Also vorab: ich kenn mich im östereischen Rechtssystem nicht aus und bin der besonderen Feinheiten dieses Rechtssystems nicht bewusst, dafür aber Jurastudent in Deutschland und geh mal von dem Standpunkt aus.
Also, wie die Ermittlungen gelaufen sind und ob da, wie so viel gemunkelt, was vertuscht wurde, weiß ich nicht. Erfahrungsgemäß sind die Verschwörungstheoretiker nach den Sensationsjournalisten meist die zweiten vor ort (man verzeihe mir diese kleine Spitze - sie soll mit Sicherheit nicht Arbeit der Rettungskräfte diskreditieren, sondern nur die angesprochen Gruppen).
Mal zu der juristischen Seite:
Das Strafrecht ist dazu da, die Gesellschaft zu schützen - und zwar vor offentsichlich gesellschaftlich missachtenwerten Verhalten bestimmter ihre Mitglieder. Als härtester Eingriff in die Persönlichkeitsrechte ist es immer das letzte Mittel, um diesen Schutz zu bewirken, es kommt also dann zum Einsatz, wenn jemand sich so krass missverhält, dass andere Wege den Schutz der Gesellscahft nicht mehr bewirken können. Typische Beipspiele sind natürlich ersmal Tötungs- und Misshandlungsdelikte.
Gefährdungsdelikte kommen nur zu strafrechtlicher Relevanz, wenn die von der Handlung ausgehende Gefahr so immens ist, dass von Verantwortlichen eine solche Vorsicht zu erwarten ist, dass jedes abweichende Handeln schon an sich eine zutiefst verurteilenswerte Tat ist - dazu gehört z.B. stockbesoffen Autofahren - das darf generell gar nicht erst passieren und zwar unabhängig davon, ob dabei jemand nachher wirklich verletzt oder getötet wird oder ob reines Glück dazu führt, dass die Sache glimpflich ausgeht. Hier wird allerdings durch das Handeln an sich schon eine deutliche große Gefahr geschaffen.
Was haben die Betreiber der Gletscherbahn also nun getan, dass die bestraft werden sollten? Wenn sie offensichtlich eklatant Sicherheitsmaßnahmen bewusst oder aus Bequemlichkeit unterlassen hätten, oder aus Kostengründen absichtlich minderwertiges, als gefährlich bekanntes Material verbaut hätten, wäre dieses Verhalten sicherlich strafrechtlich relevant und verurteilenswert. Aber so? So ist es genau das, was auch jede noch so polemische Zeitung am Ende immer wieder zugibt: es ist und bleibt ein Unfall. Natürlich ist es auch eine Tragödie, aber es ist albern in einem Gerichtsurteil gegen "irgendjemand, der zur Verantwortung gezogen werden muss" Vergeltung zu suchen. Davon wird keiner wieder lebendig. Strafrecht hat nur die Aufgabe, Verhalten, dass solche Katastophen in irgeneiner Form vorhersehbar herbeiführt oder ermöglich zu sanktionieren! Unfälle sind und bleiben Pech. Irgenwelche Leute dafür einsperren zu wollen, ändert diese Tatsache nicht. Es ist ein gesellschaftlicher Fehler, bei Tragödien, die uns durch Medien emotional bewegen, das Bedürfnis zu haben, dass irgendein Verantwortlicher zur Rechenschaft gezogen wird, damit so "die Gerechtigkeit wieder hergestellt" ist und man wieder ruhig schlafen kann.
Soviel zur Strafrechtlichen Seite. Zivilrechtlich sind die Rahmen weiter gesteckt. Hier geht es ja auch nicht darum, dass der Staat als letztes Mittel Strafen verteilt, also nicht um das Rechstverhältnis Bürger-Staat, sondern nur um das Rechtsverhältnis Bürger-Bürger. Da geht also darum, eine für alle möglichst gerechte Lösung zu finden. Somit ist auch die Haftung für Schäden weitergesteckt als die strafrechtliche Relevanz von Taten. Auch ein Verhalten, dass nicht so krass ist, dass es gleich einer Strafe bedarf, kann trotzdem einen anderen schädigen, so dass ein Anspruch auf Schadensersatz entsteht. Beispiel: man guckt mal beim Einparken nicht und macht eine Beule. Dadurch ist man kein Verbrecher, aber den Schaden muss man natürlich trotzdem bezahlen. (Wenn man allerdings abhaut, um sich vor seiner Verantwortung zu drücken, sieht das natürlich schon wieder anders aus, daher gibt's auch Unfallflucht als Straftatbestand).
Trotz seh ich bis jetzt auch zivilrechtlich trotz des durchaus weiteren Vernatwortungsrahmens keinen wirklichen Haftungsanspruch. Es ist eine aus den USA zu uns herüberschwappende Krankheit, dass man veruscht alles und jedes durch irgendwelche Schadenersatzprozesse zuregeln, überall noch was rauszuschlagen. Und unsereins wird dann sowas wie die Tunnelpiste in Val d'Isère gesperrt, weil da nicht Zero-Risk gilt und dann tatsächlich die Leute die Liftgesellschaft verklagen wollen, weil nicht den Kopf eingezogen haben und jetzt die Beule "ersetzt" bekommen haben wollen!! Soll auf unseren Bananen in Zukunft auch draufstehen "Vorsicht - Schale vor Gebrauch entfernen und entsorgen. Keinesfalls auf den Boden werfen, sonst Rutschgefahr!" ??? Also, ich finde, das muss alles im Rahmen bleiben und irgendwelche millionenschweren Schadensersatzprozesse um Unfälle, für die nunmal keiner wirklich was kann, liegen aber mit Sicherheit weit (!) jenseits des sinnvollen Rahmens.
Sollte sich heraustellen, dass eventuell doch einer der Beteiligten, sich in einer der genannten Weisen eklatant fehlverhalten hat, gilt alles was gerade geschrieben hab nicht mehr. Aber bis dahin bleibt diese Tragödie für mich ein tragisches Ereignis - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dass sie dennoch auch lukratives Medienspektakel werden musste ist Zeichen unserer Zeit und dennoch meines Erachtens bedauernswert.
Das ist meine Meinung.
P.S. Wer soll eigentlich in Österreich ein amerikanisches Schadenersatzurteil durchsetzen??? Also bei Firmen, die auch in Amerika tätig sind, wie z.B. DaimlerChrysler hat die amerikanische Justiz ja leider Zugriff, aber die Kapruner Gletscherbahn?? Warum sollte irgendwer in Östereich so ein Urteil durchsetzen, daür gibt's ja nun schließlich die östereichische Justiz!