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Dynamic Pricing: Unfug oder Fortschritt?

Uiuiui, Riesenthema! :-)

Ich hab jedoch den Eindruck, dass dynamic-pricing (noch) v.a. in den Schweizer Skigebieten praktiziert wird. Meine persönlichen Erfahrungen:
- Laax: einmal Samstag + Sonntag in der Nachsaison für 78 CHF (aber leider nur ein kleiner Teil des Skigebietes offen) mit Vorbuchung in etwa einen Monat vorher; dieses Jahr im Januar zu kurzfristig buchen wollen -> gab kein gutes Angebot mehr -> am Skitag direkt in der App einen geringfügig günstigeren Preis als an der Kasse bekommen (aus der Erinnerung heraus ohne Garantie, dass es ganz korrekt ist: 218 CHF statt 226 CHF, also eigentlich nicht der Rede wert, nur man spart sich das zur Kasse gehn)
- Pizol: eine Woche im Voraus Schlechtwetterpass gekauft, Wetter war dann besser als erwartet, aber die Verbindung der Teilgebiete blieb zu -> wir waren dennoch zufrieden, weil Preis-Leistung gepasst hatte
- Monte Rosa Ski (weiß nicht ob das so richtig zählt): aufgrund von Sturm war unsicher, wie viel öffnet -> an der Kasse einen verbilligten Pass für 36€ bekommen statt 48€, auf jeden Fall steigt auf diese Art die Bereitschaft, doch skifahren zu gehen

[Außerhalb vom Skifahren ist natürlich die Deutsche Bahn (und andere Bahnen natürlich auch) ein Unternehmen, dass massives Dynamic Pricing betreibt. Fuhr ich früher fast nur mit BahnCard50-Rabatt und Normalpreis kauf ich mittlerweile fast immer einen Sparpreis mit Zugbindung. Diese wird ja aufgrund von Zugausfällen und Verspätungen eh oft aufgehoben. :D]

Als Kunde ist mir generell jedoch ein fairer Preis für alle lieber als dynamic pricing. Aus meiner persönlichen Kundensicht seh ich eigentlich nur den Vorteil, dass man mit Glück sehr günstige Angebote abstauben kann (und bei der Bahn gelingt mir das auch oft, z.B. München - Lübeck für 14,90€). Ansonsten überwiegen für mich die Nachteile:
- Aufgabe der Flexibilität (Zugbindung, bestimmter Tag in bestimmtem Skigebiet -> evtl. Wetterproblem bei sehr früher Buchung)
- zu teure Maximalpreise (bei der Bahn feder ich das natürlich durch die BC50 ab, das geht bei Skigebieten ja eher nicht)
- unsozial - familienunfreundlich: insbesondere Ferienzeiten sind bei dynamic pricing oftmals teuer, gerade Familien ham aber oft nicht ganz so viel Geld
- fehlende langfristige Planbarkeit, wenn man nicht sofort buchen möchte (insbesondere wenn Maximalpreis nicht bekannt)
- Planungsstress: Gefühl, dass man unbedingt ganz schnell buchen muss, um nen guten Preis zu bekommen
Mein Fazit: Ist der Maximalpreis bekannt (wie z.B. bei der bahn) und noch akzeptabel - wobei für mich beim Skifahren die Grenze für einen Tagespass eigentlich bei ca. 50€/Tag liegt (ich weiß: viele Schweizer Destinationen fallen da auf jeden Fall raus, aber es entscheidet ja immer noch das Gesamtpaket aus allen Kosten) - hab ich nix gegen dynamic pricing bei Skigebieten. Ich finde es aber auch sehr angenehm, wenn ich nicht im Vorfeld recherchieren muss, wie ich den günstigsten Preis bekomm und bevorzuge deshalb die fixen Preise.
 
