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Felssturz bedroht Blatten

Theo schrieb:
Ich glaube das hier ist der falsche Platz um über Klimawandel zu diskutieren, vor allem wenn man bedenkt dass es ja dann 1865 bei einem Ereignis an diesem bach ja dann auch der gewesen sein müsste, damals einfach weil es viel zu viel schneite und es deshalb im Sommer zu einem Gletscherabbruch kam.
Wem das für Neubauten nötige Land derzeit gehört spielt glaube ich nicht so eine Rolle, denn die wo wenn es soweit kommt darauf bauen werden werden diese Flächen sicher nicht zum Baulandpreis bezahlen müssen und folglich werden die derzeitigen Besitzer bei einer Veräusserung auch nicht steinreich. Das Land hat jetzt nicht viel Wert und falls nicht gebaut werden kann ist dieser Wert noch geringer. Dass es da zu einer Neuparzellierung kommen wird ist klar, dass es dabei auch Enteignungen geben wird davon ist auszugehen.

Nur dass dieser Gletscherabbruch mit großer Wahrscheinlichkeit dem (durch den von uns beschleunigten Klimawandel) wegtauenden Permafrost zu verdanken ist. Ohne hätte es nämlich sehr wahrscheinlich den vorangegangenen Felssturz nicht gegeben (das ist genau die Höhe wo sich das Tauen des Permafrosts eben bemerkbar macht).
 
Vergleichbare Fälle zu Grundstücksfragen gibt es bei Umsiedlungen ganzer Dörfer, etwa beim Bau eines Staudamms. An gleicher Stelle wird man Blatten kaum wieder aufbauen. Es wird wohl Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis das Eis im Schuttkegel geschmolzen ist. Auf den Aufnahmen vor dem aktuellen Bergsturz sieht man, dass das kleine Wäldchen südlich von Blatten auch schon auf einem Schuttkegel gewachsen ist. Da ist also schon in früheren Zeiten etwas herunter gekommen. Eigentlich müsste man nun den kompletten Schuttkegel abräumen, um Raum für weitere Bergstürze zu schaffen. Ansonsten muss man bei der Neuansiedlung sehr viel Abstand einplanen.
 
Ich bin da immer sehr zurückhaltend als Deutscher, Stimmungen und politische Strömungen in der Schweiz von außen zu beurteilen, daher als Frage gemeint an die eidgenössischen User: Stimmt mein Eindruck aus der medialen Berichterstattung, dass die Schweiz als Ganzes sich das auf allen Ebenen (Bund, Kanton, Bevölkerung) zur Gemeinschaftsaufgabe gemacht hat, dieses Dorf in irgendeiner Form neu entstehen zu lassen? Den Verlust von idiellen Werten kann nichts aufwiegen, aber täuscht mein Eindruck, dass der individuelle Versicherungsstatus nicht unbedingt ausschlaggebend sein dürfte?

Finanzierung Wiederaufbau: Ich habe von 130 zerstörten Häusern gelesen. Wenn der Bund das wollen würde - ich glaube finanziell schlägt das innerhalb des schweizer Bundeshaushalt nicht nennenswert zu Buche.


Ein moderationstechnischer Hinweis: Wer den Aspekt des Klimawandels bei diesem Ereignis näher diskutieren möchte, möge dafür bitte auf den Klima-Diskussionsfaden ausweichen.
 
Theo schrieb:
Wem das für Neubauten nötige Land derzeit gehört spielt glaube ich nicht so eine Rolle, denn die wo wenn es soweit kommt darauf bauen werden werden diese Flächen sicher nicht zum Baulandpreis bezahlen müssen und folglich werden die derzeitigen Besitzer bei einer Veräusserung auch nicht steinreich. Das Land hat jetzt nicht viel Wert und falls nicht gebaut werden kann ist dieser Wert noch geringer. Dass es da zu einer Neuparzellierung kommen wird ist klar, dass es dabei auch Enteignungen geben wird davon ist auszugehen.

Du klingst sehr entspannt und hoffnungsvoll, finde ich gut. Vielleicht ist der Zusammenhalt in der Schweiz auch ein anderer. Aber ich sehe irgendwie tausend Probleme, die im großen Kanton auch garantiert zum Tragen kämen: Eine Landwirtschaft könnte zu klein werden, wenn man große Flächen wegnimmt. Außerdem will nicht jeder Bauer ein Dorf um sich herumgebaut bekommen. Neuerschließung/Umsiedelung ist normalerweise keine hinreichende Grundlage für eine Enteignung, weil der spezifische öffentliche Bedarf schlecht substanziiert werden kann (anders als bei einer Infrastrukturmaßnahme). Ohne goldenen Fallschirm ist das schwer vorstellbar.
Und dann wieder in der roten Zone?
 
