Mure in St. Vigil in Enneberg: Hang wird konsolidiert
Katastrophenalarm am Wochenende in St. Vigil in Enneberg: Der Hang der dorfnahen Cianross-Skipiste und mit ihr die Bergstation der Liftanlage drohte in das Tal abzurutschen. Am Samstag Abend kurz nach 20.30 Uhr wurde die Befürchtung dann wahr.
Eine Chronologie der Ereignisse finden Sie im Artikel rechts.
Etwa 50.000 Kubikmeter Erdreich und Geröll schoben sich im Tempo eines Lavastroms talwärts, rissen die Bergstation meterweit in die Tiefe, murten die Talstation völlig ein und richteten auch an nahen Häusern Schaden an. Am Sonntag beruhigte sich die Lage zwar, angespannt blieb sie aber nach wie vor.
Den Cianross-Lift am Dorfrand von St. Vigil in Enneberg gibt es schon seit vielen Jahren. Allerdings handelte es sich dabei bis vor einem Jahr um einen Schlepplift, der linkerhand am Cianross-Hang hinaufführte. Der Neubau, eine etwa 300 Meter lange Kabinenseilbahn, welche die St. Vigiler Seilbahngesellschaft im vergangenen Sommer verwirklichte, wurde hingegen rechterhand am Hang hochgezogen, womit eine Verbindung zur Kabinenbahn Piz de Plaies hergestellt werden konnte.
Den Winter über war die Anlage tadellos in Betrieb gewesen, bis dieser am Ostermontag eingestellt wurde. Was sich auf dem Pistenhang nicht einmal eine Woche später ereignen würde, ahnte damals noch niemand. So traf denn auch die Nachricht von einem möglichen Hangrutsch am Samstag selbst Bürgermeister Fortunato Ferdigg unerwartet. „Vor kurzem hat die Zivilschutzkommission der Gemeinde getagt, und da haben wir über alle möglichen Gefahrenzonen in unserer Gemeinde diskutiert – nur nicht über den Cianross- Hang“: Seit Menschengedenken sei an dieser Stelle nie eine Mure abgegangen.
Über die Gründe des Murenabgangs können die Fachleute des Landes einstweilen noch nichts Genaues sagen. Klar ist nur, dass mit den warmen Temperaturen ziemlich viel Schmelzwasser in den Hang eingedrungen ist und diesen aufgeweicht hat. Dadurch ist die Fläche instabil geworden und ins Rutschen gekommen.
Insgesamt haben sich ungefähr 50.000 Kubikmeter Erdreich und Geröll ins Tal gewälzt, wie der Brunecker Bezirksfeuerwehrinspektor Herbert Thaler bei der Pressekonferenz am Sonntag angab. Landesgeologe Ludwig Nössing bemisst die abgebrochene Fläche mit etwa 60 Metern Breite und 100 bis 150 Metern Länge.
Als der Hang ins Rutschen kam, verlor auch die Bergstation ihren Halt und schob sich Zentimeter für Zentimeter talwärts. Waren es am Samstag Mittag etwa zehn Zentimeter in der Stunde, so klaffte der Graben zwischen dem Gebäude und dem dahinter liegenden Felshang immer weiter auf, bis sich die Station gegen 20 Uhr schließlich mit etwa einem Meter in der Stunde auf Talfahrt befand. Damit war allen klar, dass die Liftanlage nicht mehr zu retten war und sich eine Katastrophe anbahnte.
Diese geschah dann kurz nach 20.30 Uhr. Plötzlich kam der Hang merklich ins Rutschen – und schob sich im Tempo eines Lavastroms talwärts. Die Talstation wirkte wie eine Art Wall: Hier kam die Mure fast zum Stillstand und wälzte sich von da an nur mehr geringfügig weiter in die Tiefe. Dennoch entstand bei einigen darunter liegenden Häusern Sachschaden.
Um ein weiteres Vordringen der Mure zu unterbinden, wurde noch in der Nacht begonnen, mit Baggern das Erdreich wegzuschaufeln und mit Lastwagen abzutransportieren. Die Aufräumarbeiten hielten auch am Sonntag über an. Im Einsatz standen an beiden Tagen bis zu acht Feuerwehren mit insgesamt 85 Wehrleuten, etliche Fachleute der Landes- und Forstdienste, der Zivilschutz, das Weiße Kreuz und die Carabinieri.
Der Gefahrenhang wird auch in den nächsten Tagen genau beobachtet werden, um auf eventuelle Veränderungen sofort reagieren zu können. Die 28 evakuierten Personen der zehn gefährdeten Häuser, die bei Verwandten und in einem Hotel untergebracht sind, können bis auf weiteres nicht in ihre Wohnungen zurückkehren