Wenn die Bergbahngesellschaften sich schon Eisenbahnen und Fluglinien vergleichen (was aus diversen Gründen stark hinkt):

Dann wäre ich dafür, dass man für Bergbahngesellschaften mit dynamischen Preisen die gleichen gesetzlichen Vorgaben bzgl. Verspätungen/Ausfälle macht wie für Bahn und Flieger. Wenn die Bahn 2 Stunden oder mehr zu spät kommt, dann gibts 50% zurück, so will es das Gesetz. Daher wäre es auch fair, wenn die Bergbahngesellschaft 50% zurückerstatten muss, wenn weniger als die Hälfte der Lifte geöffnet ist.

Wenn man sich schon auf einer Ebene mit der Bahn sieht, dann muss es nicht nur die gleichen Rechte geben, sondern auch die gleichen Pflichten.
 
Das wird, weil der Vergleich noch stärker hinkt als ein Beinamputierter, einfach niemals so sein.

Bringt also nix.
 
Klar hinkt der Vergleich, aber wenn die Bergbahngesellschaften mit dynamischen Preisen den selbst vorbringen, dann müssen sie eben auch die gleichen Risiken tragen.
 
Weißt du was? Ich glaube man kann dynamische Preise auch einführen ohne sich mit Bahn- und Fluggesellschaften auf eine Ebene zu begeben. Immerhin geht es hier eben nicht um Transportunternehmen, deren Dienstleistungserbringung oder eben nicht-Erbringung keineswegs so fatale Folgen hat wie eben im Transportsektor, sondern um Unternehmen die am Ende deinem und meinem Vergnügen dienen.

Wenn ein Flugzeug nicht fliegt platzen Termine usw... Fährt ein Lift nicht.... Na und? Dann nimmst du halt einen Anderen... Was solls.

Diese meine Argumentation soll keine absolute Wahrheit abbilden, ich höre mir gerne andere Meinungen dazu an, finde es aber wichtig diesem Unterschied zu benennen. Es geht nur ums Vergnügen. Um Spaß.
 
Ziel des neuen Preismodells für Skipässe ist, die Auslastung innerhalb des Winters zu optimieren, um so jedem Besucher das bestmögliche Erlebnis
bieten zu können und Besucher in nachfrageschwachen Zeiten durch die Einführung von Saisonzeiten durch günstigere Preise anzulocken.
Saisonzeiten sind neu. Bleibt abzuwarten, wie günstig es wird. Wenn ich mir allerdings das Angebot zu Anfang Dezember anschaue und sehe, wieviele Lifte und Pisten trotz guter Schneelage für die Weihnachtsferien vorgehalten bzw. den Gästen vorenthalten werden, dann werden mich auch günstigere Preise zu dieser Zeit nicht nach Z locken.

Was sich grundsätzlich ändert, ist die Preisabstufung bei Mehrtagespässen ab vier Tagen. Diese Abstufung ist neu nicht mehr so stark degressiv wie aktuell.
Selbst bei der jetzigen Abstufung ziehen einige Urlauber Tagestickets, weil diese gegenüber Mehrtageskarten bei unsicherer Wetterlage günstiger sind, wenn man diese ein oder zwei Tage nicht nutzen kann. Gerade in Verbindung mit dem internationalen Skipass lohnt es sich heute oft, jeden Tag erst mal aus dem Fenster zu schauen um zu sehen, ob und welche Karte man kauft.

Eine transparente Kommunikation unterstützt die Akzeptanz der Gäste und ist entscheidend für den Erfolg dieser Preispolitik.
Solange Z weiterhin trotz Starkwindprognose oder gemeldetem starken Schneefall noch um 8:00 morgens alle Pisten offen meldet obwohl selbst ein Ortsunkundiger sich bei einem Blick auf die Wetterdaten denken kann, dass kaum etwas öffnen wird und der Übertritt nach Italien auf Tage nicht möglich sein wird, sollte man nicht von transparenter Kommunikation sprechen.
 
danimaniac schrieb:
Weißt du was? Ich glaube man kann dynamische Preise auch einführen ohne sich mit Bahn- und Fluggesellschaften auf eine Ebene zu begeben. Immerhin geht es hier eben nicht um Transportunternehmen, deren Dienstleistungserbringung oder eben nicht-Erbringung keineswegs so fatale Folgen hat wie eben im Transportsektor, sondern um Unternehmen die am Ende deinem und meinem Vergnügen dienen.