NeusserGletscher schrieb:
Es wird wohl Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis das Eis im Schuttkegel geschmolzen ist.

Ich hab da gar keine Ahnung von, aber kann mir irgendwie schwer vorstellen, dass sich dort unten im Tal das Eis Jahrzehnte halten wird. Weil der Schutt es beschattet?
 
Ich habe auch keine fachliche Expertise dazu, aber wenn ich sehe mit welch geringen Schmelzverlusten manche Schneedepots in niedriger Höhenlage durchkommen, halte ich das schon für realistisch.
 
Umgekehrt sind die Verluste an manchen Gletschern gewaltig. Aber gut, die liegen auch frei in der Sonne.
 
Endmoräne schrieb:
Du klingst sehr entspannt und hoffnungsvoll, finde ich gut. Vielleicht ist der Zusammenhalt in der Schweiz auch ein anderer. Aber ich sehe irgendwie tausend Probleme, die im großen Kanton auch garantiert zum Tragen kämen: Eine Landwirtschaft könnte zu klein werden, wenn man große Flächen wegnimmt. Außerdem will nicht jeder Bauer ein Dorf um sich herumgebaut bekommen. Neuerschließung/Umsiedelung ist normalerweise keine hinreichende Grundlage für eine Enteignung, weil der spezifische öffentliche Bedarf schlecht substanziiert werden kann (anders als bei einer Infrastrukturmaßnahme). Ohne goldenen Fallschirm ist das schwer vorstellbar.
Und dann wieder in der roten Zone?

In Deutschland hat man doch Erfahrung mit der Umsiedlung kompletter Dörfer, hat auch immer funktioniert.
 
In Deutschland hat man doch Erfahrung mit der Umsiedlung kompletter Dörfer, hat auch immer funktioniert.
Wirklich?
Soweit mir bekannt ist, gab es bei den Umsiedlungen aufgrund des Tagbau sehr wohl Proteste! Auch wenn dort schon seit Jahrzehnten klar war, dass diese Dörfer irgendwann mal weg müssen, weil entsprechende Verträge existieren.
Zudem konnte man das neue Dorf vor dem Abriss der alten Häuser beziehen.

In Blatten war das ganze Dorf innerhalb Minuten weg und man hat noch keine Alternative!
Und es wird wohl auch nicht so einfach in der Region einen geeigneten Platz zu finden.
 
judyclt schrieb:
NeusserGletscher schrieb:
Es wird wohl Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis das Eis im Schuttkegel geschmolzen ist.

Ich hab da gar keine Ahnung von, aber kann mir irgendwie schwer vorstellen, dass sich dort unten im Tal das Eis Jahrzehnte halten wird. Weil der Schutt es beschattet?

Die Einschätzung habe ich wörtlich von SRF übernommen. Sie stammt von Christian Huggel, Klimaforscher und Geograf an der Universität Zürich.
 
TPD schrieb:
In Deutschland hat man doch Erfahrung mit der Umsiedlung kompletter Dörfer, hat auch immer funktioniert.
Wirklich?
Soweit mir bekannt ist, gab es bei den Umsiedlungen aufgrund des Tagbau sehr wohl Proteste! Auch wenn dort schon seit Jahrzehnten klar war, dass diese Dörfer irgendwann mal weg müssen, weil entsprechende Verträge existieren.
Zudem konnte man das neue Dorf vor dem Abriss der alten Häuser beziehen.

In Blatten war das ganze Dorf innerhalb Minuten weg und man hat noch keine Alternative!
Und es wird wohl auch nicht so einfach in der Region einen geeigneten Platz zu finden.

Natürlich gab es Protste, aber wegen des Abrisses der alten Dörfer, nicht wegen der Ersatzbauten. Diese Phase gibt's ja in Blatten nicht, gegen was wollte man da noch protestieren?
 
Und die Proteste waren oft nicht von den persönlich Betroffenen, sondern da wurde teilweise das Schicksal weniger mehr oder weniger "gekapert".
 
Seilbahnjunkie schrieb:
Endmoräne schrieb:
Du klingst sehr entspannt und hoffnungsvoll, finde ich gut. Vielleicht ist der Zusammenhalt in der Schweiz auch ein anderer. Aber ich sehe irgendwie tausend Probleme, die im großen Kanton auch garantiert zum Tragen kämen: Eine Landwirtschaft könnte zu klein werden, wenn man große Flächen wegnimmt. Außerdem will nicht jeder Bauer ein Dorf um sich herumgebaut bekommen. Neuerschließung/Umsiedelung ist normalerweise keine hinreichende Grundlage für eine Enteignung, weil der spezifische öffentliche Bedarf schlecht substanziiert werden kann (anders als bei einer Infrastrukturmaßnahme). Ohne goldenen Fallschirm ist das schwer vorstellbar.
Und dann wieder in der roten Zone?

