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Italienische Schweiz - eure Erfahrung?

Schneelo

Massada (5m)
Registriert
07. Nov. 2014
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Hallo zusammen,

dieses Jahr habe ich die Möglichkeit in den Skiurlaub in die italienische Schweiz (Kanton Tessin) zu fahren. Wie sind eure Erfahrungen da? Ich meine weniger die Skigebiete an sich, da habe ich schon genug auf anderen Seiten gefunden, sondern die Mentalität der Menschen? Mir hat ein Freund erzählt, dass die "Einheimischen" nicht gerade freundlich gegenüber Ausländern sind, wenn man kein Italienisch kann. Die sollen gerne mal so tun, als ob sie einen nicht verstehen, wenn man auf Deutsch oder Englisch um Auskünfte fragt. Hat jemand ähnliche oder ganz andere Erlebnisse gehabt?

Viele Grüße
Schneelo
 
Also zumindest in der Französischsprachigen Schweiz (Romandie) ist es schlimm, die können wirklich nur Französisch. Andererseits ist mir das auch in Frankreich wumpe, ich zeige denen halt den Wörterbucheintrag mit dem was ich will, ich kann Englisch und wenn die es nicht können ist das ihr Problem, nicht meins.
 
Hallo j-d-s,

j-d-s schrieb:
Also zumindest in der Französischsprachigen Schweiz (Romandie) ist es schlimm, die können wirklich nur Französisch. Andererseits ist mir das auch in Frankreich wumpe, ich zeige denen halt den Wörterbucheintrag mit dem was ich will, ich kann Englisch und wenn die es nicht können ist das ihr Problem, nicht meins.

die Erfahrung, dass französischsprachige keine andere Sprache verstehen (wollen) habe ich auch gemacht. Zwar nicht in Frankreich (bin ich noch nicht gewesen) aber in Belgien und Kanada. Ich finde so etwas einfach unnötig. Als ob die niemals in ein fremdes Land reisen würden, ohne die regionale Sprache zu beherrschen.

Leider kann das aber schon zum Problem werden, z.B. wenn man als Tourist mal in einer hilfsbedürftigen Situation ist.

Viele Grüße
Schneelo
 
Alles halb so wild. Am besten ein paar Grundwörter Italienisch lernen :wink: dann wirkst du bei den tessiner schon viel freundlicher als wenn du mit ihnen direkt deutsch sprichst. natürlich spricht nicht jeder tessiner deutsch aber das einte oder andere wort verstehen die meisten schon. Meines wissens haben die Tessiner in der Schule sogar Deutschunterricht. Ich persönlich habe im tessin nur tolle erfahrungen gemacht aber eben dies kommt halt auch ganz drauf an wie mann sich selbst gibt.
 
@j-d-s
Wenn ich Dir so zuhöre, würde ich mit Dir auch nur Französisch reden. :biggrin: :versteck:
 
Ich wollte mich doch zurückhalten. Aber wo Wombat recht hat, da hat er recht.
 
Das ist mir wiederum ziemlich wumpe, wenn jemand mit mir in einer anderen Sprache als Deutsch oder Englisch spricht, dann reagiere ich gar nicht. Da könntet ihr genausogut mit ner Wand reden.

Aber der Punkt ist doch der: ICH habe ja eine Fremdsprache (sogar zwei, wenn man Latein einrechnet) gelernt und kann diese auch richtig, weil ich einsehe, dass Deutsch keine wichtige Sprache ist und ich von niemandem erwarten kann, dass er Deutsch kann. Manche Leute hingegen meinen, ihre Muttersprache müsse reichen und die solle gefälligst jeder andere auch lernen. Wer macht hier was falsch, ich oder diese Leute?
 
Nun gut, j-d-s' Einstellung kennen wir hier im Forum allzu gut und lohnt nicht mal mehr für ein Kopfschütteln...