Wenn ein Flugzeug nicht fliegt platzen Termine usw... Fährt ein Lift nicht.... Na und? Dann nimmst du halt einen Anderen... Was solls.

Diese meine Argumentation soll keine absolute Wahrheit abbilden, ich höre mir gerne andere Meinungen dazu an, finde es aber wichtig diesem Unterschied zu benennen. Es geht nur ums Vergnügen. Um Spaß.

Au contraire. Wenn im Skigebiet ne Menge nicht läuft gehen kostbare Urlaubstage und sinnlos bezahlte Hotelkosten drauf. Man bekommt ja nicht zusätzlichen Urlaub vom Arbeitgeber, nur weil in Z der Wind weht.
Und jetzt komm bitte nicht "man kann ja auch was anderes machen"... Skifahren können viele nur an wenigen Tagen im Jahr und lassen sich das was kosten. Um "anderes" zu machen fahren sie nicht in einen Skiort.

Wobei ich dir Recht gebe, dass ein Skigebiet mit einem Freizeitpark, einem Jahrmarkt, Museum oder Schwimmbad eher vergleichbar ist als mit Bahn und Flieger. Aber die ersteren haben eben selten dynamische Preise. Und Skigebiete ja auch nicht, eben weil sie nicht in eine Kategorie mit Bahn und Flieger gehören. Aber dennoch nennen ja Andermatt und Z (woanders gibt es keine dynamischen Preise [d.h. nirgendwo sonst gibt es keinen offiziellen Maximalpreis]) diese als Vorbild.

Und wenn sie selbst diese als Vorbild nehmen, dann können sie nicht nur die Vorteile von denen (dynamische Preise) nehmen, sondern auch die Nachteile (Rückerstattungspflicht). Das wäre nur fair.
 
Eigentlich müssen wir diese Diskussion jetzt nicht für jede Destination neu führen, die auf dieses System umstellt. Das ganze hat auch mehrere Aspekte.

