Ich habe jetzt eine Zeit lang versucht, mich bei diesem Thema zurückzuhalten, nun muss ich aber wieder mal meinen Senf anbgeben. Dass es so nicht weitergehen kann, und dass die EU nicht jeden aufnehmen kann der irgendwo in der Welt von Krieg, autoritärem Regime oder Armut bedroht ist, haben momentan sogar schon die meisten europäischen Politiker begriffen

. Dass dutzende Zäune quer durch Europa nicht die Lösung sind, auch. Es ist genau das eingetreten was ich vor wenigen Wochen befürchtet habe: Stacheldrat zwischen Kroatien und Slowenien, angekündigter Zaun am Spielfeld. Die Skandinavier die bereits vor Schengen stolz auf die Reisefreiheit zwischen den skandinavischen Ländern waren, haben wider Polizeikontrollen auf den Grenzen aufgestellt (Dänemark - Schweden). Aber die Migranten kommen immer noch massenweise ins Land. Will wirklich noch jemand behaupten dass eine dichte EU - Aussengrenze nicht besser gewesen wäre?
@gerrit:
ad Mauern
auch die hier zitierte DDR-Mauer hat nur deshalb Jahrzehnte gehalten, weil dort auf potentielle Flüchtlinge geschossen wurde (wenn auch von der "anderen" Seite), und auch das vielzitierte Mantra "Wir müssen die EU-Außengrenzen schützen" lässt sich wohl kaum mit einem Zaun oder einer Mauer verwirklichen, ohne im Anlassfall auch Menschen mit Gewalt daran zu hindern, diese Grenzen zu überwinden. Will man auf die Schlauchboote schießen, die auf Lesbos anlegen? Es fällt natürlich leicht, einen Politiker, der ohne Visum nach China einreisen will, zurückzuschicken, aber wohin schickt man einen Flüchtling, der mit einem Schlauchboot in Lampedusa anlegt und man nicht einmal zweifelsfrei weiß, wo er herkommt oder in welchem Land die Schlauchbootfahrt begonnen hat? Man kann vielleicht viel Geld investieren und irgend ein afrikanisches Land dafür bezahlen, dass man die unerwünschten Menschen dort wieder ablädt und (in welcher Qualität auch immer) versorgt (bis sie es dann halt wieder versuchen).
Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, wenn man "Mauer" und "Grenze Schützen" sagt, in letzter Konsequenz auch "Feuer" sagen muss.....
Warum wird immer nur von den 2 Extremen ausgegangen: alle hinenlassen oder gleich schiessen? Es gibt ja so viele Zwischenstufen. Australien wird oft wegen des harschen Umgangs mit Bootsflüchtlichtlingen kritisiert, aber soweit ich weiss haben auch die noch auf keinen geschossen. Warum muss gerade Europa das Rad neu erfinden? Australien und die USA sind ohne Zweifel 'westliche' und 'demokratische' Staaten, warum um alles in der Welt kann die EU, da sie ja offensichtlich keine eigene Lösung hat, nicht einfach deren Modell kopieren bzw. anpassen? In diesem Zusammenhang verweise ich auf der exzellenten Beitrag von Stäntn (1. 11., Link auf Interview mit den australischen ex - Premier Abbott in der FAZ). Und wie die USA mit Migranten umgehen: Zaun an der Landgrenze zu Mexiko (hält auch nicht 100% - ig, auf jeden Fall bremst er aber die Migration

) und am Meer gibt es bekanntlich die
Wet feet - dry feet Politik:
a Cuban caught on the waters between the two nations (with "wet feet") would summarily be sent home or to a third country
Dabei ist es auch schon zum Einsatz von Pfefferspray und Wassewerfern gekommen, geschossen wird nicht. Wäre es wirklich für unsere feinen Augen unvorstellbar sowas im Mittelmeer und der Ägäis duchzuführen?
(In diesem Zusammenhang finde ich es interessant, dass die angelsächsischen Staaten beim Umgang mit Migranten wesentlich weniger sentimental sind als Mittel- und Nordeuropa; neben den oben genannten USA und Australien denke ich da auch an Grossbritanien, dort scheint man sich auch eher wenig Sorgen darüber zu machen. Haupsache man hat Stacheldrat am französichen Eingang zum Ärmeltunnel finanziert, der Rest scheint den Briten mehr oder weniger egal zu sein. Die Visegrad - Gruppe hat es sich auch bequem gemacht, nur im Streifen Griechenland - Ex - Yu Staaten - Österreich - Deutschland - Skandinavien (mit Ausnahme Finnlands) scheint man von der Idee besessen zu sein, dass es unsere Pflicht ist allen helfen zu müssen, dass wir für das ganze Elend im der Welt verantwortlich sind und nun für alle Sünden des 'Westens' büssen müssen die verübt wurden seit Kolumbus (durch Zufall) die Neue Welt entdeckt hat