Ja, jeder Tessiner lernt in der Schule Deutsch. Aktuell in der 3. Primarschulklasse. Insofern kann man schon sagen, dass eigentlich jeder Tessiner Deutsch kann. Viele auch äusserst gut. Es ist wohl sogar so, dass man in touristischen Berufen im Sopraceneri (nördlich des Ceneripasses zwischen Bellinzona uns Lugano) nur eine Stelle erhält, wenn man ausreichend Deutsch spricht. Aber es gibt halt auch viele italienische Einwanderer, die insbesondere in weniger qualifizierten Jobs arbeiten und kein Deutsch sprechen. Dazu gehören sicherlich auch Skiliftangestellte. Trotzdem: wenn man sich nicht grad wie ein arrogantes A... aufführt oder den hochnäsigen Deutschen raushängt, sondern stattdessen seinen deutschen Satz mit einem freundlichen "buongiorno" beginnt oder sich gar mit ein paar Brocken Italiensich bemüht, wird man bestimmt freundlich bedient, auch wenn eine Sprachbarriere vorhanden ist. Ausnahmen gibt es überall.
 
ski-chrigel schrieb:
...Trotzdem: wenn man sich nicht grad wie ein arrogantes A... aufführt oder den hochnäsigen... raushängt
:top:
Und das sollte in meinen Augen eigentlich überall gelten wenn man sich in einem anderen Sprachraum aufhält. Man sollte zumindest bemüht sein wenigstens in der Landessprache zu grüßen, das öffnet oft Türen. Hat was mit Anstand zu tun, mit dem ist allerdings nicht jeder gesegnet.
 
eMGee schrieb:
Und das sollte in meinen Augen eigentlich überall gelten wenn man sich in einem anderen Sprachraum aufhält. Man sollte zumindest bemüht sein wenigstens in der Landessprache zu grüßen, das öffnet oft Türen.
So ist es.
Sobald die Menschen merken, dass man sich mit ihnen, ihrem Land/Kultur/Geschichte oÄ irgendwie auseinandersetzt, besteht eine insgesamt positive Stimmung.
Und eine gewisse Auseinandersetzung mit dem bereisten Land gehört mE irgendwie selbstverständlich dazu und macht die Reisen erst wirklich interessant.
 
Schneelo schrieb:
Wie sind eure Erfahrungen da? Ich meine [...] die Mentalität der Menschen? Mir hat ein Freund erzählt, dass die "Einheimischen" nicht gerade freundlich gegenüber Ausländern sind, wenn man kein Italienisch kann. Die sollen gerne mal so tun, als ob sie einen nicht verstehen, wenn man auf Deutsch oder Englisch um Auskünfte fragt. Hat jemand ähnliche oder ganz andere Erlebnisse gehabt?
"Den Tessiner" bzw. "den Einheimischen" gibt es genau so wenig wie "den Touristen". Auf vielen Reisen ins und durchs Tessin ist mir in den letzten 30 Jahren kein einziger unfreundlicher Tessiner begegnet, auch wenn die Kommunikation mal nicht hundertprozentig geklappt hat.

Es kommt drauf an, wohin Du im Tessin fährst. In Touristenzentren wird Deutsch oder Englisch immer verstanden und für die Beantwortung von Fragen erwidert. In abgelegenen Dörfern oder auf Alphütten wirst Du im Tessin sehr wohl Menschen ohne Fremdsprachenkenntnisse treffen, das schließt auch Hotel- und Restaurantbetreiber ein. Dort kommt man in touristischen Standardsituationen dann halt mit Gestik und Lächeln durch. Für spezielle Themen ist es aber hilfreich, sich vorab per Google Translate die wichtigsten Fragen und Begriffe zu übersetzen, um verstanden zu werden.

Den unfreundlichen Quoten-Stinkstiefel gibt es überall auf der Welt, also sicherlich auch im Tessin. Aber die Wahrscheinlichkeit, ihn dort zu treffen, ist gering.
 
Den unfreundlichen Quoten-Stinkstiefel gibt es überall auf der Welt, also sicherlich auch im Tessin. Aber die Wahrscheinlichkeit, ihn dort zu treffen, ist gering.

Danke, das ist beruhigend.