  • es gibt Anbieter, die solche Systeme entwickeln und mit dieser Dienstleistung Geld verdienen. Das ist erst einmal die Voraussetzung und ein Teil des wirtschaftlichen Hintergrunds
  • mittelfristig sparen die Bergbahnen Personalkosten, wenn sie den Ticketverkauf zu einem großen Teil an einen Dienstleister auslagern, bei dem überwiegend Computer die Arbeit verrichten
  • das wirtschaftliche Risiko von Schlechtwetterperioden (Schneemangel, zuviel Schnee, Lawinengefahr, Sturm) wird auf den Kunden abgewälzt
  • gegen ein fast oder ganz geschlossenes Skigebiet kann sich der Kunde gegen Aufpreis versichern
  • durch fehlende Transparenz bei Abgabepreisen und Kontingenten wird es den Bergbahnen ermöglicht, heimlich in der Summe höhere Preise durchzusetzen (welcher Kunde schaut am Ende eines Wirtschaftsjahres schon in die Bilanz?). Die Steigerung des Profits ist daher ein relevanter Aspekt, den man natürlich nicht gerne offen kommuniziert.
  • viele Urlauber haben überhaupt keine Chance, auf günstigere Nebenzeiten auszuweichen, weil sie beispielsweise von Betriebsferien des Arbeitgebers oder Schulferien abhängig sind. Sie können dann zwar früh den Skipass buchen und profitieren ggf. von einem Frühbucherrabatt, tragen dann aber auch das wirtschaftliche Risiko (das Hotel müssen sie übrigens in vielen Fällen zumindest schon mal ein Jahr vorab reservieren und später im Sommer entscheiden, ob sie buchen)
  • einige Kunden werden in der Nebensaison oder durch Lockvogelangebote weniger zahlen und dies ellenlang in den sozialen Medien breittreten und damit kostenlos Werbung machen
  • diejenigen, die drauf zahlen, werden sich oft dagegen nicht melden. Wer möchte sich damit schon öffentlich outen dass er mehr zahlt und außerdem wird man schnell als Nörgler abgestempelt ( :wink: )
  • der Kunde verliert einen Teil seiner Freiheit und Flexibilität. Wer außerhalb der Stoßzeiten fährt wird dazu gedrängt, sich früher festzulegen, obwohl dies seinen Interessen widerspricht. Schnee fällt nun einmal in den Alpen im Winter selten gleichmässig. Mal im Osten, dann im Westen, oder im Süden oder Norden. Wer zeitlich unabhängig ist, der bucht lieber kurzfristig, um sein Erlebnis auf die von ihm gewünschte Weise zu steigern. Und nicht so, wie es Herr Hasler sich vorstellt.
  • es wird ein künstlicher Druck aufgebaut, schnell zu buchen (morgen könnte es bereits teurer sein). Der Kunde wird so zu einem Kauf gedrängt, den er bei reiflicher Überlegung zu diesem Zeitpunkt oder generell nicht getätigt hätte
  • es werden vermutlich auch keine Zahlen darüber veröffentlicht, wie viele günstig gekaufte Tickets ungenutzt verfallen, weil der Käufer es sich anders überlegt oder andere Umstände ihn an der Reise hindern. Wahrscheinlich kann man sich aber auch dagegen versichern .....
  • wer beim Vergleich verschiedener Skiorte die Kosten kalkulieren möchte oder muss, dem wird dieser Vergleich durch ein System erschwert, bei dem die Preise täglich neu ausgewürfelt werden
  • die Systeme arbeiten auch keineswegs fehlerfrei. So hatte ich unlängst für Andermatt bemerkt, dass beispielsweise 2 Wochen ab dem 12.1. am selben Tag gebucht teurer wären als 4 Wochen ab dem 8.1.2018.
  • kurzum, die Preisrecherche wird zeitaufwändiger, wenn ich unbedingt darauf aus bin, den günstigsten Preis zu zahlen. Und wer will (frei nach der bekannten Werbung eines Elektrodiscounters) schon als blöd gelten?

Spaßig wird die Sache, wenn immer mehr Hotels auf danymic Pricing umstellen und dann zu unterschiedlichen Zeiten mal Hotel, Lifte oder die Bundesbahn den günstigsten Preis ausweisen. Etwas ähnliches erlebt man heute, wenn man sich einen Computer zusammenstellt. Hat man endlich bei dem gesteckten Preisrahmen alle Komponenten zusammen, haben einige Shops ihre Preise schon wieder deftig angehoben und die Suche fängt von vorne an.

Tja, ich bin vielleicht schon zu alt für so was. Ich mag nun einmal gedruckte Kataloge und Preislisten, die ich in Ruhe und ohne künstlich erzeugten Druck studieren kann um mich dann zu entscheiden. Bei statischen Preisen gab es halt schon immer das Risiko, das ein Angebot nicht mehr verfügbar ist, wenn ich mich entschieden habe. Nun kommt mit dem Preis eine weitere dynamische Komponente dazu. Die Welt wird aus meiner Sicht wieder ein Stück hektischer, ohne das die Lebensqualität dadurch am Ende steigt. Nicht wenige Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, die Schlangen vor den verbliebenen Verkaufstellen werden vermutlich länger. Und die Taschen der Shareholder wieder ein Stück voller.

Für mich ist das keine Win-Win Situation. Es gibt wenige Gewinner, aber auch viele Verlierer. Vor allem bleibt aus meiner Sicht die Gemütlichkeit auf der Strecke.

