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Grünten: Snowboarder tödlich verunglückt

Klare schrieb:
Und wenns Nebel hat muss man halt mehr aufpassen !?
Also, da machst Du es Dir aber ein bisschen zu einfach: Wenn der Nebel dicht genug ist, hast Du häufig keine Chance, noch zu sehen, wohin die Piste führt, weil die die Pistenbegrenzungen fehlen oder so weit auseinander stehen, dass Du nicht mehr von einer zur anderen sehen kannst. Dann kommt noch das Snowboard hinzu, das aufgrund der nötigen Fahrtechnik eine Sicht in Fahrtrichtung nicht immer optimal ermöglicht.

Ich habe es sogar mal mit Skiern auf einer vorbildlich gesicherten Piste geschafft (also ca. alle 10m eine Markierungsstange - beidseitig der Piste), bei Nebel mal so richtig in den Tiefschnee neben der Piste zu fahren. Und ich war da ganz langsam und habe sicherlich aufgepasst.
Da es am Sonntag geschneit hat, war evtl. nicht mal ein Unterschied zwischen Piste und dem Bereich daneben feststellbar. Und wenn man erst mal von der Piste weg ist und evtl. nicht den besten Orientierungssinn hat, dann weiß man sehr schnell nicht mehr, wo man ist.
Sinnvoll wäre es dann natürlich gewesen, den eigenen Spuren wieder zu folgen und so zur Piste zurückzukehren. Aber wer steigt schon gerne mit Board unterm Arm bergauf, wenn man evtl. bergab auch wieder auf die Piste zurückkommt?

Im Nachhinein zu sagen: hätte, wäre, wenn... etc. ist immer ganz einfach. Nur wer würde in so einer Extremsituation tatsächlich dermaßen besonnen reagieren, dass man zu jeder Zeit vollkommen analytisch an die Sache rangeht?

Damit mich hier jetzt auch niemand falsch versteht: ich will jetzt den Boarder nicht von einer Mitschuld freisprechen - das kann ich nicht, da ich nicht dabei war. Andererseits aber von vorne herein zu sagen, dass nur der Boarder Schuld hatte und es eine Frechheit ist, dass der Liftbetreiber Gegenstand von Ermittlungen wird, ist wohl etwas überzogen.

Es gibt Gründe, die für eine Schuld des Boarders sprechen könnten: unangepasste Geschwindigkeit, nicht wieder Aufstieg auf der eigenen Spur, Entfernen von Freunden (evtl. hat man sich aber auch einfach im Nebel verloren...), fahren nicht in möglichst direkter Linie entlang einer gesicherten Pistenkante, etc.
Andererseits könnte man auch sagen, dass bei so schlechter Sicht auch der Liftbetreiber die Pflicht hätte, den entsprechenden Lift anzuhalten und nur mehr Abfahrten auf "ungefährlichen Pisten" zu ermöglichen und dass er ja auch in dem Bereich evtl. mehr Pistenmarkierungen hätte stecken können (ich war bisher nur im Sommer auf dem Grünten, also habe ich keine Ahnung, wie gut die Markierung dort ist), etc.

Ich würde erstmal von pauschalisierten Vorverurteilungen - egal in welcher Richtung - absehen und mal schauen, was die Staatsanwaltschaft so alles ermittelt. Im Moment ist doch vieles seeehr spekulativ. Es gibt nur ein paar Beobachtungen - sonst nichts.
 
Nun der Staatsanwaltschaft kann man bestimmt keinen Vorwurf machen, da sie ja nur ihren Job ausführt.
Andererseits muss man auch nicht wirklich erstaunt sein wenn die Zeugen die Augen verschliessen und abhauen.
Selbst wenn ein Verfahren eingestellt wird, bleibt bei den betroffenen Personen ein bitterer Nachgeschmack hängen.
 
@ 3303: Wenn der Helm passt, hält er. Aber ich seh bei ca. 10% der Helmträger auf den Pisten, dass der Helm viel zu locker sitzt und im Sturzfalle nie halten kann. Andererseits kanns natürlich auch sein, dass er Aufgrund von Hitzeempfinden den Helm ausgezogen hat.

