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Gletscherski im Herbst - war's das bald?

Pistencruiser

Gaislachkogl (3058m)
Ich denke, dass wir uns vom frühen Gletscherski im Herbst, wie wir es bisher in Qualität und Quantität gewohnt sind, in den nächsten Jahren werden verabschieden müssen!
Wenn man sich in Summe die Situation auf den Tiroler Gletschern anschaut in den bisherigen Dokumentationen, stellt man fest: es wird immer schwieriger (und teurer) das aufrecht zu erhalten. Das ganze gleicht zunehmend einem Kampf gegen Windmühlen der dementsprechend nur verloren werden kann. Der prognostische Blick in die Zukunft lässt keine Besserung erwarten. Die notwendigen Eingriffe in die Topografie werden immer massiver (werden müssen), um überhaupt noch skibares Terrain auf Eis erreichen zu können.
Irgendwann wird man kapitulieren müssen und die Jetzt-Noch-Gletschergebiete werden zu reinen Winterskigebieten werden - vielleicht mit etwas vorgezogenen Saisoneröffnungen. Und selbst das dürfte vor dem Hintergrund der dafür notwendigen permanenten Geländekorrekturen und massiven Investments in die dafür notwendige Beschneiung alle andere als einfach werden. Das Eis weicht immer mehr zurück und die Szenarien, die vor einigen Jahren z. T. noch als Unkenruferei bezeichnet wurden, sind teils übertroffen worden.
Ich denke, am längsten wird man am Hintertuxer durchhalten. Bei den anderen wird das für den Publikumsskilauf doch zunehmend unattraktiv. Niemand will den ganzen Tag auf zwei notdürftig zusammengekratzten Pisten rumrutschen. Das ist dann höchstens noch als Trainingsbetrieb für die Verbände attraktiv.

Wie seht Ihr die Situation? Wo steht der „Gletscherskilauf“ in 5 -7 Jahren?
Ich denke wir werden uns doch umgewöhnen müssen….
 
Es kann schon heute kein österreichisches Gletscherskigebiet mehr ohne Depots den Herbstbetrieb sinnvoll aufnehmen -> die Depots werden hier und da in den nächsten Jahren halt ggf. etwas zahlreicher und größer werden, um (mind.) 1-2 Abfahrten anbieten zu können. Solche Angebote wie heuer im Oktober sollten aber noch einige Jahre lang haltbar sein .. Und außer Trainingsmannschaften und Snowboarder braucht man im Oktober anscheinend eh keinen, hatte man schon in den Vorjahren immer wieder das Gefühl.

Ich seh das Problem eher dort, wo und wenn die Gletscherschmelze Gegenanstiege im Fels übrig lässt, hier muss dann ggf. irgendwann komplett anders trassiert werden (bsp. SL Rosolin + Champagny in Tignes (und früher der nötige Bau der 3SB als Rückbringer zur Seilbahnstation), oder die Abfahrt am Tonale/Presena; ggf. gibt es im Bereich Eisgrat/Eisjoch-SL dann mal ein ähnliches Szenario). Das hat dann aber gar nicht so unbedingt nur Auswirkungen auf den Herbstbetrieb.
 
Ich sehe es als größte Schwierigkeit an, dass man wie heuer am Beispiel des Pitztaler Gletscher zu sehen massiv Geländekorrekturen machen müssen wird. Mittelfristig am Anfang und am Ende des Gletschers, langfristig auf der gesamten Fläche die heute vergletschert ist. Die Frage ist dabei, ob man für diese Geländekorrekturen eine Genehmigung bekommt. Wäre das mit den Genehmigungen so unproblematisch, hätte man sich das am Pitztaler bestimmt genehmigen lassen bevor man dort illegal etwas baut. Dass man generell Pisten in guter Qualität auch ohne Eis im Herbst hinbekommt sieht man ja z.B.an der Gletscherseebahn im Pitztal oder in Kitzbühel. Auch heute sind viele Gletscherskigebiete größtenteils auf Fels, z.B. das Kitzsteinhorn. Die (in Zukunft ehemaligen) Gletscherskigebiete haben durch die Höhenlage im Herbst dann den Vorteil früher beschneien und öffnen zu können, darauf wird es meiner Meinung nach hinauslaufen.
 
Ich glaube 5 bis 7 Jahre werden da gar keine so große Veränderung bringen wie der Unterscheid ob es im September ein bis zweimal schneit oder wie dieses Jahr einfach von Juni bis Ende Oktober gefühlt niederschlagsfrei bleibt.

Allein die Höhe der Gletscherskigebiete wird sie auf gaanz lange SIcht wohl eher zu den letzten überhaupt verfügbaren Destinationen machen (mal ganz pessimistisch).
Durch die Gletscherschmelze und das Nichtwissen darüber, was eigentlich unterm Eis ist, ist das ganze eh nur Kaffeesatzleserei.
 