Geschäftsführer wie Politiker verfügen übrigens in vielen Fällen über eine jahrzehntelange Erfahrung darin, durch geschickte Rede vom eigentlichen Sachverhalt abzulenken, Nebelkerzen zu werfen, Tatsachen zu verdrehen und Nebensächlichkeiten hochzuspielen. Was sich für einen normal denken Menschen wie hohles Marketinggeschwätz anhört, ist für diese Leute oft völlig normal. :twisted: Außerdem verfügen solche Leute über ein starkes Ego und ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein. Daher lohnt es sich meist nicht, mit ihnen zu diskutieren. Sie spulen ihre von den Strategen im Hintergrund ausgearbeiteten Thesen herunter aber hören nicht zu. Diese Mischung Ignoranz und Borniertheit führt dann wie man beispielsweise in Zermatt anschaulich erkenenn kann dazu, dass man sich eine eigene Lösung für einen interaktiven Pistenplan stricken lässt, die technisch unausgereift ist und um Längen hinter den Angeboten von Mitbewerbern hinterherhinkt. Daher können wir hier bis zum Abwinken über Dynamic Pricing diskutieren. Die Entscheider hören sowieso nicht zu und ziehen die Sache durch. Ihre Argumente sind nur vorgeschoben und Gegenargumente werden sie ignorieren.

Aber das ist selbstverständlich nur meine unbedeutende Meinung.
 
Vielen Dank, NeusserGletscher, das fasst die wichtigsten (und abschreckendsten) Aspekte wohl ganz gut zusammen! Insbesondere der Punkt "Gemütlichkeit vs. Hektik" ist mir immens wichtig. Anders schauts natürlich bei denjenigen aus, die grundsätzlich nicht aufs Geld achten müssen, aber wie viele Menschen sind das? :naja:

Gespannt bin ich sehr, ob gewichtige Gegenargumente kommen.
 
Danke auch von mir! Sehr schön sachlich, ohne auch die Gefühle, die so etwas hervorruft zu ignorieren.

Ich finde dynamic pricing nämlich durchaus sinnvoll WENN es einen offensichtlich kommunizierten Maximalpreis gibt. Wie in Laax, Arosa-Lenzerheise, Belalp, Bahn, Flugzeug usw.

Dort sind halt Rabatte dynamisch. Wenn der Preis nach oben künstlich offen gehalten wird, wird mir selber arg mulmig.

Ich kaufe sehr gerne das Ticket im Netz, denn dadurch spare ich mir ja den nervigen Weg und das Anstehen zu/an der Kasse. Und Rabatte gefallen mir natürlich auch. Nur dieses undurchsichtige... Nicht
 
Anders schauts natürlich bei denjenigen aus, die grundsätzlich nicht aufs Geld achten müssen, aber wie viele Menschen sind das?
Im Falle Zermatt vermutlich etwas mehr als andernorts :wink:

Die bisherigen Erfahrungen in Andermatt und meine langjährigen in Laax bestätigen mich in der Meinung, dass dynamische Preise sehr sinnvoll sind und sowieso die Zukunft sind. In Laax haben bisher ALLE meine Kollegen immer von günstigeren Tarifen profitiert, als wenn man wie früher stur die Fixpreise an der Kasse hätte. Und wer sich durch die Dynamisierung stressen lässt, ist selber schuld. Wenn er das nicht möchte, kauft er nach wie vor an der Kasse und bis jetzt ist er damit nicht schlechter gefahren, als bisher.
 
Also m.E. sollte es höchstens Normalpreise geben, die aufgrund z.B. durch Wetter geschlossener Lifte rabattiert werden. Das ist in vielen Skigebieten ja schon seit längerem üblich. Ebenso gibt es ja bereits vielerorts und seit langem günstigere Skipässe je nach Saisonzeitraum oder je nach Wochentage. Noch komplizierter muss man es dann m.E. nicht machen.
 
