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Kaprun Prozess

doppgar schrieb:
eine wirklich sehr eindrückliche Dokumentation

Diese Dokumentation habe ich auf N24 gesehen, glaube ich, mit deutschem Sprecher. Wahrscheinlich kommt sie irgendwann nochmal.
 
Ich bewundere jedenfalls den Mut des Gutachters, sich aus für mich absolut nachvollziehbaren Gründen zur Wehr zu setzen denn das der Heizlüfterproduzent sicher keine Mitschuld trägt war für mich klar nachdem ich auf Bildern des zweiten Wagens gesehen hatte welcher Typ Heizlüfter hier verbaut wurde.
Bei einer funktionierenden Justiz hätte ich allerdings jene Schritte die der Gutachter jetzt eingeleitet hat, schon beim Prozeß von der Staatsanwaltschaft erwartet bzw. hätten diese auch von den Richtern der Staatsanwaltschaft aufgrund der offensichtlichen Fehlgutachtung nahegelegt werden müssen - deswegen sprach ich damals auch von Rechtsbeugung.
So gibt es wenigstens noch eine Chance die wirklichen Schuldigen doch zur Verantwortung zu ziehen und in Folge auch die unfähigen Gutachter durch Berufsverbot aus dem Verkehr zu ziehen.
Deren Schlüsse sind meiner Ansicht nach nur durch absolut mangelhafte Fachkenntnis, Dummheit oder vorsätzlich fehlerhafter Bewertung erklärlich.
 
Oha, Wind auf meine Mühlen denn offensichtlich schätzen den Fall jetzt auch andere ähnlich ein wie ich... :biggrin:
Für mich war es nie nachvollziehbar das bei den zumindest allgemein publizierten Fakten nicht jemand zumindest eine Teilschuld an dem Unglück trug :!:
 
Die Zeit heilt vielleicht die Wunden aber niemals Lügen.....

Es wird der Tag kommen dann wird die Sache aufgeklärt werden. Aber die Fehler wurden für 155 Menschen zum Verhängniss. Die Lösung für die Kapruner Gletscherbahn war im Vorfeld so einfach, aber es hätte Geld gekostet ein paar Notlampen in den Tunnel zu schrauben und die Notausgangsschilder anzubringen............
 
citta dei sassi schrieb:
Die Lösung für die Kapruner Gletscherbahn war im Vorfeld so einfach, aber es hätte Geld gekostet ein paar Notlampen in den Tunnel zu schrauben und die Notausgangsschilder anzubringen............

Eine Einsatzlösung wie diese hier hätte weder die Katastrophe verhindert noch die Menschen gerettet. Es war viel mehr die Verkettung unglücklichster Umstände gepaart mit einem Versagen vieler Kontrollmechanismen. Gegen sowas helfen keine Notlichter und Notausgangsschilder.

MFG Dachstein
 
Du kennst die Tunnelbahn in Chrestina, gut ist erst danach fertig gestellt worden aber da wurde, vielleicht auch aus dieser Katastrophe heraus, die ganze Trasse mit einem Notweg versehen, der Tunnel ist komplett beleuchtet, Notausgang nach unten beschildert, Feuerlöscher in jedem Abteil, Nothammer an den Türen, Notentrieglung wie im Bus usw.

Und der Spiegel schreibt in der Ausgabe Nr 46/09.11.09 ab Seite 42 das das verwendete Hydraulköl der Marke Mobil Aero HFA in der Luftfahrt wegen seiner leichten Entzündbarkeit seit längerem nicht mehr verwendet werden darf. Es wurde in den wagen der Stollenbahn eingesetz wegen der angeblich großen Temperaturunterschieden. (Wenn ich nach Hause fliege sind am Tag auf der Höhe von Kairo bei 10000 m Höhe ca -30 Grad und beim aufsetzen in Entebbe kommode +28. Also 58 Grad Differenz. Es gibt andere Lösungen.) Und genau dieses Öl lief in den Leitungen hinter den technisch manipulierten Heizlüftern und diente auch zur Steuerung der Türen. Feuerlöscher und Nothämmer (in jedem Bus und Zug vorgeschrieben) waren nicht vorhanden.
 
citta dei sassi schrieb:
Feuerlöscher und Nothämmer (in jedem Bus und Zug vorgeschrieben) waren nicht vorhanden.