@ Pistenmarkierung: Muss hier Kaldini beipflichten. Früher konnte man bei Nebel dank der Kugeln noch gut fahren. Heutzutage hat man vielerorts keine Ahnung mehr wo die Piste verläuft und wo es langgeht. Gegen eine Totaleinzäunung bin isch sicher auch, aber ein paar Pfosten mehr würde vielen Gebieten nicht Schaden.
 
Vielleicht wollt er auch einfach nur telefonieren/ "Hilfe holen" und hat daher den Helm abgesetzt.
Man wird es ev. nie erfahren.
Ich gehe mal davon aus das heute fast jeder mit 17 ein Handy hat.
 
Af schrieb:
@ 3303: Wenn der Helm passt, hält er. Aber ich seh bei ca. 10% der Helmträger auf den Pisten, dass der Helm viel zu locker sitzt und im Sturzfalle nie halten kann.
Das ist wohl wahr.
Auch gut, die zu kleinen Helme, die so komisch oben auf dem Kopf sitzen, dass die Stirn fast komplett frei ist. Aber man ist ja heute sicherheitsbewusst und trägt prinzipiell Helm.
 
@3303: Jup, die Jungs sind echt lustig....hab mir schon öfters überlegt, ob ich die mal drauf ansprech, habs dann aber meist gelassen.
 
Mein Gott, gerade erst gelesen...

War ja nur wenige Tage zuvor am Grünten und brisanterweise haben wir noch in dem thread zu meinem Bericht über die Nachlässigkeiten des Personals diskutiert.

Wenn er sich nach dem Ausstieg nicht links gehalten hat, müsste er in dieses Gelände gekommen sein...
web.jpg


Im Panoramafoto sieht man es auch noch einmal; wenn man sich links hält, kommt man auf die Talabfahrt, rechts in schwieriges Gelände.
web.jpg


Ich habe den Gipfellift an dieser Ausstiegsstelle stets verlassen, da unterhalb der Bergstation bis zu der Ausstiegsstelle nicht präpariert war...
web.jpg


Erst hier fängt die präparierte Talabfahrt an...
web.jpg


Das ist genau die gleiche Stelle, an der das Foto bergaufwärts entstanden ist. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, dass der unpräparierte Teil markiert war; jedenfalls war es leicht, von der Piste abzukommen, da es eine solche ja in diesem Bereich rein von der Präparierung gar nicht gab...
 
Nach Todessturz soll Liftbetreiber zahlen

[...]
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war die Markierung der Piste in dem Bereich, wo der Jugendliche von der präparierten Abfahrt abkam, unzureichend. Verantwortlich für die Sicherung einer Piste ist nach geltendem Recht grundsätzlich der jeweilige Liftbetreiber.
[...]
Das Fehlen von genügend Markierungsstangen war nach Erkenntnis der Anklagebehörde ursächlich für den tödlichen Unfall.
[...]
 
Österreich ist unterwegs zu italienischen Pistenverhältnissen und was Warntafeln angeht zu amerikanischen.
 
Ich lese dort zunächst mal eine Kette von Behauptungen. Ist ja auch quasi die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, im Sinne der Anklage zu argumentieren.
In dem sogenannten Handbuch (hat das Rechtswirkung?) steht "sollen" im Abstand von ca. 40m aufgestellt werden. Das kann man auch als weitgehend bedeutungslos interpretieren.
Auch wäre noch zu klären, was die Gerichte unter Verkehrssicherungspflicht auf Skipisten genau verstehen.
Im Übrigen bin ich persönlich ja nach wie vor der Auffassung, dass beidseitige Markierungen im Nebel das "auf der Piste bleiben" erschweren, da man uU nicht weiß, auf welcher Seite der Stange Piste, und auf welcher Seite Gelände ist. Bei mittiger Markierung (gibt es ja kaum noch) genügt es, sich nahe der Stangen aufzuhalten und man kommt in jedem Fall nicht von der Piste ab.
Bleibt zu hoffen, dass der Betreiber einen guten Anwalt hat und so Recht gesprochen wird.
Würde mich mal interessieren, wie die Richter die Gesetzeslage heutzutage auslegen.
 
albe schrieb:
3303 schrieb:
"auf der Piste bleiben" erschweren, da man uU nicht weiß, auf welcher Seite der Stange Piste, und auf welcher Seite Gelände ist.

also zumindest in der Schweiz ist das klar definiert - ist das sonst nicht so?

cu al"in letzter zeit selten auf pisten"be.
Sind die Stangen denn irgendwie markiert, so dass man anhand der Stange erkennen kann, auf welcher Seite das Gelände ist, wenn man die Konturen am Boden nicht sieht?

