Zum Zeitpunkt des Einstellens dieses Beitrags ins Alpinforum ist das Topic zwar schon älter als ein Jahr, aber vielleicht interessieren die Infos ja trotzdem noch jemanden. Da Fotos aus dem 1994 geschlossenen Sommerskigebiet an der Punta Helbronner rar sind, stelle ich hier entsprechendes Ansichtskartenmaterial aus den sechziger und siebziger Jahren ein und versuche mich in einer Erklärung dessen, was ich nach längerer Überlegung darauf zu sehen glaube. Korrekturen sind willkommen. Hinter allen Ansichtskarten-Previews ist der große Scan in 1700x1200 verlinkt.
Die Ansichtskarten belegen, dass es an der Punta Helbronner mindestens sechs Sommerskilifte in fünf verschiedenen Bauweisen gab:
1) Zwei Lifte mit schwarzgrauen, Hollywoodschaukel-ähnlichen Portalstützen aus den späten fünfziger Jahren,
2) einen Lift mit roten "richtigen" Portalstützen mit doppeltem oberen Querträger von ca. Mitte der sechziger Jahre,
3) einen Graffer-Lift mit Dreiecksstützen in Minimalbauweise aus den Siebzigern wie z.B. an der Marmolada oder auf dem Presenagletscher (Tonale),
4) einen Lift mit T- oder Poma-artigen Stützen,
5) einen temporären Behelfslift mit improvisierten Stützen in den sechziger Jahren.
Zur besseren Orientierung und um eindeutige Bezeichnungen für die Lifttrassierungen verwenden zu können, übernehme ich die bereits 2005 von GMD und Michael Meier ins Topic eingestellten Landkartenausschnitte und den Pistenplan in meinen Beitrag. Auf dem im September 2006 von ski-X-mtb geposteten Pistenplan von
www.skimaps.com sind die Lifttrassierungen meiner Meinung nach nur grob und deshalb unrichtig skizziert, weshalb er hier keine Verwendung findet. Die Satellitenfotos von Google Earth lösen im Mont Blanc-Gebiet leider nicht hoch genug auf, um hier unterstützen zu können.
Pistenplan Punta Helbronner ca. 1970
Ausschnitt aus der französischen topographischen Karte
Ausschnitt aus der schweizerischen topographischen Karte
Ausschnitt aus der Wanderkarte Kompass mit der schwebenden Stütze "Pylone Suspendu" der GUB zur Aiguille du Midi als fälschlicherweise eingezeichnetem drittem Lift
Einleitend zunächst ein südseitiges Luftbild von Rifugio Torino, Punta Helbronner, Glacier du Géant und Aiguille du Midi von ca. 1970, das die topographische Situation erklärt. Die Schlepplifte auf dem Glacier du Géant sind darauf auflösungsbedingt leider nicht zu erkennen. Das ehemalige Sommerski-Hauptgebiet befand sich direkt nördlich der Punta Helbronner auf dem Glacier du Géant, der zweite Hang weiter nordwestlich hinter dem Berg Grand Flambeau. Dieser Gletscherhang hat keinen eigenen Namen, sondern wird ebenfalls zum Glacier du Géant gezählt. Dieser Hang war für die Sommerskifahrer nicht direkt von der Punta Helbronner zugänglich, sondern nur über den Hauptskihang und den Col des Flambeaux, wie es auch dem Pistenplan zu entnehmen ist.
© Edizioni Casa del Ricordo Courmayeur
Zunächst noch einige Ansichtskarten-Eindrücke von den alten Seilbahnen zum Rifugio Torino und zur Punta Helbronner (auf dem Pistenplan b und c).
Einfahrt der alten PB Pavillon - Rifugio Torino (b) in die Bergstation.
© Edizioni Casa del Ricordo Courmayeur
Bergstation, Rifugio Torino und Punta Helbronner. Dazwischen sieht man die kurze, alte PB (c) fahren. Die Gondel am rechten Bildrand ist die alte GUB zur Aiguille du Midi.