Dann versuche doch bitte mal, mit einem Nothammer eine Plexiglasscheibe einzuschlagen.

Die ganzen Sicherheitseinrichtungen bei Standseilbahnen wurden großteils erst nach der Katastrophe installiert. Und ein Feuerlöscher hätte imo. den Brand auch nicht dahingehend verhindert, Löschen von größeren Mengen Öl ist nicht ganz so leicht wie sich das so manche vorstellen, vor allem nicht mit einen Feuerlöscher. Wie willst du bitte einen Ölbrand löschen, der sich verdeckt hinter einer Verkleidung entwickelt? Mit einem Pulverlöscher bist du aufgeschmissen, einen CO2 Löscher halte ich in geschlossenen Räumen für unklug, gleiches gilt für Halonlöscher (die effektiver wären).
Eine zugeigene Löschanlage hätte die Katastrophe verhindern können, bleibt immer noch die Frage nach der Fluchtmöglichkeit. Jeder Mensch läuft vor dem Feuer weg, fatalerweise war das Feuer im Tal, die Leute flüchteten instinktiv vom Feuer weg (und damit leider in den Tod).
Schlussfolgerung: im Nachhinein kann man ganz leicht gscheiter sein. Nur jetzt bringt es leider für diese Katastrophe nichts mehr - es hilft allenfalls, zukünftig derartige Ereignisse zu verhindern.

MFG Dachstein
 
Sicher auf einer Schwebebahn macht ein Nothammer keinen Sinn, Brauchen wir nicht zu diskutieren, und bruchfestes Glas mach da einen Sinn. Aber auf einem Boden geführtem Fahrzeug? Hätte es da nicht irgend einer Behörde auffallen müssen das das ding nicht in der Luft hängt? Und wurden die technischen Abnahmen nicht vom Verkehrsministerium in Wien durchgeführt? Sind die nicht auch für die Eisenbahn zuständig? (Die Bahn fuhr auf Schienen!!!!!!) Und warum war dann im ersten Urteil eine deutsch Firma schuld und warum wird es wahrscheinlich einen Prozess in NY geben? Und warum spricht das LKA Stuttgart von Rechtsbeugung?
 
Und wie war das mit einem ICE in Eschede? Auch die Deutschen haben beim ICE auf bruchfeste Fenster gesetzt. Damals war das unter anderem State of the Art.
Und einen Prozess in New York erachte ich als sehr, sehr sehr fragwürdig, zumal das Unglück in Österreich stattfand und nicht über dem Teich. Strafrechtlich geht es nicht, zivielrechtlich schon. Hier geht es also mal nur um Geld, und auch das hat eine sehr schiefe Optik.

Für mich stellen sich folgende Fragen:

- Was kann der Wagenbauer dafür, dass er seinen Zug nach dem damaligen Gesetz und nach damals herrschenden Techniken gebaut hat?
- Was kann der TÜV dafür, der eine Anlage die dem damaligen Eisenbahngesetz entsprochen hat, abgenommen zu haben?
- Was kann die Behörde dafür, eine Anlage die dem damaligen Stand der Technik entsprochen hat, abgenimmen zu haben?
- Was kann der Betriebsleiter dafür, der eine Anlage in die Hand bekommen hat, die von offiziellen Stellen abgesegnet war?
- Was kann der Heizlüfterhersteller dafür, dass just sein Heizlüfter zum Eibau kam?
Usw.

Im grosen und ganzen war alles ein kleiner Teil, was dann im gesamten zur Katastrophe gefürt hat...

