KAPRUN-KATASTROPHE: Einigung über Schadenersatz in Sicht?
Bis zum Sommer will die Vermittlungskommission eine Lösung für Hinterbliebene der Brandkatastrophe in Kaprun mit 155 Toten finden. Rund 16 Mio. Euro könnten für Entschädigungen ausbezahlt werden.
Viele Gespräche
"Die Kommission ruht nicht. Es wird gearbeitet und geprüft. Wir sind bemüht, noch vor dem Sommer eine Lösung zu finden", erklärte Christine Stockhammer, Pressesprecherin von Justizministerin Maria Berger (SPÖ), gegenüber der Austria Presse Agentur (APA).
Innerhalb der Subkommission würden derzeit viele Gespräche laufen, versichert der Wiener Advokat Johannes Stieldorf, der 20 Angehörige vertritt und selbst einen Sohn verloren hat.
Ergebnis für Spätsommer erwartet
Wann die formelle, große Kommission unter der Leitung von Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher zu einer Sitzung zusammentrifft, steht noch nicht fest.
Harald Ropper, zuständiger Abteilungsleiter in der Finanzprokuratur und Mitglied der Subkommission, erwartet ein Ergebnis für Spätsommer. Auch Uschi Geiger, Mutter eines Kaprun-Opfers, nannte diesen Zeitpunkt.
Von Fagans Aktivitäten abhängig
Ob Gespräche zu einem positiven Abschluss kommen, hängt weiterhin von Ed Fagans Klage-Aktivitäten ab. Der 54-jährige Hinterbliebenen-Anwalt hat sich bisher weder kooperativ noch gesprächsbereit gezeigt. Er fordert von der Republik Österreich, den Gletscherbahnen Kaprun und vielen betroffenen Firmen Millionen Euro an Schadensersatz.
In einer Klage verlangt er beispielsweise zehn Mio. Dollar pro Todesopfer. Stieldorf bezeichnete Fagans Vorgehensweise als "hinderlich, skurril und merkwürdig": "Den Beklagten wurde bisher keine Klage zugestellt. Nach meinen Kenntnissen ist auch keine Klage zugelassen.
Nur im Fall der Leuchtstäbe-Firma Omniglow gibt es nach meinem Wissensstand ein eingeleitetes Verfahren." Ropper bestätigte diese Angaben.
Außergerichtliche Lösung?
Eine Reihe von potenziellen Beitragszahlern für die aufzubringende Summe von 16 Mio. Euro machen aber nur dann Geld locker, wenn es zu einer außergerichtlichen Lösung kommt. Dieses Ziel könne nicht zu 100 Prozent erreicht werden, schränkte der Wiener Rechtsanwalt ein.
Dass Ed Fagan Anfang dieses Jahres einen Konkurs beim US-Gericht "United States Bankruptcy Court, Middle District of Florida, Tampa Division" einreichte, hat zwar nach seinen eigenen Angaben keine Auswirkungen auf die Kaprun-Klagen, der Vertrauensverlust seiner Mandanten sinkt aber in Richtung Gefrierpunkt.
"In den Konkursprotokollen habe ich gelesen, dass er in den USA seine Anwaltszulassungen außer in New Jersey verloren oder zurückgelegt hat, weil offenbar die jährlichen Anwaltsgebühren nicht bezahlt worden sind", erklärte Stieldorf. Ob Fagan sich weiterhin als Mitvertreter bei einem Anwalt anhängen kann, ist fraglich.
Republik will "befriedigende Lösung"
"Die Republik will eine befriedigende Lösung für die Betroffenen. Die persönliche Aufarbeitung dieses schrecklichen Ereignisses wird durch jahrelanges Prozessieren nur erschwert", sagte Ropper.
Eine Schuldeingeständnis durch die Republik sei das aber keineswegs. "Österreich will mit den Opfern umgehen, wie sich das gehört." Voraussetzung ist, dass internationaler Rechtsfriede eine Folge dieser Vereinbarung sein wird. Die Hoffnung darauf steige, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).