© Edizioni Casa del Ricordo Courmayeur
Blick von der Terrasse des Rifugio Torino zur Punta Helbronner. Sieht steil aus.
© Edizioni Braceo/Fotocelere Torino
Rückblick aus der Bergstation Punta Helbronner zum Rifugio Torino und ins Tal nach Courmayeur. Dazwischen liegen 2200 Höhenmeter.
© Edizioni Casa del Ricordo Courmayeur/Omniafoto
Nun zu den Sommerskiliften.
Diese Ansichtskarte von ca. 1960 zeigt Lift e auf dem Glacier du Géant. Lift e war der erste Lift, auf den die aus der PB aussteigenden Sommerskifahrer trafen, und somit natürlich auch der Rückbringer aus dem Sommerskigebiet zur PB. Die Anlage mit den Hollywoodschaukel-ähnlichen Portalstützen aus den späten fünfziger Jahren war einer der beiden ersten Sommerskilifte an der Punta Helbronner. Wer kennt den Hersteller?
© Edizioni Luboz/Omniafoto Torino
Auch bei der Anlage auf der folgenden Ansichtskarte von ca. 1960 muss es sich um Lift e handeln, denn wie den nächsten Abbildungen zu entnehmen ist, lassen die Portalstützen des weiter nördlich gelegenen Lifts f auf dessen Errichtung erst
Mitte der sechziger Jahre schließen. Lift e und der baugleiche Lift g waren bis zum Bau von Lift f in den Sechzigern also die einzigen Sommerskilifte auf dem Glacier du Géant. So ist es auch in den Landkarten-Ausschnitten verzeichnet. Ich gehe davon aus, dass die Karten nicht an die liftbaulichen Veränderungen auf dem Gletscher angepasst wurden.
© Edizioni Sacat Torino
Auf dieser Ansichtskarte der GUB zur Aiguille du Midi und des Glacier du Géant von ca. 1970 ist unten links Lift f zu sehen, ein Portalstützenlift aus den sechziger Jahren wie bereits oben erwähnt. Wer kennt den Hersteller? Da fast die gesamte Hauptskifläche des Glacier du Géant abgebildet ist, müsste weiter rechts auf dem Gletscher eigentlich auch Lift e zu sehen sein - ist er aber nicht.
© Edizioni Escl. Capurso-Quart Aosta
Hier nochmals Lift f auf dem Glacier du Géant, diesmal in Nahaufnahme ca. 1970. Möglicherweise wurde dieser Portalstützenlift in den siebziger Jahren durch einen Dreieckstützen-Lift ersetzt.
© Edizioni Escl. Capurso-Quart Aosta
Jetzt wird es spannend. Achtet bei dieser Ansichtskarte von ca. 1975 auf die vielen Details, die nur auf dem großen Scan in 1700x1200 zu erkennen sind!
Das Seil direkt über den Köpfen der abgebildeten Skigruppe ist ein Kabel. Oben rechts fährt die alte GUB von der Aiguille du Midi zur Punta Helbronner. In der Lücke zwischen Person 6 und 7 (von links) der Skigruppe ist eine Portalstütze von Lift e zu sehen. Das gelb verkleidete Häuschen am rechten Bildrand ist keine Bergstation von Lift e, sondern ein Bretterverschlag der Sommerskischule. Ganz links im Bild ist ein Graffer-Dreieckstützen-Schlepplift zu sehen, möglicherweise als Nachfolgeranlage auf der Trasse von Lift f. Meines Wissens wurden diese markanten Leichtbauweise-Schlepplifte ab den siebziger Jahren auf die italienischen Gletscher gestellt. Wer ganz genau hinschaut, erkennt über den Köpfen der Skigruppe am hinteren Ende des Glacier du Géant fünf T- oder Poma-Stützen, einige Meter aufgeschüttete Trasse und die Bergstation eines Schlepplifts, der auf keiner Karte eingetragen ist!
