molotov schrieb:
Einfach mal fragen welche Winkel sie schleifen können, wenn da keine brauchbare Antwort kommt, wo anders hin....
Theoretisch können sie jeden üblichen Winkel schleifen. Praktisch aber machen sie das oft nicht, weil sie dafür extra die Maschine umstellen müssen und sich bei der Masse der zu schleifenden Ski niemand die Zeit dafür nimmt.
Außerdem spüren selbst Profis im Blindvergleich nicht den Unterschied zwischen 87° oder 89°. Aber den Unterschied zwischen einer 0.25° abgehängten Kante (belagseitig) oder 1° merkt sogar ein Anfänger. Das Problem ist, dass viele Servicestationen mit ihren Vollautomaten genau hier handwerklichen Pfusch abliefern. Um belagseitig die Kante korrekt abzuhängen müssten sie ihre Maschine auf jeden Ski individuell einstellen. Das können und machen sie alleine aus Zeit- und Kostengründen nicht. Also ziehen sie oft alle Ski mit einer Einstellung durch und fräsen dabei die Struktur erst in die Kante, wo sie nicht hingehört, um diese gleich darauf mit einem viel zu großen Winkel wieder raus zu polieren. Heraus kommt dabei am Ende eine wunderschön polierte Kante, deren Spitze aber viel zu weit hinter dem Planum zurück fällt und daher auf Eis und hartem Schnee nicht so gut greift.
Wenn Du mal jemandem über die Schulter schaust, der noch mit einer manuell zu bedienenden Schleifmaschine arbeitet, dann sehen die Arbeitsschritte wie folgt aus:
1. Belag ausbessern
2. Ski planscheifen
3. Kanten schleifen
4. Struktur aufbringen
5. Wachsen
Die Struktur wird hier im vorletzten Arbeitsschritt aufgebracht, um eventuelle Spuren im Belag von den vorherigen Arbeitsschritten zu beseitigen.
Bei einem Vollautomaten sind die Arbeitsschritte 3 und 4 vertauscht. Das verleitet viele Servicestationen dazu, aus Bequemlichkeit die Struktur in die Kante zu fräsen, um sie anschließend mit einem viel zu großen Winkel wieder heraus zu polieren. Selbst, wenn dabei ein Winkel von 0.5° formal eingehalten wird, liegt die Kante trotzdem weiter als nötig hinter dem Planum zurück, weil man halt weit in den Belag reinschleifen muss, um die Spuren von der Struktur in der Kante zu beseitigen. Wenn Du genau hinschaust, dann siehst Du, wo im Belag (!) der Übergang zwischen "plan" und "hängender Kante" ist. Wenn ich dagegen meine Ski per Hand schleife, dann liegt der Beginn der hängenden Kante genau am Übergang zwischen Kante und Belag. Dafür muss aber die Struktur vor der Kante enden, wie man bei neuen Ski auch sehen kann. Hochwertige Ski werden ab Werk grundsätzlich mit einer zurückversetzt aufgebrachten Struktur ausgeliefert, wie Du in
diesem Video gut erkennen kannst. Leider wird dieses kleine aber wichtige "Detail" in den meisten Schulungsvideos "vergessen" zu erwähnen.
Übrigens ist die Entfernung zum Skigebiet kein Argument, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen. Einige Hotels bieten heute noch die Möglichkeit, die Ski im Keller zu schleifen. Und wenn man höflich fragt und etwas Ahnung mitbringt, dann darf man auch gelegentlich mal die Werkbank eines Shops benutzen.
Mein Fazit nach all den Jahren, in denen ich meine Ski selber schleife: Es kostet viel Zeit und Lehrgeld. Man kann viel falsch machen, lernt daber auch daraus. Am Ende fährt der Ski besser als wenn er einen Standardservice erhält. Einige Profis bieten auch so einen Service an. Aber die findet man leichter, wenn man selbst genügend Ahnung mitbringt und beurteilen kann, ob der Gegenüber auch wirklch weiß, wovon er redet.
Lohenn tut sich der Aufwand aber erst, wenn man ansonsten gut auf dem Ski steht und hochwertiges Material fährt. Als Anfänger sollte man erst mal an seiner Technik und nicht am Ski feilen.