkam, hatte ich schon mal Fälle, wo durch das Zubuchen eines Wochentags vor meinem geplanten Urlaub der Gesamtpreis günstiger war als wenn ich So-Sa gebucht hätte.
Volle Zustimmung.
Bei einigen Betrieben habe ich den Eindruck, dass Sie einfach deshalb dabei sind, um den neuen Trend nicht zu verpassen.
 
Sind wir doch mal ehrlich, was wollen wir alle für uns selbst? Leere Pisten, Traumbedingungen, Kaiserwetter und das am Besten dann, wenn wir Zeit haben. Funktioniert halt nicht, zumindest nicht, wenn man sich bei der verfügbaren Zeit an der Masse orientiert. Die Gebiete können darauf auf mehrere Arten reagieren:

1. Nichts tun und hohe Wartezeiten in Kauf nehmen.
2. Bahnkapazitäten hochschrauben und volle Pisten akzeptieren.
3. Begrenenzungen der verfügbaren Karten, dann schaut mancher der gerne fahren will halt komplett in die Röhre.
4. Steuerung über den Preis.

Was davon ist euch jetzt am liebsten? Ich wüsste nicht, was ich am besten finde, aber ich wüsste was ich als Betreiber am besten fände
 
Seilbahnjunkie schrieb:
4. Steuerung über den Preis.
Was davon ist euch jetzt am liebsten? Ich wüsste nicht, was ich am besten finde, aber ich wüsste was ich als Betreiber am besten fände

Ich formuliere um:
4. Abkassieren über den Preis
(wenn die Massen sowieso kommen und Familien ferienbedingt nicht ausweichen können)

Und ja, da weiß ich auch genau, was die Betreiber am besten finden.
 
Also sorry - das heute an der Silvretta Montafon KANN ja nur unter Abschreckung verstanden werden. 88€ - die spinnen, die Schrunser.

Bin mal gespannt, wie morgen am Golm und an der Simo die Preise sein werden. Am Golm ist eine der vier Sesselbahnen ausgefallen - und wird auch nicht so schnell repariert sein - und an der SiMo hatten sie heute „nur“ 19.000 Ersteintritte. Der Rekord liegt wohl bei 25.000 - ergo entweder funktioniert die Lenkung oder wir werden morgen n günstigeren Tarif sehen…

Morgen Golm stand jetzt (und der Vierersessel war heute schon den ganzen Tag kaputt…) 75,50,
Morgen SiMo kostet stand jetzt 86,00€
IMG_5445.jpeg
Preise 29.12

IMG_5491.jpeg
4ksb Matschwitz defekt

IMG_5493.jpeg
Preise SiMo morgen

IMG_5494.png
Preise Golm morgen
 
Nun ja, ist ein redundanter Sessellift. Da keine Pisten verloren gehen, kann man ja trotzdem entsprechende Preise aufrufen.
 
Wenn man in der Höchstsaison 2880 Personen / h auf die eh schon ausgelasteten anderen Anlagen verteilt? Joa. Kann man mal machen…
 
So schaut's aus. Es sind doch eh nahezu alle Unterkünfte ausgebucht und die Leute vor Ort. Skischulen gebucht, Bretter ausgeliehen. Was soll den Betreibern schon passieren? Dann kommen halt 10% weniger. Ist doch egal, wenn man 88 statt 66€ kassiert.
 
Könnte es im Montafon vielleicht auch an der Nähe zur Schweiz liegen, dass man solche Preise nimmt? Wenn die Konkurrenz die teuren Frankenpreise sind, dann hat man vielleicht genug Kundschaft die das gar nicht so teuer findet.
 
Seilbahnjunkie schrieb:
Könnte es im Montafon vielleicht auch an der Nähe zur Schweiz liegen, dass man solche Preise nimmt? Wenn die Konkurrenz die teuren Frankenpreise sind, dann hat man vielleicht genug Kundschaft die das gar nicht so teuer findet.

Das denke ich auch. Selbst wenn der Pass in der Schweiz ein paar Euro günstiger ist. Dort ist man die Preise gewöhnt und spart sich nebenbei noch etwas Geld beim Einkauf im Supermarkt etc, wenn man eh gerade im Euroland ist.
 
Kritik an dynamischen Preisen der Bergbahnbetrieber
«Versteckte» Aufschläge auf Skitickets – bis zu 20 Franken!
Sich je nach Nachfrage und Wetter ändernde Skiticketpreise sorgen für Ärger. Der Konsumentenschutz kritisiert fehlende Preistransparenz für Skifans. In fünf von elf grossen Skigebieten, darunter Zermatt und St. Moritz, gibt es keine Preisobergrenzen.
https://www.blick.ch/wirtschaft/kritik-an-dynamischen-preisen-der-bergbahnbetrieber-versteckte-aufschlaege-auf-skitickets-bis-zu-20-franken-id21621740.html

Auch interssant:
Bei den Belalp Bahnen ging es um 17 Franken auf neu 68 Franken hoch, in Gstaad um 20 Franken auf 69 Franken. Der Grund für den erheblichen Aufschlag ist simpel: Beide Gebiete sind neu beim Abo-Verbund Magic Pass dabei. Dort basiert der Verteilschlüssel der Aboeinnahmen unter anderem auf der günstigsten Tageskarte. Heisst: Bietet ein Gebiet im Vergleich zur Magic-Pass-Konkurrenz deutlich günstigere Tageskarten an, kriegt es am Ende weniger Geld aus dem Abo-Pool.

In Gstaad geht man zurück zu fixen Preisen:
Die Bergbahnen Gstaad sind auf diesen Winter hin von ihren dynamischen Preisen weggekommen, wie es auf Anfrage heisst. Neu setzt das Skigebiet auf saisonale Preisunterschiede. So kostet die Tageskarte während der Sportferien im Februar 84 Franken und ab Ende März dann noch 69 Franken. Kurzfristige Preisschwankungen fallen damit weg. Auch der Vorwurf einer intransparenten Preispolitik ist damit vom Tisch.

Auch in Crans-Montana VS ging es beim Mindestpreis um 20 Franken hoch. Die Preisbandbreite beträgt damit neu 59 bis 89 Franken. «Diese Anpassung widerspiegelt die Verbesserungen im Gästeerlebnis. Wir haben die Pistenqualität erhöht, in die Beschneiung investiert und die Restaurants wieder geöffnet», sagt John Plack, Sprecher von Vail Resorts. Der US-Skigebietriese hat die Walliser Bergbahn Ende 2023 übernommen.
 
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