Oliver Frank schrieb:
Leider doch! Für die Gletscher ist die Messe gelesen für dieses Jahr!
Eisbildung findet bei dem Schnee, der jetzt fällt nicht mehr statt. Für Eisbildung hilft nur Schnee bis maximal Mitte Januar.
Klar: Schnee, der jetzt fällt, schützt die Gletscher länger vor Sonneneinstrahlung und kann damit das Abschmelzen verringern. Aber wie gesagt: Ein Massenzuwachs ist definitiv nicht mehr drin!
Hm. Also das stimmt so nicht wirklich ...
1. Der glaziologische Winter dauert vom Oktober bis Mai. März ist für die Gletscher tiefster Winter, auch wenn im Tal schon Frühling herrscht. Ein Abbau der Schneedecke durch Abtauen ist im März in diesen Höhenlagen einfach nicht gegeben, selbst wenn die Nullgradgrenze tagsüber ab und an mal auf über 3000m steigen sollte (was sie die nächsten Tage evtl. auch tun wird).
2. Das wirkliche Hochgebirge erreicht üblicherweise das Schneemaximum erst Ende April/Anfang Mai. Daher misst man für die Massenbilanzrechnung eines Gletschers ja auch die Schneeakkumulation auf den Gletschern im Mai - zur Zeit der höchsten Schneedecke. Gerade die - üblicherweise niederschlagsreicheren - Frühjahrsmonate bringen den Gletschern normalerweise noch grossen Schneedeckenzuwachs. Maximalwerte in Österreich sind z.B. ca. 11 m am Sonnblick (irgendwann in den 40er Jahren) "gute" Werte sind 6-8m, diese werden fast immer erst gegen Ende des glaziologischen Winters erreicht.
3. Das mit dem Januarschnee und Eis versteh ich nicht wirklich. Prinzipiell kann natürlich jeder Schnee - sofalls er lange genug "überlebt" - nach einem sehr langen Prozess des Setzens, Schmelzens, Wiedergefrierens etc. zu "Eis" werden. Dieser Prozess dauert generell lange und beinhaltet zumindest einen "überlebten" Sommer. Dann spricht man von perennierenden Firn. Dieser ist bereits extrem kompakt und hat nicht mehr viel mit Schnee gemein. Allerdings dauerts dann noch immer einige Zeit bis daraus echtes Gletschereis wird. Richtig ist aber, dass Schnee, der z.B. im Sommer auf Gletscher fällt bei der nächsten Schönwetterperiode wieder (meist) gänzlich abtaut. Dieser schützt dann den Gletscher aber immerhin in dieser Zeit (insbesondere durch seine hohe Albedo, also der hohe Rückstrahlgrad des Sonnenlichts) den darunter liegenden Altschnee bzw. das blanke Gletschereis vor Abtauung.
4. Die Witterung des Winters (bzw. die Schneehöhe des Winters) korreliert kaum bzw. nur in sehr geringem Ausmaß mit dem Verhalten des Gletschers (Längenänderung, Massenbilanz). Die zentrale Determinante für den Gletscher ist die Witterung im Sommer ! Nicht einmal die Schneehöhe vom Mai korreliert sehr gut mit der übriggebliebenen Schneehöhe Ende September. Nichtsdestotrotz würden wir uns natürlich immer ein optimales Haushaltsjahr wünschen. D.h. extreme Schneehöhen im Winter kombiniert mit einem möglichst kühlen, niederschlagsreichen (viele Schneefallperioden im Sommer möglichst tief hinunter) Sommer. Eine größere Rolle spielt die Schneehöhe des Winters evtl. an kleineren, extrem schattseitigen Gletschern/Firnfeldern.
Zu den Schneehöhen auf Österreichs Gletschern. Inneralpin (Ötztaler Alpen, Stubaier Alpen, Hintertuxer Alpen) sind die Schneehöhen derzeit in der Tat unterdurchschnittlich (ca. knapp 2m). Selbst der Sonnblick in den Hohen Tauern (offzielle Angabe laut ZAMG: 260cm) dürfte von den Starkschneefällen nicht extrem viel abbekommen haben. Dafür hats am Dachstein (ca. 5m) doch einiges.