Somit sind auf dieser Ansichtskarte gleich drei Sommerschlepplifte auf dem Hauptskifeld des Glacier du Géant zu sehen. Wenn der Dreieckstützen-Schlepplift nicht
auf der Trasse von Lift f, sondern
zwischen den Liften e und f stand, besaß das Sommerskigebiet Punta Helbronner allein auf dem Hauptskifeld des Glacier du Géant sogar vier Anlagen. Zusammen mit dem Lift g auf dem Gletscherhang jenseits des Col des Flambeaux waren es dann insgesamt fünf, mit Behelfslift (siehe weiter unten) sogar sechs.
© Edizioni Sacat Torino
Diese Ansichtskarte von ca. 1960 zeigt das gelb verkleidete Häuschen der "Scuola di Sci del Monte Bianco" vom rechten Bildrand der Vorgängerkarte in Nahansicht. Hinter dem "Helb" aus dem Bildtext "Punta Helbronner" ist eine Portalstütze von Lift e zu erkennen.
© Edizioni Luboz/Omniafoto Torino
Nun zu dem etwas abgelegenen Sommerskilift g hinter dem Col des Flambeaux, der auf dieser Ansichtskarte von ca. 1960 zu sehen ist. Zu dieser Anlage gelangte man von der Bergstation Punta Helbronner nur über den Hauptskihang auf dem Glacier du Géant und von dort über den Col. Wie beim Lift e handelt es sich auch hier um den Anlagentyp mit den Hollywoodschaukel-ähnlichen Portalstützen aus den späten fünfziger Jahren und somit um die Sommerskilift-Erstausstattung. Die Trasse von Lift g führt gemäß Landkarte genau auf das Felsmassiv Grand Flambeau zu, und so ist es auch auf dieser Ansichtskarte zu sehen. Die Drahtseile links oben am Berg gehören zum bereits eingangs erwähnten "Pylone Suspendu" der GUB zur Aiguille du Midi. Die Bergstation von Lift g ist aus der Trassenansicht von unten nicht zu sehen, weil sie in flacherem Gelände liegt.
© Edizioni Luboz/Escl. Sacat Torino
Hier Lift g ca. 1970 von der Bergstation aus gesehen, also aus dem oberen, flachen Trassenteil, von wo aus man den steileren unteren Trassenteil nicht einsehen kann. Die gelben Stützen neben dem Lift sind wahrscheinlich die Überreste eines parallelen Behelfslifts (siehe Folgebild).
© Edizioni Omniafoto Torino
Auf diesem Ansichtskartenscan hängt an dem Pylonen-Unikat neben Lift g eine Schleppstange am Seil. Also war das offenbar ein zwischenzeitlicher Behelfslift. Auf der obigen Schwarzweißkarte von Lift g (Trasse von unten) ist er noch nicht vorhanden.
(Quelle:
Homepage Funivie Montebianco; Bild ist dort nicht mehr online)
Lift g in der "Gründerzeit" vor 1960 in der selben Betrachterperspektive, hier mit einer zusätzlichen T-Stütze.
(Quelle: Zeitschrift "Le Ski", Été 1959)
Trassenabschnitt von Lift g im kurzen Spaltenfeld ca. 1970. Die Lifttrassen von Lift e und f auf dem Hauptskifeld des Glacier du Géant überwinden gemäß den topographischen Karten kein solches Spaltenfeld. Im Hintergrund wieder die GUB zur Aiguille du Midi.
© Fotoedizioni Brunner & C. Como
Hier ein Trassenprofil von Lift g ca. 1975-80. Vorn die GUB zur Aiguille du Midi, im Hintergrund der Montblanc. Leider ist die Ansichtskarte unscharf und grob gerastert, weshalb der Scan nicht mehr hergeben kann.
© Edizioni Sacat, Torino
Zum Schluss noch die schönste mir bekannte Ansichtskarte der alten GUB zwischen Punta Helbronner und Aiguille du Midi, die ich dem Forum nicht vorenthalten möchte.

© Fotoedizioni Brunner & C. Como
