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Gletscher-Abschmelzung

Stäntn schrieb:
Schon mal nen Gletscher von innen besichtigt? Sobald es auch nur annähernd an die 0 Grad Grenze geht tropfts da innen wie die Hölle und unten rinnts dahin... Schneeauflage ja oder nein...

Ne hab ich nicht :P
Also der Gletscher schmilzt trotz Schneeauflage? Krass..
 
Klar rinnt es durch alle Spalten in den Gletscher rein.

Anfangs ist die Schneebedeckung einige Meter hoch und taut so vor sich hin. Trotzdem findet natürlich der allergrößte Teil der Gletscherschmelze auf der aperen Oberfläche statt. Im Sommer dringt auch warme Luft ins Innere, aber ein Gletscher ist auch durch Selbstkühlung ein selbsterhaltendes System.

Wenn der Gletscher schneebedeckt bleibt, kann man im Normalfall von einem Masssenzuwachs ausgehen.
 
Gletschergeschichte der Pasterze - Spurensuche in die nacheiszeitliche Vergangenheit
Interessante Abhandlung über heute definitiv nachweisbare Niedrigstände der Pasterze weit unterhalb des heutigen
Gletscherniveaus vom mittleren Holozän bis heute.

KLICK!
 
gletscherspalter schrieb:
Zur Massenbilanz der Gletscher: Falls ein Gletscher den ganzen Sommer lang vollständig schneebedeckt bleibt, heißt das nicht automatisch, dass er auch an Masse zulegt. Die meisten Gletscher, v.a. Größere, brauchen mehrere Jahre um auf eine bestimmt Wetterlage zu reagieren. Das heißt in diesem Jahr würden diese höchstwahrscheinlich meist stationär bleiben bzw. trotzdem einen leichten Rückzug verzeichnen, da die letzten Jahre ja praktisch ausnahmslos und durchgängig Abschmelze stattfand.

Ich glaube, du bringst jetzt Masse und Fläche eines Gletschers durcheinander.

Wenn der Gletscher weitgehend vollständig schneebedeckt bleibt im Sommer, dann nimmt er an Masse zu.
Das heißt aber nicht zwangsläuftig, dass die Fläche zunimmt. Die Gletscherfläche nimmt trotzdem ab, wenn die Jahre zuvor schlecht für die Gletscher waren.

Die Änderung der Masse eines Gletscher hängt lediglich vom Witterungsverlauf der vergangenen 12 Monate ab.
Die Änderung der Fläche eines Gletschers (und damit insbesondere auch die Länge der Gletscherzunge) reagiert dagegen mit Verzögerung auf Klimaveränderungen.
 
Martin_D schrieb:
Wenn der Gletscher weitgehend vollständig schneebedeckt bleibt im Sommer, dann nimmt er an Masse zu.
Das heißt aber nicht zwangsläuftig, dass die Fläche zunimmt. Die Gletscherfläche nimmt trotzdem ab, wenn die Jahre zuvor schlecht für die Gletscher waren.

Die Änderung der Masse eines Gletscher hängt lediglich vom Witterungsverlauf der vergangenen 12 Monate ab.
Die Änderung der Fläche eines Gletschers (und damit insbesondere auch die Länge der Gletscherzunge) reagiert dagegen mit Verzögerung auf Klimaveränderungen.

Wenn der Gletscher den Sommer vollständig Schneebedeckt übersteht, so kann sich dieser doch nicht in der Fläche reduzieren? Masse und Fläche hängen letztendlich zusammen.

Ich gehe jetzt davon aus, dass ein eingeschneiter Gletscher im Sommer kaum Eis verliert, sondern lediglich der Schnee schmilzt. Das Schmelzwasser vom Schnee, welches am und dann in den Gletscher fliesst, hat so gut wie keine Schmelzwirkung im Eis, da es mit dem Schmelzen des Schnees zunächst im Schnee versickert und hierbei nur Temperaturen minimalst über dem Schmelzpunkt einnehmen kann...

Glaube dass der Zusammenhänge (chronologie der Meteorologischen Vorgänge über die Jahre), die letztendlich die Fläche/Masse des Gletschers bestimmen, äusserst komplex sind, und dass man ausser "je mehr Schnee und je kälter, je günstiger für den Gletscher" wenige weiterführende Aussagen treffen kann...

Bin jedenfalls sehr gespannt auf den diesjährigen Gletscherbericht der Alpenvereine!
 
Kris schrieb:
Martin_D schrieb:
Wenn der Gletscher weitgehend vollständig schneebedeckt bleibt im Sommer, dann nimmt er an Masse zu.
Das heißt aber nicht zwangsläuftig, dass die Fläche zunimmt. Die Gletscherfläche nimmt trotzdem ab, wenn die Jahre zuvor schlecht für die Gletscher waren.