Ich denke schon, dass sich die Situation zusehends verschärfen wird.
Die fehlenden frühen Schneefälle sind eine Sache. Viel gravierender sehe ich die topografischen Veränderungen durch den weiteren Eisrückgang. Die Pisten sind einfach immer schwieriger zu erreichen. Wie schon geschrieben, wird man sich an vielen Stellen überlegen müssen, neu zu trassieren - was hinsichlich der Topografie nur begrenzt möglich ist.

Beispiele:
Stubai:
Bergstation Fernau KSB => Zugang zur Piste. Der Gletscher sackt immer tiefer in die Mulde, der Weg wir irgendwann wahrscheinlich weg sein.
Übergang Piste Fernauferner zum eisfreien Bereich )=> da wird man massiv Gelände abtragen müssen.
SL Windachferner: Die Trasse kippt immer mehr Richtung Ötztal. Situation ähnlich wie seinerzeit am Karleskogel-SL. Irgendwann mit vertretbarem Aufwand wohl nicht mehr zu halten, wahrscheinlich auch gar nicht möglich
Scharte Eisjoch => Übergang zum Windachferner
Situation Schaufeljoch => Jochdohle => Zugang Piste Gaiskarferner
etc.
etc.
etc.
….das sind nur die gröbsten Baustellen alleine am Stubaier.
Durch frühe Herbstschneefälle oder auch Beschneiung wird das auf Sicht alles nicht zu kompensieren sein. Hier wird man massiv arbeiten und ggfs. Bereiche völlig anders strukturieren müssen.

Ebenso die Situation oben am Grat am Pitztaler. Auch hier sinkt der Gletscher immer mehr ins Becken. Man wird den Grat nicht ewig immer weiter abfräsen können (dürfen schon gar nicht).
Irgendwann ist das alles nicht mehr massentauglich.
 
Pistencruiser schrieb:
Wie seht Ihr die Situation? Wo steht der „Gletscherskilauf“ in 5 -7 Jahren?
Mathias Berthold, der Cheftrainer des deutschen Skiverbandes, hat kürzlich in einem Interview gemeint, dass die Lösung sein muss Hallen über die Gletscher zu bauen um den Gletscherskilauf zu sichern.
Hab erst gelacht als ich das Interview gesehen habe, im Glauben der verarscht den Interviewer. Das Lachen is mir dann aber sehr schnell wieder vergangen, als klar wurde, der meint das tatsächlich Ernst. :rolleyes:

Ich glaub, dass die Gletscherskigebiete zukünftig entweder massiv mehr Depots beschneien werden, dafür brauchts aber ne Ausweitung der wasserrechtlichen Genehmigungen.
Oder dass man die Vermattung der Gletscher mit Kühlleitungen optimiert.
 
Sehr interessantes Topic.
Ich finde die Gletscherskigebiete gerade wegen ihrer Dynamilk sehr interessant. Kampf gegen Windmühlen ist schon das richtige Wort.
Ich denke auch, dass die veränderte Topographie das größte Problem sein wird. Wenn jeden Sommer, 1-2m Eis abschmelzen, punktuell auch mehr, hat das extreme Auswirkungen. Dazu Mulden oder gar Seen. Weniger Eis heißt auch mehr felsiges Terrain, Mehraufwand bei der Präparation und auf Dauer immer größere Schneedepots. Ob sich der zunehmende Aufwand nür für Rennteams rechnet müssten wir mal Abwarten.
 
Ein Aspekt der noch nicht erwähnt wurde:
In den letzten Jahren haben zB auch die 4 Berge immer sehr früh beschneit und geöffnet....
Ich meine damit, dass der Höhenvorteil der (Noch-)Gletscherskigebiete teilweise kleiner ist, wie der Nachteil den sie zB durch den steinigen Untergrund haben, weil man auf Gras-Untergrund weniger Schneeauflage für nen vernünftigen Pistenbetrieb braucht.
Auch die Inversion im Herbst und Frühwinter erlaubt die Beschneiung immer öfter eher im Mittelgebirge als am Gletscher.

Viel wird auch an den Behörden liegen was so alles genehmigt wird.

Wenn in ein paar Jahren alle relevanten Glescherpisten beschneibar sind, werden durch den dafür nötigen Aufwand die Preise soweit steigen, dass nur wenige Gletscherskigebiete übrig bleiben werden. Denn höhere Preise haben auch weniger Gäste zur Folge und gerade im Herbst, wenn der Aufwand am größten ist, steht nur ein sehr begrenztes Publikum zur Verfügung!
 