Alles klar, danke euch allen schon mal. Ich werde mir in den kommenden Wochen etwas italienisch beibringen, um Goodwill zu zeigen :D . Ich wollte hier eigentlich auch keine große Sprachdebatte beginnen. Ich bin nur halber Belgier (Flame) und bei uns ist es so, dass wir jeden Ausländer von uns aus versuchen mit seiner Landessprache anzureden (solang es nicht Französisch ist :lol: ). Die meisten Flamen sind sehr sprachbegabt. So ein Extrem erwarte ich natürlich nicht im Ausland, ich finde nur solche Sachen unmöglich, wenn man einen Ausländer bewusst Steine in den Weg legt. Meine Großtante war mal in Quebec (französischsprachig), und man hat ihr im Supermarkt beim Zahlen die Kasse so weggedreht, dass sie den Betrag auf der Kasse nicht lesen konnte. Und Englisch konnte die Verkäuferin "zufällig" auch nicht :nein: . Vor so etwas habe ich "Angst"... Angst die Beherrschung zu verlieren.

Viele Grüße
Schneelo
 
Im Tessin (wir sind meist am Luganer See) ist mir so etwas noch nie passiert;allerdings - wie hier schon erwähnt - in französischsprachigen Teilen der Schweiz. Das ist aber nicht die Regel;meist habe ich sehr freundliche und nette Menschen in der Schweiz kennen gelernt. Außerdem - so wie man in den Wald ruft,so schallt es heraus...
 
ski-chrigel schrieb:
Nun gut, j-d-s' Einstellung kennen wir hier im Forum allzu gut und lohnt nicht mal mehr für ein Kopfschütteln...

Ja, jeder Tessiner lernt in der Schule Deutsch. Aktuell in der 3. Primarschulklasse. Insofern kann man schon sagen, dass eigentlich jeder Tessiner Deutsch kann. Viele auch äusserst gut. Es ist wohl sogar so, dass man in touristischen Berufen im Sopraceneri (nördlich des Ceneripasses zwischen Bellinzona uns Lugano) nur eine Stelle erhält, wenn man ausreichend Deutsch spricht. Aber es gibt halt auch viele italienische Einwanderer, die insbesondere in weniger qualifizierten Jobs arbeiten und kein Deutsch sprechen. Dazu gehören sicherlich auch Skiliftangestellte. Trotzdem: wenn man sich nicht grad wie ein arrogantes A... aufführt oder den hochnäsigen Deutschen raushängt, sondern stattdessen seinen deutschen Satz mit einem freundlichen "buongiorno" beginnt oder sich gar mit ein paar Brocken Italiensich bemüht, wird man bestimmt freundlich bedient, auch wenn eine Sprachbarriere vorhanden ist. Ausnahmen gibt es überall.
Ich bin da eben etwas weiter und sehe Englisch als die Weltsprache an, die es ist. Ist es nicht sinnvoller, wenn jeder eine bestimmte Sprache als Fremdsprache zur Kommunikation mit allen anderssprachigen lernt, diese dafür dann aber richtig, als wenn jeder ein paar Brocken in vielen Sprachen lernt?

Aber zum Supermarkt: Dort ist es doch normalerweise eh so, dass man auch wortlos einkaufen kann (auch in D), Ware aufs Band legen, bezahlen, fertig. Wenn man nicht spricht merkt normalerweise auch keiner dass man Ausländer ist, wenn man nicht gerade beim Auto ist.
 
Grundsätzlich gebe ich Dir ja recht, dass Englisch DIE Weltsprache ist. Dennoch ist es zB. selbst in der Fliegerei so, dass neben Englisch auch Französisch (und auch Arabisch, Chinesisch, Russisch und Spanisch) offiziell als Weltsprache gilt (Deutsch gehört def. nicht dazu!). Aber darum geht es doch gar nicht. Wie mehrfach geschrieben wurde, geht es um Respekt und Anstand gegenüber einer anderen Sprache und Kultur, die Du mit Deinem selbstherrlichen Getue mit Füssen trittst und mitverantwortlich für den manchmal feindseligen Umgang mit Touristen resp. Ausländern ist.
Sehr gut, Schneelo, wenn Du ein paar Brocken Italienisch lernst. Du wirst die Herzen der Tessiner auf Deiner Seite haben, selbst wenn sie bestens Deutsch können!
 
j-d-s schrieb:
Aber zum Supermarkt: Dort ist es doch normalerweise eh so, dass man auch wortlos einkaufen kann (auch in D), Ware aufs Band legen, bezahlen, fertig. Wenn man nicht spricht merkt normalerweise auch keiner dass man Ausländer ist, wenn man nicht gerade beim Auto ist.