Wenn der Gletscher den Sommer vollständig Schneebedeckt übersteht, so kann sich dieser doch nicht in der Fläche reduzieren? Masse und Fläche hängen letztendlich zusammen.

Deswegen habe ich ja bewusst ein "weitgehend" eingefügt. Bei den geringen Firnmengen im Nährbereich der letzten Jahre würde bei den meisten Gletschern ein Ausapern eines Teils der Zunge schon ausreichen, um einen Rückzug der Zunge und damit eine Verringerung der Fläche zu bewirken. Es kommt einfach zu wenig Nachschub von oben.
Die Masse kann deshalb trotzdem zunehmen, wenn der größte Teil des Gletschers firnbedeckt bleibt.
 
Kris schrieb:
Wenn der Gletscher den Sommer vollständig Schneebedeckt übersteht, so kann sich dieser doch nicht in der Fläche reduzieren? Masse und Fläche hängen letztendlich zusammen.
Allerdings fließen die Gletscher ja nach unten. Wenn die Gletscherzunge dann nicht um die gleiche Fläche mit nach unten rutscht, sondern nur an der gleichen Stelle bleibt -> Masse: plus oder minus, Fläche: gleich.

Andererseits könnte es genauso sein, dass sich die Gletscherzunge zurückzieht, dieser Verlust durch neues Eis im oberen Bereich aber kompensiert wird -> Masse: gleich, Fläche: minus

Es kann somit genauso gut die Massenbilanz positiv und die Flächenbilanz negativ sein. Oder beides Positiv. Oder beides negativ.

Also für meinen Geschmack sind Masse und Fläche unabhängig zu betrachten. Selbst wenn der Gletscher bis runter zur Zunge schneebedeckt bleibt. Was ja sowieso sehr unwahrscheinlich ist, meist apert der Gletscher irgendwo, an einem Gletscherbruch oder an der Zunge aus...

Die nächste Frage ist, wie man überhaupt die Masse berechnen will. Da bräuche man ja das exakte Gelände unter dem Gletscher- und müsset auch die Spalten berücksichtigen. Ist ja egtl. gar nicht möglich....
 
starli schrieb:
Die nächste Frage ist, wie man überhaupt die Masse berechnen will. Da bräuche man ja das exakte Gelände unter dem Gletscher- und müsset auch die Spalten berücksichtigen. Ist ja egtl. gar nicht möglich....

Die Gesamtmasse wird sicherlich aus den Gründen, die du genannt hast, nicht so einfach zu messen sein. Die Massenänderung innerhalb eines Gletscherjahres dürfte jedoch bei gut überwachten Gletschern ziemlich präzise aus der gesamten Neuschneemenge innerhalb des Jahres und dem gesamten Wasserabfluss des Gletschers während dieses Zeitraums gemessen werden können.
 
Ja, es gibt verschiedene Methoden die Massenbilanz zu messen. Die positive Seite der Massenbilanz (also das was nach glaziologischen Winterhalbjahr an neuem Schnee dazugekommen ist), kann recht einfacht mittels Schneehöhen- und Schneedichtemessungen (man gräbt einfach etliche Schneeschächte bis zum Eis bzw. zum vorjährigen Firnniveau) gemessen werden und wird dann in Wasseräquivalent umgerechnet.

Die negative Seite der Massenbilanz (das was im Sommer wegschmilzt) kann wie oben angedeutet per Messung des direkten Abflusses ermittelt werden (z.B. am Vernagtferner in den Ötztaler Alpen macht man das so). Üblich ist aber auch, dass man mit Hilfe von ins Eis gebohrten Messstäben ermittelt, wieviel cm (oder m) Eis abgeschmolzen sind und das wieder in Wasseräquivalente umrechnet. Natürlich muss man auch noch messen, wieviel Schnee noch übriggeblieben ist.

@starli: Für manche Gletscher hat man mithilfe von speziellen Geräten (die im Prinzip kleine, künstliche Erdbeben auslösen) das unter dem Gletscher liegende Gelände vermessen. Für diese Gletscher kennt man dann natürlich die Masse sehr exakt.
 
Es müsste doch auch prinzipiell möglich sein bei weniger gut überwachten Gletschern eine Abschätzung der Massenbilanz aus dem Stand der maximalen Ausaperung, der Zahl der Tage mit nicht vollständig schneebedeckten Gletscher und der durchschnittlichen Schneehöhe im Nährgebiet zum Zeitpunkt der maximalen Ausaperung zu machen, oder ?

Wird so etwas gemacht ?
 