Ich finde das ist durchaus ein interessantes Modell. Am Ende entscheide ich doch danach, ob der Betrag der da steht, mir den Spaß wert ist, ob da jetzt jemand „Smart gepriced“ hat, oder der Preis aus einer Liste stammt. Kann eine effektive Lenkungsmethode sein, Lastspitzen besser zu verteilen. Am Ende entscheiden doch wir Verbraucher, ob sich das Modell durchsetzt, indem wir es erfolgreich werden lassen oder ablehnen. :wink:
 
ski-chrigel schrieb:
Anders schauts natürlich bei denjenigen aus, die grundsätzlich nicht aufs Geld achten müssen, aber wie viele Menschen sind das?
Im Falle Zermatt vermutlich etwas mehr als andernorts :wink:

Die bisherigen Erfahrungen in Andermatt und meine langjährigen in Laax bestätigen mich in der Meinung, dass dynamische Preise sehr sinnvoll sind und sowieso die Zukunft sind. In Laax haben bisher ALLE meine Kollegen immer von günstigeren Tarifen profitiert, als wenn man wie früher stur die Fixpreise an der Kasse hätte. Und wer sich durch die Dynamisierung stressen lässt, ist selber schuld. Wenn er das nicht möchte, kauft er nach wie vor an der Kasse und bis jetzt ist er damit nicht schlechter gefahren, als bisher.

Wie gesagt, bei Laax sind es nicht wirklich dynamische Preise. Man bekommt an der Kasse jeden Tag einen Skipass für 78 Franken (ist zwar äußerst teuer, aber das ist nicht der Punkt).

Man bekommt nur wenn man die App nutzt einen Rabatt. Daher ist das nichts weiter besonderes. Es gibt zig Rabattmöglichkeiten für Skigebiete, in einem mehr, in einem anderen weniger. Dagegen hat auch niemand was. Und planbar ist es - man plant bei Laax halt mit den 78 Franken, und wenn man dann etwas spart, freut man sich.

Bei echten dynamischen Systemen - wie es derzeit nur Andermatt hat und bald vermutlich auch Zermatt - wird bewusst kein Standardpreis bekannt gegeben, um ein völlig undurchsichtiges Preisgefüge zu erzeugen. Niemand wird sich freuen, wenn er 86 Franken statt 92 wie jetzt zahlt, weil es ja ein dynamischer Preis ist (aber in Laax freut er sich bei 72 statt 78 schon), also nichts besonderes.

Und vor allem ist klar, dass es unterm Strich eine Preiserhöhung gibt. In Andermatt war die Preiserhöhung 22%, was selbst mit den vielen neuen Anlagen extrem überzogen ist. Welch ein Zufall, dass man gleichzeitig "dynamische Preise" eingeführt hat... besser Verschleiern kann man es nicht.
 
Pancho schrieb:
Am Ende entscheiden doch wir Verbraucher, ob sich das Modell durchsetzt, indem wir es erfolgreich werden lassen oder ablehnen. :wink:
Nach meiner Lebenserfahrung haben Verbraucher einen schwindendenden Einfluss auf das Angebot. Beispiel PKW: Ich würde bei einem Neuwagen sofort ein Modell mit einer Stoßstange kaufen, die auch mal einen Rempler ohne größere Blessuren verträgt. Habe ich da bei normalen Mittelklasse Straßen-PKW eine größere Auswahl? Die meisten PKW haben heute lackierte Stoßfänger, bei denen ein Rempler sofort einen kapitalen Kasko Schaden zur Folge hat. Ganz im Sinne der Werkstätten, die damit Geld verdienen. Wurden lackierte Stoßfänger auf "Wunsch der Kunden" eingeführt? Oder eher auf Wunsch der Werkstätten?

Ich meine, der Einfluß der Verbraucher wird überschätzt. In vielen Bereichen bestimmt das Angebot die Nachfrage.
 
OK.

Ich muss beim Skifahren dieses Modell nicht unterstützen, wenn ich das nicht möchte. Ich dreh mich auf dem Skischuhabsatz um und schnall die Ski woanders an. Thema durch. Ich hab nie wieder was damit zu tun. Soll ja Spaß machen - bevor ich mich über unendliche Bedenken und Negativlisten grämen würde, würde ich das machen.