Bei "Pistengewirr" wie auf Corviglia hab ich schon oft im Nebel zB 3 fast parallele Stangenmarkierungen gesehen. Nur wo ist dann die Piste, wenn man den Boden nicht sieht ;)
Im Ernst. ich bin im Nebel in solchen Situationen tatsächlich schon mal abseits der Piste gelandet. Bei mittiger Markierung ist mir das nie passiert.

Das letzte Mal mittige Markierung hab ich vor 1 1/2 in Italien auf einer Skiroute gesehen.
 
Hallo
Hatte auch schon das Problem, dass ich mich bei starkem Nebel an die Stangen gehalten habe. Bloß war ich auf der Gelände Seite der Stangen. Bis ich das merkte ging es ziemlich lange. Aber keine Sekunde zu spät. Als ich anhielt und der Rest der Gruppe auch mussten wir feststellen das ein paar Meter vor uns ein riesen Loch klaffte.

Gruß Andreas
 
So ein richtiger WhiteOut kann schon wirklich heftig sein - in Verbindung mit nicht mehr erfühlbaren Untergrundszuständen infolge von Neuschnee auch wirklich gefährlich.
3303 - ich bin prinzipiell voll bei dir, wenn es um das Thema Eigenverantwortung und contra komplett versicherten 0815-Erlebnis in hochalpinen Gelände geht.

Dennoch finde ich es durchaus sinnvoll, PISTEN im baumfreien Gelände ordentlich zu markieren.
Wenn schon jeder hochgelassen wird, dann sollte IMHO auch jeder die faire Chance bekommen, nach einem schnellem Wetterwechsel sicher runter zu kommen.
Schnelle Wetterwechsel sind ja bekanntlichermaßen im Hochgebirge durchaus nicht unüblich, und unabhängig vom Erschließungsgrad eines Gebietes kann ich verstehen, dass jeder Touri angebotene Aufstiegsmöglichkeiten nutzt. Zu erwarten, dass JEDER sich wirklich genau mit den Besonderheiten der prinzipiellen wie speziell lokalen Metereologie auskennt, erscheint mir vermessen.

Ich weiß leider nicht mehr wo es war (ich mag schlecht-Wetter-Boarden ohne jede Orientierung und hab die Sache daher nur am Rande wahr genommen, ergo nicht wirklich genau gemerkt und wir sind dennoch teils Off-Piste unterwegs gewesen), aber es war ein sehr guter Ansatz:
Pistenmarkierungsstangen rechts und links der Piste, gekrönt von "Ballons": Außen "rot" = Offpist und innen "grün" = zumindest sichere Trasse.
Diese Variante erscheint optisch bei perfekten Bedingungen vielleicht etwas massiv und störend, garantiert aber jedem, dass er zumindest seitens des Geländes auf sicherem Weg ins Tal findet, auch wenn die Sicht sehr grauslig ist.

Ja, es wird einem durch diese Art der Markierung wieder ein Stück der Eigenverantwortung genommen, keine Frage, wie auch der Extremerfahrung des Hochgebierges.
Je nach Exposition, Profilierung des Geländes und Nutzungsart seitens der Gäste kann man hierdurch aber auch bei schlechten Bedingungen einen "sicheren" Skibetrieb aufrecht erhalten - nicht immer geht ein WhiteOut mit Sturm und/oder Lawinengefahr einher.
Wenn nun die Frage im Raum steht, ob man das Gebiet schließen soll, da die Gefahr für schwächere zu groß wird oder man versierten immer noch alles in die eigenen Hand gibt, bevorzuge ich die "abgesicherte" Variante.
 
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