Martin_D schrieb:
Es müsste doch auch prinzipiell möglich sein bei weniger gut überwachten Gletschern eine Abschätzung der Massenbilanz aus dem Stand der maximalen Ausaperung, der Zahl der Tage mit nicht vollständig schneebedeckten Gletscher und der durchschnittlichen Schneehöhe im Nährgebiet zum Zeitpunkt der maximalen Ausaperung zu machen, oder ?

Wird so etwas gemacht ?

die uni wien macht mittlerweile diplomarbeiten als pdf zugänglich:

http://othes.univie.ac.at/view/subjects/38=2E43.html

da gibts ein paar die sich mit der massenbilanz von gletschern beschäftigen!

weiters findest hier http://austria-forum.org/af/Web_Books/Sachbuch "gletscher im klimawandel"

auf der uni innsbruck gibt's auch jede menge arbeiten

http://imgi.uibk.ac.at/main/de/diss.html

z.b. die hier von Jakob Abermann, die methoden zur massenbilanzbestimmung findest du ab s.31

http://imgi.uibk.ac.at/sekretariat/dissertations/Abermann_Jakob_2011_Diss.pdf

oder z.b. Klima, Wetter, Gletscher im Wandel

http://www.uibk.ac.at/afo/publikationen/copy_of_index.html.de


und zu guter letzt noch

The Cryosphere An Interactive Open Access Journal of the European Geosciences Union

http://www.the-cryosphere.net/home.html
 
Fazit Marmoladagletscher:
Ich beobachte seit Jahren diese zwei (leider nicht übermäßig detailierten) Webcams auf die Marmolada:
http://www.belledolomiti.it/res/webcam/original/marmolada.jpg
http://www.arpa.veneto.it/csvdi/svm/arpav/arp009.jpg

Nach nun schon mehrfachen (teils leichten) Schneefall erkär ich die Ablationsphase für beendet!

Habe diese Sommersaison ca. 1x die Woche draufgeschaut. Allenfalls der unterste Bereich war einige wenige Tage schneefrei im August. Weit besser als die Bilder vom Sonnblickkees am Alpenkauptkamm (s.o.), die ja im langjährigen Vergleich auch noch gut aussahen.

Ein Bild vom 04.09. (nach leichtem Schneefall ca. 7 Tage zuvor, aber auch anschließenden heißem Wetter):

http://s12.postimg.org/50lj5uef1/marmolada20130904rl.jpg

Makellos weiß.

Nun ein historische Bild vom 19.07.2005:

http://s22.postimg.org/io3j80ke9/marmolada20050719rl.jpg

Man vergleiche zwei Dinge:
1. Roter Kreis: 2005 ist hier noch eine deutliche Zunge auszumachen, 2013 ist sie nicht mehr sichtbar (ev. noch unter Geröll vorhanden???)
2. Schneelage: Juli 2005 deutlich schlechter als August/September 2013

Sehr gutes Jahr für den Gletscher!
 
@hook:
Auf der rechten Seite ist seit 2005 noch deutlich mehr Gletscher verschwunden.
 
Das sich ein Gletscher, unter den entsprechenden klimatischen Bedienungen recht schnell wieder bilden kann, zeigt der Mount St. Helens. Nach dem Ausbruch von 1980 war alles Eis weg. Nach den Aktivitäten die bis 1986 dauerten bildete sich wieder ein Gletscher. Der mittlerweile wider so gross ist, das es bei einem grösseren Ausbruch wieder zu einem Lahar kommt.
 
judyclt schrieb:
@hook:
Auf der rechten Seite ist seit 2005 noch deutlich mehr Gletscher verschwunden.

Hab ich nicht bezweifelt, auf den beiden Bildern kann man es aber sehen.
 
Wombat schrieb:
Das sich ein Gletscher, unter den entsprechenden klimatischen Bedienungen recht schnell wieder bilden kann, zeigt der Mount St. Helens. Nach dem Ausbruch von 1980 war alles Eis weg. Nach den Aktivitäten die bis 1986 dauerten bildete sich wieder ein Gletscher. Der mittlerweile wider so gross ist, das es bei einem grösseren Ausbruch wieder zu einem Lahar kommt.
Das ist ein gutes Beispiel, ich beobachte den Crater Gletscher so gut ich über das Internet kann... Man muss jedoch auch ein bisschen relativieren, der extrem schnelle Vorstoß des Gletschers ist zu großen Teilen auch dem wachsenden Lavadom geschuldet, welcher das Eis regelrecht aus dem Krater herrausdrückt. Die Eismasse könnte also auch unter aktuellen klimatischen Bedingungen noch größer sein, auch wenn der Gletscher so wohl weniger imposant wäre.
 
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