Und wenn sich jetzt welche fragen, wie die Richter zu einem Urteil kommen: in Österreich sind Richter nach dem Gesetz unabhängig, unabsetzbar und unversetzbar.
Übrigens: auch beim Prozess um Eschede kam nichts heraus, und da gabs auch 101 Tote.
Übrigens Nr. II: wie lief das in Longarone ab? Und da waren die Zeichen eindeutiger als in der Kaprun Causa.

MFG Dachstein
 
In Eschede ist der Radreifen gebrochen und an einer Weiche wurde der Zug dann ausgehebelt und prallte dann gegen die Brücke, die daraufhin noch einstürzte.


Bezüglich Aufklärung in Österreich: Was ist den damals an der Schwarzen-Schneidbahn II passiert wo die Leute Stundenlang fest saßen. Eine genaue Erklärung gibt es da ja anscheinent nicht. Wird wohl auch nie was kommen. Still und heimlich tot schweigen. :?
 
Ohne was vertiefen zu wollen, meine Meinung gibt es schon seitenweise zuvor....


Öl löschst du nicht so einfach. Da für brauchst du erstmal besondere Feuerlöscher, und dann ist das über einer gewissen Ölmenge mit Feuerlöscher schlicht nicht möglich.
 
Hier nochmal meine Meinung.
Der oder die, die diesen Heizlüfter unerlaubterweise eingebaut haben und auch die, die davon wussten und es für gut hießen gehören straf und zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen.

Genau dafür sind sie ja auch für die Bahn verantwortliche Betriebsleiter, oder?
Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder, der über Menschenleben eine Verantwortung hat bei einem Unglücksfall sich einfach davor stehlen kann?
 
seilbahner schrieb:
Genau dafür sind sie ja auch für die Bahn verantwortliche Betriebsleiter, oder?
Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder, der über Menschenleben eine Verantwortung hat bei einem Unglücksfall sich einfach davor stehlen kann?

Das wäre die einfachste Lösung - wobei ich persönlich in diesem Fall glaube, dass der nicht für das Desaster verantwortlich ist. Die Frage für mich ist: wenn man als Betreiber eine Seilbahn baut, die nach der Behörde den damaligen Gesetzmäßigkeiten entspricht, es aber dann trotzdem zu einer Katastrophe kommt, dann man man imo. schwer sagen, dass der Betreiber schuld ist. Imo. ist es kaum machbar, als Gesetzgeber respektive Staat jemanden für etwas haftbar zu machen, an was man vorher als Gesetzgeber auch nicht gedacht hat (an so ein Inferno hat niemand gedacht - auch ich habe so etwas für unmöglich gehalten und nicht man in keinen kühnsten (Alp)träumen daran gedacht). Das ist für mich der springende Punkt.

Und Ram: Bezüglich Eschede: da frage ich mich ebenso: wer ist dran Schuld an diesem Desaster? Auch da gab es Prozesse, wo imo genau gar nichts rauskam. Im Grunde ging es hier um die konstrierten Radreifen sowie um (angebliche) Wartungsmängel bei der Bundesbahn. Da stellt sich auch weider die Frage: ist der schuld, der das ding konstruiert hat, der das Ding eingebaut hat oder derjenige, der das Ding wartet, oder derjenige, der mit diesem Zug an diesem Tag unterwegs war. Im Grunde eine sehr ähnliche Frage. Mit einem für mich sehr ähnlichen Ergebniss.

MFG Dachstein
 
Hallo zusammen,

die Heizlüfter sind doch meines Wissens nachträglich reingekommen?

Wenn ich als Elektriker etwas installiere bin ich dafür verantwortlich. Sorry, ich hätte mich nicht getraut, diesen Lüfter einzubauen - es gibt z.B. sogenannte "Kranheizer" die für solche Anwendungen entworfen wurden. Alternativ vielleicht eine Infrarot/Wärmewellenheizung.