. Ihr kennt ja die Mantra: Folgen des Kolonialismus, Ausbeutung von billigen Rostoffen / billigen Arbeitskräften etc.)
Um zum eigentlichem Thema bzw. Antwort auf die von Gerrit gestellten Fragen zurückzukehren: naja, im Falle Lampedusa kann man es nicht ganz genau wissen, obwohl eigentlich nur 2 Kandidaten in Frage kommen (Tunisien oder Lybien). Aber die Hauptinvasion kommt momentan ja über die Ägäis und bei jedem Boot das auf Lebos oder Kos landet weiss man GANZ GENAU woher es kommt, man weiss meistens sogar auf welchem Strand in der Türkei die Schlepper ihre Überfahrten starten. Es wird mir wohl keiner erzählen wollen dass es im 21. Jh. (Stichwort: Sateliten, Drohnen etc.) nicht möglich ist, diese Routen ganz genau zu beobachten (die Ägäis ist ja nicht der Pazifik!), und dass die überzüchtete griechische Marine mit Hilfe der EU - Partner nicht im Stande wäre, diese Boote an der Meeresgrenze abzufangen und zurückzuweisen? In diesem Zusammenhang kann ich - wie auch viele meiner Landsleute - nicht verstehen, dass das einzige hochseetaugliche slowenische Patrouillenboot seit Monaten zwischen Lybien und Lampedusa auf Kreuzfahrt ist, während über Lesbos & co. Tauende Migranten pro Tag unser Land erreichen?
Noch ein Mantra wurde in den vergangenen Wochen ad absurdum geführt, nämlich dass der Strom nicht aufzuhalten sei: 4 Tage lang haben die griechischen Fährebesatzungen gestreikt und schon waren die Zeltlager in Spielfeld leer

. Die Lösung liegt so nahe, man will sie aber offenbar nicht sehen ...
Über den Stacheldrat auf der slowenisch - kroatischen Grenze bin ich keinesfalls begeistert, ich hätte am liebsten keinen oder im Notfall auf den Küsten der griechischen Inseln gesehen, noch immer ist er mir aber 100x lieber als der zeitweise angedrohte (momentan zu den Akten gelegte) 'grosse' Stacheldrat am Spielfeld. Interessant die Reaktionen der betroffenen slowenischen Bevölkerung entlang der kroatischen Grenze: keiner ist so richtig froh, der Zaun hat ja vielerorts die Verbindungen zu Freunden oder Bekannten auf der kroatischen Seite unterbrochen bzw. deutlich verlängert. Trotzdem ist die Mehrzahl der direkt betroffenen mit dem Bau einverstanden, sie haben den September noch nicht vergessen als die Invasion querfeldein duch Dörfer und über Haushöfe velief, und zertrampelte Felder, Müllhaufen und zugesch***ene Gärten hinterlassen hat. Es stimmt dass die Koordination zwischen Kroatien, Slowenien und Österreich in der Zwischenzeit inzwischen wesentlich besser geworden ist und Migranten meistens so weitergeschickt werden, dass die lokale Bevölkerung kaum noch mit ihnen in Kontakt kommt, man kann es aber nie wissen. In diesem Zusammenhang interessant, dass laut einer Umfrage der mariborer Tageszeitung 'Večer' 81% der Befragten den Zaun begrüssen, und das trotz täglicher Gehirnwäsche durch gleichgeschaltete staatliche Medien (ihr kennt das auch bestimmt, von Fotos von Kindern mit den netten grossen braunen Augen bis zu Gesprächen mit irgendwelchen weltfremden linksorientierten Soziologen, Philosophen etc.).
Bevor mein Beitrag (wieder einmal

) zu lang wird, noch drei interessante Links.
a) Stimmung in der Bevölkerung und Stellungnahme einiger Bürgermeister in der Region um Spielfeld:
http://kurier.at/politik/inland/ein...ontrolle-in-der-fluechtlingskrise/163.668.378
b) Rede des slowenischen Ex-Premiers Janša kürzlich in Klagenfurt
http://kaernten.orf.at/news/stories/2742132/. Dort u. a.:
Sehr wohl aber hatte er ein Rezept gegen den Krieg in Syrien parat. „Die Lösung ist klar. Anstatt dass diese jungen Syrer in Lagern herumlungern und von sozialen Transfers leben, müsste man sie ausbilden und sagen: Geht zurück und kämpft für demokratische Verhältnisse in eurem Land“.
Btw., die slowenischen Medien haben den Auftritt totgeschwiegen

.
c) Damit der Beitrag am Ende wenigstens ein wenig was zum Lachen bietet, haben heute am Spielfeld 'gutmenschliche' und 'fremdenfeindliche' Demonstranten gesorgt:
http://steiermark.orf.at/news/stories/2742373/
Beim Bahnhof Spielfeld trafen linke auf rechte Demonstranten; dabei schlugen die beiden Gruppen mit Holzlatten aufeinander ein.
Als ich die verlinkten Fotos angeschaut habe, musste ich feststellen dass auf beiden Seiten auffalend gleich aussehende Demostranten zu sehen waren, mit breitem Hals und rasiertem Kopf ... weder die einen noch die anderen möchte ich näher begegnen, aber so lange sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen solls mir recht sein ...