Mein Auto hat auch lackierte Stoßfänger. Find ich schick.
 
Bei echten dynamischen Systemen - wie es derzeit nur Andermatt hat und bald vermutlich auch Zermatt - wird bewusst kein Standardpreis bekannt gegeben, um ein völlig undurchsichtiges Preisgefüge zu erzeugen.
Ich wiederhole nochmal: Die bisherige Erfahrung kommt auf dasselbe raus wie in Laax: 68.- ist der Höchstpreis, auch wenn er nicht kommuniziert wird.
 
j-d-s schrieb:
Wie gesagt, bei Laax sind es nicht wirklich dynamische Preise. Man bekommt an der Kasse jeden Tag einen Skipass für 78 Franken (ist zwar äußerst teuer, aber das ist nicht der Punkt).

Man bekommt nur wenn man die App nutzt einen Rabatt. Daher ist das nichts weiter besonderes. Es gibt zig Rabattmöglichkeiten für Skigebiete, in einem mehr, in einem anderen weniger. Dagegen hat auch niemand was. Und planbar ist es - man plant bei Laax halt mit den 78 Franken, und wenn man dann etwas spart, freut man sich.

Und da bist du schlicht falsch informiert. An der Kasse bekommt man häufig wenn viele Anlagen ausfallen ein Tagesticket deutlich günstiger als 78Chf.
zB am 10.01.2015, da hatte ich online schon meine Karte etwas günstiger bezogen, um sechzig Franken, der Kollege seine dann an der Kasse noch günstiger bekommen, weil das Wetter deutlich schlechter war als die Prognose. Die Differenz habe ich natürlich erstattet bekommen.
 
Spätestens beim Bezahlen weiß man, wieviel es kostet. Jedenfalls solange niemand auf die Idee kommt, die gefahrenen Höhenmeter als Berechnungsgrundlage für den Preis zu nehmen. Quasi Dynamic Pricing 2.0. Da sähe so mancher Diskussionsteilnehmer plötzlich ziemlich alt aus und wird sich noch die gute alte Zeit mit fixen Preistabellen zurückwünschen :mrgreen:

Was solls? Aufhalten lässt sich das Systen vermutlich nicht, dafür überwiegen aus Sicht der Betreiber die genannten Vorteile. Ich werde trotzdem weiterhin meinen Urlaub erst dann buchen wenn ich weiß, dass auch Schnee liegt und die Wetterprognose nicht gerade ein geschlossenes Skigebiet vermuten lässt. Da ich nicht an bestimmte Zeiten gebunden bin, kann ich mir Zeit und Ort frei aussuchen. Ich werde weiter meine Tickets an der Kasse kaufen so wie ich in Märkten automatische Kassen boykottiere, weil ich nicht den Angestellten die Arbeit wegnehmen möchte. Deswegen suche ich mir meine Bücher auch bei Amazon aus und kaufe sie dann im örtlichen Buchladen, solange es ihn halt noch gibt.

In ein paar Jahren werden sich alle daran gewöhnt haben, so wie sich heute jeder daran gewöhnt hat, beim Einkaufen seine Gewohnheiten und seine Privatsphäre für einen Minimalvorteil von 1% in Form von Paybackkarten an der Kasse preiszugeben. Ich zahle dagegen weiterhin bar wo es geht und Paybackkarten habe ich nicht eine einzige.
 
ski-chrigel schrieb:
Bei echten dynamischen Systemen - wie es derzeit nur Andermatt hat und bald vermutlich auch Zermatt - wird bewusst kein Standardpreis bekannt gegeben, um ein völlig undurchsichtiges Preisgefüge zu erzeugen.
Ich wiederhole nochmal: Die bisherige Erfahrung kommt auf dasselbe raus wie in Laax: 68.- ist der Höchstpreis, auch wenn er nicht kommuniziert wird.