Ja, das sollte wortlos möglich sein. Es war so, dass die Verkäuferin den Preis auf Französisch gesagt hat, und meine Großtante (weil sie es nicht verstanden hat) dann auf das Kassendisplay geschaut hat. Daraufhin drehte die Verkäuferin das Display demonstrativ zur Seite. Das war einfach alberne Schickane.

Gruß,
Schneelo
 
Freundlichere und unfreundlichere Menschen gibts überall, aber jetzt konkret in den Tessiner Skigebieten waren mir die Leute als sehr freundlich aufgefallen. Ich kenne zwar nur Airolo und Cari, aber da herrschte eine sehr entspannte und lockere Atmosphäre im Skigebiet. Würde mir da keine grossen Sorgen machen.
 
Ich bin auf der Welt ein wenig rumgekommen und hatte nirgends Problem mit Unfreundlichkeit.

Lerne immer vorher einige Wörter, Sätze und die Zahlen bis 100 in der Sprache meines Gastlandes.
Frage grundsätzlich zuerst in der Sprache des Gastlandes ob mein Gesprächspartner Deutsch o. Englisch kann - falls nein wirds dann irgenwie.

In irgendwelchen Drittweltländern wende ich mich gern an Kinder. Wenn ich die nach Deutsch frage ernte ich schallendes Gelächter und schon passt`s :D Die Lausezwerge sind neugierig, freundlich, eher vorurteilsfrei - und hat man die Zwerge hat man auch die Eltern.
 
j-d-s schrieb:
Ich bin da eben etwas weiter und sehe Englisch als die Weltsprache an, die es ist.
Eigentlich wollte ich mich nicht einmischen, aber wenn Du jetzt tatsächlich meinst, mit Deiner Einstellung, nicht Englisch oder Deutsch Sprechende direkt zu ignorieren, "etwas weiter" zu sein, werde ich mich in die lange Liste derer einreihen, die das für recht zugeknöpft und rückschrittlich halten. Ich spreche 5 Sprachen fließend und würde Touristen in Deutschland immer auch Englisch oder eine andere Sprache anbieten. Wer im Tourismus um mehr Gäste wirbt, der tut gut daran, zumindest Englisch zu lernen und es seinen Gästen auch anzubieten, ganz klar. Daraus aber abzuleiten, nur Regionen, in denen im Tourismus überall Englisch gesprochen wird, seien lohnenswert bzw. nur solche hätten es verdient, Kundschaft zu haben, fände ich ziemlich überhoben. Kaum eine Kulturregion hat mich trotz fast ausschließlich Italienisch sprechender Menschen so sehr beeindruckt wie das Bleniotal und die Nebentäler im Tessin.

Ist es nicht sinnvoller, wenn jeder eine bestimmte Sprache als Fremdsprache zur Kommunikation mit allen anderssprachigen lernt, diese dafür dann aber richtig, als wenn jeder ein paar Brocken in vielen Sprachen lernt?
Sprache sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eines der größten Kulturgüter unserer Zivilisation. Da kann man unmöglich von "sinnvoll" sprechen. Sprache ist nicht planbar, das hat Esperanto doch gezeigt.

Für uns gibt es in den Alpen doch reichlich Regionen, die sich 100% auf Deutsche eingestellt haben und deutsches Frühstück, deutschen Service, deutschen Ballermann usw. bieten. Die wenigen übriggebliebenen intakten Kulturlandschaften können meinetwegen ruhig noch länger bleiben, wie sie sind; Auch, wenn das bedeutet, sich mit dem Land und der Kultur, in der man sich bewegt, mal etwas mehr zu befassen als nur bis zum Pizza-Italienisch...
 
Wieso, ich finde das ganz normal. Wer Geld mit Touristen verdienen will, muss eben auch Englisch lernen. Wer das nicht will, ist eben in der falschen Branche. Das ist in der Wirtschaft ganz genauso, bei vielen Unternehmen landet deine Bewerbung direkt im Papierkorb wenn da steht, du kannst kein Englisch. Und das aus gutem Grund.
 
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