Winke schrieb:
Wie oft Belagseitig schleifen?
Nach einer Zeit sind ja nicht mehr 0,5 bzw 0,7 Grad.
Doch. Auch, wenn Du 100x mit einem Festwinkel belagseitig nachschleifst, es bleibt immer der selbe Winkel. Du schleifst aber halt jedes Mal ein wenig mehr in den Belag hinein. Wodurch sich im Endeffekt der Abstand von der Spitze der Kante zur gedachten Verlängerung des Belags immer weiter vergrößert. Was IMHO den gleichen Effekt hat wie wenn Du mit einem größeren Winkel belagseitig nachschleifst.
Deswegen schleife ich belagseitig grundsätzlich nicht nach, sondern poliere nur bzw. entferne den Grat, der beim Schleifen der Seitenkante unweigerlich entsteht.
Und je nach Aggressivität des Schnees und Deiner Nutzung wird sich der Belag an den Kanten tendenziell mehr abnutzen als in der Mitte. Er wird also im Lauf der Zeit immer konvexer. Spätestens dann, wenn der Belag oder die Kante nicht vorher bereits völlig vermackt ist, werden ein Planschliff und eine neue Struktur fällig.
Winke schrieb:
Falls ihr einen Planschliff macht. Macht ihr den Belagseitigen Kanten Schliff selber oder sagt ihr gleich auf die 0,? Grad?
Das hängt von der Maschine und dem Servicemann ab. In >99% aller Fälle schleifen sie Dir die Struktur in die Kante. Und polieren sie dann wieder heraus, in dem sie belagseitig weit in den Belag hinhein schleifen. Lediglich mit professionellen Maschinen aus dem Rennservice oder wenn der Vollautomat eine auf Deinen Ski angepasste Struktur aufbringt, ist es überhaupt möglich, belagseitig die Kante so zu schleifen, dass sie auch auf Eis und hartem Schnee optimal greift. Hochwertige Ski werden ab Werk genau so geschliffen. Da sehe ich keinen Grund, einen an sich guten Werksschliff selbst noch zu verschlimmbessern.
Aber der Grund, warum Ski mit einer so hochwertigen Präparation ab Werk sich nach einem Standard-Service plötzlich völlig anders fahren ist IMHO der, dass sie belagseitig sich nicht die Mühe machen, die Maschine wie bei der Herstellung im Werk extra auf Deinen Ski einzustellen. Und "one size fits all" mag zwar in anderen Bereichen funktionieren, aber nicht beim Skiservice, wo man es mit völlig unterschiedlichen Ski und auch völlig unterschiedlichem Fahrkönnen und Ansprüchen der Nutzer zu tun hat.
Bei Freerider- und Consumerski spielt das keine so große Rolle. Aber wenn Du aus Deinem SL oder Racecarver den optimalen Kantengriff heraus holen möchtest, kommst Du um eine auf den Ski angepasste Struktur nicht herum.
Ob Du dann das Kantentuning der Maschine überlässt oder selbst erledigst, ist eigentlich eine Frage persönlicher Vorlieben. Eine gut auf Deinen Ski eingestellte Maschine kann hier auch akzeptable Ergebnisse abliefern.
Ich persönlich hänge dann die Kanten belagseitig lieber selbst ab. Da endet dann zwar der erste Skitag nach dem Service schon mal in einem Desaster, aber die Anpassung zwischen "optimalem Kantengriff" und "unfahrbar" ist ein schmaler Grat und ein iterativer Prozess. Selbst im Weltcup gelingt dies den Serviceleuten, deren täglich Brot die Präparation ist, nicht immer auf Anhieb.
Die Frage, welchen Winkel man belagseitig schleifen sollte, kann ich Dir pauschal so nicht beantworten. Ich habe schon mit verschiedenen Winkeln experimentiert. Letztendlich hängt das vom Skityp (Freerider, GS, SL), von seiner Steifigkeit und zu einem großen Teil auch von Deinem Anspruch ab. Ein aggressiver Ski hat zwar einen guten Halt auf Eis, kann aber für einen ganzen Skitag auch recht anstrengend sein, weil er wenig Fehler verzeiht und konzentriert gefahren werden will.
Das ist übrigens auch ein Grund, wieso "one size fits all" beim Skiservice bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt ist. Bzw. für jene, welche einen Anspruch an die Arbeit haben, der sich von der Masse abhebt, oft in Frustration endet. Ich kann zwar verstehen, warum die Serviceleute so arbeiten. Für 30€ kann man keinen individuellen Service erwarten. Jedenfalls solange diese komplett ignorante Skiindustrie zu dämlich ist, die Vorteile der Automatisierung zu nutzen, die Ski mit RFID Chips zu kennzeichnen und die Schleifroboter mit einem Lesegerät auszustatten, der anhand der im Chip gespeicherten Daten die Maschine extra auf den Ski einstellt. Was wahrscheinlich immer noch etwas teurer wäre, weil der Stein extra auf den Ski umgeschliffen werden muss. Was aber durch eine Vorselektierung von Ski gleichen oder ähnlichen Typs auch noch zu bewerkstelligen wäre.
Aber es ist für mich völlig inakzeptabel, dass sie Kunden, die im Geschäft klar zu verstehen geben, dass sie konkrete Vorstellungen vom Ergebnis der Präparation haben, trotzdem irgend einen Murks aufschwatzen.
Die Situation hat sich für anspruchsvolle Skifahrer in den letzten Jahrzehnten leider weiter verschlechtert, weil heute kaum noch ein Geschäft den Service selbst erledigt. Da werden dann Deine Ski als loses Schüttgut zu der zentralen Servicestation gekarrt und Du bekommst denjenigen, der Deine Ski präpariert, gar nicht mehr zu Gesicht. Jedes mal, wenn ich auf Ladeflächen die wie bei Mikado lieblos gestapelten Ski sehe, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.
Doch woran erkennt man einen guten Service?
- Du kannst Deine Wünsche direkt mit dem Servicemann besprechen, der Deine Ski auch präpariert
- Das Geschäft macht auch den Rennservice für lokale Skiclubs
- Sie bieten auch eine Präparation per Hand an (wer das kann, der weiß, worauf es ankommt und kann auch eine Maschine entsprechend bedienen)
- Sie haben neben einem Schleifroboter sogar auch eine Maschine aus dem Rennsport
- Lass Dir mal einen frisch präparierten SL zeigen. Reicht die Struktur an den Enden bis zur Kante, dann ist es vermutlich der falsche Laden. Außer, der Kunde hat dies explizit so gewollt.