Zum einen sind es nicht 68, sondern wenn dann 78 (weil 73 ja der Normalpreis ist). Aber da kannst du dir nie sicher sein. Wenn Sawiris morgen aufsteht und sich überlegt, 10% mehr gehen auch weil so tolles Wetter ist und der Schneehühnerflyer endlich fertig, dann wird das gemacht.
Hätte man vor der Saison einen maximalen Preis von 78 Franken verkündet, könnte das nicht passieren. Und man könnte planen. (73 Franken sind übrigens völlig überzogen, solange nicht die Verbindung fertig ist UND der Gemsstock mit verbunden ist.)

NeusserGletscher schrieb:
Spätestens beim Bezahlen weiß man, wieviel es kostet. Jedenfalls solange niemand auf die Idee kommt, die gefahrenen Höhenmeter als Berechnungsgrundlage für den Preis zu nehmen. Quasi Dynamic Pricing 2.0. Da sähe so mancher Diskussionsteilnehmer plötzlich ziemlich alt aus und wird sich noch die gute alte Zeit mit fixen Preistabellen zurückwünschen :mrgreen:

Was solls? Aufhalten lässt sich das Systen vermutlich nicht, dafür überwiegen aus Sicht der Betreiber die genannten Vorteile. Ich werde trotzdem weiterhin meinen Urlaub erst dann buchen wenn ich weiß, dass auch Schnee liegt und die Wetterprognose nicht gerade ein geschlossenes Skigebiet vermuten lässt. Da ich nicht an bestimmte Zeiten gebunden bin, kann ich mir Zeit und Ort frei aussuchen. Ich werde weiter meine Tickets an der Kasse kaufen so wie ich in Märkten automatische Kassen boykottiere, weil ich nicht den Angestellten die Arbeit wegnehmen möchte. Deswegen suche ich mir meine Bücher auch bei Amazon aus und kaufe sie dann im örtlichen Buchladen, solange es ihn halt noch gibt.

In ein paar Jahren werden sich alle daran gewöhnt haben, so wie sich heute jeder daran gewöhnt hat, beim Einkaufen seine Gewohnheiten und seine Privatsphäre für einen Minimalvorteil von 1% in Form von Paybackkarten an der Kasse preiszugeben. Ich zahle dagegen weiterhin bar wo es geht und Paybackkarten habe ich nicht eine einzige.

Ich würde jetzt nicht davon ausgehen dass dieses Modell unaufhaltsam wäre. Es gibt bis jetzt genau zwei Gebiete von sicher 500 in den Alpen, die keine festen/Maximalpreise offiziell ausgeben. Das hat ja schon was von Verschwörungstheorie, jetzt von einem unaufhaltsamen Siegeszug auszugehen, vor allem noch bevor überhaupt bekannt ist was das für Auswirkungen hat. Es sind ja noch nichtmal irgendwelche Ergebnisse bekannt. Andermatt wäre sowieso nicht aussagekräftig, weil die neuen Lifte dort einige zusätzliche Besucher anziehen dürften und die Verbindung locker 20% Gästezuwachs ausmachen kann (Fieberbrunn hatte auch etwa so viel, iirc), wenn man dann behaupten würde die seien wegen (und nicht trotz) des dynamischen Preises gekommen, ist das schon weit hergeholt (unter der Annahme, dass die meisten Leute wegen des Skigebiets und nicht wegen des Preises kommen).

Insofern ist Zermatt der erste echte Versuch, weil es dort keine "neue Verbindung"-Effekte geben wird. Und selbst da wird man dann bedenken müssen, dass es wohl kaum ein Gebiet gibt was so Tagesgastunfreundlich ist wie Zermatt (weite Anfahrt, extremst umständliche und langwierige Anreise, höchster Preis der ganzen Alpen), also man da keine Rückschlüsse auf Tagesgast-lastige Gebiete ziehen kann.
 
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