In Deutschland hat man doch Erfahrung mit der Umsiedlung kompletter Dörfer, hat auch immer funktioniert.

Nicht wirklich, oder? Wir hatten zwar die Westverschiebung Polens und nachher ein paar Tagebaue. Aber das ist nicht vergleichbar. Oder besser, die Tagebaue wären es, und da haben wir zwar die Dörfler umgesiedelt, aber eben nicht die Dörfer. Soll heißen, es gab gut Geld und dann hieß es, "Pfiats eich!" Die Menschen verstreuen sich dann und das Dorf als kultureller Ort und Gemeinschaft ist ausgelöscht.
 
Man kann doch jetzt nicht wirklich diese schlimme Naturkatastrophe mit einer waschechten Enteignung vergleichen wie sie beim Tagebau durchgeführt wurde?! Das sind doch ganz andere Voraussetzungen.
Man wird hier doch sowieso komplett bei null anfangen müssen. Sollte an der Stelle ein Wiederaufbau erfolgen muss meines Erachtens doch sowieso alles neu ausgelotet und die Grundstücke neu ausgewiesen werden, das Gelände ist doch nun ganz anders beschaffen als es vorher war, das bekommt man doch niemals genauso wieder hergestellt wie es mal gewesen war. Auch die Straßen und Wege werden vermutlich anders verlaufen.
 
Das Problem ist doch, dass die bisherige Dorffläche zum Großteil auf absehbare Zeit (wenn nicht für immer) nicht mehr bebaubar ist. Das bedeutet, es müssen unbetroffene Flächen als Ersatz gefunden werden. Da kommt es dann halt darauf an wem die gehören.

Endmoräne schrieb:
Nicht wirklich, oder? Wir hatten zwar die Westverschiebung Polens und nachher ein paar Tagebaue. Aber das ist nicht vergleichbar. Oder besser, die Tagebaue wären es, und da haben wir zwar die Dörfler umgesiedelt, aber eben nicht die Dörfer. Soll heißen, es gab gut Geld und dann hieß es, "Pfiats eich!" Die Menschen verstreuen sich dann und das Dorf als kultureller Ort und Gemeinschaft ist ausgelöscht.

Natürlich wurden Dörfer umgesiedelt, irgendwo haben sie sogar die Dorfkirche mitgenommen. Das bedeutet ja nicht, dass man alle Häuser genau so wieder aufgebaut hat und natürlich haben sich manche dazu entschieden lieber gleich ganz woanders hin zu ziehen.
 
Longarone? Wohl nicht. Die Landschaft unterhalb des Staudamms wurde nicht so extrem und auf lange Zeit verändert, wie dies im Lötschental der Fall ist. Dafür gab es damals leider sehr viele Opfer.
 
Bergfan schrieb:
Longarone? Wohl nicht. Die Landschaft unterhalb des Staudamms wurde nicht so extrem und auf lange Zeit verändert, wie dies im Lötschental der Fall ist. Dafür gab es damals leider sehr viele Opfer.

Und trotzdem wurde ein Ort durch eine Naturkatastrophe ausgelöscht. Also gibt es durchaus Parallelen.
 
MarcB96 schrieb:
Wenn wäre Longarone doch ein passender Vergleich 🤔
Würd ich nicht sagen. Das war damals ja "nur" Wasser (bitte nicht falsch verstehen, die Katastrophe war unfassbar tragisch). Aber nachdem der Damm zerstört und das Wasser abgeflossen war war auch die Gefahr vorrüber und es gab keine abertausende Tonnen Erdablagerungen. Man hatte eine Perspektive zum nachhaltigen Neuaufbau an gleicher Stelle. Das sehe ich hier nicht.
 
Spezialwidde schrieb:
MarcB96 schrieb:
Wenn wäre Longarone doch ein passender Vergleich 🤔
Würd ich nicht sagen. Das war damals ja "nur" Wasser (bitte nicht falsch verstehen, die Katastrophe war unfassbar tragisch). Aber nachdem der Damm zerstört und das Wasser abgeflossen war war auch die Gefahr vorrüber und es gab keine abertausende Tonnen Erdablagerungen. Man hatte eine Perspektive zum nachhaltigen Neuaufbau an gleicher Stelle. Das sehe ich hier nicht.

Ich mein mit vergleichbar, dass der Ort nicht (wie beim Tagebau, was vorher genannt wurde) schon vorher woanders neugebaut wurde. Meines Wissens hat man nach der Katastrophe in der Region ein komplett neues Dorf aufgebaut und Bewohner/Überlebende umgesiedelt (zumindest wurde das mein ich mal in Dokus erwähnt).
 
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