Bei allen Beschneiungsszenarien bleibt aber noch die Frage des dann deutlich steigenden Wasserbedarfs. Man weiß ja auch noch nicht, wie sich das mittelfristig entwickeln wird. Zumal Wasser - von den "natürlichen" Verbrauchern einmal ganz zu schweigen - auch von anderen Wirtschaftszweigen benötigt wird. Ich denke hier gerade an die zahlreichen und zukünftig geplanten Wasserkraftwerke. Die wollen das wertvolle Wasser auch nutzen.

(Nebenbei: Ich habe mich vor einiger Zeit mal mit einem Seilbahner aus dem Zillertal unterhalten; der hat mir gesagt, dass mögliche Wasserknappheit bzw. eine Konkurrenzsituation beim Wasserbedarf (Landwirtschaft, im Zillertal aber vor allem auch Energieerzeugung) durchaus schon ein Thema bei den längerfristigen Planungen ist. Ich hatte das gar nicht so auf dem Schirm; klingt aber doch ziemlich plausibel.)
 
Betrieb im ganzen Jahr haben ja ohnehin nur ganz wenige und die werden das auch noch einige Zeit durchziehen, denn den Rennteams, die ja im Sommer das Hauptklientel, sind schlechte Bedingungen relativ egal. Die anderen werden ihre Saisonzeiten verkürzen und deutlich mehr in Beschneiung und Depots investieren müssen. Das Skifahren im Herbst wird aber nicht in seiner Gesamtheit verloren gehen. Natürlich wird das ganze Vergnügen zusammenschrumpfen, aber man sieht ja auch, dass es nicht-Gletscher-Gebiete, wie z.B. Sulden jedes Jahr hinbekommen Ende Oktober/Anfang November zu öffnen und um mal bei Sulden zu bleiben: Die Bergbahnen dort nutzen noch nicht einmal Snowfarming hätten also noch Luft nach oben. Wobei KitzSki das ganze natürlich auf die Spitze treibt.

Somit glaube ich, dass auch mittelfristig noch Skifahrten Mitte Oktober möglich sein wird. Für Skifahren als Sommersport, wäre aber wohl eine Umschulung auf Wasserski angemessen.
 
Erst einmal vorweg: Ich bin nicht so Gletscherschi-Erfahren wie manche hier. Ich kenne das Kitzsteinhorn, Hintertux, den Stubaier, Zermatt und flüchtig Saas Fee (jedoch nicht vom Schifahren). Mein letzter Herbstgletscher-Schitag ist mehr als 10 Jahre her (whs so 12 oder 13 Jahre) am Kitzsteinhorn war ich wahrscheinlich vor etwa 15 oder 16 Jahren das letzte mal.

Damals waren die Bedingungen gänzlich andere. Ich kann mich noch gut an den Gletscherstand beim Tuxer-Ferner-Haus so um 2004 herum erinnern. Von massiven Beschneien oder Vermatten war damals noch keine Rede (vlt hat es das schon teilweise gegeben, war aber noch nicht so ein Thema). Nach dem Rekordsommer von 2003 galt als allgemein Bekannt, dass es mit den Gletscherschifahren nicht mehr lange gehen wird.

Wenn ich mir die Berichte hier anschaue, sind das für mich Zeichen, dass es doch noch etwas länger gehen wird. Es wird überall vermattet und viel mehr beschneit als früher (wurde doch früher am Gletscher gar nicht oder?) Noch neuer sind die Schneedepots mit denen nunmehr der Schnee über den Sommer gebracht werden kann. Ich glaube die werden in Zukunft noch wichtiger (auch bei nicht Gletscherschigebieten).

Was ich sagen will, auf dem Niveau wie es jetzt ist, wird es noch einige Zeit weitergehen. Siehe Kaunertaler oder Stubaier wo ja jetzt schon kaum noch Gletscher da ist – irgendwie geht’s, solange es sich noch rentiert (und das tut es solange die Leute kommen und die scheinen mir nicht weniger zu werden).
Kann sein, dass der eine oder andere Gletscher ausfällt (Kaunertaler? – den Bildern aus den Berichten nach zu urteilen) und vor allem der eine oder andere Gletscher der jetzt noch durchgehend Betrieb hat wird über den Hochsommer sperren müssen. Aber auch wenn nicht für die Ewigkeit, ich sehe auch in 10 Jahren noch Herbstbetrieb auf den (Rest-)Gletschern.
 
Ich denke, dass der Herbstkilauf sich einerseits nach hinten verschiebt und es andererseits einen Trend von Gletscherpisten weg hin zu Depotschnee- und Kunstschneepisten gibt. Beispiel: Kaunertal. In früheren Zeiten öffnete man zuerst die Schlepplifte am Weißseeferner. Inzwischen wird die Piste am Karlesjoch früher geöffnet, obwohl die Pisten dort größtenteils gar nicht mehr über Gletschereis führen. Das macht das ganze planbarer.