Einzige denkbare Erklärung: Wird das Bordnetz nur während dem Stationsaufenthalt mit 230 V versorgt oder auch während der Fahrt? Hier wurde vielleicht gedacht: Betreib nur in der Staion und damit beaufsichtigt.
 
tigerfishli schrieb:
die Heizlüfter sind doch meines Wissens nachträglich reingekommen?

Ja, nur der Heizlüfter war nicht seit kurzem installiert, sonder der TÜV hat die Bahn nach dem Einbau abgenommen... Und damit bescheinigt, dass sie den Gesetzen der Republik Österreich entspricht.
Und ich denke, man kan es wie folgt sagen: niemand hat je an ein derartiges Unglück gedacht. Genau darum konnte es letztlich erst dazu kommen. Und genau deswegen ist es imo. sehr schwer bis unmöglich, einen Schuldigen ausfindig zu machen.

MFG Dachstein
 
Dass etwas in der Art wie in dem von Rüganer geposteten Link passieren wird konnte man sich ja schon löänger denken.
Wie da vorgegengen wird finde ich aber auch nicht so gut. Wenn es eine Vertuschung gab kam diese wohl kaum alleine von den GBK sondern dann müssten noch andere Organe darin involviert sein. Wenn also eine Anzeige dann gegen alle Organe.
Mir kommt es ein bisschen vor wie von D aus versucht wird den Hersteller des Heizlüfters mit allen Mitteln zu entlasten. Einerseits ist das zwar in Ordnung, andrerseits ist aber anscheinend kein Interesse vorhanden den wirklich Schuldigen zu finden. Das geht da so ein bisschen nach dem Motto: Wir waren es nicht, ob andere fälschlicherweise Verurteilt wird und die wirklich Schuldigen nicht ist uns doch egal.

Die Kritiken von citta dei sassi kann man so nicht gelten lassen. Die zum damaligen Zeitpunkt sich bereits in Betrieb befindenden Standseilbahnen in Tunnels, 3 in A, 2 in CH, 2 in F, 1 in I waren alle Sicherheitstechnisch in einem sehr ähnlichen Zustand. Es hätte bei jeder von diesen Anlagen passieren können und das traurige Resultat wäre das gleiche gewesen.
Die Bahn in St Christina ist zwar sehr vorbildlich, man hatte dort aber wegen der praktisch flach verlaufenden Trasse auch andere Möglichkeiten.
Des weiteren kan man so nicht generell von technisch manipulierten Heizlüftern sprechen. Ein Seilbahnunternehmen ist nicht ein Bürogebäude. Bei seilbahnunternehmen werden tagtäglich sachen auseinander genommen und wieder zusammen gesetzt. Da werden auch mal Sachen geflickt wo in der BA steht: reparaturen dürfen nur von Fachpersonen erledigt werden. Mir jedenfalls ist lieber wenn z.B. ein defekter Ofen bei uns von einem unserer Betriebselektriker
geflickt wird als in einem Fachgeschäft von einem Lehrling im 2 Lehrjahr.

Richter sind hoffentlich in allen Ländern unabhängig. Dass diese aber in A nicht absetzbar und nicht versetzbar sein sollen ist aber nicht ohne. Gilt jetzt das nur für den jeweiligen Fall oder generell? falls für den jeweiligen Fall ist das ok, falls generell könnten die Richter ja machen was sie wollten und könnten nie belangt werden.

Das waren jetzt Anmerkungen welche mit dem eigentlichen Unglück nichts zu tun haben, wollte es aber mal loswerden.

Was die Unglücksursache und die Verantwortung angeht sehe ich es so wie seilbahner.
Ein kleiner Unterschied ist da zwar, aber der spielt eigentlich keine Rolle da die Verantwortung eh auf die selben Personen zurück kommt. Gepfuscht wurde nicht am Heizlüfter direkt sondern bei anderen Arbeiten die zeitgleich mit dem Einbau oder evt. auch noch später erfolgten.
Gemeint ist der ominöse Holzkasten mit seinem saugfähigen Inhalt.
 
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