Zudem denke ich, dass im November im zunehmenden Ausamaß höher gelegene Nordhänge in Nichtglescherskigebieten fürs Training als Alternative zu den Gletschern genutzt werden.
 
was heißt hier wars das bald?
das ist doch schon seit einigen jahren (ausgenommen ein paar außerordentlich ereignisse) nurnochwas für spinner und freaks die sich von garnix abschrecken lassen und sich das auch in zukunft antun werden. der rest bleibt doch schon länger zu hause im herbst
 
Dann solltest Du Dich mal in die alljährlichen Menschenmassen an den November-Wochenenden stellen. Extrem viele Spinner und Freaks scheint es da zu geben, die für ein Millionengeschäft bei Bergbahnen und Tourismusbetrieben sorgen. Für einzelne Gebiete ist das sogar die wichtigste Einnahmequelle des Jahres. Ein Freak und Spinner scheint man eher zu sein, wenn man im Mai noch skifährt, obwohl es dann mehr als genug Schnee hat.
Ich glaube, Du verkennst da was. Den extremen Aufwand würden die Bergbahnen wegen ein paar Freaks und Spinnern ganz sicher nicht machen.
 
Da brauch ich nur mich anschauen:
Herbstski ist vorbei, vor knapp 10Jahren war immer das Ziel am 03.10. schon auf Schnee unterwegs zu sein. Das klappt die letzten Jahren fast nie mehr.
Ich glaube aber auch, dass das Marktsegment groß genug ist um den extremen Aufwand durch Depotschnee etc. zu gerechtfertigen. Würde mich aber auch nicht wundern, wenn eher die hochgelegenen Wintergebiete mit gut planiertem Untergrund in den Markt einsteigen. Ischgl mit seinen Nordseiten und wäre wahrscheinlich ideal...
 
ski-chrigel schrieb:
Dann solltest Du Dich mal in die alljährlichen Menschenmassen an den November-Wochenenden stellen. Extrem viele Spinner und Freaks scheint es da zu geben, die für ein Millionengeschäft bei Bergbahnen und Tourismusbetrieben sorgen. Für einzelne Gebiete ist das sogar die wichtigste Einnahmequelle des Jahres. Ein Freak und Spinner scheint man eher zu sein, wenn man im Mai noch skifährt, obwohl es dann mehr als genug Schnee hat.
Ich glaube, Du verkennst da was. Den extremen Aufwand würden die Bergbahnen wegen ein paar Freaks und Spinnern ganz sicher nicht machen.
Der November ist nur einer von drei Herbstmonaten, der letzte und üblicherweise der kälteste und schneereichste. Das hier die Bedingungen gut sind werden wir auch in Zukunft noch öfter erleben und deshalb ist auch auch so voll.
Das herrumrutschen auf Blankeis, aber auch das Abfahren auf Schneebändern (aus Depotschnee) durch Gerölllandschaften ist hingegen etwas für Freaks. Sobald neben diesen Bändern allerdings Naturschnee liegt, selbst wenn der nicht zum Abfahren taugt, ist die Situation eine ganz andere.
 
ski-chrigel schrieb:
Wenn Du meine Berichte liest, siehst Du, dass es auch im Oktober längst nicht nur ein paar Freaks sind...
Tue ich :wink:
Trotzdem halte ich viele davon für Freaks, gerade in diesem Oktober, was ich nicht wertend meine.
Dazischen tummeln sich dann auch noch ein paar die vor Jahren, zur gleichen Jahreszeit, mal bei besseren Bedingungen unterwegs waren. Denn auch wenn man sich heute über alles und jeden informieren kann. Manche können das nicht und vertrauen den Angaben der Bergbahnen.
 
Ich bezeichne mich durchaus als Freak, aber was ich da auf den Pisten so an Leuten gesehen habe, waren dies alles andere als Freaks. Auch in unserem Hotel hatte es Familien, die man absolut nicht als Freaks bezeichnen kann. Nene, das ist schon noch ein weit verbreitetes Bedürfnis. Nach diesem Herbst werden es bestimmt weniger sein, was mir durchaus recht wäre.

„Vor Jahren“ ist auch völlig falsch. Der Oktober 2017 war sehr gut und ist nicht „vor Jahren“...
 
ski-chrigel schrieb:
„Vor Jahren“ ist auch völlig falsch. Der Oktober 2017 war sehr gut und ist nicht „vor Jahren“...
So meinte ich das auch nicht, eher das sie 2017 oder 2016 oder wann auch immer mal unterwegs waren. Mit etwas Glück kann man auch im September schon wunderbar Skifahren, ich habe das selbst schon erlebt, nur eben nicht planbar.
 
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